Er zerrte sogar Hitler vor Gericht
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Die Episode widmet sich dem Berliner Strafverteidiger Hans Litten, der am 8. Mai 1931 als 27-Jähriger das scheinbar Unmögliche schaffte: Er zwang Adolf Hitler in den Zeugenstand und nahm ihn dort auseinander. Litten, aufgewachsen im Spannungsfeld zwischen seinem konservativen, vom Judentum zum Christentum konvertierten Vater und seiner eigenen kompromisslosen Demokratieliebe, wird als einer jener Menschen porträtiert, die die Justiz allein durch ihre Existenz verändert haben.
„Er selbst war damals 27 Jahre alt, also ein ganz junger Mann, und er hat damit sein Todesurteil gesprochen, das muss man eigentlich auch sagen.“
Erwähnte Medien (13)
Babylon Berlin
Tom Tykwer / X-Filme · 2017
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:12:58 „Babylon Berlin hat Litten wunderbar besetzt.“
Im Gespräch über das Aussehen und Auftreten des jungen Hans Litten verweist Andreas Sentker auf die Serie Babylon Berlin, die Litten als Figur darstellt. Die Serie dient als visuelle Referenz für die historische Epoche und die Person Littens.
Babylon Berlin (Staffel 5)
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:13:03 „Babylon Berlin wird ihn ja auch weiter zeichnen. Die fünfte Staffel ist ja in der Vorbereitung.“
Anne Kunze ergänzt, dass die Figur Hans Litten auch in der kommenden fünften Staffel von Babylon Berlin weiter vorkommen wird.
Hans Litten – Anwalt gegen Hitler
Knut Bergbauer, Sabine Fröhlich, Stefanie Schüler-Springorum
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:22:59 „Es gibt übrigens eine sehr schöne Biografie über Hans Litten von Knut Bergbauer, Sabine Fröhlich und Stefanie Schüler-Springorum. Das heißt Hans Litten, Anwalt gegen Hitler. Kann ich sehr empfehlen, wer sich für diese Person interessiert. Die haben das wirklich klein zusammengetragen.“
Sabine Rückert empfiehlt diese Biografie als zentrale Quelle für alle, die sich für Hans Litten interessieren. Sie lobt die sorgfältige Recherche der Autoren und liest im weiteren Verlauf der Episode mehrfach daraus vor.
Aufsatz über den Edenpalastprozess
Christoph Mauntel
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:26:33 „Denn der hat einen großartigen Aufsatz geschrieben über den wohl wichtigsten Prozess, den Hans Litten geführt hat. Das ist der Edenpalastprozess, der vor eben diesem Gericht quasi stattgefunden hat. Und wenn ich in den nächsten paar Minuten im Gespräch mit dir so ein bisschen zitiere, dann ist vieles von dem, was ich gelernt habe, Christoph Mauntel zu verdanken.“
Andreas Sentker verweist auf einen Aufsatz des Vizepräsidenten des Landgerichts Berlin, Christoph Mauntel, über den Edenpalastprozess als wichtige Quelle für seine eigene Vorbereitung auf das Gespräch. Der genaue Titel wird nicht genannt.
Vossische Zeitung
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:36:14 „Zum Beispiel die Vossche Zeitung, eine damals sehr anerkannte, tolle Zeitung, fast Wortprotokolle der Prozesse veröffentlicht hat.“
Andreas Sentker hebt die Vossische Zeitung als wichtige historische Quelle hervor, die damals fast wörtliche Protokolle der Gerichtsverhandlungen veröffentlichte. Dank dieser detaillierten Berichterstattung ist es heute möglich, den Prozess so präzise nachzuerzählen.
Der Wolf und die sieben Geißlein
Brüder Grimm
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:40:28 „Jetzt haben sie versucht, wie der Wolf in dem Märchen mit den sieben Geißlein, der mit der geweißten Tatze ans Fenster klopft und mit einer hohen Stimme spricht, so wollen sie jetzt versuchen an die Macht zu kommen, nämlich als brave Bürger und gesetzestreue Politiker.“
Sabine Rückert nutzt das Grimm-Märchen als Metapher für Hitlers Legalitätsstrategie: Nachdem die NSDAP mit offener Gewalt in München gescheitert war, versuchte sie nun, sich als harmlose, gesetzestreue Partei zu tarnen – wie der Wolf, der sich als Mutter verkleidet.
Der Nazi-Sozi
Joseph Goebbels
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:42:54 „Dann ist nun wieder Hans Litten an der Reihe, der den Zeugen Hitler nach dem Inhalt der Broschüre der Nazi-Sozi des Propagandaleiters der NSDAP befragte, in der zum Kampf mit den Fäusten aufgerufen und gedroht wird, das Parlament zum Teufel zu jagen.“
Die Goebbels-Broschüre 'Der Nazi-Sozi' ist ein zentrales Beweisstück im Prozess. Litten nutzt sie, um Hitler in Bedrängnis zu bringen und nachzuweisen, dass die NSDAP entgegen ihrem Legalitätsversprechen zu Gewalt aufruft. Hitler versucht sich davon zu distanzieren, indem er behauptet, die Schrift sei nicht parteiamtlich.
