Der große Trommelwirbel
Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler
Die Episode startet mit dem Matthäus-Evangelium und seinem berühmten Stammbaum Jesu — von Abraham über David bis Josef. Johanna Haberer ordnet die 14-Generationen-Struktur als geschichtstheologischen Messiasbeweis ein, mit dem die Judenchristen ihren Anspruch auf Jesus als Christus untermauerten. Dabei wird deutlich, wie eng das erste Evangelium noch mit der jüdischen Tradition verwoben ist.
„Von der Schöpfung bis zu David hast du eine Geschichtsepoche. Es ist ja eine Geschichtstheologie, wenn man so will.“
Erwähnte Medien (16)
Evangelium nach Matthäus
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:00:49 „Wir fangen mit dem ersten Evangelium an und arbeiten uns dann über Markus, Lukas und Johannes durch. Das erste Evangelium haben wir ja gelernt von Matthäus. Das ist in der Chronologie der kanonisierten Evangelien deshalb an dieser Stelle, weil es den Stammbaum Jesu abbildet und damit eine direkte Verknüpfung schafft zu dem Ersten Testament.“
Das Matthäus-Evangelium ist eines der vier Evangelien, die in dieser Folge besprochen werden. Die Schwestern diskutieren ausführlich den Stammbaum Jesu als Eröffnung, die Nähe des Autors zum Judentum und seine Absicht, Jesus als den erwarteten Messias in der jüdischen Tradition zu verankern. Johanna erklärt, dass der unbekannte Autor – ein Judenchrist um 90 n. Chr. – damit einen ‚Messiasbeweis' führen wollte.
Evangelium nach Markus
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:01:19 „arbeiten uns dann über Markus, Lukas und Johannes durch“
Das Markus-Evangelium wird als ältestes Evangelium und Erfinder der Gattung Evangelium besprochen
Evangelium nach Lukas
Lukas (zugeschrieben)
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:01:19 „arbeiten uns dann über Markus, Lukas und Johannes durch“
Das Lukas-Evangelium wird als Werk eines gebildeten Heidenchristen besprochen, der sich als Chronist versteht und die Weihnachtsgeschichte enthält
Evangelium nach Johannes
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:01:19 „arbeiten uns dann über Markus, Lukas und Johannes durch“
Das Johannes-Evangelium wird als jüngstes und philosophischstes Evangelium mit dem berühmten Prolog besprochen
Buch der Psalmen
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:08:03 „Das gibt es ja in den Psalmen, dass man also irgendwie aus einer misslichen Lage befreit werden will durch Gott“
Die Psalmen werden als Quelle für die Idee des Rufens zu Gott und der Erlösungssehnsucht im Judentum erwähnt
Das 1. Evangelium – Matthäus (Il Vangelo secondo Matteo)
Pier Paolo Pasolini
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:12:52 „Das muss doch mal von Pasolini verfilmt werden, das Markus-Evangelium. Matthäus. Ach, das Matthäus-Evangelium?“
Sabine Rückert erwähnt den Film von Pasolini im Zusammenhang mit der Besprechung des Matthäus-Evangeliums. Sie verspricht sich zunächst und sagt Markus, korrigiert sich dann aber zu Matthäus. Die Formulierung 'muss doch mal verfilmt werden' ist ironisch – der berühmte Film von 1964 existiert bereits.
Das Evangelium alle Pasolini (Il Vangelo secondo Matteo)
Pier Paolo Pasolini
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:13:27 „Das muss doch mal von Pasolini verfilmt werden, das Markus-Evangelium. Matthäus.“
Pasolinis berühmte Verfilmung des Matthäus-Evangeliums wird in Zusammenhang mit der Besprechung des Evangelientextes erwähnt
Evangelium nach Markus
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:17:03 „Wie gesagt, der Erfinder eigentlich der Gattung Evangelium. Das ist die gute Botschaft. Evangelium heißt Euangelion, das heißt die gute Botschaft. Das ist eine ganz eigene, wenn man so will, literarische Gattung. Markus hat die erfunden.“
Das Markus-Evangelium wird als zweites der vier Evangelien ausführlich besprochen. Johanna Haberer erklärt, dass Markus die literarische Gattung Evangelium erfunden hat und als ältestes Evangelium den anderen als Vorlage diente. Es enthält keine Kindheitsgeschichte Jesu, sondern beginnt mit Johannes dem Täufer.
