24 Weltverbrecher
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller
Diese Folge widmet sich den Nürnberger Prozessen – einem der größten Gerichtsverfahren der Weltgeschichte. Reporterin Tanja Stelzer, die gemeinsam mit Moritz Eislinger darüber geschrieben hat, ist zu Gast. Außerdem kündigen die Hosts ihre erste Live-Tournee in Berlin, München, Düsseldorf und Hamburg an.
„Wer jetzt fürchtet, dass wir irgendwie abgleiten in eine Unterhaltungsshow oder so, der fürchtet sich vergeblich oder umsonst, denn das werden wir nicht tun.“
Erwähnte Medien (19)
Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess (ZEIT-Dossier)
Tanja Stelzer, Moritz Eislinger
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:01:22 „Als ich nachgelesen habe, was unser Gast, den wir uns gleich ansehen werden, Tanja Stelzer, was unser Gast geschrieben hat, gemeinsam mit Moritz Eislinger, ist mir dieser Prozess nochmal ganz genau vor Augen geführt worden. Und ich hoffe, euch und ihnen wird es gleich genauso gehen.“
Das ZEIT-Dossier von Tanja Stelzer und Moritz Eislinger über den Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess ist das zentrale Werk dieser Podcast-Folge. Die Autoren haben vier Zeitzeugen aufgespürt, die 75 Jahre nach dem Prozess noch lebendig berichten können. Sabine Rückert liest im Laufe der Folge ausführlich daraus vor.
Der Stürmer
Julius Streicher
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:14:22 „Das war Julius Streicher dabei. Das war der Gründer und langjährige Herausgeber des Hetzplatz der Stürmer. Und der wohnte in Nürnberg, wo Lodge ja selber gelebt hatte. Nur wenige Häuser von der Familie Lorch entfernt. Das war ein absoluter Widerling.“
Im Zusammenhang mit der Überführung der Angeklagten nach Nürnberg wird Julius Streicher als Gründer und Herausgeber des antisemitischen Hetzblatts 'Der Stürmer' vorgestellt. Er war ein Nachbar der jüdischen Familie Lorch in Nürnberg, was die persönliche Dimension für den Zeitzeugen Ernest Lodge unterstreicht.
If they go low, we go high (Rede auf dem Democratic National Convention 2016)
Michelle Obama
🗣 Andreas Sentker zitiert daraus bei ⏱ 00:18:03 „Das erinnert mich so ein bisschen an diesen Satz von Michelle Obama. If they go low, we go high. Die haben die finstersten Verbrechen der Welt begangen und wir behandeln sie so fair, wie es nur geht.“
Andreas Sentker zieht eine Parallele zwischen dem Anspruch der Alliierten, die Nazi-Kriegsverbrecher trotz ihrer ungeheuerlichen Taten in einem fairen, rechtsstaatlichen Verfahren zu richten, und Michelle Obamas berühmtem Ausspruch über moralische Überlegenheit durch vorbildliches Handeln.
