Ein lebensgefährliches Mandat
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Ein 2100 Jahre alter Mordfall aus dem Jahr 80 vor Christus — recherchiert anhand von Ciceros eigenen Schriften, antiken Quellen und mit Hilfe der Rechtswissenschaftlerin Tiziana Chiusi. Cicero, den die meisten nur als Rhetoriker und Staatsphilosoph kennen, war zuallererst Strafverteidiger, und genau diese vergessene Seite wird hier lebendig: ein antiker Kriminalfall, der sich dank Ciceros Detailfetischismus so präzise rekonstruieren lässt wie kaum ein moderner.
„Hier bei diesem Fall, der 2100 Jahre alt ist, ein Mord, können wir ganz genau berichten, wo er passiert ist, wann er passiert ist und welche Folgen es hatte und wie der Prozess vonstatten ging.“
Erwähnte Medien (15)
Meine Helden der Strafjustiz
Sabine Rückert
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:02:35 „Und ich mache ja im Moment eine Reihe bei uns auf der Verbrechenseite in der Zeit. Meine Helden der Strafjustiz, da hatten wir ja bereits den Hans Litten. Und mein nächster Held der Strafjustiz ist eben Cicero.“
Sabine Rückert erklärt den Anlass für die Episode: Sie schreibt in der ZEIT eine Artikelreihe über vergessene Helden der Strafjustiz. Nach Hans Litten porträtiert sie nun Cicero als Strafverteidiger — eine Seite, die kaum jemand von ihm kennt. Die Reihe konzentriert sich bewusst auf weniger bekannte Figuren.
Briefe an Atticus
Marcus Tullius Cicero
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:03:44 „Es gibt fast 800 Briefe von ihm, die man noch lesen kann. An Attikus vor allem, an seinen Freund Attikus nach Griechenland.“
Andreas Sentker und Sabine Rückert erläutern, warum man über Ciceros Leben so viel weiß wie über kaum eine andere antike Persönlichkeit. Neben 50 erhaltenen Reden werden die fast 800 Briefe hervorgehoben, vor allem die an seinen Freund Atticus in Griechenland, als zentrale historische Quelle.
Cicero-Biografie/Lebenswerk über Cicero
Wilfried Stroh
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:04:02 „Es gibt Menschen, die haben ihr ganzes Leben, hat man das Gefühl, Cicero gewidmet. Wilfried Stroh gehört dazu. Der sich intensiv in dieses Leben eingearbeitet hat und bei ihm habe ich auch noch mal relativ viel über Cicero nachgelesen.“
Andreas Sentker nennt den Altphilologen Wilfried Stroh als wichtige Quelle für seine Vorbereitung auf die Episode. Er beschreibt Stroh als jemanden, der sein ganzes Leben Cicero gewidmet hat, und empfiehlt dessen Arbeiten als fundierte Sekundärliteratur.
Imperium
Robert Harris
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:08:40 „Da gibt es eine wunderbare kleine Szene in dem Roman Imperium von Robert Harris. Der hat eine Trilogie geschrieben über Cicero, die ich schon vor langer Zeit gelesen habe. Und da beschreibt er, wie er nach Griechenland geht, um sich dort bei Molon, einem großen Redner, ausbilden zu lassen.“
Sabine Rückert empfiehlt den Roman als besonders quellennahe Darstellung von Ciceros Leben. Sie betont, dass Harris sich streng an die Originale hält und praktisch nur Originalzitate übernommen hat — wer den Roman lese, lese praktisch ein Geschichtsbuch. Sie zitiert daraus eine Szene, in der der Rhetoriklehrer Molon Cicero zentrale Redetipps gibt.
De Inventione
Marcus Tullius Cicero
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:12:51 „Das erste Buch tatsächlich auf lateinischer Sprache über Rhetorik stand von Cicero und heißt De Inventione. Da war er 25, wie er das geschrieben hat.“
Im Gespräch über Ciceros Ausbildung und die Verbindung von Philosophie und Rhetorik erwähnt Andreas Sentker dieses Werk als erstes lateinischsprachiges Buch über Rhetorik. Sabine Rückert ergänzt, dass Cicero es mit nur 25 Jahren verfasst hat. Das Werk wird als Beleg für Ciceros Überzeugung angeführt, dass gute Argumente wichtiger sind als bloße Redekunst.
In Verrem (Reden gegen Verres)
Marcus Tullius Cicero
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:39:37 „Gerade in der Sache Verres hat er ja wochenlang recherchiert. Da ist er nach Sizilien gefahren, hat die ganzen Verbrechen dieses Verres da...“
Im Gespräch über Ciceros Recherchemethoden als Verteidiger erwähnt Sabine Rückert den berühmten Verres-Prozess als Beispiel für Ciceros akribische Ermittlungsarbeit. Andreas Sentker ergänzt, dass Verres die Sizilianer ausgebeutet habe, stellt aber klar, dass dies eine andere Geschichte sei.
Pro Sexto Roscio Amerino (Rede für Sextus Roscius aus Ameria)
Marcus Tullius Cicero
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:43:50 „Wahrscheinlich wundert ihr euch, liebe Richter, wie es kommt, dass ausgerechnet ich jetzt aufstehe, weil doch so viele Redner von Rang und Männer von höchstem Adel auf ihren Plätzen sitzen geblieben sind. Ich, der ich an alter Redetalent und politischem Gewicht mich mit diesen Männern, die da sitzen geblieben sind, nicht vergleichen kann.“
Ciceros erste große Strafverteidigungsrede bildet das Herzstück der gesamten Episode. Sabine Rückert liest ausführlich daraus vor und analysiert sowohl die rhetorische Brillanz als auch den politischen Mut des 26-jährigen Cicero, der als einziger wagte, den Angeklagten Sextus Roscius gegen die Günstlinge des Diktators Sulla zu verteidigen.
