Der Fall Dieter Wedel – Im Zwielicht
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Die Episode widmet sich dem Fall Dieter Wedel – einem Mann, der Fernsehgeschichte schrieb und zugleich als großer Übeltäter in Verdacht steht. Schon die Ankündigung macht klar: Eine Folge wird für diesen überdimensionalen Fall nicht reichen. Zuvor empfiehlt Sabine Rückert das neue Kriminalmagazin zum Thema Nachbarschaft, darunter die erschütternde Geschichte *Leben nach Thea* über ein missbrauchtes und ermordetes Mädchen und das Aufeinandertreffen der Hinterbliebenen mit der Tochter des Täters.
„Eine Folge wird nicht reichen und es kann ja auch sein, dass er ein ganz großer Übeltäter ist und darüber werden wir uns auch unterhalten. Auch darin hat er überdimensionale Dimensionen.“
Erwähnte Medien (16)
ZEIT Verbrechen Kriminalmagazin (Ausgabe zum Thema Nachbarschaft)
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:03 „Es handelt sich um das neue Kriminalmagazin, das eben gerade vor einer knappen Woche erschienen ist. Diesmal zum Thema die Nachbarschaft. Die Nachbarschaft ist ja ein ewiger Born des Ärgers, des Hasses und irgendwann auch des Verbrechens.“
Sabine Rückert stellt das aktuelle ZEIT-Kriminalmagazin vor, das sich dem Thema Nachbarschaftskonflikte widmet. Sie hebt die Gestaltung durch Artdirektorin Julia Steinbrecher hervor und beschreibt mehrere Geschichten aus dem Heft.
Leben nach Thea
Josef Saller
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:02:10 „Eine andere Geschichte, die sehr tragisch ist und aber großartig aufgeschrieben, von unserem Autor Josef Saller mit dem Titel Leben nach Thea. Und es geht um eine Frau, die mit ihrer Tochter über die ermordete kleine Schwester spricht, die lange Zeit missbraucht worden ist von einem Verwandten dieser Mutter.“
Sabine Rückert empfiehlt die Reportage aus dem Kriminalmagazin als besonders tragisch und großartig geschrieben. Die Geschichte handelt von einem Gespräch zwischen Hinterbliebenen eines ermordeten Mädchens und der Tochter des Mörders – eine journalistische Leistung, die enormen Aufwand und Einfühlsamkeit erforderte.
Die kleinen Verbrechen
Ursula Merz
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:03:02 „Dann haben wir natürlich auch die kleinen Verbrechen von Ursula Merz. Eine verrückte Reihe über verurteilte Tiere. Früher hat man ja auch Tiere verurteilt, die Verbrechen begangen haben oder das, was man unter Verbrechen versteht.“
Sabine Rückert stellt Inhalte des neuen ZEIT-Verbrechen-Kriminalmagazins vor. Die kleinen Verbrechen ist eine eigenständige Kolumne/Reihe von Ursula Merz, die in dieser Ausgabe historische Tierprozesse behandelt.
2001: Odyssee im Weltraum
Stanley Kubrick
🗣 Andreas Sentker erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:03:36 „Und wir erinnern uns an einen berühmten Computer in einem Film, Hell.“
Andreas Sentker spricht über die Idee, dass Maschinen eines Tages vor Gericht stehen könnten, und verweist auf den berühmten Computer HAL aus Kubricks Film als Beispiel für eine Maschine, die eigenständig tötet. Der Name wird im Transkript als 'Hell' wiedergegeben, gemeint ist HAL 9000.
Babylon Berlin
Tom Tykwer / X-Filme · 2017
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:04:42 „Die Leute, die uns verfilmen, sind ganz berühmt. Es handelt sich nämlich um die Produktionsgesellschaft X-Filme. Babylon Berlin, sage ich.“
Sabine Rückert erwähnt Babylon Berlin als Referenzwerk der Produktionsgesellschaft X-Filme, die die Verfilmung der ZEIT-Verbrechen-Recherchen für Paramount+ übernimmt. Sie nennt die Serie, um die Bekanntheit und Qualität der Produktionsfirma zu unterstreichen.
Weinstein-Enthüllung (The New Yorker)
Ronan Farrow
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:08:43 „Also Weinstein, Harvey Weinstein, der große Hollywood-Produzent, das war im Herbst 2017, dass ein Artikel in der New York Times erschien und ein Artikel im New Yorker. Da haben mehrere Schauspielerinnen, Frauen, auch Mitarbeiterinnen von ihm, ihm vorgeworfen, dass er sie sexuell genötigt oder sogar vergewaltigt hat.“
Anne Kunze schildert den Ausgangspunkt der MeToo-Bewegung. Neben dem bereits erfassten New-York-Times-Artikel wird explizit auch der New-Yorker-Artikel erwähnt, der ebenfalls die Weinstein-Vorwürfe öffentlich machte.
Weinstein-Enthüllung (New York Times)
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:08:56 „Weinstein, Harvey Weinstein, der große Hollywood-Produzent, das war im Herbst 2017, dass ein Artikel in der New York Times erschien und ein Artikel im New Yorker. Da haben mehrere Schauspielerinnen, Frauen, auch Mitarbeiterinnen von ihm, ihm vorgeworfen, dass er sie sexuell genötigt oder sogar vergewaltigt hat.“
Anne Kunze ordnet die eigene Recherche zeitlich ein, indem sie auf die Weinstein-Enthüllungen im Herbst 2017 verweist. Die Artikel in der New York Times und im New Yorker lösten die MeToo-Bewegung aus und schufen den Kontext, in dem auch der Fall Wedel an die Öffentlichkeit kam.
