Was liest du gerade? – Goethe, der Judenfeind
#018

Goethe, der Judenfeind

Was liest du gerade? / 18. Mai 2024 / 11 Medien

Maja Beckers, Alexander Cammann

In dieser Sachbuchausgabe stellen Maja Beckers und Alexander Cammann drei Bücher vor: Frauke Rostalskis "Die vulnerable Gesellschaft" über die neue Verletzlichkeit als Freiheitsbedrohung, Daniel Wilsons "Goethe und die Juden" sowie Milan Kunderas Essay "Der entführte Westen" von 1983. Zum Einstieg wird Alberto Grandis provokantes "Mythos Nationalgericht" besprochen, in dem der Parmaer Historiker nachweist, dass die angeblich uralte italienische Küche erst in den 1970er und 80er Jahren erfunden wurde — eine These, die ihm in Italien bis in Regierungskreise Feinde gemacht hat.

„Ich will nicht um den heißen Brei herumreden. Die italienische Küche, wie wir sie heute kennen, ist in den 1970er und 1980er Jahren entstanden.“
🗣 Alberto Grandi

Erwähnte Medien (11)

Die vulnerable Gesellschaft. Die neue Verletzlichkeit als Herausforderung der Freiheit
Buch

Die vulnerable Gesellschaft. Die neue Verletzlichkeit als Herausforderung der Freiheit

Frauke Rostalski

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:00:27 „Da wäre zum einen ein Buch der Juristin und Philosophin Frauke Rostalski, Die vulnerable Gesellschaft, mit dem Untertitel Die neue Verletzlichkeit als Herausforderung der Freiheit“

Eines der drei Hauptbücher der Episode. Rostalski ist Juristin, Philosophin und Mitglied des Deutschen Ethikrats. Das Buch wird als augenöffnende Streitschrift über Verletzlichkeit und Freiheit ausführlich diskutiert.

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Goethe und die Juden. Faszination und Feindschaft
Buch

Goethe und die Juden. Faszination und Feindschaft

Daniel Wilson

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:00:51 „Dann sprechen wir über Daniel Wilsons Buch Goethe und die Juden.“

Wird in der Vorschau als zweites Hauptbuch der Episode angekündigt. Die inhaltliche Besprechung folgt in einem späteren Teil des Transkripts.

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Der entführte Westen oder die Tragödie Europas
Essay

Der entführte Westen oder die Tragödie Europas

Milan Kundera

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:00:56 „Und als Klassiker haben wir diesmal Milan Kundera mitgebracht, ein Essay aus dem Jahr 1983, der entführte Westen oder die Tragödie Europas.“

Wird als Klassiker-Empfehlung der Episode angekündigt. Es handelt sich um Kunderas berühmten Essay von 1983 über die kulturelle Zugehörigkeit Mitteleuropas zum Westen. Die Besprechung folgt in einem späteren Teil des Transkripts.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Podcast von Alberto Grandi zur italienischen Küche
Podcast

Podcast von Alberto Grandi zur italienischen Küche

Alberto Grandi

🗣 Maja Beckers erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:01:08 „Hat dazu einen sehr erfolgreichen Podcast in Italien, einige Bücher dazu geschrieben“

Grandis italienischer Podcast über Mythen der italienischen Küche wird als Hintergrund zu seiner Bekanntheit erwähnt.

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Mythos Nationalgericht. Die erfundenen Traditionen der italienischen Küche
Buch

Mythos Nationalgericht. Die erfundenen Traditionen der italienischen Küche

Alberto Grandi

🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:01:16 „Der erste Satz kommt diesmal aus dem Buch Mythos Nationalgericht, die erfundenen Traditionen der italienischen Küche. Geschrieben hat es Alberto Grandi, der ist Historiker an der Universität in Parma, forscht zur Wirtschaftsgeschichte Italiens vor allem und ist da so ein bisschen bekannt als der Missbuster oder der, der gerne die Mythen entlarvt rund um die traditionelle italienische Küche.“

Das Buch wird in der Rubrik 'Der erste Satz' vorgestellt. Alberto Grandi, Wirtschaftshistoriker aus Parma, dekonstruiert darin den Mythos der traditionellen italienischen Küche und zeigt, dass viele als uralt geltende Rezepte und Produkte erst in den 1970er/80er Jahren entstanden sind. Beide Hosts loben das Buch als unterhaltsam, lehrreich und witzig.

