Wieder unterwegs mit Hape Kerkeling
Maja Beckers, Alexander Cammann
Kurz vor der Frankfurter Buchmesse widmen sich Maja Beckers und Alexander Cammann dem neuen Buch von Hape Kerkeling: In "Gebt mir etwas Zeit – Meine Chronik der Ereignisse" gräbt sich Kerkeling obsessiv durch seine Familiengeschichte, von Lübeck 1460 über Schweden 1190 bis Holland 1280, kombiniert Archivrecherche mit Gentests und erzählt das Ganze in gewohnt unterhaltsamem Ton. Außerdem auf dem Programm: Naomi Kleins "Doppelgänger", Andreas Reckwitz' "Verlust" und als Klassiker Thoreaus "Walden".
„Das Deutschsein im Allgemeinen lässt sich ja getrost auf die simple Formel herunterbrechen. Der Deutsche kommt aus dem Ausland, nämlich aus all seinen Nachbarländern und angrenzenden Regionen. Wir haben alle rübergemacht oder rauf oder runter, je nach Himmelsrichtung.“
Erwähnte Medien (17)
Doppelgänger – Eine Analyse unserer gestörten Gegenwart
Naomi Klein
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:00:30 „Ein Buch von Naomi Klein, Doppelgänger, eine Analyse unserer gestörten Gegenwart, erschienen bei S. Fischer.“
Eines der zwei Hauptbücher, die in dieser Episode besprochen werden
Verlust. Ein Grundproblem der Moderne
Andreas Reckwitz
🗣 Alexander Cammann empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:00:30 „dann reden wir über Andreas Reckwitz, Verlust, ein Grundproblem der Moderne, erschienen bei Surkamp.“
Eines der zwei Hauptbücher, die in dieser Episode besprochen werden
Walden
Henry David Thoreau
🗣 Alexander Cammann empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:00:30 „Und der Klassiker ist diesmal von Henry David Thoreau, Walden, tief im 19. Jahrhundert.“
Der Klassiker, der in dieser Episode aus aktuellem Anlass erneut besprochen wird
Gebt mir etwas Zeit – Meine Chronik der Ereignisse
Hape Kerkeling
🗣 Alexander Cammann empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:40 „Und der hatte einen tollen Titel, den ich mir auch jeden Morgen vor mich hinsprechen würde. Gebt mir etwas Zeit und er ist jetzt natürlich schon ganz weit oben in den Diskussionen und Bestsellerlisten. Meine Chronik der Ereignisse, so der Untertitel erschienen bei Pipa.“
Hape Kerkelings neues Buch wird als erster Satz der Episode vorgestellt. Es handelt von seiner Familiengeschichte, die er über Jahrhunderte zurückverfolgt – mithilfe von Gentests und Archivrecherchen. Cammann beschreibt es als unterhaltsam erzählt, aber mit ernstem Hintergrund über europäische Migration und die Herkunft der Deutschen.
Ich bin dann mal weg
Hape Kerkeling
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:06:07 „So wie alle auf den Jakobsweg gegangen sind nach seinem Buch. Ich bin dann mal weg.“
Maja Beckers erwähnt Kerkelings früheren Bestseller als Vergleich: So wie damals alle nach der Lektüre auf den Jakobsweg gingen, werde das neue Buch vermutlich viele Deutsche dazu animieren, ihre eigene Familiengeschichte zu erforschen.
Die Schockstrategie – Der Aufstieg des Katastrophenkapitalismus
Naomi Klein
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:07:34 „Und danach die Schockstrategie, der Aufstieg des Katastrophenkapitalismus.“
Wird als weiteres wichtiges Buch von Naomi Klein erwähnt, um ihre Bedeutung als politische Autorin und Aktivistin einzuordnen, bevor das neue Buch Doppelgänger besprochen wird.
Doppelgänger – Eine Analyse unserer gestörten Gegenwart
Naomi Klein
🗣 Maja Beckers empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:07:39 „Und sie hat eben jetzt ein Buch geschrieben, Doppelgänger heißt das, wurde in den USA viel, viel diskutiert, stand auf vielen besten Listen, Bestsellerlisten, überall drauf. Und es ist ein Buch, was wahrscheinlich nur sie so schreiben kann, denn es handelt davon, dass sie immer verwechselt wird mit einer anderen Naomi.“
Erstes Hauptbuch der Episode. Naomi Klein verarbeitet darin ihre ständige Verwechslung mit der ins Verschwörungstheoretische abgedrifteten Naomi Wolf. Das Buch verbindet persönliche Obsession mit einer Analyse von Verschwörungsdenken, digitalen Doppelgängern und der Querfront-Problematik in den USA.
Der Mythos Schönheit
Naomi Wolf
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:08:00 „Wolf ist eben eine bekannte Feministin, hatte 1990 unter anderem das Buch der Mythos Schönheit veröffentlicht, das sofort zum feministischen Klassiker wurde.“
Das Buch wird im Kontext der Doppelgänger-Thematik erwähnt: Naomi Wolf war einst eine einflussreiche feministische Stimme mit Thesen wie der "dritten Schicht" der Schönheitsarbeit, bevor sie ins Verschwörungstheoretische abdriftete – was den Kern von Kleins Buch ausmacht.