Einmal im Leben – Geschichte eines Eigenheims
Dieter Wedel
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:12:41 „Der hat seinen ersten Durchbruch 1972 einmal im Leben, hieß da ein Dreiteiler und der beschrieb eine bundesdeutsche Bevölkerung damals, für die war das total elektrisierend. Das war so das Lebensthema. Eine Familie baut ein Eigenheim und wird von allen so übers Ohr gehauen.“
Andreas Sentker ordnet die Karriere von Dieter Wedel ein und beschreibt dessen Durchbruch 1972 mit dem Dreiteiler über eine Familie, die beim Hausbau betrogen wird. Die Serie erreichte Einschaltquoten von bis zu 68 Prozent und begründete Wedels Ruf als großer Fernsehregisseur.
Der große Bellheim
Dieter Wedel
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:13:23 „Also der Bellheim, den fand ich auch noch etwas langweilig. Die Warenhausgeschichte.“
Sabine Rückert erwähnt den Bellheim als eines von Wedels Werken, das sie persönlich etwas langweilig fand – im Kontrast zum Schattenmann, den sie großartig findet. Die Warenhausgeschichte dient als Vergleichspunkt in der Diskussion über Wedels Fernsehwerk.
Der Schattenmann
Dieter Wedel
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:13:28 „Aber zum Beispiel der Schattenmann war großartig. Schattenmann ist ein ganz toller, der hat ja mehr oder weniger die Serie entdeckt. Es hat es ja damals nicht gegeben. Serien, was wir heute auf Netflix uns reinbingen, das hat es damals nicht gegeben. Damit hat er angefangen.“
Sabine Rückert hebt den Schattenmann als herausragendes Werk von Dieter Wedel hervor und schreibt ihm eine Pionierrolle zu: Wedel habe mit seinen Mehrteilern das Serienformat im deutschen Fernsehen quasi erfunden, lange bevor Netflix-Serien populär wurden.
Der ganz normale Wahnsinn
Helmut Dietl · 1979
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:14:05 „Der ganz normale Wahnsinn, Münchner Geschichten, Monaco-Franze und... Monaco-Franze kann man sich übrigens auf Netflix angucken.“
Jana Simon weist darauf hin, dass Helmut Dietl als Serienpionier oft vergessen wird, woraufhin Sabine Rückert seine bekanntesten Serien aufzählt. Dietl wird als Gegengewicht zu Wedel positioniert – jemand, der eher die jüngere Generation ansprach und bis heute Kultstatus genießt.
Münchner Geschichten
Helmut Dietl
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:14:05 „Der ganz normale Wahnsinn, Münchner Geschichten, Monaco-Franze und... Monaco-Franze kann man sich übrigens auf Netflix angucken.“
Im Kontext der Diskussion über Helmut Dietl als unterschätzten Serienpionier neben Wedel listet Sabine Rückert seine legendären Serien auf, darunter die Münchner Geschichten.
Monaco Franze – Der ewige Stenz
Helmut Dietl · 1983
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:14:13 „Monaco-Franze kann man sich übrigens auf Netflix angucken. Der hat es inzwischen nach Netflix geschafft. Ich habe ihn mir kürzlich angeguckt. Er ist bezaubernd.“
Sabine Rückert empfiehlt Monaco Franze als bezaubernde Serie, die nun auch auf Netflix verfügbar ist. Sie hat sie sich selbst kürzlich angesehen und zeigt damit, dass Dietls Werk auch Jahrzehnte nach der Erstausstrahlung noch sehenswert ist.
Der König von St. Pauli
Dieter Wedel
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:15:05 „Er hat ihr ein Drehbuch in die Hand gedrückt, es ging um ein Vorsprechen für den König von St. Pauli.“
Anne Kunze erwähnt den König von St. Pauli als die Produktion, für die Gianni Tempel 1996 bei Dieter Wedel im Hotel Vier Jahreszeiten vorsprechen sollte. Das Casting für diesen Mehrteiler war der Rahmen, in dem der mutmaßliche Übergriff stattfand.
Artikel in der Abendzeitung über Wedel-Theaterstück
🗣 Jana Simon referenziert bei ⏱ 00:43:37 „Und da ging es um eine Schauspielerin, die auch als Regisseurin gearbeitet hat, die in München ein Theaterstück inszeniert hat, wo sie den Namen Dieter Wedel verändert hat. Wir haben dann eine Recherche angestellt und sind auf einen Artikel gestoßen in der Abendzeitung damals.“
Während der Recherche stießen die Journalistinnen auf einen Artikel in der Münchner Abendzeitung, der über eine Schauspielerin und Regisseurin berichtete, die in einem Theaterstück die Bademantelgeschichte mit Wedel verarbeitet hatte. Dieser Artikel wurde zu einem wichtigen Puzzlestück, das sie auf drei weitere Betroffene führte.
Im Zwielicht
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:53:20 „Am 5. Januar 2018 erscheint der Artikel Im Zwielicht im Zeitmagazin. Und was danach geschah, darüber sprechen wir in der nächsten Folge, liebe Hörerinnen und Hörer.“
Der Artikel 'Im Zwielicht' im ZEITmagazin ist das zentrale Ergebnis der monatelangen Recherche von Anne Kunze und Jana Simon über die Missbrauchsvorwürfe gegen Dieter Wedel. Er erschien am 5. Januar 2018 mit einem Doppelcover – Gianni Tempels Zitat auf der einen, Wedels Reaktion auf der anderen Seite – und löste eine breite öffentliche Debatte über Verdachtsberichterstattung aus.