Unter Pfarrerstöchtern – Mission impossible
#142

Mission impossible

Unter Pfarrerstöchtern / 10. Januar 2025 / 6 Medien

Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler

In der letzten Folge der achtteiligen Gleichnis-Serie widmen sich die Schwestern dem Gleichnis vom Sämann aus dem Matthäus-Evangelium: Jesus predigt aus einem Boot am See Genezareth und erzählt von Samen, der auf den Weg, auf Felsen, unter Dornen und auf fruchtbaren Boden fällt. Johanna ordnet es als Missionsgleichnis ein — es beschreibt, wie die Botschaft vom Reich Gottes bei den Menschen ankommt oder eben nicht. Dabei zeigen die Naturbilder der Bibel immer dasselbe: Einmal ausgesät, ist der Vorgang nicht mehr aufzuhalten.

„Du wirfst was aus und irgendwas passiert damit. Du hast es nicht in der Hand, aber trotzdem, es ist unaufhaltsam.“
🗣 Johanna Haberer

Erwähnte Medien (6)

Evangelium nach Matthäus
Buch

Evangelium nach Matthäus

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:01:23 „Ja, das ist Matthäus. Wir sind jetzt vom Lukas wieder ins Matthäus-Evangelium gewechselt.“

Das Matthäus-Evangelium ist der biblische Ausgangstext für die Besprechung des Gleichnisses vom Sämann und des Unkraut-Gleichnisses. Die Sprecherinnen wechseln bewusst vom Lukas-Evangelium zurück zu Matthäus, weil dort die Gleichnis-Reihe und vor allem die einzigartige Selbsterklärung Jesu überliefert ist.

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Gelassen stieg die Nacht ans Land
Buch

Gelassen stieg die Nacht ans Land

Eduard Mörike

🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:07:27 „Berühmt ist doch das Gedicht, gelassen stieg die Nacht ans Land. So hat man doch die, das ist eine Allegorie.“

Sabine Rückert nennt Mörikes Gedicht als prominentes Beispiel für eine Allegorie, um den literarischen Begriff zu veranschaulichen, den Johanna Haberer gerade im Zusammenhang mit dem Gleichnis vom Sämann erklärt hat.

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Epistulae morales ad Lucilium
Buch

Epistulae morales ad Lucilium

Seneca

🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:12:42 „Ein kluger Mann, ein Zeitgenosse des frühen Christentums. In seinem Brief an den Lucilius schreibt er über philosophische Worte… also über philosophische neue Ideen, in der Art des Samens müssen sie ausgestreut werden. Denn dieser entfaltet, obwohl er klein ist, wenn er einen geeigneten Ort findet, seine Kräfte.“

Johanna Haberer zitiert ausführlich aus Senecas Briefen an Lucilius, um zu zeigen, dass die Saat-Metapher für die Verbreitung neuer Ideen kein exklusiv christliches Bild war, sondern auch in der römischen Philosophie als gängiges Bild verwendet wurde – Seneca als Zeitgenosse Jesu nutzte dasselbe Bild für philosophische Lehren.

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Das Tagebuch der Menschheit – Was die Bibel über unsere Evolution verrät
Buch

Das Tagebuch der Menschheit – Was die Bibel über unsere Evolution verrät

Kai Michel, Carel van Schaik

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:14:42 „Also meine Anthropologen Karel van Schaik und Kai Michel im Tagebuch der Menschheit haben dazu auch was zu sagen über dieses Lolch-Gleichnis und schreiben folgendes. Waren Ausgleich und Versöhnung der Kern der Binnenmoral, ist Jesu Außenmoral unerbittlich. Er unterteilt die Welt in Freund und Feind, in Gut und Böse.“

Sabine Rückert zitiert ausführlich aus dem Buch, das sie als ihr ständiges Begleitbuch zur Bibelanalyse nutzt. Die Anthropologen van Schaik und Michel interpretieren das Unkraut-Gleichnis als Ausdruck einer binären, apokalyptischen Weltsicht Jesu: Wer nicht auf Gottes Seite steht, dem droht das schlimmste Schicksal. Johanna Haberer stimmt der Analyse teilweise zu, sieht darin aber eher die Theologie der frühen Missionare als die Position des historischen Jesus.

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Der König David Bericht
Buch

Der König David Bericht

Stefan Heym

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:17:32 „Haben wir nicht schon darüber gesprochen, dass im König David Bericht. Das haben wir schon durchgenommen. Aber das ist auch eine Allegorie auf die Diktatur des Sozialismus.“

Johanna Haberer erwähnt Stefan Heyms Roman als Beispiel dafür, dass allegorisches Sprechen – wie bei den biblischen Gleichnissen – auch in modernen Diktaturen als Widerstandsrede genutzt wird. Das Buch wurde bereits in einer früheren Folge über König David ausführlich besprochen und wird hier als Rückverweis auf die Funktion von Allegorien unter politischem Druck herangezogen.

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Apostelgeschichte
Buch

Apostelgeschichte

Lukas

🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:40:43 „Aber ich finde, der eindrucksvollere Gedanke über Mission ist in der Apostelgeschichte, wo da gesagt wird, verhaltet euch so, dass die anderen Leute sagen, seht nur, wie sie miteinander leben.“

Im Kontrast zum Missionsbefehl des Matthäusevangeliums hebt Johanna Haberer die Apostelgeschichte als die für sie überzeugendere Grundlage für Mission hervor. Ihr Argument: Nicht das aktive Bekehren, sondern das vorbildliche Zusammenleben sei der eigentliche missionarische Impuls — die anderen sollen von sich aus sagen wollen, so möchten wir auch leben.

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