ZEIT Verbrechen – Ich bereue nichts!
#153

Ich bereue nichts!

ZEIT Verbrechen / 19. September 2023 / 9 Medien

Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste

In dieser Folge geht es um Paragraf 293 der russischen Strafprozessordnung — das Recht auf ein letztes Wort vor der Verurteilung. Russland-Korrespondent Michael Thumann schildert, wie politische Gefangene diesen Moment nutzen, um vor ihrer möglicherweise endgültigen Verurteilung noch einmal frei und unzensiert zu sprechen — ein Akt des Widerstands in einem System, in dem Haftstrafen einem schleichenden Todesurteil gleichkommen können.

„Die Haftstrafe ist eine protrahierte Todesstrafe, eine langsam sich hinziehende — wie das in russischen Lagern ja gar nicht so unbeabsichtigt ist, dass der eine oder andere dabei über die Klinge springt.“
🗣 Sabine Rückert

Erwähnte Medien (9)

Die letzten Helden
Artikel

Die letzten Helden

Michael Thumann, Alice Bota, Katharina Lobenstein

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:28 „Es geht um einen Titel, der in der Zeit vor kurzem erschienen ist, mit der Überschrift auf der Seite 1, die letzten Helden. Und es geht um Menschen, die vor Gericht stehen und die vielleicht nie wieder auftauchen und bei denen die Haftstrafe eine protrahierte Todesstrafe ist.“

Das Dossier der ZEIT bildet den Hauptgegenstand der gesamten Episode. Sabine Rückert stellt den Artikel vor, der letzte Worte russischer politischer Gefangener vor Gericht dokumentiert. Im Verlauf des Gesprächs wird erklärt, dass die Idee von Katharina Lobenstein kam, die dann Alice Bota und Michael Thumann als Co-Autoren hinzuzog.

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Podcast

Ostcast

Michael Thumann, Alice Bota

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:02:42 „Michael mit seiner Kollegin und auch meiner Kollegin Alice Botha einen eigenen Podcast macht. Der heißt Ostcast und ich bin ein Riesenfan davon. Es geht um Russland und um alle Länder, die auf keinen Fall so wie Russland sein wollen.“

Sabine Rückert stellt den Gast Michael Thumann vor und empfiehlt dabei ausdrücklich seinen Podcast Ostcast, den er gemeinsam mit der ehemaligen Moskau-Korrespondentin Alice Bota produziert. Sie bezeichnet sich selbst als 'Riesenfan' und empfiehlt den Podcast den Zuhörern.

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Podcast

Unter Pfarrerstöchtern – Ostersendung 2022: Macht und Widerstand

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:23:33 „Aber wir haben sie in der Ostersendung unseres Podcasts unter Pfarrerstöchtern einmal ganz verlesen lassen. Das war die Ostersendung 2022, Macht und Widerstand heißt die. Und da liest unser Sprecher die gesamte Rede, Nawalny ist damals vor Gericht.“

Sabine Rückert verweist auf eine konkrete Episode des Podcasts Unter Pfarrerstöchtern, in der Nawalnys vollständige Gerichtsrede vorgelesen wurde. Sie empfiehlt den Hörern, dort reinzuhören, da die Rede zu lang für die aktuelle Sendung sei.

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Aufzeichnungen aus einem Totenhaus
Buch

Aufzeichnungen aus einem Totenhaus

Fjodor Dostojewski

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:26:29 „Wie muss man sich denn so ein Gefängnis vorstellen? Es gibt ja mehrere Sorten von Gefängnissen. Es gibt psychiatrische Anstalten, in denen die Leute verschwinden. Es gibt Lager, das erinnert mich an Dostoevsky und an Solzhenitsyn.“

Sabine Rückert zieht eine literarische Parallele zwischen den heutigen russischen Straflagern und den Beschreibungen bei Dostojewski und Solschenizyn. Daniel Müller bestätigt, dass diese Erinnerung berechtigt sei, da das russische Lagersystem tatsächlich noch weitgehend sowjetisch geprägt ist.

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Der Archipel Gulag
Buch

Der Archipel Gulag

Alexander Solschenizyn

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:26:29 „Es gibt Lager, das erinnert mich an Dostoevsky und an Solzhenitsyn. Und es gibt normale Gefängnisse. Wodurch unterscheiden sich diese Institutionen?“

Sabine Rückert erwähnt Solschenizyn zusammen mit Dostojewski als literarische Referenz für die Beschreibung russischer Straflager. Daniel Müller greift die Parallele auf und bestätigt, dass das heutige System in der Tradition des Gulag steht, der früher unter Stalin so hieß und heute FSIN heißt.

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Film

Ilya Yashins YouTube-Video über das Massaker in Butscha

Ilja Jaschin

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:32:26 „Ilya Yashin. Politiker aus Moskau. Der hatte in einem YouTube-Video über das Massaker in Butscha gesprochen. Wir erinnern uns alle an die schrecklichen Bilder aus Butscha.“

Andreas Sentker stellt den Fall des Moskauer Politikers Ilja Jaschin vor, der wegen eines YouTube-Videos über das Massaker von Butscha vor Gericht stand und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Das Video war der konkrete Anlass für seine Verhaftung und Verurteilung.

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Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?
Essay

Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?

Immanuel Kant

🗣 Anne Kunze zitiert daraus bei ⏱ 00:38:20 „Erstens, Wörter haben Bedeutung. Zweitens, man muss die Dinge beim Namen nennen. Und schließlich, sapere aude, habe den Mut, dich deines Verstandes zu bedienen.“

Anne Kunze liest die letzten Worte von Alla Gutnikova vor Gericht vor. Gutnikova zitiert Kants berühmten Wahlspruch der Aufklärung – 'sapere aude' – als Aufruf zum eigenständigen Denken gegen staatliche Unterdrückung. Das Zitat stammt aus Kants Essay von 1784 und wird hier bewusst als Akt des Widerstands eingesetzt.

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Des Kaisers neue Kleider
Buch

Des Kaisers neue Kleider

Hans Christian Andersen

🗣 Daniel Müller referenziert bei ⏱ 00:42:01 „Und der hatte halt diese Telegram-Gruppe gegründet gegen den Krieg und wurde dann zu acht Jahren verurteilt und hat eben auch in seinen letzten Worten da gestanden und hat dann gesagt, mit Blick und Hinweis auf Putin habt keine Angst zu sagen, dass der Kaiser keine Kleider trägt.“

Daniel Müller berichtet über den Mathematikstudenten Dmitri Ivanov, der wegen einer Anti-Kriegs-Telegram-Gruppe zu acht Jahren Straflager verurteilt wurde. In seinen letzten Worten vor Gericht verwies Ivanov auf Andersens Märchen und rief dazu auf, keine Angst davor zu haben, die Wahrheit über Putin auszusprechen – so wie das Kind im Märchen die Nacktheit des Kaisers benennt.

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1984
Buch

1984

George Orwell · 1949

🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:52:12 „Wiederhole für dich und andere. Zwei plus zwei ist vier. Schwarz ist schwarz. Weiß ist weiß. Ich bin ein mutiger, starker Mann. Ich bin eine mutige, starke Frau.“

Anne Kunze liest die letzten Worte von Alla Gutnikova vor Gericht vor. Gutnikova zitiert das zentrale Motiv aus Orwells '1984' – 'Zwei plus zwei ist vier' – als Symbol für die Verteidigung objektiver Wahrheit gegen ein totalitäres System, das die Realität verbiegen will. Die Passage ist ein impliziter, aber unmissverständlicher Verweis auf den Roman.

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