Alles ein Haschen nach Wind
Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler
Diese Folge widmet sich dem Buch Kohelet, dem Prediger — ein Text, der beide Schwestern an die morgendlichen Bibellesungen ihrer Kindheit erinnert, inklusive fragwürdiger Weisheiten über Schweine mit goldenen Halsbändern. Eingebettet in die hellenistische Zeit nach Alexander dem Großen, entsteht die jüdische Weisheitsliteratur als intellektuelle Antwort auf die griechische Philosophie — mit der provokanten These, dass sich die Welt mit reinem Verstand eben nicht fassen lässt.
„Man kann mit Intellektualität die Welt nicht erklären. Das ist die Überschrift.“
Erwähnte Medien (14)
Kohelet (Buch der Prediger)
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:00:08 „Mit dem Buch Kohelet, dem Buch der Prediger, wurden nämlich meine Schwester und ich Hallo Johanna. Hallo. Überschüttet, als wir Kinder waren.“
Hauptthema der Episode, das Buch Kohelet wird als zentraler Bibeltext der Kindheit der Sprecherinnen eingeführt und im gesamten Gespräch ausführlich besprochen
Buch Kohelet (Prediger Salomo)
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:00:26 „Heute wird es eine ganz wunderbare Sendung, denn sie hat sehr viel mit unserer Jugend zu tun. Mit dem Buch Kohelet, dem Buch der Prediger, wurden nämlich meine Schwester und ich überschüttet, als wir Kinder waren.“
Das Buch Kohelet ist das zentrale Thema dieser Episode. Sabine Rückert und Johanna Haberer besprechen die biblische Weisheitsliteratur, die ihnen als Pfarrerstöchter jeden Morgen vorgelesen wurde. Sie lesen ausführlich daraus vor und diskutieren die philosophische Bedeutung des Textes zwischen Nihilismus und Lebensfreude.
Jesus Sirach
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:01:58 „Dann haben wir den Jesus Sirach, ist auch eine Weisheitsliteratur, vermutlich ein Rabbiner.“
Wird als weiteres biblisches Weisheitsbuch neben Kohelet genannt
Buch Jesus Sirach
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:02:12 „Dann haben wir den Jesus Sirach, ist auch eine Weisheitsliteratur, vermutlich ein Rabbiner. Entstanden sind diese Dinge vielleicht, sagen wir mal, im dritten, zweiten Jahrhundert.“
Im Rahmen der Einordnung der biblischen Weisheitsliteratur nennt Johanna Haberer das Buch Jesus Sirach als weiteres Weisheitsbuch neben dem Prediger Salomo. Später lesen beide Schwestern ausführlich Stellen daraus vor, etwa über Freundschaft, Faulheit und Frauen.
Der Mythos des Sisyphos
Albert Camus
🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:06:08 „Der beschreibt ja in seinem großen Essay über Sisyphus, den Mythos des Sisyphus, da schreibt er über die Weisheit“
Camus' philosophischer Essay wird als Parallele zum nihilistischen Grundton des Kohelet herangezogen, um die Absurdität der Existenz zu illustrieren
Der Mythos des Sisyphos
Albert Camus
🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:07:21 „Der beschreibt ja in seinem großen Essay über Sisyphus, den Mythos des Sisyphus, da schreibt er über die Weisheit, wenn es das Absurde gibt, dann nur im Universum des Menschen. Sobald dieser Begriff sich in ein Sprungbrett zur Ewigkeit verwandelt, ist er nicht mehr mit der menschlichen Hellsichtigkeit verbunden.“
Johanna Haberer zieht eine Parallele zwischen Kohelet und Albert Camus' Philosophie des Absurden. Sie zitiert ausführlich aus dem Essay und argumentiert, dass Camus' Absurditätsbegriff ein Angriff auf die Religion sei, während der biblische Prediger bei der Absurdität stehen bleibt, aber dennoch an Gott festhält.
Aufsatz über Kohelet in der Jüdischen Allgemeinen
Gabriel Cohen
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:08:36 „Ich habe mich auch ein bisschen umgeschaut und habe in der jüdischen Allgemeinen einen Aufsatz gefunden von einem Gabriel Cohen, der Dozent an der Bar-Ilan-Universität Ramazgan in Israel war. Zu dem Zeitpunkt, der ist schon etwas älter, der Artikel, der ist von 2010.“
Sabine Rückert zitiert ausführlich aus einem Aufsatz von Gabriel Cohen in der Jüdischen Allgemeinen von 2010. Der Artikel beschreibt, wie Kohelet durch das Erkennen der Lebensrealitäten den Menschen dazu auffordert, jeden Moment bewusst zu erleben – Pessimismus als Selbstbefreiung statt Selbstzerfleischung.
