Was liest du gerade? – Verborgene Leidenschaft und ein Sklave, der sich selbst befreit
#015

Verborgene Leidenschaft und ein Sklave, der sich selbst befreit

Was liest du gerade? / 06. April 2024 / 8 Medien

Iris Radisch, Adam Soboczynski

Im Zentrum stehen vier Bücher zwischen Wut und Sehnsucht: Inga Machls Debüt »Auf den Gleisen« eröffnet mit einem verstörend kraftvollen Rachemonolog, Julia Joosts Erstling führt in die Karawanken, Percival Everetts »James« erzählt die Geschichte eines Sklaven, der sich selbst befreit, und Julian Greens wiederentdeckter Klassiker »Treibgut« legt verborgene Leidenschaften frei.

„In mir war diese schmerzhafte Ansammlung, diese Zusammenrottung von Gewalt, die jeglichen Frieden ausgelöscht hatte.“
🗣 Inga Machl

Erwähnte Medien (8)

Auf den Gleisen
Buch

Auf den Gleisen

Inga Machl

🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:01:06 „auch Inga Machl, »Auf den Gleisen« heißt das“

Debütroman einer jungen Autorin, der als Zitat der Woche vorgestellt und ausführlich besprochen wird. Erzählt aus der Perspektive eines Jungen, dessen Vater sich umgebracht hat.

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Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauffletscht
Buch

Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauffletscht

Julia Joost

🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:01:16 „Julia Joost sprechen, die hat einen Roman geschrieben, auch ein Debütroman übrigens. Der hat den wundersamen Titel »Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauffletscht«“

Debütroman, der in Kärnten spielt und aus der Perspektive einer queeren elfjährigen Erzählerin die österreichische Anti-Heimat-Tradition fortschreibt.

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James
Buch

James

Percival Everett

🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:01:30 „einen US-amerikanischen Roman von Percival Everett mit dem Namen James“

Roman, der Mark Twains Huckleberry Finn aus der Perspektive des Sklaven Jim neu erzählt. Übersetzt von Nikolaus Stingel.

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Auf den Gleisen
Buch

Auf den Gleisen

Inga Machl

🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:05:09 „Inga Machl heißt die Autorin auf den Gleisen, die hat ein wirklich interessantes Debüt geschrieben. Es geht darum, dass sie erzählt aus der Perspektive eines Jungen, dessen Vater sich umgebracht hat. Und um diese Trauerverarbeitung handelt dieses Buch. Sehr dünn auf 160 Seiten und ein sehr intensives Buch.“

Das Debüt wird als Zitat der Woche vorgestellt und ausführlich besprochen. Der Roman erzählt aus der Perspektive eines Jungen, dessen Vater sich das Leben genommen hat, und behandelt dessen Trauerverarbeitung in einer drastischen, aber nicht sentimentalen Sprache. Iris Radisch bezeichnet es als eines der besten Debüts des Frühjahrs und empfiehlt es ausdrücklich.

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Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauffletscht
Buch

Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauffletscht

Julia Joost

🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:08:27 „Gehen wir weiter und wir kommen zu einem anderen deutschsprachigen Debüt. Das ist von Julia Joost. Und Adam hat ja diesen etwas, wie ich finde, etwas zu ehrgeizigen Titel bereits zitiert. Also damit ist eine Ortsangabe gemacht, die in dem Debüt auch eingehalten wird. Es spielt also in Österreich, in Kärnten, wo die Autorin 1982 auch geboren wurde.“

Der Debütroman spielt im ländlichen Kärnten der frühen 90er Jahre und wird aus der Perspektive einer queeren elfjährigen Erzählerin erzählt. Das Buch steht in der Tradition der österreichischen Anti-Heimat-Literatur von Jelinek und Winkler, verbindet aber Groteske und echten Schrecken auf eigene Weise. Die beiden Kritiker diskutieren intensiv, ob das Buch eher Komödie oder ernstes Sittengemälde ist, und kommen zum Schluss, dass es beides zugleich schafft.

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James
Buch

James

Percival Everett

🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:19:57 „James ist ein ganz besonders interessanter Roman, weil er beruht auf einer sehr einfachen und finde ich grandiosen Idee, wo man sich fragt, wieso ist da eigentlich niemand vorher drauf gekommen? Und zwar hat er die Huckleberry Finn Geschichte, die Mark Twains Klassiker, einer der wichtigsten amerikanischen Romane überhaupt, einfach neu geschrieben.“

Adam Soboczynski hat Percival Everett in Kalifornien besucht und stellt dessen Roman vor, der Mark Twains Huckleberry Finn aus der Perspektive des Sklaven Jim – hier James – neu erzählt. Die deutsche Übersetzung stammt von Nikolaus Stingel. Beide Kritiker sind begeistert vom philosophischen Tiefgang des Rollentauschs und der Art, wie der Roman die Gewalt der Sklaverei sichtbar macht, die bei Twain ausgeblendet wurde. Sie bezeichnen es als ausgewachsenes Meisterwerk.

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Adventures of Huckleberry Finn
Buch

Adventures of Huckleberry Finn

Mark Twain

🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:19:57 „Und zwar hat er die Huckleberry Finn Geschichte, die Mark Twains Klassiker, einer der wichtigsten amerikanischen Romane überhaupt, einfach neu geschrieben. Huckleberry Finn handelt ja davon, dass Huckleberry, dieser Junge, 13 oder 14 Jahre alt, am Mississippi lebt und dort ausbüxt, weil sein Vater gewalttätig ist.“

Mark Twains Klassiker wird ausführlich als Vorlage und Referenzwerk für Percival Everetts 'James' besprochen. Soboczynski betont, dass Everett Twain nicht verabscheut, sondern den Roman für seine Zeit sogar für sehr gut hält – aber die Lücke der fehlenden Sklavenperspektive als produktiven Ausgangspunkt nutzt. Die Handlung wird nacherzählt, um den Perspektivwechsel in 'James' verständlich zu machen.

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Buddenbrooks
Buch

Buddenbrooks

Thomas Mann

🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:34:46 „Ich dachte oft auch an die Buddenbrooks. Ja, natürlich. Also dieser Philipp, dieser reiche Bürger, ist für mich natürlich auch ein Buddenbrock, ein Erbe, der schon nicht mehr weiß, was mit dem Erbe anzufangen ist, der eigentlich nicht mehr weiß, wo das Leben noch hingehen kann.“

Iris Radisch zieht im Gespräch über Julien Greens 'Treibgut' eine Parallele zu Thomas Manns 'Buddenbrooks'. Die Hauptfigur Philipp erinnere sie an einen Buddenbrook — ein reicher Erbe, der nicht mehr weiß, was mit seinem Erbe anzufangen ist, und spürt, dass seine Zeit zu Ende geht. Beide Bücher teilen das Motiv der Endzeitstimmung einer bürgerlichen Klasse.

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