Im Dienst der Wahrheit – Meine Helden der Strafjustiz
Sabine Rückert
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:53:51 „Meine Helden der Strafjustiz ist erschienen vor kurzem in der Zeit. Am 22. August, im Dienst der Wahrheit war die Überschrift und das hat jemand gelesen vom Atticus Verlag und hat mir daraufhin dieses Buch geschickt von Okko Behrens.“
Sabine Rückert verweist auf ihren eigenen ZEIT-Artikel vom 22. August mit dem Titel 'Im Dienst der Wahrheit' aus der Reihe 'Meine Helden der Strafjustiz'. Dieser Artikel bildet die Recherchergrundlage für die gesamte Podcast-Episode über den Cicero-Prozess und führte dazu, dass ihr das Buch von Okko Behrens zugeschickt wurde.
Pro Sexto Roscio Amerino
Cicero
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:57:37 „Und diese witzigen Wendungen, die er in seiner Rede zu Sextus Roscius Vorteil verwendet und wie er da auf diese Leute angreift, diese Lügner und Betrüger und diese Mörder, wie er die öffentlich fertig macht, das hat mir unglaublich gut gefallen.“
Sabine Rückert schwärmt von Ciceros erster großer Gerichtsrede, der Verteidigung des Sextus Roscius. Sie bewundert seine Schlagfertigkeit und seinen Mut, mächtige Gegner öffentlich anzugreifen – ein Auftritt, der Ciceros Karriere als Redner begründete.
Pro Milone (Rede für Milo)
Marcus Tullius Cicero
🗣 Andreas Sentker erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:57:58 „Es gibt aber eine Gerichtsrede, die zeugt so richtig von der Eitelkeit des Cicero, finde ich. Da ist der eigentliche Prozess nämlich geplatzt. Warum? Der Angeklagte hat sich verpisst. Also der ist ins Exil gegangen. Du meinst jetzt Milo?“
Am Ende des Abschnitts leitet Andreas Sentker zu einer weiteren berühmten Cicero-Rede über – dem Milo-Prozess. Der Angeklagte Milo ging ins Exil, bevor der Prozess zu Ende war, was Sentker als Beleg für Ciceros Eitelkeit anführt, da dieser die Rede dennoch veröffentlichte.
Pro Milone
Cicero
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:58:29 „Cicero hat hinterher eine andere Rede geschrieben, als die, die er gehalten hat. Er ist aufgetreten, war nicht überzeugend genug, er hatte auch alle gegen sich. Milo wurde verurteilt und floh ins Exil nach Marseille. Cicero hat sich hingesetzt und hat die Verteidigungsrede aufgeschrieben, aber nicht so, wie er sie gehalten hat, sondern so, wie er sie gerne am liebsten gehalten hätte.“
Rückert und Sentker diskutieren den berühmten Fall der Verteidigungsrede für Milo. Cicero verlor den Prozess, schrieb danach aber eine idealisierte Version seiner Rede nieder. Die Anekdote, dass Milo ihm ironisch dankte – sonst säße er nicht im schönen Marseille und äße Fisch –, illustriert Ciceros Eitelkeit als Redner.
Philippische Reden (Philippicae)
Cicero
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 01:00:36 „Da wurde er wieder richtig tapfer, als er die philippischen Reden gegen Marc Anton gehalten hat. Er hat nämlich gerochen, dass Marc Anton nach dem Imperium strebt, nach dem Kaisersein, nach dem höchsten Amt und zwar Alleinherrscher, Gewaltherrscher sein wollte und deswegen hat er sich hingestellt und hat 14 philippische Reden gehalten, wo er auf den Marc Anton eingedroschen hat.“
Rückert schildert Ciceros letzten großen politischen Kampf: seine 14 Philippischen Reden gegen Marc Anton, mit denen er die Republik zu retten versuchte. Diese Reden kosteten ihn letztlich das Leben – Marc Anton ließ ihn verfolgen und enthaupten.
Cicero-Trilogie (Imperium / Titan / Dictator)
Robert Harris
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:03:45 „Wer sich mehr über Cicero informieren will, der kann ja die Trilogie von Robert Harris lesen, die ich sehr empfehlen kann. Das sind dreimal 500 Seiten.“
Am Ende der Episode gibt Rückert eine ausdrückliche Leseempfehlung für Robert Harris' Roman-Trilogie über Cicero. Die drei Bände (Imperium, Titan, Dictator) umfassen zusammen rund 1500 Seiten und erzählen Ciceros Leben als historischen Roman.
Cicero (C.H. Beck Wissen)
Wilfried Stroh
🗣 Andreas Sentker empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:03:55 „Und wer weniger Zeit hat, der nimmt einfach das Büchlein von Wilfried Stroh über Cicero, das bei CH Beck Wissen erschien.“
Sentker empfiehlt als kompaktere Alternative zur Harris-Trilogie das Sachbuch von Wilfried Stroh aus der Reihe C.H. Beck Wissen – ein kurzer, wissenschaftlich fundierter Überblick für Leser mit weniger Zeit.
Cicero
Marion Giebel
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:04:15 „Er nimmt die kleine Monografie vom Rowold Verlag, von Marion Giebel, Cicero. Das ist auch ein wunderbares kleines Buch.“
Als weitere Empfehlung nennt Rückert die Cicero-Monografie von Marion Giebel aus dem Rowohlt Verlag – ein schmales, aber von ihr als wunderbar gelobtes Einführungsbuch.