ZEIT Verbrechen – Lug und Trug vor Gericht
#022

Lug und Trug vor Gericht

ZEIT Verbrechen / 12. Februar 2019 / 4 Medien

Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste

Ein Vater und ein Onkel werden wegen Vergewaltigung derselben jungen Frau zu langen Haftstrafen verurteilt — und kämpfen über ein Jahrzehnt um ihre Rehabilitation. Adolf S. schreibt aus dem Gefängnis 2.500 Bittbriefe an Gerichte und Ministerien, Bernhard M. sitzt seine Strafe bis zum letzten Tag ab, weil er als uneinsichtiger Sexualstraftäter gilt, und verkriecht sich danach bei seinen Eltern. Am Ende stellt sich heraus: Die Anklägerin Amelie hatte die Prozesse zu einer theatralischen Inszenierung gemacht, während ihre eigene Familie ihr längst nicht mehr glaubte.

„Er war nach Hause gekommen, er hatte bis auf den letzten Tag alles absitzen müssen, weil er ja als uneinsichtiger Sexualstraftäter galt, er war auch weiter unter Führungsaufsicht, das heißt er musste sich regelmäßig bei der Polizei melden, durfte den Ort nicht verlassen, er galt ja als rückfallgefährdeter Sexualstraftäter, weil er eben nicht gestanden und sich seiner angeblichen Schuld nicht gestellt hatte.“
🗣 Sabine Rückert

Erwähnte Medien (4)

Essay

Aufsatz über die Rolle behandelnder Therapeuten vor Gericht

Peter Riedesser

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:42:39 „Von Peter Riedesser und einem Kollegen gibt es ein ganz zentrales Buch, da geht es unter anderem, oder einen Artikel, glaube ich, einen Aufsatz, da geht es um die Frage, ob denn der behandelnde Psychiater oder die behandelnden Therapeuten die richtigen sind, um vor Gericht über den Zustand einer Angeklagten oder einer Person zu befinden.“

Andreas Sentker erinnert an den von ihm geschätzten Hamburger Kinder- und Jugendpsychiater Peter Riedesser, der viel zu früh gestorben sei. Riedesser habe zusammen mit einem Kollegen einen Aufsatz verfasst, der vehement davor warnt, behandelnde Ärzte als Gerichtsgutachter einzusetzen — weil Empathie in der Therapie und kritische Distanz in der Begutachtung unvereinbare Rollen seien. Genau dieses Problem zeigt sich im Fall Amelie: Ihre behandelnden Psychiater traten vor Gericht als Sachverständige auf und verschwiegen die Borderline-Diagnose.

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Enthüllung
Film

Enthüllung

Barry Levinson

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:54:43 „Sie war vorher im Kino gewesen in einem Film, der heißt Enthüllung mit Michael Douglas und Demi Moore. Da geht es um eine Frau, die einen Mann falsch beschuldigt und am Schluss fürchterlich auffliegt und dann unter Demontage ihrer ganzen Persönlichkeit dann eben entlarvt wird.“

Sabine Rückert schildert einen Wendepunkt im Fall: Amelie sah den Film 'Enthüllung' (1994, im Original 'Disclosure'), in dem eine Frau einen Mann fälschlich der sexuellen Belästigung bezichtigt und am Ende auffliegt. Amelie verließ das Kino vorzeitig, schrieb danach einen Brief an die gesamte Station, in dem sie gestand, ihren Onkel zu Unrecht beschuldigt zu haben. Dieser Brief wurde vom Klinikpersonal unterschlagen.

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Das geheime Tagebuch der Laura Palmer
Buch

Das geheime Tagebuch der Laura Palmer

Jennifer Lynch

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 01:03:02 „Denn sie liest unter anderem ein Buch, das ist das geheime Tagebuch der Laura Palmer. Das war damals, glaube ich, so ein Taschenbuch-Bestseller.“

Im Gespräch über die Borderline-Patientin Amelie wird rekonstruiert, woher sie die Inspirationen für ihre erfundenen Missbrauchsgeschichten bezog. Andreas Sentker erwähnt, dass Amelie dieses Buch gelesen hat, das die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die von ihrem Vater missbraucht wird — ein Muster, das Amelie in ihren eigenen Schilderungen übernahm.

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Twin Peaks
Serie

Twin Peaks

David Lynch

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 01:03:29 „Das ist ein Begleitbuch zu einer Serie von David Lynch, ganz bekannte Serie, Twin Peaks. Ist auch sehr spannend, aber sehr verrätselt und sehr sexuell überladen. Also es ist eigentlich eine tolle Serie, aber ich weiß nicht, ob jemand, der ohnehin angeschlagen ist, sich solchen Serien aussetzen sollte.“

Sabine Rückert ordnet das Laura-Palmer-Tagebuch als Begleitbuch zur Serie Twin Peaks ein. Sie beschreibt die Serie als spannend, aber verrätselt und sexuell überladen, und stellt die Frage, ob eine psychisch angeschlagene Person wie Amelie sich solchem Material aussetzen sollte. Die Serie dient als Erklärung für die Quelle von Amelies erfundenen Missbrauchsschilderungen.

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