Drei Minuten Hass
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Die Episode kündigt zunächst das neue Kriminalmagazin Nummer 7 an, dessen Titelgeschichte dem Gift ungeklärter Fälle nachgeht — Hinterbliebene berichten von verschwundenen Verwandten und unaufgeklärten Verbrechen, die ganze Familien über Generationen vergiften. Unter den Fällen: eine Frau, deren Großmutter bei Hamburg zerstückelt aufgefunden wurde, und ein spektakulärer Frankfurter Mordprozess, den Reporterin Rachel Erdmann aufgearbeitet hat.
„Sie ist schön, jung und reich. Er ist auch schön, nicht mehr ganz jung und vor allem nicht so reich, wie alle denken. Um ein Teil der Frankfurter High Society zu bleiben, sieht er nur noch einen Weg. Er muss Irina A. töten.“
Erwähnte Medien (7)
Drei Minuten Hass
Ursula März
🗣 Ursula März empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:05:41 „Ihr habt ja vorhin schon einen Titel genannt, nämlich Drei Minuten Hass. So war auch der Titel der Reportage, die ich geschrieben habe vor vier Jahren. Und als ich sie schrieb, die eine Geschichte ist aus dem Jahr 2014, die eine andere schon von 2001.“
Ursula März stellt ihre eigene Reportage vor, die den beiden Fällen zugrunde liegt, über die in dieser Podcast-Folge gesprochen wird. Die Reportage handelt von zwei Begegnungen zwischen Männern, bei denen alltägliche Situationen in Hass und Aggression umschlagen. Sie erschien in der ZEIT.
Tödliche Begegnung
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:20:52 „Ja, das war die Folge tödliche Begegnung. Da hat ein junger Mann einen anderen getötet und wurde nur dadurch identifiziert, dass die Kamera das aufgezeichnet hat.“
Andreas Sentker fragt nach Videoüberwachung am Berliner Hauptbahnhof und erinnert an eine frühere ZEIT-Verbrechen-Folge, in der ein Mord auf einem Hamburger U-Bahnsteig dank Kameraaufzeichnung aufgeklärt werden konnte. Sabine Rückert bestätigt den Fall und beschreibt, dass dort zwei Sekunden Hass zum Tod führten — im Kontrast zum aktuellen Fall, wo genau diese Aufnahmen fehlen.
House of Cards
Beau Willimon · 2013
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:21:47 „Ganz berühmte Szene in der Serie House of Cards. Da wird ja von dem Hauptübeltäter dargestellt, von Kevin Spacey, eine junge Journalistin umgebracht. Und zwar genau auf diese Weise. Die steht auf einer Plattform, er hat sich dort mit ihr verabredet. Sie hat was über ihn herausgefunden und er sucht genau den Ort, wo die Kameras nicht hingucken und stößt sie dann im entscheidenden Moment vor die S-Bahn.“
Sabine Rückert zieht eine Parallele zwischen dem realen Fall und einer berühmten Szene aus House of Cards, in der Kevin Spaceys Figur eine Journalistin gezielt an einem kameralosen Ort vor eine S-Bahn stößt. Der Vergleich unterstreicht das Motiv des 'blinden Flecks' der Überwachungskameras, der auch im besprochenen Fall eine zentrale Rolle spielt.
Dick und Doof
Laurel & Hardy
🗣 Ursula März erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:28:33 „Die waren also wahnsinnig gegensätzlich, aber wie es auch oft ist bei Patt und Patachon oder bei Dick und Doof oder wie auch immer, überlegt man zwangsläufig, was ist denn eigentlich die Gemeinsamkeit?“
Ursula März vergleicht die beiden gegensätzlichen Männer im Gerichtssaal – den wortkargen Kontrolleur und den redefreudigen Rentner – mit berühmten Komiker-Duos, um die groteske Spiegelbildlichkeit der Situation zu veranschaulichen.
Pat und Patachon
Carl Schenstrøm / Harald Madsen
🗣 Ursula März erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:28:33 „Die waren also wahnsinnig gegensätzlich, aber wie es auch oft ist bei Patt und Patachon oder bei Dick und Doof oder wie auch immer, überlegt man zwangsläufig, was ist denn eigentlich die Gemeinsamkeit?“
Ursula März zieht den Vergleich mit dem dänischen Stummfilm-Komikerduo Pat und Patachon, um die komische Gegensätzlichkeit der beiden Männer im Berliner Gerichtssaal zu illustrieren.
Gerichtsreportage über Alltagsgewalt und Bagatellkriminalität
Ursula März
🗣 Andreas Sentker empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:32:32 „Du hast in deinem Text, den ich sehr zum Nachlesen empfehle, ein für mich sehr überraschendes und dann völlig nachvollziehbares Gedankenexperiment gemacht. Wir sind ja im November 2014 und du hast jetzt diese Szene einfach mal vorverlegt und zwar in den Juli 2014.“
Andreas Sentker empfiehlt ausdrücklich einen geschriebenen Text von Ursula März, in dem sie über die geschilderten Gerichtsfälle berichtet. Besonders hervorgehoben wird ein Gedankenexperiment, in dem März die aggressive S-Bahn-Szene vom November 2014 in den Sommer der Fußball-WM verlegt, um zu zeigen, wie gesellschaftliche Stimmung individuelles Verhalten beeinflusst. Der genaue Titel und Erscheinungsort werden nicht genannt.
Michael Kohlhaas
Heinrich von Kleist
🗣 Ursula März referenziert bei ⏱ 00:44:04 „Es ist eine Kohlhaas-Geschichte. Jemand, der um sein Recht, aber Kohlhaas hatte Recht, bei ihm weiß man es nicht, sozusagen sich selber eigentlich mehr oder weniger zugrunde richtet.“
Ursula März vergleicht den obsessiven Physiker Werner L., der nach einem Beinahe-Unfall monatelang seinen 'Fastmörder' vor Gericht bringen will und dabei seine Ehe und sein perfektes Leben gefährdet, mit der Figur des Michael Kohlhaas. Die Parallele liegt im zerstörerischen Kampf um vermeintliches Recht, wobei März einschränkt, dass Kohlhaas im Gegensatz zu Werner L. tatsächlich im Recht war.