Wie gut ist der Mensch
Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler
In dieser Weihnachtsfolge geht es um die Frage, ob der Mensch von Natur aus gut ist. Nach einem Exkurs über die Herrnhuter Brüdergemeinde — deren Sterne einst als Trost für heimwehkranke Missionarskinder gebastelt wurden — und einem bewegenden Brief von Andreas Lebert an den Sternhaufen M13 liest Sabine Rückert eine Reihe wahrer Geschichten über menschliche Selbstlosigkeit vor: von den Männern der Titanic über den Carabiniere Salvo da Quisto bis zu dem Vierjährigen Johann Nepomuk Kühberger, der in Passau einen Spielkameraden namens Adolf Hitler aus dem eisigen Inn zog.
„Das Gute fragt nicht nach dem Morgen, sondern nur nach dem Heute und danach, was zu tun ist, um jetzt, in diesem Moment, einen Menschen zu retten. Solange es Kinder gibt, die andere Kinder aus dem Wasser ziehen, ist die Welt noch nicht verloren.“
Erwähnte Medien (23)
Einheitsübersetzung
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:02:30 „Ich werde es aber nicht aus der Luther-Übersetzung vorlesen, sondern aus meiner Einheitsübersetzung. Das ist betrüblich. Ja, es ist nicht betrüblich, sondern mal was anderes.“
Sabine kündigt an, die Weihnachtsgeschichte aus der Einheitsübersetzung statt aus der gewohnten Luther-Übersetzung vorzulesen. Der Wechsel der Bibelübersetzung sorgt für einen Moment der Irritation bei Johanna, die den veränderten Klang als 'befremdlich' und 'ganz anderen Sound' empfindet.
Herrnhuter Losungen
Herrnhuter Brüdergemeinde
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:06:12 „Und zwar, die Herrenhuter haben auch eine Losung gefordert. Und die geben Losungen heraus. Und diese Losungen hat uns beiden ein Hörer, der selbst Pastor ist, hat uns beiden unsere Losungen geschenkt. Wir wissen also jetzt, was an unserem Geburtstag die Herrenhuter Losung war.“
Die Herrnhuter Losungen werden ausführlich besprochen, nachdem ein Hörer den beiden Schwestern ihre persönlichen Geburtstags-Losungen geschenkt hat. Sabine und Johanna lesen ihre jeweiligen Losungen vor und diskutieren deren Bedeutung für ihr Leben. Johanna erklärt anschließend die Geschichte der Losungen seit 1727 — wie alttestamentliche Sprüche gelost und mit neutestamentlichen Pendants kombiniert werden.
Buch der Sprüche (Sprichwörter)
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:07:32 „Das Königsherz ist in der Hand des Herrn wie Wasserbäche und er neigt es, wohin er will. Aus den Sprüchen ist das.“
Sabine Rückert liest ihre persönliche Herrnhuter Losung vor, die zum Tag ihrer Geburt am 8. Januar 1961 ausgelost wurde. Sie deutet den Spruch so, dass alle Machthaber letztlich nur tun, was Gott will — wie Kaiser Augustus in der Weihnachtsgeschichte.
Epheserbrief
Paulus
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:09:15 „Und da steht, prüfe, was da sei wohlgefällig dem Herrn. Aus dem Epheserbrief, das ist jetzt ein Paulussatz.“
Sabine Rückert liest den zweiten Teil ihrer Herrnhuter Losung vor, einen neutestamentlichen Spruch, der dem alttestamentlichen Losungswort zugeordnet wurde.
1. Buch Mose (Genesis)
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:09:51 „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis dass du wieder zur Erde werdest, davon du genommen bist. Das ist ja die Verfluchung des Adam. Denn du bist Erde und sollst zur Erde werden.“
Johanna Haberer liest ihre persönliche Herrnhuter Losung vor, die zum Tag ihrer Geburt am 26. Juli 1956 ausgelost wurde. Sie nimmt den Spruch humorvoll als Prophezeiung eines arbeitsamen Lebens.
