Große Verbrechen, Teil 6 – Der Diener des Massenmörders
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller
Zum 100. Geburtstag von Pol Pot zeichnet Erich Vollert den Weg des kambodschanischen Massenmörders nach — vom Sohn einer wohlhabenden Bauernfamilie über ein Studium in Frankreich bis zum Autogenozid am eigenen Volk. Im Zentrum steht dabei nicht Pol Pot selbst, sondern sein engster Kreis: Vollert ist dem Umfeld des Diktators über Jahrzehnte nachgestiegen, hat Kontakte zu Vertrauten und Familienangehörigen geknüpft.
„Er hat nicht nur ein Genozid begangen, wie etwa Hitler, sondern er hat ein Autogenozid, wie der Fachausdruck heißt, ein Massenmord am eigenen Volk begangen.“
Erwähnte Medien (13)
The Killing Fields (Schreiendes Land)
Roland Joffé
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:18:41 „Es gab die sogenannten Killingfields, vielleicht erinnert ihr euch an den Film, der später... 1985. Schreiendes Land hieß der.“
Der Film wird als Referenz genannt, um die historischen Killing Fields in Kambodscha zu veranschaulichen
Schreiendes Land (The Killing Fields)
Roland Joffé
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:19:24 „Es gab die sogenannten Killingfields. Vielleicht erinnert ihr euch an den Film, der später schreiendes Land ist. Pathetischer Titel, aber in dem Fall wirklich zu Recht, weil diese Killingfields fand man überall.“
Im Gespräch über die Massenmorde der Roten Khmer erwähnt Anne Kunze den Film 'Schreiendes Land' (internationaler Titel: 'The Killing Fields', 1984) als Referenz, um den Begriff der Killing Fields zu erklären. Der Film wird als bekannte kulturelle Referenz genutzt, um das Ausmaß der Gräueltaten greifbar zu machen.
Der Process
Franz Kafka
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:21:25 „Und er war eigentlich mit Sicherheit davon ausgegangen, dass er jetzt auch stirbt. Aber er wusste nicht warum. Wie bei Kafka.“
Anne Kunze schildert das Schicksal eines Malers im Gefängnis Tuol Sleng (S-21), der ohne Anklage oder Grund auf seine Hinrichtung wartet. Den Vergleich 'Wie bei Kafka' zieht sie, um die absurde, unerklärliche Willkür der Gefangenschaft zu verdeutlichen — eine implizite Referenz auf Kafkas Werk, in dem Protagonisten grundlos angeklagt und verurteilt werden.
Der Process
Franz Kafka
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:22:24 „Wie bei Kafka.“
Kafka wird als Vergleich herangezogen für die Situation der Gefangenen in Tuol Sleng, die nicht wussten, warum sie verurteilt wurden
Artikel über Pol Pot und Tep Kunal
Erich Vollert
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:22:45 „Ich habe hier ein Bild, damit wurde dein Artikel, über den wir heute sprechen, illustriert.“
Der aktuelle Zeit-Artikel von Erich Vollert über Pol Pot und seinen Privatsekretär Tep Kunal, der Anlass für das Gespräch ist
It's Not a Dream
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:32:59 „Was ich aber gefunden habe, ist eine ganz interessante kambodschanische Fernsehsendung. Ich weiß nicht, ob die heute noch existiert, aber vor wenigen Jahren gab es sie auf jeden Fall noch und sie hieß It's Not a Dream. Und die Idee war, dieses Redaktionsteam ist durchs Land gefahren und hat versucht, Verwandte zu finden.“
Andreas Sentker erzählt, wie er sich auf das Interview vorbereitet hat und in den Mediatheken kaum Material über Pol Pots Verbrechen fand. Stattdessen stieß er auf diese kambodschanische Fernsehsendung, die 45 Jahre nach dem Ende des Regimes Familien zusammenführte, die durch die Roten Khmer getrennt worden waren. Die Sendung illustriert für ihn das Ausmaß der Zerstörung, die Pol Pot über Kambodscha gebracht hat.
Food and Wine
🗣 Anne Kunze erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:46:25 „Seine Frau wurde Journalistin und hat bei einem, man darf es nicht sich aussuchen, ist zu einem Magazin namens Food and Wine gegangen. Und wurde Spezialistin für Wein und Nahrungsmittel und gutem Essen.“
Anne Kunze erwähnt das amerikanische Magazin Food and Wine als Arbeitsplatz von Tep Kunals erster Ehefrau, die sich während seiner Abwesenheit in New York amerikanisierte. Die Erwähnung dient als ironisches Detail: Die Frau eines ehemaligen Vertrauten des Roten-Khmer-Regimes, das einen Agrarstaat mit Hungertoten geschaffen hatte, wurde ausgerechnet Spezialistin für gehobene Esskultur.
