Das kranke System des Doktor F.
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Ein angesehener Heidelberger Psychotherapeut, eine Koryphäe seiner Zunft, steht 2017 wegen des sexuellen Missbrauchs seiner vierjährigen Enkelin vor Gericht — und im Gerichtssaal treffen sich ehemalige Patienten und Ausbildungskandidaten, die plötzlich anfangen zu reden. Was Moritz Eislinger recherchiert hat, offenbart ein System: Seit 1975 missbrauchte Hermann F. systematisch Kinder, Jugendliche und junge Frauen in der Therapie, getarnt als analytische Methode, gedeckt durch jahrzehntelanges Schweigen.
„Auf einmal tut sich ein wahrer Abgrund auf, als sie anfangen zu erzählen, weil da ist nicht nur dieser eine Fall von diesem vierjährigen Mädchen, sondern da ist ein ganzes System dahinter, das über Jahre und Jahrzehnte verschwiegen wurde.“
Erwähnte Medien (6)
ZEIT-Artikel über den Fall Hermann F*** und das Heidelberger Institut
Moritz Eislinger
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:00:55 „Beschrieben und dokumentiert hat es Moritz Eislinger, der hier heute sitzt als unser Gast und uns vom kranken System des Dr. *** erzählt. Der Artikel ist im August 2018 erschienen.“
Der im August 2018 in der ZEIT erschienene Artikel von Moritz Eislinger ist die journalistische Grundlage der gesamten Episode. Eislinger hat den systematischen Missbrauch durch den Heidelberger Psychotherapeuten Hermann F*** recherchiert und dokumentiert – ein Fall, der über Jahrzehnte vertuscht wurde und erst durch den Prozess 2017 an die Öffentlichkeit kam.
Das kranke System des Dr. F***
Moritz Eislinger, Stefan Lebert
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:13 „beschrieben und dokumentiert hat es Moritz Eislinger, der hier heute sitzt als unser Gast und uns vom kranken System des Dr. *** erzählt“
Der ZEIT-Artikel ist die Grundlage der gesamten Episode. Moritz Eislinger ist als Gast eingeladen, um über seine Recherche zu berichten.
Abstinenz und Abstinenzverletzungen
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:13:15 „vor mir liegt ein Vortrag aus dem Jahr 2015, Abstinenz und Abstinenzverletzungen“
Andreas Sentker zitiert einen Fachvortrag von 2015, der belegt, wie häufig es in der Psychotherapie zu erotischen Grenzverletzungen kommt.
Abstinenz und Abstinenzverletzung
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:13:23 „Aber vor mir liegt ein Vortrag aus dem Jahr 2015, Abstinenz und Abstinenzverletzung. Und wenn man diesen Vortrag liest, dann merkt man, dass es zu diesen, sagen wir mal, erotischen Herausforderungen immer wieder kommt. Sehr, sehr regelmäßig.“
Im Gespräch über die Abstinenzregel in der Psychotherapie verweist Andreas Sentker auf einen konkreten Fachvortrag von 2015, der belegt, wie häufig es zu erotischen Grenzüberschreitungen zwischen Therapeuten und Patienten kommt. Der Vortrag dient ihm als Beleg dafür, dass das Problem strukturell ist und nicht nur den besprochenen Fall betrifft.
Aufarbeitungsbericht des Heidelberger Instituts für analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie
🗣 Daniel Müller referenziert bei ⏱ 00:36:44 „Sie haben 32 Situationen herausgefiltert, in denen es zu sexuellen Grenzverletzungen kam, die gesichert sind. Also beispielsweise hier Therapie mit einer 15-jährigen Patientin. F sagt ihr, sie müsse keine Angst vor ihrem ersten sexuellen Kontakten haben.“
Daniel Müller zitiert ausführlich aus dem Aufarbeitungsbericht einer Kommission, die nach Erscheinen des ZEIT-Artikels 2018 an der Universität eingerichtet wurde. Geleitet wurde die Kommission von demselben Experten, der auch die Odenwaldschule und das Kloster Ettal aufgearbeitet hat.
Der neue Tugendterror
Thilo Sarrazin
🗣 Daniel Müller referenziert bei ⏱ 00:47:29 „2014, 25. Februar, wir fuhren zu Thalia, wo ich mir den neuen Sarrazin, der neue Tugendterror, kaufte. Schon in der S-Bahn las ich in dem neuen Buch und stellte fest, dass er genau das Phänomen beschreibt, was mich in Heidelberg um meine Stellung gebracht hat.“
Daniel Müller liest aus dem Tagebuch des Täters vor. Darin beschreibt der Beschuldigte, wie er Sarrazins Buch kauft und sich darin wiedererkennt: Er deutet die Tabuisierung von Beziehungen zwischen Therapeuten und ehemaligen Patientinnen als Ausdruck eines moralisierenden Tugendterrors – und verharmlost so seine eigenen Übergriffe als Opfer einer dogmatischen Freud-Tradition.