Jakobusbrief
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:16:20 „Ich habe mir zum Beispiel aufgehängt, so mit 18, 19 oder so habe ich mir aufgehängt von Nietzsche den Satz... Ich habe rausgesucht, ich bin Jakobus 5 und der heißt, wer da weiß Gutes zu tun und tut es nicht, dem ist Sünde.“
Johanna Haberer erzählt von ihrem selbst gewählten Konfirmationsspruch aus dem Jakobusbrief, den sie gegen den Willen ihrer Pfarrer ausgesucht hat. Sie sieht ihn als Antriebsfeder gegen die ihr vom Vater zugeschriebene Faulheit.
Buch Micha
Micha (Prophet)
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:17:20 „Das ist vom Propheten Micha. Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Das hat unser Vater mir ausgesucht.“
Sabine Rückert nennt ihren Konfirmationsspruch, den ihr Vater für sie ausgesucht hat. Sie fand ihn anfangs furchtbar, hat sich aber im Laufe des Lebens daran gewöhnt. Der Prophet Micha wird auch im Zusammenhang mit der Bethlehem-Prophezeiung erwähnt.
Prinzessin Lillifee
Monika Finsterbusch
🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:17:42 „Es gibt viele Kinder, die gar nicht mehr wissen, was sie für Taufsprüche oder was sie für... Ja, die kriegen dann einen Satz von Lillifee oder irgendwas anderes Ödes mit auf den Weg.“
Johanna beklagt beiläufig, dass viele Kinder heute statt biblischer Sprüche nur noch oberflächliche Sätze aus der Popkultur wie von Lillifee mitbekommen. Die Erwähnung dient als Negativbeispiel im Kontrast zu den bedeutungsvollen Konfirmationssprüchen, die sie und Sabine gewählt haben.
Also sprach Zarathustra
Friedrich Nietzsche
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:18:15 „Also ich habe mir zum Beispiel aufgehängt, so mit 18, 19 oder so habe ich mir aufgehängt von Nietzsche den Satz... Nein, wer nicht das Chaos in sich hat, wird nie einen tanzenden Stern gebären. Das war zum Beispiel toll.“
Johanna erzählt von Sprüchen, die sie sich als junge Frau aufgehängt hat. Das Nietzsche-Zitat stammt aus 'Also sprach Zarathustra' und war für sie als 18-/19-Jährige ein prägender Satz. Es fügt sich in das Gespräch über Lebenssprüche und persönliche Orientierungssätze ein.
Die gestundete Zeit
Ingeborg Bachmann
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:18:21 „Oder von der Bachmann, die gestundete Zeit, wirft die Lupinen ins Meer, es kommen härtere Tage. Lösch die Lupinen, heißt es. Lösch die Lupinen, wirf die Fische ins Meer.“
Johanna zitiert Ingeborg Bachmanns Gedicht als einen weiteren Spruch, den sie sich als junge Frau aufgehängt hat. Sie reiht es neben dem Nietzsche-Zitat als persönlichen Orientierungstext ein. Sabine kommentiert trocken, dass 'es kommen härtere Tage' gut zu Johannas Herrnhuter-Losung mit der Verfluchung Adams passe.
Ich steh an deiner Krippen hier
Paul Gerhardt
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:21:35 „Ich weiß nicht, ob du das Weihnachtslied, ich stehe an deiner Krippe hier, natürlich kennst du das. Natürlich kenne ich das. Da kannst du so ein bisschen.“
Johanna führt das Weihnachtslied von Paul Gerhardt als Beispiel für die pietistische Innerlichkeitsbewegung an — die Idee, dass Jesus in einem selbst geboren wird. Die Schwestern zitieren gemeinsam Zeilen daraus ('Nimm hin, ich bin', 'lass mich doch dein Kripplein sein'), um den mystischen Charakter des Pietismus zu illustrieren.