Memoiren von Pol Pot
Pol Pot
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:51:21 „Also Pol Pot wollte zumindest in seinen späteren Monaten, späteren Jahren, wollte er seine Memoiren diktieren. Also nicht nur ein genetisches, sondern auch ein geistiges Vermächtnis hinterlassen. Hatte Tep Kunal jeden Nachmittag zu sich gerufen in seine kleine Hütte, die er damals nur noch hatte und hat ihm seine Lebenserinnerungen diktiert.“
Anne Kunze berichtet von Pol Pots Versuch, gegen Lebensende seine Memoiren zu diktieren – ein geistiges Vermächtnis neben dem genetischen durch seine Tochter. Tep Kunal war der Empfänger dieser Diktate, behauptet aber, die Aufzeichnungen seien bei einem Angriff verbrannt. Kunze zweifelt daran und spekuliert, dass sie möglicherweise noch existieren könnten – ein faszinierendes historisches Dokument, das vermutlich verloren ist.
Die Dreigroschenoper
Bertolt Brecht
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 01:00:38 „Bertolt Brecht hat gesagt, was ist der Raub einer Bank gegen die Gründung einer Bank. Also er hat es umgedreht, er hat erst mal die Banken zerstören lassen und hat sie jetzt neu gegründet.“
Anne Kunze zitiert Brechts berühmtes Bonmot aus der Dreigroschenoper, um die Ironie von Tep Kunals Wandlung zu verdeutlichen: Der ehemalige Vertraute Pol Pots, unter dessen Regime Banken und wirtschaftliche Strukturen zerstört wurden, gründet nun selbst Banken und vergibt Mikrokredite an Bauern – eine verblüffende Wendung, die Kunze mit Brechts Kritik an der Scheinheiligkeit des Kapitalismus pointiert zusammenfasst.
Artikel über Tep Kunal und die Tochter von Pol Pot
Erich Vollert
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 01:05:43 „Du, ich habe einen Artikel von dir gefunden im Spiegel. Da bist du diesem Mädchen mal nachgestiegen, dieser Tochter.“
Früherer Spiegel-Artikel von Erich Vollert über seine Recherche zur Tochter von Pol Pot
Artikel über Pol Pots Tochter im Spiegel
Anne Kunze
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 01:07:19 „Du, ich habe einen Artikel von dir gefunden im Spiegel. Da bist du diesem Mädchen mal nachgestiegen, dieser Tochter. Und da steht auch drin, wie hübsch die ist.“
Sabine Rückert erwähnt einen früheren Spiegel-Artikel von Anne Kunze, in dem diese Pol Pots Tochter nachspürte. Der Artikel beschrieb das Mädchen und enthielt Details über die gescheiterte Ehe der Tochter mit einem Mann aus einer Opferfamilie der Roten Khmer.
Artikel über Tep Kunal
Erich
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 01:13:18 „Erich hat es ganz schön formuliert in seinem Artikel. Ein Mann für alle Ideologien, für alle Jahreszeiten. Danke, lieber Erich.“
Andreas Sentker zitiert am Ende der Folge aus einem Artikel eines Journalisten namens Erich, der Tep Kunal als 'Mann für alle Ideologien, für alle Jahreszeiten' beschrieb – eine Anspielung auf den grenzenlosen Opportunismus des ehemaligen Pol-Pot-Sekretärs, der sich jedem Regime anpasste.
A Man for All Seasons
Robert Bolt
🗣 Andreas Sentker erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:13:18 „Erich hat es ganz schön formuliert in seinem Artikel. Ein Mann für alle Ideologien, für alle Jahreszeiten.“
Die Formulierung 'Ein Mann für alle Jahreszeiten' ist eine Anspielung auf Robert Bolts berühmtes Theaterstück 'A Man for All Seasons' über Thomas Morus. Andreas Sentker bzw. der zitierte Erich adaptieren den Titel ironisch zu 'Ein Mann für alle Ideologien', um Tep Kunals Fähigkeit zu beschreiben, unter jedem Regime zu überleben.