Erinnerungen an den Prozess
James Broh
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:48:40 „Es gibt aber auch Menschen, die das nicht so sehen. Zum Beispiel James Broh, der sich viel später dazu gemeldet hat. Es war ein ehemaliger Rätekommunist und ein Kollege von Litten in Berlin. Und er hat seine Erinnerungen an den Prozess später aus dem Pariser Exil aufgeschrieben.“
Sabine Rückert zitiert ausführlich aus den Erinnerungen des Rätekommunisten James Broh, der den Prozess als Zuschauer erlebte. Im Gegensatz zur jubelnden Presse sah Broh Hitler als den Überlegenen, der Littens präzise Fragen mit geschicktem Wortschwall parierte.
Der Angriff
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:50:08 „Und es gibt das Nationalsozialistische Kampfblatt Angriff. Ja, das preist natürlich den standhaften Führer und schießt sich nun auf Litten ein, den Zitat, kleinen dicklichen Halbjuden mit ungeschorenem Haar. Und ruft dazu auf, dem das Handwerk zu legen.“
Das NS-Kampfblatt 'Der Angriff' wird als Beispiel dafür angeführt, wie die nationalsozialistische Presse nach dem Prozess Hans Litten antisemitisch diffamierte und quasi öffentlich zu Gewalt gegen ihn aufrief.
Erinnerungen von Richard Thomas
Richard Thomas
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:58:17 „Da gibt es eine Dokumentation eines Mitgefangenen, der heißt Richard Thomas und der erinnert sich so an Litten. Rechtsanwalt Dr. Litten, dieser junge, ideale Mensch, kam erst etwas später zu uns, aber sein Einzug bei uns in Brandenburg erfolgte mit fast ständigem Prügeln.“
Sabine Rückert zitiert aus den Aufzeichnungen des KZ-Mitgefangenen Richard Thomas, um die systematische Folter und Misshandlung Littens im KZ Brandenburg zu dokumentieren. Thomas beschreibt, wie Litten täglich geschlagen wurde und selbst ein ehemaliger Mandant sich an den Misshandlungen beteiligte.
Gedichte
Rainer Maria Rilke
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 01:00:22 „Am 16. Februar 1937 wird er ins KZ Dachau eingeliefert und er beeindruckt seine Mithäftlinge dadurch, dass er zum Beispiel Rilke zitiert, als hätte er ihn gerade gestern auswendig gelernt.“
Andreas Sentker schildert, wie Hans Litten im KZ Dachau seine Mithäftlinge beeindruckte, indem er Rilke auswendig rezitierte. Anne Kunze ergänzt, Litten sei ein großer Verehrer Rilkes gewesen. Die Lyrik diente Litten als geistiger Rückzugsort angesichts der brutalen KZ-Haft.
Eine Mutter kämpft gegen Hitler
Irmgard Litten
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 01:01:15 „Die Gräfin Dönhoff, also die ehemalige Herausgeberin der Zeit, hat über Litten geschrieben, völlig unvermittelt, also es gab gar keinen Anlass, es war 1986, aber sie hat das Buch der Mutter, die über ihren Sohn geschrieben hat, eine Mutter kämpft gegen Hitler. Das hat sie besprochen für die Zeit.“
Sabine Rückert erzählt vom Ende Hans Littens im KZ Dachau und erwähnt das Buch seiner Mutter Irmgard Litten, die unermüdlich für die Freilassung ihres Sohnes kämpfte. Das Buch wurde 1986 von der Zeit-Herausgeberin Gräfin Dönhoff rezensiert, was zu einem bedeutsamen Leserbrief eines ehemaligen Mithäftlings führte, der Littens letzte Tage schilderte.
Artikel über Hans Litten
Marion Gräfin Dönhoff
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 01:01:15 „Die Gräfin Dönhoff, also die ehemalige Herausgeberin der Zeit, hat über Litten geschrieben, völlig unvermittelt, also es gab gar keinen Anlass, es war 1986, aber sie hat das Buch der Mutter, die über ihren Sohn geschrieben hat, eine Mutter kämpft gegen Hitler. Das hat sie besprochen für die Zeit.“
Sabine Rückert erwähnt, dass Marion Gräfin Dönhoff 1986 in der ZEIT eine Besprechung von Irmgard Littens Buch 'Eine Mutter kämpft gegen Hitler' veröffentlichte. Über diesen Artikel kam dann ein Leserbrief eines ehemaligen Mithäftlings von Litten, der wichtige Zeitzeugenberichte über Littens letzte Tage in Dachau lieferte.