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Die vulnerable Gesellschaft. Die neue Verletzlichkeit als Herausforderung der Freiheit
Buch

Die vulnerable Gesellschaft. Die neue Verletzlichkeit als Herausforderung der Freiheit

Frauke Rostalski

🗣 Alexander Cammann empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:09:46 „Geschrieben hat das Frauke Rostalski und er heißt Die vulnerable Gesellschaft. Die neue Verletzlichkeit als Herausforderung der Freiheit. Großer Titel, groß pompös, aber aus meiner Sicht völlig zu Recht.“

Erstes Hauptbuch der Episode. Die Juristin und Philosophin Frauke Rostalski untersucht, wie Verletzlichkeit zum neuen Leitbild der Gesellschaft geworden ist und welche Spannungen das mit der Freiheit erzeugt. Alexander Cammann empfindet die Lektüre als augenöffnend, Maja Beckers schätzt den kühlen analytischen Ton, kritisiert aber die Einseitigkeit der Diagnose und die Schwäche mancher Beispiele.

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Das Goethe-Tabu. Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar
Buch

Das Goethe-Tabu. Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar

Daniel Wilson

🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:34:37 „Er beschäftigt sich viel mit Goethe, hat einige Bücher geschrieben, unter anderem über seine Tätigkeiten im Geheimrat oder mit den Illuminati. Ein Buch heißt Das Goethe-Tabu, Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar. Das hat ein bisschen Aufsehen erregt.“

Maja Beckers stellt den Autor Daniel Wilson vor und nennt sein früheres Buch als Beleg für seine Forschungstradition. Wilson arbeitet sich seit Jahren an Goethes Sockel ab – dieses frühere Werk über Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar habe bereits Aufsehen erregt und zeige Wilsons kritischen Blick auf den Weimarer Klassiker.

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Dichtung und Wahrheit
Buch

Dichtung und Wahrheit

Johann Wolfgang von Goethe

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:40:04 „Also es gibt eben auch die Darstellung in Dichtung und Wahrheit von 1811, wo er seine frühen Erlebnisse der Frankfurter Judengasse schildert. Auch da kann Wilson so zeigen, wie es so eine bestimmte Art des fremden und fremdartigen, aber des wohlwollenden Betrachtens so eigentlich geht.“

Cammann diskutiert Goethes autobiografische Schilderung der Frankfurter Judengasse in Dichtung und Wahrheit als Beispiel für den exotisierenden Blick auf das jüdische Leben. Wilson zeige anhand dieser Passage, dass vieles daran wahrscheinlich ausgedacht oder spätere Projektion sei, aber den typischen Blick nichtjüdischer Deutscher auf jüdisches Leben um 1800 widerspiegle.

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Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Buch

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Milan Kundera

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:54:54 „Bestsellerautor, jeder kennt ihn wahrscheinlich durch sein in den 80er Jahren erschienenes Buch »Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins«. Er ist einer der bedeutendsten tschechisch-französischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts gewesen.“

Cammann stellt den Klassiker der Folge vor und ordnet Milan Kundera als Schriftsteller ein. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins wird als Kunderas bekanntestes Werk genannt, durch das ihn die meisten Leser kennen, bevor dann auf den eigentlichen Klassiker der Folge übergeleitet wird.

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Die Literatur und die kleinen Nationen
Rede

Die Literatur und die kleinen Nationen

Milan Kundera

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:55:41 „Er ist tatsächlich zusammengesetzt aus zwei Essays, einer von 1967. Da hat Unterer eine kleine Rede in Prag gehalten, die Literatur und die kleinen Nationen, in der mit den kleinen Nationen meint er tatsächlich die ostmitteleuropäischen Länder.“

Cammann erklärt, dass der besprochene Band aus zwei Texten besteht. Die Rede von 1967 behandelt die besondere Bedeutung von Literatur und Kunst für die Geschichte kleinerer ostmitteleuropäischer Nationen wie Polen, Tschechien und Ungarn.

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Jenseits von Schuld und Sühne
Essay

Jenseits von Schuld und Sühne

Jean Améry

🗣 Alexander Cammann erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:01:46 „Wir hatten ja neulich schon mit dem Jean Améry, den wir hier mal diskutiert haben, wo ich auch gedacht habe, Mann, was waren das für starke Kraft des Wortes, die sich dann in Essays niederschreiben. Und mit Susan Sonntag.“

Cammann vergleicht die stilistische Brillanz von Kunderas Essay mit anderen großen Essayisten. Er erinnert an eine frühere Folge, in der Jean Améry besprochen wurde, und beklagt, dass heutige Essays selten diese Kraft des Wortes erreichen.

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