ZEIT Verbrechen – Alles in einer Sekunde
#265

Alles in einer Sekunde

ZEIT Verbrechen / 15. Dezember 2024 / 2 Medien

Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste

Ein Richter am Amtsgericht schildert, warum fahrlässige Tötung im Straßenverkehr die schwierigsten Fälle auf seinem Schreibtisch sind: Handynutzung am Steuer, Überholen bei unklarer Sicht, Rotlichtverstöße — alltägliche Fehler, vor denen niemand gefeit ist und die mit lächerlichen 100 Euro Bußgeld bestraft werden. Der Spagat für den Richter: Dieselben Vergehen, die millionenfach folgenlos bleiben, enden in seltenen Fällen tödlich — allein durch Pech.

„Das sind alles Fälle, in denen nichts passiert. Und es passiert deshalb nichts, weil alle Beteiligten Glück haben.“
🗣 Thomas Fischer

Erwähnte Medien (2)

Ich und Du
Buch

Ich und Du

Martin Buber

🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:14:29 „Er hat, nachdem er auch erstmal einige Zeit darüber nachgedacht hat, mir geantwortet mit dem Zitat des jüdischen Philosophen Martin Buber, der gesagt hat, alles wirkliche Leben ist Begegnung. Wenn wir aufhören, uns zu begegnen, ist, als hörten wir auf zu atmen.“

Der Sprecher hat den Psychologen Louis Levitan gefragt, ob es sinnvoll sei, dass Unfallverursacher und Hinterbliebene miteinander in Kontakt treten. Levitan antwortet mit dem berühmten Zitat aus Martin Bubers philosophischem Hauptwerk «Ich und Du», um sein Plädoyer für eine Begegnung auf Augenhöhe zu untermauern. Das Zitat dient als Argument dafür, dass die Vermeidung von Kontakt beide Seiten dauerhaft negativ aneinander bindet und Heilung verhindert.

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Seinetwegen
Buch

Seinetwegen

Zora del Buono

🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:16:15 „Und der Zufall will es, dass ich vor einiger Zeit ein Buch entdeckt habe, das eigentlich eine Art literarische Entsprechung dieser Problematik ist. Es ist ein Roman, obwohl es nach meiner Lesart eigentlich gar kein Roman ist. Ihm liegt eine reale Geschichte zugrunde und es ist eigentlich die Geschichte einer Recherche. Es ist das Buch »Seinetwegen«, »Seinetwegen« ist der Titel, geschrieben von Sora del Buono, erschienen im Beck Verlag und war in diesem Jahr nominiert für den Deutschen Buchpreis.“

Im Gespräch über einen tödlichen Verkehrsunfall und die Frage, ob Hinterbliebene und Unfallverursacher miteinander in Kontakt treten sollten, empfiehlt der Sprecher dieses Buch als literarische Entsprechung genau dieser Problematik. Zora del Buono verlor ihren Vater mit acht Monaten bei einem Verkehrsunfall und begann mit 61 Jahren zu recherchieren, wer der Mann war, der ihn getötet hatte – kam aber zu spät, da dieser bereits verstorben war. Der Sprecher sieht darin eine Parallele zum besprochenen Fall, in dem Hinterbliebene und Unfallverursacher jeden Kontakt vermieden und dadurch dauerhaft negativ aneinander gebunden blieben.

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