Die Jagd auf Julian Assange
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Holger Stark, stellvertretender Chefredakteur und Leiter des Investigativteams der ZEIT, berichtet von seiner ersten Begegnung mit Julian Assange im Sommer 2010 in London, als er noch für den Spiegel arbeitete und eine Reihe spektakulärer Veröffentlichungen vorbereitete. Im Zentrum steht das berüchtigte Collateral Murder-Video, das zeigt, wie US-Hubschrauberpiloten im Irak eine Gruppe Zivilisten niederschossen — zugespielt von der damaligen Soldatin Chelsea Manning.
„Dieses Video ist im März 2010 veröffentlicht worden und wirklich einmal um die Welt gegangen, weil es so emotional ist.“
Erwähnte Medien (6)
Collateral Murder
WikiLeaks
🗣 Holger Stark referenziert bei ⏱ 00:03:20 „Das ist das Video Collateral Murder, was Wikileaks damals zugespielt bekommen hat, wie wir heute wissen, von einem amerikanischen Soldaten, Bradley Manning, heute Chelsea Manning. Und was zeigt, wie im Irak Apache-Hubschrauberpiloten in wirklich menschenverachtender Art und Weise eine Gruppe von Irakis am Boden niedermähen, indem sie den Feuerknopf drücken.“
Holger Stark beschreibt das erste große WikiLeaks-Video, das im März 2010 veröffentlicht wurde und WikiLeaks weltberühmt machte. Es zeigt, wie US-Hubschrauberpiloten im Irak eine Gruppe Zivilisten beschießen, begleitet von zynischen Kommentaren der Piloten. Dieses Video war der Wendepunkt, der WikiLeaks in die globale Aufmerksamkeit katapultierte.
Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit
Julian Assange
🗣 Holger Stark referenziert bei ⏱ 00:23:55 „Und dann kommt diese Einladung von einer Gewerkschafterin aus Schweden, die ihn zu einem Vortrag einlädt. Dieser Vortrag soll stattfinden am 14. August 2010 in Stockholm in Schweden. Und er will das eine mit dem anderen verbinden, nämlich mit der Piratenpartei reden über die Server, Wikileaks als ein Medienunternehmen registrieren und dann eine Rede halten zu dem wirklich guten Titel Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit.“
Holger Stark schildert Assanges Reise nach Schweden im August 2010, wo er auf Einladung einer schwedischen Gewerkschaft einen Vortrag hielt. Der Besuch sollte mehrere Zwecke erfüllen – neben der Rede wollte Assange WikiLeaks als Medienunternehmen registrieren und mit der Piratenpartei über Server-Hosting sprechen. Dieser Stockholm-Aufenthalt wird zum Ausgangspunkt der späteren Vergewaltigungsvorwürfe.
Vergewaltigungsvorwürfe gegen Julian Assange
🗣 Holger Stark referenziert bei ⏱ 00:33:19 „Die schwedische Boulevardzeitung Aftonbladet berichtet am 21.08., also genau eine Woche nachdem die Veranstaltung stattfand, schon mit großen Lettern und ganz schrill darüber Vergewaltigungsvorwürfe gegen Julian Assange. Damit ist das Ding verabschiedet sozusagen in der Welt und verselbstständigt sich auf eine Art.“
Holger Stark beschreibt, wie die schwedische Boulevardzeitung Aftonbladet als erste groß über die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange berichtete. Diese Veröffentlichung am 21. August 2010 machte den Fall öffentlich und entzog ihn der Kontrolle aller Beteiligten – ein Wendepunkt, ab dem sich die Ereignisse verselbstständigten.
Interview mit Julian Assange
Alexander Lacroix
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:50:11 „Er hat ein Interview gegeben der Zeit, und zwar dem Philosophen Alexander Lacroix. 2013 hat er dieses Interview gegeben. Da wurde er gefragt von diesem Philosophen, Herr Assange, wie geht es Ihnen? Da antwortet er noch ausgezeichnet.“
Im Gespräch über Assanges Jahre in der ecuadorianischen Botschaft wird ein Interview zitiert, das er 2013 der ZEIT gab. Darin zeigt sich Assange noch kämpferisch und selbstbewusst – er spricht davon, ein Imperium besiegt zu haben, und gibt sich optimistisch, obwohl er bereits seit einem Jahr eingesperrt ist. Das Interview markiert einen Wendepunkt, weil fast zeitgleich die Obama-Administration entschied, Assange nicht anzuklagen.
Leitartikel zur Freilassung von Julian Assange
Holger Stark
🗣 Holger Stark erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:00:51 „Ich habe neulich einen Leitartikel in der Zeit geschrieben, wo ich die Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert habe, anlässlich ihres Washington-Besuchs auf Biden einzuwirken, die Anklage zurückzuziehen und fallen zu lassen.“
Holger Stark erwähnt seinen eigenen Leitartikel in der ZEIT, in dem er Angela Merkel aufforderte, bei ihrem Washington-Besuch auf Präsident Biden einzuwirken, die Anklage gegen Assange fallenzulassen. Er ordnet damit seine eigene journalistische Positionierung im Fall ein und illustriert, wie wenig politischen Druck es auf die Biden-Administration gibt, Assange freizulassen.
Wallraff-Appell zur Freilassung von Julian Assange
Günter Wallraff
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 01:02:15 „Es gab den Wallraff-Appell. Günter Wallraff hat einen Appell organisiert. Viele prominente, intellektuelle, öffentliche Persönlichkeiten haben diesen Appell unterschrieben. Auch das ist ziemlich verhallt, muss man sagen.“
Andreas Sentker erwähnt den von Günter Wallraff initiierten öffentlichen Appell für Assanges Freilassung im Zusammenhang mit der Frage, ob sich die Situation in Großbritannien noch ändern könne. Der Appell wird als weitgehend wirkungslos eingestuft.