Ich war's nicht!
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In dieser Live-Folge aus dem Kölner Theater am Tanzbrunnen geht es um zwei Sexualstraftäter, die auf ungewöhnlichem, aber legalem Weg aus dem Gefängnis kamen — und damit Rechtsgeschichte schrieben. Der erste Fall dreht sich um Albert Heiden, einen 68-Jährigen, der 1999 vom Landgericht Passau wegen Vergewaltigung einer Zwölfjährigen verurteilt wurde und unter höchst ungewöhnlichen Umständen in bayerischer Haft festgehalten wurde — ein Fall, der Bundesverfassungsgericht, Kanzleramt und Justizminister aller Länder beschäftigte.
„Also man verließ auf sehr ungewöhnlichen Wegen das Gefängnis, aber auf legalen. Die haben in gewisser Weise auch Rechtsgeschichte geschrieben, die beiden.“
Erwähnte Medien (12)
Über den Umgang mit Menschen
Adolph Freiherr von Knigge
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:00:48 „Es hat mit Freiherr von Knigge zu tun und der sagt, jedenfalls in so einer Ausgabe von 1960 glaube ich, auf fremdem Gelände geht immer der Mann vor.“
Andreas Sentker erklärt humorvoll, warum er immer zuerst auf die Bühne geschickt wird. Er bezieht sich auf eine Benimmregel aus Knigges Standardwerk, wonach auf fremdem Gelände der Mann vorgeht. Die Erwähnung dient als launiger Einstieg in die Live-Folge.
Wird er es wieder tun
Sabine Rückert
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:02:27 „Wird er es wieder tun, heißt die Frage über diesen Text und er beginnt so.“
Andreas Sentker leitet den ersten Fall des Abends ein, indem er auf Sabine Rückerts ZEIT-Dossier aus dem Jahr 2003 verweist. Der Artikel behandelte den Fall des Sexualstraftäters Albert Haydn und die Frage der Rückfallgefahr. Das Dossier bildet die erzählerische Grundlage für den gesamten ersten Fall der Episode.
13-bändiges Werk über Philosophie
Johannes Drindl
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:17:36 „Er ist inzwischen Philosoph und hat ein 13-bändiges Werk über Philosophie geschrieben. In dem du vorkommst. Nein, wo ich aber immer daran teilhaben darf, weil er mir die Bände schickt.“
Sabine Rückert erwähnt, dass der Verteidiger Dr. Dr. Drindl inzwischen Philosoph geworden ist und ein umfangreiches 13-bändiges philosophisches Werk verfasst hat. Der genaue Titel wird nicht genannt, Rückert berichtet aber, dass sie die Bände regelmäßig zugeschickt bekommt. Die Erwähnung unterstreicht Drindls philosophische Neigung, die sich schon in seiner Verfassungsbeschwerde zeigte.
Politeia
Platon
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:17:47 „Und schon damals fing er mit Platon und mit allen möglichen Philosophen, beginnt er diese Verfassungsbeschwerde. Rousseau und Platon und so weiter. Schon in der Politeia und so weiter.“
Sabine Rückert beschreibt die ungewöhnliche Verfassungsbeschwerde von Verteidiger Dr. Dr. Drindl, der seinen juristischen Text mit philosophischen Referenzen anreicherte. Platons Politeia wird als eines der Werke genannt, mit denen Drindl seine Argumentation gegen die nachträgliche Sicherungsverwahrung untermauerte.
Artikel über übergriffige Demenzkranke
Amtsrichter Melzer
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:27:53 „Und wir haben ja auch kürzlich einen Artikel in der Zeit gehabt von unserem Amtsrichter Melzer, der sagt, es gibt viele alte Leute, die mit dem zerebralen Zerfallsprozess, der auch mit der Demenz einhergeht, eben nicht mehr her, die können sich nicht mehr kontrollieren und benehmen sich dann also übergriffig.“
Sabine Rückert verweist auf einen kürzlich in der ZEIT erschienenen Artikel von Amtsrichter Melzer, der das Phänomen beschreibt, dass demenzkranke ältere Menschen aufgrund ihres zerebralen Verfalls die Kontrolle über ihr Verhalten verlieren und übergriffig werden. Die Erwähnung dient dazu, Albert Haydns späteres Verhalten im Altersheim einzuordnen.
Gestehen Sie Endlich?
