Hellwach sein ist auch keine Lösung
Iris Radisch, Adam Soboczynski
Die Runde widmet sich Saša Stanišićs Erzählungsband »Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne«, Theresia Enzensbergers Mischung aus Sachbuch und Erzählung »Schlafen« sowie Kleists »Marquise von O.« als Klassiker. Eröffnet wird mit Karl Ove Knausgårds Satz »Wo ich bin, ist kein Gott« – ein Zitat, das die Runde zu einer intensiven Deutungsübung über göttliche Gleichgültigkeit, menschliche Größenfantasien und die Schöpfungsmacht der KI verführt.
„Es wäre doch möglich, dass es durchaus Gott gibt, aber Gott interessiert sich für uns überhaupt nicht. Wir sind für den so unwichtig, dass wir in seinem großen Reich überhaupt keinen Platz haben.“
Erwähnte Medien (19)
Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne
Saša Stanišić
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:00:52 „Dann im Programm werden wir haben Sascha Stanisic mit einem Erzählungsband, der hat den sehr eigentümlichen Titel »Möchte die Witwe angesprochen werden?« Platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne. So heißt das Buch.“
Der Erzählungsband von Stanišić wird ausführlich besprochen. Iris Radisch schätzt die unterhaltsamen, humorvollen Geschichten, kritisiert aber, dass manche Figuren – etwa die alte Giesel – mit Feuilleton-Witzen sprechen, die nicht zu ihnen passen. Adam Soboczynski verteidigt das Buch als authentische, beiläufig melancholische Chronik der Migrationsgesellschaft mit starker Figurenpsychologie.
Die Marquise von O....
Heinrich von Kleist
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:01:18 „Dann haben wir den Klassiker, den wir jedes Mal auch haben und das ist diesmal die Marquise von O. von Heinrich von Kleist.“
Die Marquise von O. wird als der Klassiker der Folge angekündigt, ein wiederkehrendes Format des Podcasts. In diesem Transkript-Abschnitt wird das Werk nur kurz erwähnt, die ausführliche Besprechung folgt vermutlich im zweiten Teil.
Min Kamp
Karl Ove Knausgård
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:04:23 „Bekannt geworden ein bisschen vor allen Dingen durch seine, ich weiß nicht, mehrbändige Kämpfen, heißt das glaube ich. Mienkampf, sagt man immer, weil man natürlich Mein Kampf ungern sagen will.“
Die autobiografische Romanreihe 'Min Kamp' wird als Knausgårds bekanntestes Werk erwähnt, um seine Entwicklung als Autor zu kontextualisieren. Adam Soboczynski betont den Kontrast zwischen der minutiösen autobiografischen Kleinteiligkeit dieser Serie und der echten Fiktion in 'Das dritte Königreich'.
Das Dritte Königreich
Karl Ove Knausgård
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:04:39 „Das Zitat ist von einem Schriftsteller, der sehr bekannt ist. Der heißt Karl-Ove Knausgart. Das Buch heißt Das dritte Königreich, ist bei Luchterhand erschienen, von Paul Berf übersetzt und es ist aus einer ganzen Serie an Romanen, an der er arbeitet.“
Das Buch wird als Quelle des Eröffnungszitats 'Wo ich bin, ist kein Gott' vorgestellt. Es ist der dritte Band einer noch nicht abgeschlossenen Romanreihe von Knausgård, in der mysteriöse Ereignisse – ein neuer Stern am Himmel, Menschen die nicht mehr sterben – mit theologischen Überlegungen und Alltagsschilderungen verwoben werden. Iris Radisch hebt besonders hervor, wie Knausgård in diesem Band in die Perspektive einer Frau schlüpft, die eine Psychose erlebt.
Der Morgenstern
Karl Ove Knausgård
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:04:39 „Das Buch heißt Das dritte Königreich, ist bei Luchterhand erschienen von Paul Berf übersetzt und es ist aus einer ganzen Serie an Romanen, an der er arbeitet. Der Morgenstern, du hast einen davon.“
Der Morgenstern wird als erster Band der Romanreihe erwähnt, zu der auch 'Das dritte Königreich' gehört. Iris Radisch hat diesen ersten Band für die Zeit besprochen und beschreibt die Serie als packend, mit Cliffhangern und Mystery-Elementen aus vielen Perspektiven erzählt.
