Die Trennung der Religionen
Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler
In dieser Übergangsfolge vom Alten zum Neuen Testament erkunden die Schwestern die zwischentestamentarische Zeit: Warum verstummte Gott, warum endete die hebräische Bibel — und wie trennten sich Judentum und Christentum als Schwesterreligionen? Johanna Haberer erklärt, wie die Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. und die Synode von Jamnia beide Seiten zwangen, ihre Identität neu zu definieren — die Juden über das Gesetz und die Schriften, die Christen über die Botschaft an alle Völker. Besonders eindrücklich: Jack Miles' literarische Lesart, wonach Gott im Alten Testament als Romanfigur verstummt — und im Neuen Testament den Sprung vom Werk ins Leben wagt, indem er Mensch wird.
„Das Erste Testament endet sozusagen als Werk, als literarisches Werk. Und das Neue Testament wählt den anderen Weg und sagt, Gott ist im Leben vollständig. Er wird nämlich Mensch. Er wechselt vom Werk ins Leben.“
Erwähnte Medien (8)
Gott. Eine Biografie
Jack Miles
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:13:45 „Also ich habe ja hier auch meine Begleitliteratur, Jack Miles, Gott, eine Biografie. Und der liest die Bibel nicht als Offenbarung einer göttlichen Gestalt, sondern er liest sie als Buch, als Roman.“
Sabine Rückert stellt das Buch als ihre Begleitliteratur vor und liest daraus ausführlich vor, um zu erklären, warum das Alte Testament als literarisches Werk endet.
Gott. Eine Biografie
Jack Miles
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:14:22 „Das Leben Gottes, des Herrn im Tanach, beginnt in Aktivität und Reden und es endet in Passivität und Schweigen. So viel ist mittlerweile gewiss offensichtlich. Nicht offensichtlich ist, warum das so ist.“
Sabine Rückert liest ausführlich aus Jack Miles' literarischer Analyse des Alten Testaments vor, in der Gott nicht theologisch, sondern als literarische Figur betrachtet wird. Miles beschreibt den Tanach als eine 'göttliche Komödie', in der Gott vom aktiven Schöpfer zum Schweigenden wird – eine Deutung, die Johanna Haberer als 'toll' würdigt und als Sprungbrett zum Neuen Testament nutzt.
The Choice
William Butler Yeats
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:17:13 „Der Geist des Menschen hat nur eine Wahl, im Leben oder im Werk vollkommen zu sein, schrieb W.B. Yeats.“
Das Yeats-Zitat wird im Rahmen der Vorlesung aus Jack Miles' Buch verwendet, um die Tragik des biblischen Gottes zu verdeutlichen.
Das Tagebuch der Menschheit – Was die Bibel über unsere Evolution verrät
Kai Michel, Carel van Schaik
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:19:15 „Und zwar von unseren alten Freunden, den Anthropologen und Historikern Karl van Schaik und Kai Michel, das Tagebuch der Menschheit.“
Sabine Rückert liest ausführlich aus dem Buch vor, um die Entstehung und den Erfolg des Christentums aus anthropologischer und historischer Perspektive zu beleuchten.
The Evolution of God
Robert Wright
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:23:46 „In The Evolution of God bemerkt Robert Wright völlig zu Recht, sein Leben zu verlieren war kein Bestandteil der Jobbeschreibung eines Messias. Ein Messias hat die Feinde zu besiegen und das Volk zu befreien und nicht auf der Strecke zu bleiben, bevor überhaupt die Posaunen zur Entscheidungsschlacht gerufen haben.“
Das Buch wird innerhalb der Passage aus 'Das Tagebuch der Menschheit' zitiert, wo van Schaik und Michel Robert Wrights Beobachtung aufgreifen, dass ein gekreuzigter Messias dem jüdischen Konzept eines siegreichen Befreiers fundamental widersprach – ein 'mehr als erklärungsbedürftiger Umstand'.
Die Welt zur Zeit Jesu
Werner Dahlheim
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:29:11 „Aber du kannst dann nachlesen, jetzt lese ich aus einem Buch, das ich auch sehr schön empfehlen kann, die Welt zur Zeit Jesu von Werner Dahlheim.“
Johanna Haberer empfiehlt das Buch des Historikers Werner Dahlheim ausdrücklich und liest daraus vor, wie sich die Synagoge nach der Tempelzerstörung von den Christen trennte – insbesondere die Verdrängung der Septuaginta und die Einfügung der Ketzerverwünschung in das 18-Bitten-Gebet.
Eine Geschichte von Liebe und Finsternis
Amos Oz
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:35:32 „Das ist eigentlich kein Witz, das ist ein kleines Gespräch, von dem der Amos Oos, der jüdische Schriftsteller, erzählt, der seine Oma gefragt hat, was ist denn der Unterschied zwischen den Christen und den Juden. Dann hat sie ihm über den Kopf gestrichen, er war vielleicht so fünf, sechs Jahre alt und hat gesagt, du, das ist ganz einfach.“
Im Gespräch über die Naherwartung der Wiederkunft Christi erzählt Johanna Haberer eine Anekdote des israelischen Schriftstellers Amos Oz, in der dessen Großmutter den Unterschied zwischen Juden und Christen auf die Frage reduziert, ob der Messias 'Schön euch zu sehen' oder 'Schön euch wiederzusehen' sagen wird. Die Anekdote stammt vermutlich aus Oz' autobiographischem Roman, wird aber nicht namentlich genannt.
Reim-Bibel (Kurzfassung)
Wolfgang Klosterhalfen
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:46:50 „Meine poetischen Darstellungen dieser großartigen Texte, ich lese dir gleich was vor, finden Sie in der gerade erschienenen Kurzfassung meiner Reim-Bibel, die ich für teuflisch günstige 666 Cent anbiete.“
Sabine Rückert liest einen Hörerbrief von Wolfgang Klosterhalfen vor, der seine Reim-Bibel bewirbt, und trägt daraus ein satirisches Gedicht über die Bibel vor.