Berichterstattung über die Nürnberger Prozesse
Erika Mann
🗣 Andreas Sentker erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:26 „Erika Mann für den London Evening Standard“
Erika Mann, Tochter von Thomas Mann, berichtete als Reporterin für den London Evening Standard von den Nürnberger Prozessen
Berichterstattung über die Nürnberger Prozesse
John Dos Passos
🗣 Andreas Sentker erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:26 „Die Amerikaner haben John Dos Passos geschickt, der ist Reporter und schreibt für das Live-Magazin“
John Dos Passos berichtete als Reporter für das Life-Magazin von den Nürnberger Prozessen
Berichterstattung über die Nürnberger Prozesse
John Steinbeck
🗣 Andreas Sentker erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:26 „John Steinbeck ist da“
John Steinbeck war als Reporter bei den Nürnberger Prozessen anwesend
Berichterstattung über die Nürnberger Prozesse
Willy Brandt (als Norbert Fram)
🗣 Andreas Sentker erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:26 „Willy Brandt, der ja im Zweiten Weltkrieg im skandinavischen Exil war und jetzt als Korrespondent für skandinavische Zeitungen berichtet“
Willy Brandt, der spätere Bundeskanzler, berichtete unter dem Pseudonym Norbert Fram für skandinavische Zeitungen von den Nürnberger Prozessen
Berichterstattung über die Nürnberger Prozesse
Alfred Döblin
🗣 Andreas Sentker erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:26 „Alfred Döbligen“
Alfred Döblin wird als einer der prominenten Reporter auf der Pressetribüne der Nürnberger Prozesse genannt
Reportagen für die Neue Zeitung (Nürnberger Prozesse)
Erich Kästner
🗣 Andreas Sentker erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:42 „Erich Kästner sitzt da, der schreibt für die Neue Zeitung. Erika Mann für den London Evening Standard. Tochter von Thomas Mann ist das.“
Andreas Sentker zählt die prominenten Reporter auf der Pressebank der Nürnberger Prozesse auf. Erich Kästner berichtete für die Neue Zeitung – ein beeindruckendes Detail, das zeigt, welche literarische Prominenz dieses historische Ereignis anzog.
Berichte über die Nürnberger Prozesse für den London Evening Standard
Erika Mann
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:27:45 „Erika Mann für den London Evening Standard. Tochter von Thomas Mann ist das.“
Andreas Sentker zählt die prominenten Reporter auf der Pressebank des Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesses auf. Erika Mann, Tochter von Thomas Mann, berichtete für die britische Zeitung London Evening Standard.
Reportagen über die Nürnberger Prozesse für das Life Magazine
John Dos Passos
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:27:52 „Die Amerikaner haben John Dos Passos geschickt, der ist Reporter und schreibt für das Live-Magazin.“
Bei der Aufzählung der prominenten Berichterstatter auf der Reporterbank des Nürnberger Prozesses wird der amerikanische Schriftsteller John Dos Passos genannt, der für das Life Magazine über den Prozess berichtete.
Korrespondenzberichte für skandinavische Zeitungen (Nürnberger Prozesse)
Willy Brandt
🗣 Anne Kunze erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:28:16 „Willy Brandt, der ja im Zweiten Weltkrieg im skandinavischen Exil war und jetzt als Korrespondent für skandinavische Zeitungen berichtet. Der spätere Bundeskanzler. Genau, unter dem Namen Norbert Fram schreibt er damals. Sehr politisch offensichtlich, eher nüchtern, analysierend, einordnend.“
Der spätere Bundeskanzler Willy Brandt war unter dem Pseudonym Norbert Fram als Korrespondent für skandinavische Zeitungen bei den Nürnberger Prozessen. Anne Kunze beschreibt seinen Stil als politisch, nüchtern und analysierend.
Der Vater (und weitere Bücher über Hans Frank)
Niklas Frank
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:30:23 „Der war Reporter geworden und es ist sein Lebensthema geworden, sich an diesem Vater abzuarbeiten“
Niklas Frank, Sohn des NS-Kriegsverbrechers Hans Frank, hat eine Reihe von Büchern über seinen Vater geschrieben, mit denen er sich publizistisch an dessen Verbrechen abarbeitete
Bücher über Hans Frank / Der Vater
Niklas Frank
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:31:32 „Das war nicht so schwierig, den Niklas Frank zu finden, weil der sich sein Erwachsenenleben lang an diesem brutalen Verbrechervater abgearbeitet hat, publizistisch und eine Reihe von Büchern geschrieben hat. Der war Reporter geworden und es ist sein Lebensthema geworden, sich an diesem Vater abzuarbeiten.“
Anne Kunze erklärt, wie sie den Zeitzeugen Niklas Frank fanden – den Sohn des Generalgouverneurs von Polen, Hans Frank. Niklas Frank hat sein Leben der publizistischen Aufarbeitung der Verbrechen seines Vaters gewidmet und mehrere Bücher darüber geschrieben. Ein konkreter Titel wird nicht genannt.