Kohelet-Exegese (Vorwort)
Josef Karlebach
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:09:51 „Der Rabbiner Josef Karlebach hat im Vorwort zu seiner Kohelet-Exegese festgestellt, es gibt zweierlei Pessimismus, den der Selbstzerfleischung und den der Selbstbefreiung. Einen solchen, der uns jeden Augenblick des Glücks verbittert und vergällt und einen anderen, der uns unabhängig macht vom Unglück.“
Im Rahmen des Artikels von Gabriel Cohen wird auch Rabbiner Josef Karlebachs Kohelet-Exegese zitiert. Karlebachs Unterscheidung zwischen zwei Arten von Pessimismus dient als Schlüssel zum Verständnis von Kohelet: Es geht nicht um Verzweiflung, sondern um Befreiung vom Ego.
Poetik
Aristoteles
🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:13:02 „Also das griechische Theater, so wie der Aristoteles es auch beschreibt, hat das Ziel, die Menschen die Aporie des Lebens erkennen zu lassen, das Unerklärte.“
Johanna Haberer verweist beiläufig auf Aristoteles' Beschreibung des griechischen Theaters und seiner Funktion, die Zuschauer die Aporie des Lebens erkennen zu lassen. Der Verweis dient der Kontrastierung mit der biblischen Weisheitsliteratur.
Die Melodie des Kohelet (FAZ)
Christian Geier
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:16:38 „Ich habe auch noch einen anderen wunderbaren Artikel, der noch älter ist, von 1996 gefunden, über die Melodie des Kohelet in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, also in der FAZ, von einem Herrn Christian Geier.“
Sabine Rückert zitiert ausführlich aus einem FAZ-Artikel von 1996 über die poetische Qualität des Kohelet. Der Artikel beschreibt, wie hinter der rhythmischen Sprache eine Musik hörbar wird, die der Weisheit besser steht als Begriffe – und wie Kohelet am Ende als Pragmatiker bei den Alltäglichkeiten des Lebens landet.
Es ist alles eitel
Andreas Gryphius
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:20:45 „Ich wollte noch sozusagen als einen Nachfolger des Kohelet, wollte ich den Andreas Gryphius dir vorlesen, ein Gedicht von dem, wo er praktisch auch diese Lebensweisheit aufnimmt und zwar mitten im 30-jährigen Krieg geschrieben. Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.“
Johanna Haberer liest das berühmte Barockgedicht von Andreas Gryphius als direkten Nachfolger der Kohelet-Weisheit vor. Das Gedicht, mitten im Dreißigjährigen Krieg entstanden, greift das Vanitas-Motiv auf – die Nichtigkeit alles Irdischen – und zeigt, wie die biblische Weisheit in der europäischen Literatur weiterlebt.
Buch der Sprüche (Sprüche Salomos)
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:27:57 „Ich wollte einfach noch ein bisschen blättern, weil natürlich nicht nur der Kohelet, der Prediger, zu den Weisheitsautoren gehört, sondern auch der Jesus Sirach und die Sprüche.“
Johanna Haberer erwähnt die Sprüche Salomos als drittes Weisheitsbuch der Bibel. Daraus stammen die berühmten Passagen über die Ameise und den Faulpelz, die den Schwestern als Kinder regelmäßig vorgelesen wurden.
Sprüche Salomos (Kapitel 31)
🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:31:47 „Aber eine Frau, die Gott fürchtet, ist wert, dass wir sie rühmen.“
Am Anfang des Abschnitts wird die Lesung aus Sprüche 31 abgeschlossen, die offenbar im ersten Teil begonnen wurde. Die Passage über die 'tüchtige Frau' endet mit dem Vers über Anmut und Gottesfurcht. Es handelt sich um einen der bekanntesten alttestamentlichen Texte über weibliche Tugend.
Jesus Sirach (Über Freunde und Ratgeber)
🗣 Johanna Haberer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:31:52 „Vielleicht noch ein letztes, das habe ich unserem Vater an seinem Geburtstag vor seinem Tod vorgelesen, weil sein Geburtstag ist am 16. August und das war immer sein Text, das war auch sein Lieblingstext. Über Freunde und Ratgeber heißt der.“
Johanna Haberer liest eine längere Passage aus dem Buch Jesus Sirach über Freundschaft und Ratgeber vor. Sie verbindet den Text mit einer persönlichen Erinnerung: Es war der Lieblingstext ihres Vaters, den sie ihm an seinem letzten Geburtstag vorgelesen hat. Die Passage regt beide Schwestern zu einem Gespräch über echte Freundschaft und die wenigen Menschen an, denen man wirklich vertraut.