ZEIT Verbrechen – Ein Monster wird erschaffen
#285

Ein Monster wird erschaffen

ZEIT Verbrechen / 08. April 2025 / 5 Medien

Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste

Stefan Lebert erzählt die Geschichte von Bruno Lüdtke, der lange als Deutschlands größter Serienmörder galt — bis sich herausstellte, dass er keiner war. Lüdtke, 1908 in Köpenick geboren und geistig behindert, wurde zum Sündenbock: Man schob ihm Morde in die Schuhe, die er nie begangen hatte. Schon 1939 führte eine unbedachte Bemerkung seiner Mutter bei der Polizei zu seiner Zwangssterilisation durch die Nazis.

„Der größte Serienmörder der Republik war keiner. Sondern er war einfach nur ein armes Schwein, dem man alles mögliche in die Schuhe geschoben hat.“
🗣 Sabine Rückert

Erwähnte Medien (5)

Text über Bruno Lüttke (27. August 2020)
Artikel

Text über Bruno Lüttke (27. August 2020)

Stefan Lebert

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:02:19 „Stefan, du hast vor einiger Zeit ein, ich kann dir genau sagen, wann das war, das war am 27. August 2020, hast du einen Text geschrieben über einen der größten Mörder Deutschlands, wenn nicht überhaupt der größte Serienmörder Deutschlands, Bruno Lütschke. Und du hast damals eine interessante Entdeckung gemacht, denn der größte Serienmörder der Republik war keiner.“

Sabine Rückert stellt den Zeit-Artikel ihres Kollegen Stefan Lebert vor, der zusammen mit Hans-Werner Kiltz die Geschichte von Bruno Lüttke recherchierte. Der Artikel enthüllte, dass der angeblich größte Serienmörder Deutschlands in Wahrheit unschuldig war und von NS-Ermittlern durch erzwungene Geständnisse zum Mörder gemacht wurde.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Glanz und Elend der deutschen Kriminalpolizei
Artikel

Glanz und Elend der deutschen Kriminalpolizei

Rudolf Augstein

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:17:11 „Und er machte eine große Serie im Spiegel. 30-teilig, unvorstellbar heute. Eine 30-teilige Serie, die ist 1949 erschienen, mit dem Titel Glanz und Elend der deutschen Kriminalpolizei. Und dabei war Arthur Nebe seine Hauptperson.“

Die 30-teilige Spiegel-Serie von Rudolf Augstein aus dem Jahr 1949 wird als zentrale Quelle für die falsche Darstellung Bruno Lüttkes als Massenmörder besprochen. Stefan Lebert beschreibt, wie der NS-belastete Bernhard Wehner als Hauptinformant diente und den Mythos des bestialischen Mörders über Augstein in die Öffentlichkeit trug. Andreas Sentker nennt die Serie die erste True-Crime-Serie der jungen Bundesrepublik — kein rühmliches Beispiel.

Zum Artikel bei Spiegel
Nachts, wenn der Teufel kam
Buch

Nachts, wenn der Teufel kam

Will Berthold

🗣 Daniel Müller referenziert bei ⏱ 00:22:40 „Dieser Bill Berthold hat die Mutter von Lüttke zur Mittäterin gemacht. Und hat gesagt, die Mutter hat immer gesehen, wie der blutüberströmte Bruno nach Hause kam. Und sie hat ihn abgewaschen und hat gedeckt. Reine Erfindungen. Wurde ein Buch, diese Serie von dem Willi Bartholz. Mit dem Titel Nachts, wenn der Teufel kam.“

Das Buch basiert auf einer Serie in der Münchner Illustrierten, die Stefan Lebert als noch schlimmere Kolportage als die Augstein-Serie beschreibt. Will Berthold erfand darin die Geschichte, dass Lüttkes Mutter als Mittäterin die Morde gedeckt habe. Das Buch wurde zur Vorlage für den gleichnamigen Film mit Mario Adorf.

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Nachts, wenn der Teufel kam
Film

Nachts, wenn der Teufel kam

Robert Siodmak

🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:22:52 „Und daraus wurde ein Film. Auch mit dem Titel. Wann erschien der denn, der Film? 1957.“

Film von 1957 mit Mario Adorf in der Hauptrolle, der Bruno Lüttke fälschlich als Serienmörder darstellte und für den Oscar nominiert wurde

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Buch

Bruno Lüttke. Fabrikation eines Verbrechens

Axel Dossmann und Susanne Regener

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:30:31 „Susanne Regener ist Medienwissenschaftlerin der Universität Siegen und Axel Dossmann Historiker, ich glaube damals in Jena an der Uni. Genau, und die beiden haben ein wunderbares Buch gemacht. Bruno Lüttke, Fabrikation eines Verbrechens. Die haben nochmal alles, was damals schon längst da war, wurde das dokumentiert und zusammengetragen und haben diesen Fall veröffentlicht.“

Das wissenschaftliche Buch der Medienwissenschaftlerin Susanne Regener und des Historikers Axel Dossmann wird als das Werk vorgestellt, das die große Lüge um Bruno Lüttke endgültig dokumentierte und aufklärte. Es erschien um das Jahr 2000 und trug alle Belege zusammen, die zeigten, dass Lüttke unschuldig war.

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