Dr. Jekyll und Mr. Hyde
Robert Louis Stevenson
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:18:01 „Doppelgänger sind ja auch oft, also in Film und Literatur sind das oft die Figuren, in die schlechte Eigenschaften ausgezeichnet. Lagert werden sozusagen und dann kommt der Dr. Jekyll und Mr. Hyde oder so und dann kommt der schlechte Doppelgänger.“
Beckers nutzt die berühmte Erzählung als literarisches Beispiel für das Doppelgänger-Motiv, das Naomi Klein in ihrem Buch auf verschiedenen Ebenen durchspielt – von der persönlichen Verwechslung bis zur politischen Bedrohung der Demokratie durch ihr autoritäres Schattenbild.
Die Gesellschaft der Singularitäten
Andreas Reckwitz
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:20:14 „Er gehört zu den einflussreichsten Gesellschaftsanalytikern in Deutschland und hat das vor allen Dingen auch einem wichtigen Buch zu verdanken. 2017 erschien von ihm die Gesellschaft der Singularitäten.“
Früheres einflussreiches Werk von Reckwitz, das als Kontext für sein neues Buch erwähnt wird
Verlust. Ein Grundproblem der Moderne
Andreas Reckwitz
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:23:11 „Er sagt, glaube ich, einfach, er sieht in unseren Gesellschaften so eine massive Fortschritts-DNA eingebaut. Und dieses Bewusstsein ist tief ins 20. Jahrhundert gewandert und gipfelte dann eigentlich in diesen berühmten 30 goldenen Jahren nach 1945. Und heutzutage sind wir umstellt von plötzlichen Pandemien, von Klimawandel, von politischen Regressionserfahrungen.“
Zweites Hauptbuch der Episode. Reckwitz analysiert, wie sich westliche Gesellschaften von einer Fortschrittserzählung hin zu einem dominierenden Verlustgefühl gewandelt haben – materiell, statusbezogen und als Zukunftsverlust. Cammann nennt es "enorm anregend" und "wegweisend".
Herbsttag
Rainer Maria Rilke
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:35:46 „Der Sommer ist für mich die Zeit von Hitze und Wespen. Der Sommer war sehr groß. Ich bin da eigentlich am liebsten drin und im Herbst zieht es mich dann plötzlich in den Wald.“
Maja Beckers zitiert beiläufig die berühmte Zeile 'Der Sommer war sehr groß' aus Rilkes Gedicht 'Herbsttag', als sie über ihre Vorliebe für den Herbst spricht – passend zur Einleitung des Walden-Klassikers.
Into the Wild
Sean Penn
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:40:46 „Also es gab die Verfilmung von John Krakauers Into the Wild“
Die Filmadaption von Krakauers Buch wird als Teil der Wildnis-Tradition erwähnt
Das Kapital
Karl Marx
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:40:46 „Die große amerikanische Historikerin Jill Lepore hat sogar mal gesagt, Walden ist quasi sowas wie Marx das Kapital für die Amerikaner.“
Wird als Vergleichsreferenz herangezogen, um die kulturelle Bedeutung von Walden zu illustrieren
Wild – Der große Trip
Jean-Marc Vallée
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:42:13 „Also es gab die Verfilmung von John Krakauers Into the Wild oder Cheryl Strayed, der große Trip Bücher, die dann auch verfilmt wurden.“
Maja Beckers erwähnt neben den Buchvorlagen auch explizit deren Verfilmungen als Beispiele für das amerikanische Wildnis-Motiv, das auf Thoreau zurückgeht.
Into the Wild
Jon Krakauer
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:42:21 „Also es gab die Verfilmung von John Krakauers Into the Wild oder Cheryl Strayed, der große Trip Bücher, die dann auch verfilmt wurden. Was sich immer weiter trug, bis dann in irgendwelche, bei den Gilmore Girls zum Beispiel gibt es so eine Szene, wo Lorelei Gilmore dann auch um sich selbst zu finden, um irgendwie wieder klar zu kommen, diesen Trip macht, den Cheryl Strayed gemacht hat.“
Beckers nennt Krakauers 'Into the Wild' als Beispiel dafür, wie Thoreaus Idee, in die Wildnis zu gehen, sich in der amerikanischen Popkultur fortgesetzt hat. Das Buch steht in einer Tradition der Selbstfindung durch Natur und Einsamkeit, die auf Walden zurückgeht.
Gilmore Girls
Amy Sherman-Palladino
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:42:21 „Was sich immer weiter trug, bis dann in irgendwelche, bei den Gilmore Girls zum Beispiel gibt es so eine Szene, wo Lorelei Gilmore dann auch um sich selbst zu finden, um irgendwie wieder klar zu kommen, diesen Trip macht, den Cheryl Strayed gemacht hat.“
Beckers nutzt die Gilmore Girls als Beispiel dafür, wie tief das Walden-Motiv in der amerikanischen Popkultur verankert ist – selbst in einer Mainstream-Serie macht die Protagonistin einen Wildnis-Trip zur Selbstfindung nach dem Vorbild von Cheryl Strayed.