Isenheimer Altar
Matthias Grünewald
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:19:57 „Es gibt doch das Bild beim Isenheimer Altar. Und zwar steht da Johannes der Täufer unter dem Kreuz. Von Matthias Grunewald, von diesem berühmten Maler.“
Der Isenheimer Altar wird als Beispiel herangezogen, um die Rolle Johannes des Täufers als Hinweiser auf Jesus zu veranschaulichen
Evangelium nach Lukas
Lukas (zugeschrieben)
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:23:21 „Jetzt habe ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilius, der Reihe nach aufzuschreiben. Also es handelt sich um einen Brief.“
Das Lukas-Evangelium wird als drittes Evangelium ausführlich besprochen. Lukas wird als gebildeter Heidenchrist, Chronist und 'Romancier unter den Evangelisten' vorgestellt, der die Geburtsgeschichte des Johannes und das Magnificat der Maria enthält.
Apostelgeschichte
Lukas
🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:25:17 „Er ist wahrscheinlich auch der Autor der Apostelgeschichte, ein anderes Buch in unserem Neuen Testament. Deswegen haben wir ziemlich viel von ihm. Also wir haben ziemlich viel schriftliche Unterlagen von ihm.“
Die Apostelgeschichte wird beiläufig erwähnt, als Johanna Haberer erklärt, dass der Evangelist Lukas vermutlich auch deren Verfasser war. Dadurch sei von Lukas mehr schriftliches Material erhalten als von den anderen Evangelisten.
Das Beste aus Klosterhalfens kleiner Rheinbibel
Klosterhalf(en)
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:38:50 „Du weißt ja, dass uns ein Atheist ein Büchlein zugeschickt hat, das beste aus Klosterhalfens kleiner Rheinbibel. Ja, diese bitterbösen Gedichte hast du das letzte Mal schon vorgelesen. Der hat natürlich auch den Jungfrauensohn sich vorgenommen.“
Sabine Rückert zitiert ein satirisches Gedicht über die Jungfrauengeburt aus diesem Büchlein, das ihnen ein Atheist zugeschickt hat. Das Gedicht ironisiert die Vorstellung der Empfängnis durch den Heiligen Geist und wurde offenbar schon in einer früheren Folge vorgelesen. Rückert trägt das Gedicht in voller Länge vor.
Faust
Johann Wolfgang von Goethe
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:52:05 „Kennen wir alle von der Faustgeschichte. Ja, da fängt er doch an, was zu dichten. Am Anfang war die Kraft, sagt er dann. Er überlegt sich, was das Logos heißen könnte.“
Goethes Faust wird als Vergleich herangezogen, weil Faust im Studierzimmer über die Übersetzung von Logos nachdenkt, ähnlich wie der Johannes-Prolog
Faust
Johann Wolfgang von Goethe
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:52:10 „Im Anfang war das Wort, also der Logos. Da wird der Jesus oder die Geburt des Jesus Christus wird mit dem himmlischen Logos, dem himmlischen Verstand, der himmlischen Erleuchtung übersetzt. Das kennen wir alle von der Faustgeschichte.“
Im Gespräch über den Johannesprolog und die Übersetzung des griechischen Begriffs ‚Logos' ziehen die Schwestern eine Parallele zu Goethes Faust. Dort überlegt Faust bekanntlich, wie er ‚Im Anfang war das Wort' übersetzen soll, und probiert Alternativen wie ‚Kraft', ‚Sinn' und ‚Tat' durch – genau die Bedeutungsvielfalt, die auch Johanna Haberer am griechischen Logos hervorhebt.
Evangelium nach Johannes
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:52:53 „Dieses Evangelium ist als spätestes geschrieben worden. Es ist also das jüngste Evangelium und da merkst du schon, wie fieberhaft man versucht, mit philosophischen Begriffen dieses Geschehen um den Menschen Jesus, der dann plötzlich identifiziert wird als der Gesalbte, als der Auferstandene.“
Das Johannes-Evangelium wird als viertes und jüngstes Evangelium besprochen. Es beginnt mit dem berühmten Prolog 'Im Anfang war das Wort' und wird als das philosophischste und vergeistigtste der vier Evangelien eingeordnet. Johanna Haberer ordnet es dem syrischen Raum zu.
Der zwölfjährige Jesus im Tempel
Max Liebermann
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:56:03 „Das kannst du an der Geschichte eines Bildes von Max Liebermann 1884, glaube ich, sehen. Der hat, selber Jude Max Liebermann, hat also den Jesus im Tempel gezeichnet mit schwarzen Haaren und einer gebogenen Nase. Und ein Aufschrei war da, dass der Jesus als Jude gezeichnet wird.“
Johanna Haberer erzählt die Skandalgeschichte um Liebermanns Gemälde, um zu illustrieren, wie weit sich das christliche Bewusstsein von den jüdischen Wurzeln Jesu entfernt hatte. Das Bild zeigte Jesus als erkennbar jüdischen Jungen, was einen Aufschrei auslöste und Liebermann zwang, es zu übermalen – Jesus bekam daraufhin ‚goldene Löckchen' und wurde zum Germanen umgedeutet.