Was liest du gerade? – Der perfekte Faschist
#014

Der perfekte Faschist

Was liest du gerade? / 23. März 2024 / 6 Medien

Maja Beckers, Alexander Cammann

Victoria de Grazias "Der perfekte Faschist" erzählt über den mittelmäßigen Offizier Attilio Teruzzi und seine jüdisch-amerikanische Ehefrau Liliana Weinman, wie der italienische Faschismus eine ganze Gesellschaft durchdrang — plastisch, intrigant und gegen Hannah Arendts These vom herzlosen Totalitarismus geschrieben. Jens Beckerts "Verkaufte Zukunft" über das Scheitern der Klimapolitik enttäuscht beide als bloße Zusammenfassung dessen, was jeder Zeitungsleser längst weiß. Als Klassiker begeistert Mark Twains Berliner Reportage von 1891, in der er als staunender Ethnologe die Kaiserstadt erkundet — von betrügerischen Maklern bis zum Gala-Dinner mit Virchow und Mommsen.

„Diese Aufstiegsgeschichte dieses absolut mittelmäßigen Typen — der wird auch so beschrieben von Zeitgenossen, die sagen, er ist loyal und mittelmäßig und das ist gut.“
🗣 Maja Beckers

Erwähnte Medien (6)

Am Anfang war das Huhn. Geschichte eines Charaktertiers
Buch

Am Anfang war das Huhn. Geschichte eines Charaktertiers

Sally Coulthard

🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:01:20 „Der erste Satz, der kommt diesmal aus einem Buch, das heißt Am Anfang war das Huhn. Geschichte eines Charaktertiers von Sally Coulthard. Eine britische Bestseller-Autorin, die diverse Bücher geschrieben hat über Tiere, Natur, Garten, aber auch Design, Handwerkssachen.“

Das Buch liefert das 'Zitat des Monats' der Episode. Sally Coulthard erzählt die Geschichte des Huhns von den Dinosauriern bis heute, einschließlich der mythologischen Aufladung des Tiers in verschiedenen Kulturen. Beide Hosts finden das Buch lehrreich und faszinierend – besonders die Passagen über Aberglauben, Hexerei und die Kulturgeschichte des Eis passend zur Osterzeit.

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Der perfekte Faschist. Eine Geschichte von Liebe, Macht und Gewalt
Buch

Der perfekte Faschist. Eine Geschichte von Liebe, Macht und Gewalt

Victoria de Grazia

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:08:29 „Victoria de Grazia, der perfekte Faschist. Eine Geschichte von Liebe, Macht und Gewalt. Was für ein verheißungsvoller Untertitel, würde ich sagen. Für ein Sachbuch sehr ungewöhnlich. Victoria de Grazia ist Historikerin und lehrt an der Columbia University in New York, auch schon seit ein paar Jahrzehnten.“

Eines der beiden Hauptbücher der Episode. Alexander Cammann stellt das Buch vor, das die Geschichte des faschistischen Offiziers Attilio Terruzzi erzählt, der 1926 eine amerikanische Jüdin heiratete. De Grazia hat zwölf Jahre daran gearbeitet und macht aus dieser privaten Konstellation eine Gesellschaftsgeschichte des italienischen Faschismus. Beide Hosts loben das Buch als erhellend, toll geschrieben und enorm lesbar.

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Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft
Buch

Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft

Hannah Arendt

🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:15:52 „Ja, dass sie genau auf dieses Privatleben so schaut, sagt sie, macht sie auch, um damit so einer These auch von Hannah Arendt entgegenzutreten, die noch gesagt hat, das eiserne Band des totalen Terrors lässt keinen Raum für das private Leben. Grazia sagt eben, ich möchte eine andere These aufstellen.“

Maja Beckers erklärt, dass Victoria de Grazia mit ihrem Buch bewusst Hannah Arendts These widerspricht, der Totalitarismus lösche das Privatleben aus. Grazia zeigt am Beispiel des faschistischen Italiens, dass es trotz Diktatur weiterhin moralische Bedürfnisse und Entscheidungsspielräume im Privaten gab. Die Referenz bezieht sich auf Arendts Totalitarismus-Theorie.

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Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht
Buch

Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht

Jens Beckert

🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:23:45 „Dann kommen wir zu unserem zweiten Buch, ganz aktuell, gerade erschienen, Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht. Geschrieben hat das Jens Beckert, geboren 1967 und ist seit 2005 Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und Professor für Soziologie in Köln.“

Das zweite Hauptbuch der Episode. Maja Beckers stellt das Buch vor, das für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war. Es behandelt die soziologische Frage, warum die Gesellschaft es nicht schafft, angemessen auf den Klimawandel zu reagieren. Beckers ist allerdings etwas enttäuscht, weil das Buch hauptsächlich bekannte Argumente zusammenfasst, ohne wirklich neue Erkenntnisse zu liefern.

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Imaginierte Zukunft
Buch

Imaginierte Zukunft

Jens Beckert

🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:24:03 „Er wurde mit dem renommierten Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet, ist eben auch publizistisch tätig und hat 2018 ein Buch geschrieben, viel beachtet, Imaginierte Zukunft. Da ging es um das kapitalistische Wirtschaftssystem, wie sich das auf die Zukunft ausrichtet.“

Maja Beckers erwähnt Beckerts früheres Buch im Kontext der Vorstellung des Autors. In 'Imaginierte Zukunft' ging es um die Rolle fiktionaler Erwartungen als Treibstoff der Ökonomie – wie Konsumenten, Investoren und Unternehmer ihr Handeln auf eine unklare Zukunft ausrichten. Das neue Buch 'Verkaufte Zukunft' knüpft thematisch daran an.

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Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht
Buch

Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht

Jens Beckert

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:27:12 „Ich war tatsächlich gleich von der ersten Seite an und dann immer stärker frappiert, weil ich mir gar nicht erklären konnte, warum hat er das überhaupt gemacht? Was soll das eigentlich? Was treibt diesen Spitzenforscher dazu, tatsächlich noch einmal das aufzuschreiben, was jeder interessierte und engagierte Zeitungsleser eigentlich ungefähr weiß?“

Alexander Cammann und Maja Beckers diskutieren ausführlich und kritisch das Buch des Max-Planck-Soziologen Jens Beckert über das Scheitern der Klimapolitik. Beide bemängeln, dass das Buch kaum über bekannte Zeitungsanalysen hinausgeht und weder internationale Vergleiche noch Technikperspektiven einbezieht. Cammann findet es rätselhaft, warum das Buch für den Sachbuchpreis nominiert wurde, da es intellektuell zu wenig biete.

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