ZEIT Verbrechen – Die Justiz kratzt und beißt
#023

Die Justiz kratzt und beißt

ZEIT Verbrechen / 26. Februar 2019 / 6 Medien

Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste

In der vierten Folge zum Osnabrücker Justizskandal geht es um den Moment, in dem der Fall öffentlich wird: Ein vierseitiges Dossier in der Zeit legt offen, wie zwei unschuldige Männer wegen erfundener Vergewaltigungsvorwürfe jahrelang im Gefängnis saßen — und wie die niedersächsische Justiz auf die Enthüllung nicht etwa mit Selbstkritik reagiert, sondern mit Empörung über die Berichterstattung.

„Ich habe Unrecht im Namen des Volkes ohne ein Fragezeichen geschrieben, denn als ich dieses Dossier geschrieben habe, da wusste ich, dass ich im Recht war.“
🗣 Sabine Rückert

Erwähnte Medien (6)

Unrecht im Namen des Volkes
Artikel

Unrecht im Namen des Volkes

Sabine Rückert

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:02:15 „Und vor mir liegt etwas, nämlich ein Artikel aus der Zeit vom 2. Mai 2002. Ein großes Dossier, vier Seiten lang überschrieben. Unrecht im Namen des Volkes. Das war sozusagen so richtig der Stein ins Wasser, oder?“

Das vierseitige Dossier in der ZEIT vom 2. Mai 2002 ist das zentrale Dokument dieser Episode. Sabine Rückert legte darin ihre Recherchen zu zwei unschuldig verurteilten Männern offen, die auf Basis der Falschaussage einer psychisch erkrankten jungen Frau zu Haftstrafen verurteilt worden waren. Der Artikel löste einen massiven Aufruhr in der niedersächsischen Richterschaft aus und führte letztlich zur Wiederaufnahme des Verfahrens und zum Freispruch beider Männer im Dezember 2005.

Zum Artikel bei ZEIT Online
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Artikel

Streit – Feministische Rechtszeitschrift

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:34:47 „Streit, feministische Rechtszeitschrift.“

Im Zusammenhang mit dem Wiederaufnahmeverfahren wird erwähnt, dass die zuständige Staatsanwältin dem Gericht neben ihrem Votum auch feministische Kampfschriften beigelegt hatte. Andreas Sentker identifiziert eine davon als die feministische Rechtszeitschrift 'Streit'. Die Beilage wird als Beleg dafür gewertet, dass ideologische Motive die juristische Bewertung beeinflusst haben könnten.

Zum Artikel bei Streit-fem.de
Das Sexuelle in der sexuellen Gewalt
Essay

Das Sexuelle in der sexuellen Gewalt

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:34:50 „Ja und da wurde dann ein Beitrag, das sexuelle in der sexuellen Gewalt wurde dann da ausgebreitet, wurde da mitgeschickt und Männlichkeit und Gewalt, eine psychologisch und historisch-soziologische Reise in die Abgründe der Männlichkeit und so weiter.“

Sabine Rückert beschreibt die feministischen Schriften, die die Staatsanwältin dem Gericht zusammen mit ihrem Votum zur Wiederaufnahme beigelegt hatte. Dieser Beitrag aus der Zeitschrift 'Streit' wird als Beispiel für die ideologische Überfrachtung des Verfahrens angeführt.

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Männlichkeit und Gewalt – Eine psychologische und historisch-soziologische Reise in die Abgründe der Männlichkeit
Essay

Männlichkeit und Gewalt – Eine psychologische und historisch-soziologische Reise in die Abgründe der Männlichkeit

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:34:50 „Ja und da wurde dann ein Beitrag, das sexuelle in der sexuellen Gewalt wurde dann da ausgebreitet, wurde da mitgeschickt und Männlichkeit und Gewalt, eine psychologisch und historisch-soziologische Reise in die Abgründe der Männlichkeit und so weiter.“

Ein weiteres feministisches Schriftstück, das die Staatsanwältin zusammen mit ihrem Votum an das Gericht geschickt hatte. Rückert sieht darin den Beweis, dass die Fehlurteile aus ideologischen Gründen aufrechterhalten werden sollten – zulasten der zu Unrecht verurteilten Männer.

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unbekanntes US-Buch über wiedergewonnene Missbrauchserinnerungen
Buch

unbekanntes US-Buch über wiedergewonnene Missbrauchserinnerungen

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:36:31 „Es sind damals auch Schriften, die zirkulieren, ein Buch aus den USA vor allem, in dem zum Beispiel steht, wenn du auch nur glaubst, dass du missbraucht worden bist, es kann sein, dass du gar keine Erinnerung dran hast, du wirst gewiss Recht haben, du wirst noch drauf stoßen.“

Andreas Sentker erwähnt ein einflussreiches US-amerikanisches Buch aus der Recovered-Memory-Bewegung, das Betroffene darin bestärkte, auch ohne klare Erinnerungen von einem erlittenen Missbrauch auszugehen. Sabine Rückert ergänzt, dass solche Bücher einerseits echten Opfern helfen, andererseits aber auch Falschbeschuldigern das Rüstzeug für eine überzeugende Anklage liefern können.

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Handbuch der Borderline-Störungen
Buch

Handbuch der Borderline-Störungen

🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:38:58 „Es gibt ja auch in dem Handbuch für Borderline-Störungen, schreibt ein Psychiater, der mit dieser Patientengruppe zu tun hat, über die Rolle der Ärzte. Den Berichten von Realtraumata sollte primär immer Glauben geschenkt werden.“

Sabine Rückert zitiert aus einem Fachbuch über Borderline-Störungen, um das therapeutische Dilemma zu veranschaulichen: Therapeuten sind angehalten, den subjektiven Berichten ihrer Patienten zunächst Glauben zu schenken – auch wenn die Schilderungen abstrus erscheinen. Rückert argumentiert, dass genau diese Haltung dazu beitragen kann, dass Falschbeschuldigungen nicht erkannt werden, wenn empathisches Personal als Zeugen vor Gericht auftritt.

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