Wir sehen uns
Andreas Lebert
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:23:39 „Und zwar ist das von meinem Kollegen Andreas Lebert. Die Überschrift heißt Wir sehen uns und die Unterzeile Seit Jahrzehnten blickt Andreas Lebert mit dem Teleskop ergriffen in den Nachthimmel. Hier erklärt er dem Sternhaufen M13 seine Liebe und schildert seine Passion für die Unendlichkeit. Das erschienen am 30. Dezember 2020.“
Sabine Rückert liest in der Weihnachtssendung einen langen, poetischen Text ihres Kollegen Andreas Lebert vor, der am 30. Dezember 2020 erschienen ist. Darin schreibt Lebert einen Brief an den Sternhaufen M13, den er seit dem Tod seines Vaters vor fast 30 Jahren durchs Teleskop beobachtet. Der Text verbindet Astronomie, Trauer und Gottesfrage zu einer berührenden Meditation über Vergänglichkeit und Trost.
Lady Windermere's Fan
Oscar Wilde
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:29:29 „Oscar Wilde sagte, wir alle liegen in der Gosse, aber manche von uns halten Ausschau nach den Sternen.“
Im vorgelesenen Text von Andreas Lebert wird ein berühmtes Zitat von Oscar Wilde eingeflochten, das ursprünglich aus dem Theaterstück 'Lady Windermere's Fan' stammt. Es dient als poetische Verdichtung der Grundhaltung des Textes: den Blick trotz aller Widrigkeiten nach oben zu richten.
Jeder wünscht sich jeden Morgen irgendetwas
James Krüss
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:33:26 „Und zwar ist das von James Criss. Das werde ich jetzt auch noch vorlesen. Jeder wünscht sich jeden Morgen irgendetwas, je nachdem. Jeder hat seit jeher Sorgen, jeder jeweils sein Problem.“
Sabine Rückert liest ein Gedicht von James Krüss vor, das mit spielerischen Alliterationen und dem Wort 'jeder' die Botschaft vermittelt, dass jeder Mensch jederzeit ein Engel für andere sein kann. Johanna Haberer zeigt sich begeistert und sagt, sie dachte, sie kenne alle Gedichte von James Krüss.
Buch Jesaja
Jesaja
🗣 Johanna Haberer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:35:13 „Und eines davon, das ist für mich immer meine Liebste und mein auch wirklich harter Text, aber trotzdem eine großartige Vision, die steht eben beim Propheten Jesaja. Und da heißt es, »Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen, im Finstern lande, scheint es hell.«“
Johanna Haberer liest eine der bekanntesten Passagen aus dem Buch Jesaja vor (Jesaja 9), die Friedensvision vom kommenden Herrscher. Sie bezeichnet den Text als ihre liebste und zugleich härteste prophetische Vision und ordnet ihn als die Vorlage ein, auf die sich Jesus später beworben habe — ein Herrscher, der nicht korrupt und nicht machtgierig ist.
Wie gut ist der Mensch
Wolfgang Uchatius
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:38:48 „Der ist von meinem Kollegen Wolfgang Uchazius und war eine Titelgeschichte, um die ich ihn einmal gebeten habe. Und zwar im Jahr 2020. Da habe ich ihn gebeten, ob er nicht mal darüber nachdenken möchte oder eine Recherche machen möchte, wie gut ist der Mensch eigentlich.“
Sabine Rückert liest Auszüge aus einer ZEIT-Titelgeschichte von Wolfgang Uchatius aus dem Jahr 2020 vor, die der Frage nachgeht, ob der Mensch von Natur aus gut ist. Die Recherche spannt einen Bogen von den ältesten literarischen Dokumenten der Menschheit über religiöse Texte bis hin zur Frage der Uneigennützigkeit.
Gilgamesch-Epos
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:39:27 „Das älteste erhaltene literarische Dokument überhaupt, das 4000 Jahre alte Gilgamesch-Epos aus Mesopotamien, erzählt die Wandlung des Gilgamesch-Herrscher über die sumerische Stadt Uruk vom egoistischen Tyrannen zum gütigen, seinem Volk dienenden König.“
Sabine Rückert liest aus einem Artikel von Wolfgang Uchatius vor, der sich mit der Frage beschäftigt, ob der Mensch gut ist. Das Gilgamesch-Epos wird als ältestes erhaltenes literarisches Dokument genannt, das bereits das Ideal der Uneigennützigkeit beschreibt — die Wandlung eines Tyrannen zum gütigen Herrscher.
