Der Gollum
Sabine Rückert, Andreas Sentker
Im September 2010 fällt Zollbeamten im Eurocity von Zürich nach München ein 77-jähriger Mann mit österreichischem Pass auf — morgens leere Kuverts im Köfferchen, abends 9.000 Euro in 500-Euro-Scheinen, angeblich aus Kunstverkäufen seines Vaters. Die Summe liegt knapp unter der Deklarationsgrenze, der Mann darf weiterreisen, doch die Beamten notieren seine Personalien. Was im Stillen folgt, ist eine Ermittlung, die zu einem der spektakulärsten Kunstfunde der deutschen Nachkriegsgeschichte führt — mit Werken von Picasso, Nolde, Franz Marc und Beckmann.
„Dann gehen sie zusammen auf die Zugtoilette und durchsuchen ihn und finden dabei ein Kuvert, in dem sich 9.000 Euro in 500-Euro-Scheinen befinden.“
Erwähnte Medien (8)
Der Löwenbändiger
Max Beckmann
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:07:56 „Er hat im Herbst 2013 ein Gemälde, eine Gouache versteigert in Köln. Was ist das, eine Gouache? Eine Gouache ist ein Bild, was mit so Deckfarben ist. Ein bisschen ähnlich dem Aquarell, aber mit deckenderen Farben. Das Bild heißt Der Löwenbändiger und stammt von Max Beckmann. Und es bringt über 800.000 Euro auf der Auktion.“
Andreas Sentker schildert, wie die Ermittler auf Cornelius Gurlitt aufmerksam wurden. Die Versteigerung der Beckmann-Gouache für über 800.000 Euro bei einer Kölner Auktion war ein entscheidender Hinweis, der die Behörden zum Handeln brachte — ein Mann ohne Steuernummer und Krankenversicherung handelt offenbar mit wertvoller Kunst.
Der Herr der Ringe
J.R.R. Tolkien
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:11:04 „Weißt du, wie es klingt? Es klingt wie Gollum. Das ist Gollum. Gollum, der mein Schatz ist. Der sitzt auf diesen Bildern, für die er nichts gearbeitet hat, die er irgendwann mal vom Schicksal übermittelt bekam und sitzt da drauf in einer einsamen Tropfsteinhöhle und freut sich an seinem Schatz.“
Rückert vergleicht Cornelius Gurlitt, der allein in seiner vollgestopften Wohnung auf seinem Kunstschatz sitzt, mit der Figur Gollum aus Tolkiens Herr der Ringe. Der Vergleich mit dem besessenen Hüter eines Schatzes, den er nie selbst erworben hat, dient als plastische Charakterisierung von Gurlitts Existenz.
Porträt des Cornelius Gurlitt (Spiegel-Reportage)
Özlem Gezer
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:12:00 „Der Spiegel hat es ja sogar geschafft, ihn drei Tage zu begleiten. Das war Özlem Gezer. Die hat ihn tatsächlich, diesen zurückgezogenen Gurlum, für sich gewonnen und tagelang begleitet und hat eine sehr, sehr eigenartige Figur vorgefunden“
Eine Spiegel-Reportage von Özlem Gezer, die Cornelius Gurlitt mehrere Tage begleitete und ein Porträt des zurückgezogenen Kunstsammlers zeichnete.
Porträt über Cornelius Gurlitt (Spiegel-Reportage)
Özlem Gezer
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:12:33 „Der Spiegel hat es ja sogar geschafft, ihn drei Tage zu begleiten. Das war Özlem Gezer. Die hat ihn tatsächlich, diesen zurückgezogenen Gurlum, für sich gewonnen und tagelang begleitet und hat eine sehr, sehr eigenartige Figur vorgefunden, die aus einem anderen Jahrhundert zu stammen scheint.“
Rückert erwähnt die Spiegel-Reportage von Özlem Gezer, die es als eine der wenigen Journalistinnen schaffte, den menschenscheuen Cornelius Gurlitt tagelang zu begleiten. Die Reportage zeichnete das Bild eines völlig aus der Zeit gefallenen Mannes, der nur für seine Kunstsammlung lebte.
Schwabinger Kunstfund (Focus-Titelgeschichte)
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:16:02 „Das war die große Titelzeile des Fokus, der als Erster über diese Hausdurchsuchung und über diesen Schwabinger Kunstfund, wie er dann genannt wurde, berichtet hat. Das war später, im November 2013. Und diese Headline mit der Milliarde, die war sehr übertrieben.“
Sentker korrigiert die Behauptung, Gurlitts Sammlung sei eine Milliarde wert gewesen. Der Focus hatte als erstes Medium im November 2013 über den 'Schwabinger Kunstfund' berichtet und mit der Milliarden-Schlagzeile für weltweites Aufsehen gesorgt — die tatsächliche Bewertung lag deutlich darunter, da die meisten Werke Papierarbeiten waren.
Fokus-Artikel über den Schwabinger Kunstfund
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:18:13 „Das war die große Titelzeile, das Fokus, der als Erster über diese Hausdurchsuchung und über diesen Schwabinger Kunstfund, wie er dann genannt wurde, berichtet hat. Das war später, im November 2013.“
Der Focus-Artikel, der im November 2013 als erstes Medium über die Beschlagnahmung der Gurlitt-Sammlung in Schwabing berichtete und die Schlagzeile mit einer Milliarde Euro brachte.
Entartete Kunst (Ausstellung 1937)
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:18:50 „Daher dieser Begriff entartete Kunst, wie hieß diese Ausstellung? Genau, es gibt eine Ausstellung, die beispielsweise in München und dann auch gezeigt wird und dann auch reist durch das ganze Deutsche Reich, in der diese Kunst gezeigt wird.“
Die Nazi-Propagandaausstellung von 1937, in der als 'entartet' diffamierte moderne Kunst absichtlich verunglimpfend präsentiert wurde, bevor sie verkauft oder zerstört wurde.
Bernsteinzimmer
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:55:00 „Ich weiß, während des Zweiten Weltkriegs ist auch das Bernsteinzimmer verschwommen gegangen. Hast du eine Spur?“
Am Ende des Gesprächs über NS-Raubkunst und die Gurlitt-Sammlung fragt Sabine Rückert nach weiteren verschwundenen Kunstschätzen und erwähnt das berühmte Bernsteinzimmer als prominentestes Beispiel verschollener Kriegsbeute.