Die Rache der Affen
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In dieser Folge geht es um einen Fall, der die Grenze zwischen Wissenschaft und Tierquälerei auslotet: Tierversuche am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen, die massive öffentliche Empörung auslösten. Moritz Aisslinger, Dossier-Redakteur der ZEIT, berichtet über seine Recherche aus dem Jahr 2017 — eine Geschichte, die extrem komplex und zwiespältig ist, weil am Ende niemand so richtig weiß, was man davon halten soll.
„Nach dem, was rausgekommen ist zuletzt, ist es kein Verbrechen. Es ist aber in den Augen vieler Menschen sehr wohl ein Verbrechen.“
Erwähnte Medien (8)
ZEIT Verbrechen (Magazin): Spurlos – wenn Menschen verschwinden
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:04 „Wir haben ein Zeitverbrechen-Heft mit der Titelgeschichte Spurlos, wenn Menschen verschwinden. Und da haben wir eine Geschichte auch drin, habe ich ja in der vorletzten Sendung gesagt, dass ich da noch mal ein bisschen was draus zitieren werde.“
Sabine Rückert stellt die aktuelle Ausgabe des ZEIT Verbrechen-Magazins vor und hebt die Titelgeschichte hervor, die sich mit dem Verschwinden von Menschen beschäftigt. Sie erwähnt dabei auch eine Geschichte über einen Surfer auf der Ostsee.
Fotoserie aus Berliner Kriminalgerichten
Leo Rosenthal
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:48 „Und wir haben eine tolle Fotoserie, aus den 20er und 30er Jahren von einem jüdischen Fotografen namens Leo Rosenthal. Der hat in Berliner Kriminalgerichten heimlich fotografiert. Also der hat seine Kamera mitgenommen und dann heimlich auf die Prozessbeteiligten gerichtet und hat da also richtig Originalaufnahmen gemacht.“
Im Rahmen der Vorstellung des ZEIT Verbrechen-Magazins hebt Sabine Rückert eine historische Fotoserie hervor. Der jüdische Fotograf Leo Rosenthal hat in den 1920er und 1930er Jahren heimlich in Berliner Kriminalgerichten fotografiert und dabei berühmte Persönlichkeiten wie Albert Einstein und Adolf Hitler als Prozessbeteiligte eingefangen.
Dossier über Nikos Logothetis
Moritz Aisslinger
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:03:09 „Wir bitten ihn jetzt, über dieses damals erschienene Dossier aus dem Jahr 2017 zu berichten und auch zu erzählen, wie es weiterging. Die Geschichte ist extrem komplex und extrem zwiespältig. Man weiß am Schluss eigentlich nicht so richtig, was man von was halten soll.“
Sabine Rückert stellt Moritz Aisslinger als Gast vor, der 2017 ein ZEIT-Dossier über den Fall Nikos Logothetis geschrieben hat. Dieses Dossier bildet die Grundlage der gesamten Podcast-Episode – Aisslinger soll über die Entstehung des Textes berichten und erzählen, wie sich der Fall weiterentwickelt hat.
Stern TV (Sendung vom 10. September 2014)
🗣 Moritz Aisslinger referenziert bei ⏱ 00:05:40 „Das Ganze beginnt mit einer Fernsehsendung, nämlich mit einer Ausstrahlung von Stern TV auf RTL am 10. September 2014 und dein Text beginnt auch genau mit dieser Szene. Nikos Logothetis weiß, an seinem Institut ist gedreht worden und er weiß auch, jetzt wird an diesem Abend über ihn berichtet, aber er weiß nicht, was jetzt auf ihn zukommt.“
Die Stern-TV-Sendung vom 10. September 2014 ist der zentrale Auslöser des gesamten Falls. Ein eingeschleuster Tierschützer der Soko Tierschutz hatte ein halbes Jahr lang heimlich im Max-Planck-Institut gefilmt. Aus 100 Stunden Material wurden dramatisch aufbereitete Bilder von Affen im Labor gesendet, die einen Sturm der Entrüstung auslösten.
Saw
James Wan
🗣 Moritz Aisslinger erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:06:57 „Also es sind wirklich Aufnahmen wie in diesem, ich weiß nicht, ob ihr diesen Horrorfilm Saw kennt. So sieht das so ein bisschen aus. Also ganz, ganz extrem.“
Moritz Aisslinger vergleicht die verstörenden Undercover-Aufnahmen aus dem Affenlabor mit dem Horrorfilm Saw, um die drastische Wirkung der Bilder zu verdeutlichen. Er beschreibt zuvor kahlgeschorene Affen mit Blut im Gesicht, Operationsszenen und eine halbseitig gelähmte Äffin – Bilder, die bei Stern TV ohne Kontext gezeigt wurden.
Animal Liberation (Die Befreiung der Tiere)
Peter Singer
🗣 Moritz Aisslinger referenziert bei ⏱ 00:24:32 „Peter Singer ist in der Tierrechtsbewegung seit den 70er Jahren eine Art Koryphäe. Da hat er das Buch geschrieben, die Befreiung der Tiere. Und gilt seitdem als die intellektuelle Speerspitze der Tierrechtsbewegung.“
Im Gespräch über die ethische Grundsatzdebatte zu Tierversuchen wird Peter Singers einflussreiches Buch als intellektuelles Fundament der Tierrechtsbewegung genannt. Singer argumentiert darin, dass Tierversuche nur dann legitim wären, wenn man dieselben Versuche auch an kognitiv vergleichbaren Menschen akzeptieren würde – ein provozierendes Argument gegen den sogenannten Speziesismus.
Stern TV
🗣 Moritz Aisslinger referenziert bei ⏱ 00:28:44 „Sie hat von Anfang an eben, wenn sie aus dem Fenster geschaut hat, hat sie dort die Demonstranten gesehen, die sich relativ schnell nach dieser Stern-TV-Sendung vor dem Institut versammelt haben und versucht haben, die Forscher zu attackieren.“
Die RTL-Sendung Stern TV wird als das Medium genannt, das die heimlich aufgenommenen Bilder aus dem Tübinger Affenlabor erstmals öffentlich ausstrahlte. Die Ausstrahlung wird als Auslöser der Protestwelle vor dem Institut von Nikos Logothetis beschrieben, die Demonstranten versammelten sich kurz danach vor dem Gebäude.
Konzerte der Rolling Stones (als Vorband)
The Rolling Stones
🗣 Moritz Aisslinger erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:47:27 „Er gründet eine Rockband und ist Vorgruppe der Rolling Stones, habe ich bei dir gelesen. Genau, das hat er mir aber auch nur in so einem Nebensatz erzählt, weil es ihm eigentlich völlig egal war.“
Im Gespräch über die Biografie von Nikos Logothetis wird erwähnt, dass dessen Band Peloma als Vorgruppe der Rolling Stones aufgetreten ist. Die Erwähnung dient der Illustration seiner vielseitigen Begabungen.