Massenmörder und Held
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Chefreporter Stefan Willeke berichtet über seine jahrelange journalistische Verfolgung des Kriegsverbrechers Radovan Karadžić, der als Präsident einer selbsternannten Kriegsrepublik für den Völkermord von Srebrenica mit 8.000 ermordeten Muslimen verantwortlich war. Vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag inszenierte sich Karadžić in einem monumentalen Prozess mit 497 Verhandlungstagen und 1,5 Millionen Seiten Dokumenten als sein eigener Verteidiger — nahm Zeugen ins Kreuzverhör und plädierte selbst für sich.
„Er hat sich ja selbst auch verteidigt. Er hat Leute ins Kreuzverhör genommen und er hat sich auf diese Weise natürlich dann auch vor Gericht produziert.“
Erwähnte Medien (2)
Text über Karadzic
Stefan Willeke
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:12:00 „Aber du steigst ein in einen großartigen, anders als du jetzt gerade sagst, sehr erhellenden Text über Karatschitsch und der beginnt vor dem Hotel Panorama in Pahle. So schildert es diesen Bau ein bisschen.“
Andreas Sentker verweist auf Stefan Willekes ausführlichen Artikel in der Zeit über Radovan Karadzic, der die Grundlage für das gesamte Gespräch bildet. Der Text beginnt mit Willekes Besuch am ehemaligen Hauptquartier des Kriegsverbrechers in Pahle und rekonstruiert dessen Weg vom Psychiater zum verurteilten Kriegsverbrecher.
Buch über Radovan Karadzic
Robert Donja
🗣 Stefan Willeke referenziert bei ⏱ 00:36:35 „Es gibt einen amerikanischen Historiker, Zeithistoriker, der sich sehr gut mit Bosnien-Herzegowina auskennt, der heißt Robert Donja, der hat sich 20 Jahre lang mit Karadzic beschäftigt. Und auch ihm ist letztlich ein Rätsel geblieben, wie dieser Mensch tickt. Weil er schreibt dann in seinem Buch über ihn, dieser Mann war ein Chamäleon.“
Stefan Willeke beschreibt die Phase, in der Karadzic nach dem Krieg untertauchte und 13 Jahre lang unter falscher Identität lebte. Er zitiert den amerikanischen Historiker Robert Donja, der sich zwei Jahrzehnte mit Karadzic befasste und vor Gericht aussagte. Donja kommt in seinem Buch zu dem Schluss, dass Karadzic ein Chamäleon war, das sich äußeren Umständen perfekt anpassen konnte — ohne dass man je verstanden hätte, warum.