Der Morgenstern
Karl Ove Knausgård
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:04:56 „Der Morgenstern, du hast einen davon. Den ersten habe ich dann mal für die Zeit besprochen.“
Wird als erster Band der Romanserie erwähnt, zu der auch Das dritte Königreich gehört
Vor dem Fest
Saša Stanišić
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:07:32 „vor dem Fest. Das musste meine Tochter in Hamburg zum Abitur durchnehmen“
Wird als früherer Roman von Stanišić erwähnt, der im Abitur behandelt wird
Wie der Soldat das Grammofon repariert
Saša Stanišić
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:09:05 „Also Sascha Stanisic ist ja ein sehr bekannter Autor, hat den Deutschen Buchpreis bekommen für seine tollen Romane, wie der Soldat das Grammophon repariert vor dem Fest.“
Das Debüt von Stanišić wird als eines seiner bekannten Werke erwähnt, um seinen Status als arrivierten Autor zu belegen. Es wird im Zusammenhang mit seiner Biografie als aus Jugoslawien stammender Autor genannt, der die deutsche Literaturszene prägt.
Herkunft
Saša Stanišić
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:09:27 „Herkunft hat dann den Deutschen Buchpreis bekommen. Das sind alles Geschichten, die ein bisschen da, oder Bücher, Romane, die davon inspiriert sind, dass er aus dem alten Jugoslawien kommt.“
Herkunft wird als das Werk genannt, für das Stanišić den Deutschen Buchpreis erhalten hat. Es wird im Kontext seiner autobiografisch inspirierten Literatur über Migration und die Erfahrung, als Teenager aus Bosnien nach Deutschland gekommen zu sein, erwähnt.
Vor dem Fest
Saša Stanišić
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:10:34 „Also vor dem Fest zum Beispiel, das spielt ja in einem Dorf, in der Uckermark. Und da eben, wie er den fremden Blick eigentlich auf so ganz... Ja, das ist schön. Das ist wirklich interessant, weil das bricht es.“
Der Roman wird als Beispiel für Stanišićs besonderen fremden Blick auf deutsche Verhältnisse angeführt. Das Buch spielt in einem Dorf in der Uckermark und zeigt, wie die Migrationserfahrung des Autors eine einzigartige Perspektive auf das ländliche Deutschland ermöglicht.
Auf See
Theresia Enzensberger
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:22:40 „Sie ist ja eigentlich auch Schriftstellerin, sie hat ja Romane geschrieben, Auf See, Blaupause sind ja sehr erfolgreiche Romane von Therese Enzensberger.“
Auf See wird als einer der erfolgreichen Romane von Theresia Enzensberger erwähnt, um zu erklären, dass sie eigentlich Romanautorin ist und nun mit 'Schlafen' ein essayistisches Buch mit literarischer Struktur vorgelegt hat.
Blaupause
Theresia Enzensberger
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:22:40 „Sie ist ja eigentlich auch Schriftstellerin, sie hat ja Romane geschrieben, Auf See, Blaupause sind ja sehr erfolgreiche Romane von Therese Enzensberger.“
Blaupause wird zusammen mit 'Auf See' als Beleg für Enzensbergers bisheriges literarisches Schaffen genannt, bevor sie mit dem essayistischen 'Schlafen' eine neue Form gewählt hat.
Die Traumdeutung
Sigmund Freud
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:24:45 „Freud gibt es ja, für ihn ist ja in seiner Traumdeutung bestehen ja Träume, es sind ja ein literarisches Prinzip aus seiner Sicht, nämlich aus den zwei Grundprinzipien bestehen die Verdichtung und Verschiebung.“
Adam Soboczynski zieht Freuds Traumdeutung als Referenz heran, um die Prinzipien Verdichtung und Verschiebung im Traum zu erklären. Er kritisiert, dass Enzensberger in ihrem Buch 'Schlafen' diese psychoanalytische Ebene der Traumdeutung kaum berücksichtigt, obwohl gerade die abschließende Erzählung stark freudianische Züge trägt.