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:34:04 „Und jetzt passiert etwas, was wir ja immer wieder auch in unserem Podcast thematisiert haben, zum Beispiel in der schönen Folge Gestehen Sie Endlich?“
Sabine Rückert verweist auf eine frühere Folge des eigenen Podcasts ZEIT Verbrechen, in der es um das Phänomen falscher Geständnisse und problematischer Polizeiverhöre ging. Der Verweis dient als thematische Brücke, weil im aktuellen Fall ebenfalls ein umstrittenes Geständnis nach einem undokumentierten Vorgespräch mit der Polizei eine zentrale Rolle spielt.
Es geschah beim Schützenfest
🗣 Andreas Sentker empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:51:40 „Ich habe gesehen eine Sendung, die in Deutschland zum ersten Mal am 28. März 2000 ausgestrahlt worden ist, in der Reihe 37 Grad im ZDF, die es damals schon gab. Es geschah beim Schützenfest, heißt die Folge und sie fragt im Untertitel, ist Franz Josef S. wirklich der Täter?“
Andreas Sentker erwähnt eine ZDF-Dokumentation aus der Reihe 37 Grad, die den Fall Franz Josef S. aufgriff und die Frage stellte, ob er wirklich der Täter war. In dem Film tritt Franz Josef S. selbst auf und schildert seine Version der Ereignisse, die deutlich von seinem Geständnis abweicht. Die Sendung war Teil einer breiteren Medienberichterstattung, die Zweifel an der Verurteilung weckte.
37 Grad
🗣 Andreas Sentker erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:51:40 „Ich habe gesehen eine Sendung, die in Deutschland zum ersten Mal am 28. März 2000 ausgestrahlt worden ist, in der Reihe 37 Grad im ZDF, die es damals schon gab.“
Die ZDF-Sendereihe 37 Grad wird als Rahmen genannt, in dem die Dokumentation über den Fall Franz Josef S. ausgestrahlt wurde. Andreas Sentker ordnet die Sendung zeitlich ein – sie lief vor dem rechtsmedizinischen Gutachten vom November 2000, was für die Chronologie des Falls relevant ist.
Fliege
Jürgen Fliege
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:53:20 „Pfarrer Fliege war auch eingeschaltet, der damalige Fernsehpfarrer von Sat.1. Der hat ja dann auch ein Interview mit dem Herrn S. gemacht.“
Im Zusammenhang mit der medialen Aufmerksamkeit für den Fall Franz Josef S. erwähnt Sabine Rückert, dass auch die bekannte TV-Talkshow 'Fliege' mit Jürgen Fliege ein Interview mit dem Verurteilten geführt hat. Dies zeigt, wie breit die Medienberichterstattung über den Fall war.
Aktuelle Stunde
🗣 Andreas Sentker erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:00:09 „In dieser Dokumentation im ZDF sieht man lauter Einschreibebelege an den Johannes Rau, an die Aktuelle Stunde des WDR. Es geht quer durch, es geht an Justizminister, es geht an Zeitungen, an Magazine, ans Fernsehen.“
Die WDR-Sendung 'Aktuelle Stunde' wird als eine der vielen Medienredaktionen genannt, an die Franz Josef S. aus dem Gefängnis Einschreiben geschickt hat, um seine Unschuld zu beteuern. Es handelt sich um eine beiläufige Erwähnung im Kontext seiner Briefkampagne.
Dokumentation über Franz Josef S.
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 01:00:19 „In dieser Dokumentation im ZDF sieht man lauter Einschreibebelege an den Johannes Rau, an die Aktuelle Stunde des WDR. Es geht quer durch, es geht an Justizminister, es geht an Zeitungen, an Magazine, ans Fernsehen, überall sagt er, ich war's nicht.“
Andreas Sentker verweist auf eine ZDF-Dokumentation über den Fall Franz Josef S., in der Einschreibebelege gezeigt werden, die der Verurteilte an Politiker, Medien und Justiz geschickt hat, um seine Unschuld zu beteuern. Der genaue Titel der Dokumentation wird nicht genannt.
Mein Leben
Franz Josef S.
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 01:05:36 „Liest man die 1983 und 1984 gefertigten Aufzeichnungen 'Mein Leben', das Tagebuch des Franz Josef S., so schildert sich Herr S. hier in einer etwas sentimentalen Weise als einen überaus braven und pflichtbewussten Postbeamten, der sich nun in seiner Rolle als unschuldiges Opfer in die Nähe des zum Kreuzestod verurteilten Jesus rückt.“
Sabine Rückert zitiert aus dem psychiatrischen Gutachten von Professor Kröber, der das Tagebuch 'Mein Leben' von Franz Josef S. analysiert hat. Kröber beschreibt darin, wie sich der Verurteilte als unschuldiges Opfer stilisiert und sich mit Jesus vergleicht. Das Tagebuch entstand 1983/84 in der Haft.