Metta-Sutta
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:39:48 „Einer der wichtigsten Verse im Metta-Sutta, eine Lehrrede des Buddha, die aus dem 6. oder 5. Jahrhundert vor Christus stammen soll, lautet Wie eine Mutter ihr einziges Kind mit ihrem Leben behütet und beschützt, so möge ich für alle Wesen in unbegrenzter Liebe sein.“
Im Rahmen des vorgelesenen Artikels von Wolfgang Uchatius über die Güte des Menschen wird das Metta-Sutta als eine der ältesten religiösen Quellen für das Ideal der unbegrenzten Nächstenliebe zitiert.
3. Buch Mose (Levitikus)
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:40:07 „Das dritte Buch Mose, das nach allem, was man weiß, Mitte des 5. Jahrhunderts vor Christus verfasst wurde, allerdings nicht von Mose, enthält das Postulat »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, das zur Essenz des Christentums werden sollte.“
Im vorgelesenen Artikel wird das dritte Buch Mose als historische Quelle des zentralen christlichen Gebots der Nächstenliebe eingeordnet, als Teil einer Reihe religiöser und literarischer Texte, die das Ideal der Uneigennützigkeit formulieren.
Die Abstammung des Menschen
Charles Darwin
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:42:09 „Der Naturforscher hieß Charles Darwin. Sein Buch heißt »Die Abstammung des Menschen«. Im Unterschied zu Hobbes und Rousseau war Darwin um die Welt gereist, fünf Jahre lang.“
Darwins 1871 erschienenes Werk wird als zentrales wissenschaftliches Buch vorgestellt, das die Entwicklung des Menschen durch natürliche Auslese beschreibt. Im Artikel dient es als Wendepunkt der Argumentation: Darwin schien zunächst die pessimistische Sicht auf den Menschen zu bestätigen – der Egoistische überlebt –, hat diese Position aber später selbst revidiert.
Die Entstehung der Arten
Charles Darwin
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:42:23 „Er hatte Pflanzen und Skelette ausgegraben, Vögel gefangen, das Leben von Ureinwohnern studiert und das Buch »Die Entstehung der Arten« veröffentlicht, indem er darlegte, dass alles Leben auf der Erde in einem evolutionären Prozess aus einer gemeinsamen Urform erwachsen ist.“
Darwins erstes Hauptwerk wird als Vorläufer von «Die Abstammung des Menschen» erwähnt. Es wird im Artikel kontextualisiert, um Darwins wissenschaftliche Autorität zu unterstreichen, bevor seine Thesen zur menschlichen Natur – Selbstsucht als Überlebensvorteil – diskutiert werden.
The Last Man in the Water
Sarah Hickman
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:46:43 „Die Brücke über den Potomac, die das Flugzeug gestreift hatte, erhielt später den Namen Arland D. Williams Jr. Memorial Bridge. Die Musikerin Sarah Hickman schrieb ein Lied über ihn, The Last Man in the Water.“
Das Lied wird im Zusammenhang mit der Geschichte von Arland Williams erwähnt, der beim Absturz von Air Florida Flug 90 im Januar 1982 sein Rettungsseil immer wieder an andere Überlebende weitergab und dabei selbst ertrank. Sarah Hickmans Song ist ein musikalisches Denkmal für diese Heldentat.
Optimistisches Liedchen
Hans Magnus Enzensberger
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:56:25 „Ja, noch ein allerletztes Gedicht. Und diesmal von Hans Magnus Enzensberger. Das heißt »Optimistisches Liedchen«. Und damit wollen wir dann die Sendung auch beschließen.“
Sabine Rückert liest zum Abschluss der Weihnachtsepisode Enzensbergers Gedicht vor, das von alltäglicher Menschlichkeit handelt – Feuerwehrleute, Bettlerspenden, friedliche Passanten. Es bildet den poetischen Schlusspunkt der Episode und fasst deren Botschaft zusammen: Mitten im Alltag zeigt sich die Güte des Menschen.