Dornröschen
Brüder Grimm
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:32:34 „wo sie über so deutsche Mythen spricht, Don Röschen oder Barbarossa, der im Schlaf liegt und aufgewacht werden soll“
Das Märchen wird als Beispiel für deutsche Schlaf-Mythen im Kontext von Enzensbergers Buch erwähnt
Altern
Elke Heidenreich
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:33:33 „Das Parallelbuch ist von Elke Heidenreich zum Thema Altern und jetzt ist eben in dieser selben Reihe Schlafen und ich denke, dass das auch weitergeht, also da werden so existenzielle... Übrigens auch in dem Buch von Elke Heidenreich spürt man es ein bisschen, dass das Auftragswerke sind.“
Radisch ordnet das besprochene Schlaf-Buch von Enzensberger in eine Verlagsreihe ein und nennt als Parallelbuch Elke Heidenreichs Werk zum Thema Altern. Sie merkt an, dass man beiden Büchern anmerkt, dass es Auftragswerke sind — eine Verlagsidee, keine selbstgewählten Projekte.
Dornröschen
Brüder Grimm
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:35:38 „Sie sagt, es gibt eine frühe Vorform des Dornröschen-Märchens, was wir ja alle kennen. Dornröschen schläft 100 Jahre im Rosenschloss und der Prinz kommt und weckt sie mit seinem Kuss. Aber es gibt eine alte Vorform, eine italienische Geschichte aus dem 17. Jahrhundert, da gibt es eine schlafende Prinzessin, die von einem vorüberreitenden König nicht wachgeküsst, sondern vergewaltigt und geschwängert wird.“
Radisch referiert eine Passage aus Enzensbergers Schlaf-Buch, in der eine düstere italienische Vorform des Dornröschen-Märchens aus dem 17. Jahrhundert beschrieben wird. Diese Vorform dient als Brücke zum Klassiker-Teil der Episode, der Marquise von O. von Kleist, wo ebenfalls eine Frau im Zustand der Ohnmacht Opfer wird.
Sole, Luna e Talia
Giambattista Basile
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:35:48 „Es gibt eine alte Vorform, eine italienische Geschichte aus dem 17. Jahrhundert, da gibt es eine schlafende Prinzessin, die von einem vorüberreitenden König, und jetzt nicht wachgeküsst, sondern vergewaltigt und geschwängert wird.“
Im Gespräch über Theresia Enzensbergers Essay 'Schlafen' erwähnt Iris Radisch eine italienische Vorform des Dornröschen-Märchens aus dem 17. Jahrhundert. Diese Beschreibung verweist auf Giambattista Basiles 'Sole, Luna e Talia' aus dem 'Pentamerone' (1634), in der eine schlafende Prinzessin von einem König missbraucht wird – eine bekannte literaturhistorische Quelle des Dornröschen-Stoffes.
Prinz Friedrich von Homburg
Heinrich von Kleist
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:40:48 „Der Schlaf, würdest du sagen, ja, das gibt es natürlich im Prinz von Homburg beispielsweise. Gibt es auch so Somnambule-Szenen“
Wird als weiteres Werk Kleists erwähnt, in dem Schlaf und Schlafwandeln eine Rolle spielen
Kairos
Jenny Erpenbeck
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:45:06 „Wir wissen schon ein bisschen was, was wir das nächste Mal in unserem Buch-Podcast machen, nämlich Jenny Erpenbeck, die gerade den tollen Booker-Preis gewonnen hat. Ihren Roman Kairos werden wir hier nächstes Mal behandeln.“
Am Ende der Episode kündigt Radisch den Roman Kairos von Jenny Erpenbeck als Thema der nächsten Folge an und erwähnt dabei, dass Erpenbeck den Booker Prize gewonnen hat. Es handelt sich um eine Vorschau, nicht um eine inhaltliche Besprechung.