Der Mythus des 20. Jahrhunderts
Alfred Rosenberg
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:40:26 „Der musste so eine kleine Prüfung ablegen, um seinen Job als Dolmetscher zu bekommen und musste zur Probe eines dieser fürchterlichen Werke, dieses Chefideologen Rosenberg übersetzen, Mythos des 20. Jahrhunderts. Daraus musste er was übersetzen und die Prüfung hat er bestanden.“
Anne Kunze erzählt von dem belgischen Dolmetscher, in den sich die Sekretärin Elli Kupfer verliebte. Um seine Stelle als Dolmetscher bei den Nürnberger Prozessen zu bekommen, musste er als Eignungsprüfung eine Passage aus Rosenbergs ideologischem Hauptwerk übersetzen. Die Erwähnung unterstreicht die groteske Alltagsrealität rund um den Prozess.
Beitrag über Hans Franks Schuldeingeständnis
Yves Becbeder
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:44:46 „Yves Becquedert war ganz beeindruckt von diesem Schuldeingeständnis und schrieb dann sogar auf seiner kleinen Reiseschreibmaschine, die er bei sich hatte, einen Beitrag für eine französische Zeitschrift. Ich glaube es war eine juristische Zeitschrift.“
Anne Kunze berichtet, wie der junge französische Jurist Yves Becbeder, der als Zuarbeiter für die französischen Richter in Nürnberg tätig war, so beeindruckt von Hans Franks scheinbarer Reue war, dass er darüber einen Artikel für eine französische juristische Zeitschrift verfasste. Ironischerweise nahm Frank sein Schuldeingeständnis später wieder zurück.
Nazi Concentration Camps (Dokumentarfilm als Beweismittel)
US-Armee / Alliierte
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:46:04 „Ich glaube, am zweiten Tag wird ein Film vorgeführt. Das Dokumentationsmaterial, das die Alliierten gesammelt haben, zum Teil bei der Befreiung der KZs. Und spätestens da wird allen Beteiligten im Gericht klar, welches irrsinnige Format von Verbrechen hier angeklagt ist.“
Am zweiten Verhandlungstag wurde ein Dokumentarfilm mit Aufnahmen aus den befreiten Konzentrationslagern vorgeführt. Der Film erschütterte alle Anwesenden so tief, dass selbst ein Verteidiger sagte, es wäre am besten, wenn sein Mandant gehängt würde.
Bericht über Göring auf der Anklagebank (Neue Zeitung)
Erich Kästner
🗣 Andreas Sentker zitiert daraus bei ⏱ 00:47:34 „Erich Kästner schaut sehr genau hin. Göring trägt eine lichtgraue Jacke mit goldenen Knöpfen“
Andreas Sentker liest eine Passage von Erich Kästner vor, der als Reporter für die Neue Zeitung die Angeklagten im Nürnberger Prozess beobachtete und beschrieb
Bericht über die Nürnberger Prozesse in der Neuen Zeitung
Erich Kästner
🗣 Andreas Sentker zitiert daraus bei ⏱ 00:49:45 „Göring trägt eine lichtgraue Jacke mit goldenen Knöpfen. Die Abzeichen der Reichsmarschallwürde sind entfernt worden. Die Orden sind verschwunden. Es ist eine Art Chauffeurjacke übrig geblieben. Rudolf Hess hat sich verändert. Dadurch wirken die schwarzen Augenbrauen geradezu unheimlich.“
Andreas Sentker liest eine ausführliche Passage von Erich Kästner vor, die in der Neuen Zeitung erschien. Kästner beschreibt darin mit literarischer Präzision das Erscheinungsbild der Angeklagten auf der Anklagebank – Göring, Hess, Rosenberg und Hans Frank. Die Passage zeigt, wie Kästner als genauer Beobachter die Banalität und Nervosität der Angeklagten einfing.