Was Greta Thunberg mit dem Propheten Daniel zu tun hat
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Die Episode taucht in die Visionen des Propheten Daniel ein — jenen Teil des Buches, der selbst Sabine Rückert ohne schwesterliche Hilfe zu nebulös erscheint. Johanna Haberer ordnet das Buch historisch ein: Entstanden um 164 vor Christus unter der Seleukiden-Herrschaft, in einer Zeit extremer Not, als die Juden glaubten, Gott sei von ihnen gewichen — und genau dann ein neuer Prophet erwächst, der zugleich Apokalyptiker ist. Von den Assyrern über Alexander den Großen bis zu den Diadochen wird die Besatzungsgeschichte des Heiligen Landes aufgerollt, inklusive der Pointe, dass Kleopatra keine Ägypterin war, sondern Griechin.
„Sie waren unter Druck. Wir sahen eine Not, wie wir sie noch nie sahen. In dieser Zeit erwächst sozusagen wieder ein Prophet, der aber gleichzeitig ein Apokalyptiker ist.“
Erwähnte Medien (17)
Buch Daniel
unbekannt (traditionell Daniel zugeschrieben)
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:00:27 „Willkommen zu den Pfarrerstöchtern und den Geheimnissen der Bibel. Wir befinden uns nach wie vor im Buch Daniel und heute bin ich ganz besonders froh, dass meine Schwester Johanna bei mir ist, denn die Materie, die vor uns liegt, ist ganz schön nebulös.“
Das Buch Daniel ist das zentrale Thema der gesamten Episode. Die Schwestern besprechen die apokalyptischen Visionen Daniels — die vier Tiere aus dem Meer als Chiffren für die Großreiche Babel, Meder, Perser und das griechische Weltreich — sowie die berühmte Menschensohn-Vision, die das christliche Gottesbild und die Vorstellung eines kommenden messianischen Zeitalters maßgeblich geprägt hat.
Buch Susanna
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:01:31 „in der katholischen steht dann hinten dran noch Susanna, die wir ja das letzte Mal besprochen haben“
Verweis auf das deuterokanonische Buch Susanna, das in der katholischen Bibel Teil des Daniel-Buches ist und in einer früheren Folge besprochen wurde
Susanna (Zusatz zum Buch Daniel)
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:01:31 „Was wir jetzt erleben, der letzte Teil des Buches, Daniels, so wie er in der evangelischen Bibel steht, wie gesagt, in der katholischen steht dann hinten dran noch Susanna, die wir ja das letzte Mal besprochen haben.“
Johanna Haberer verweist auf die Susanna-Erzählung, einen deuterokanonischen Zusatz zum Buch Daniel, der nur in der katholischen Bibel enthalten ist. Die Geschichte wurde in einer früheren Episode ausführlich besprochen und dient hier zur Einordnung der unterschiedlichen Kanonreihenfolgen.
Erstes Buch der Makkabäer
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:07:25 „Sie haben es versucht irgendwie mit medizinischen, so wie man ja auch Hümmeln heute wieder rückgängig machen kann, so haben die das versucht irgendwie rückgängig... Wieder hinzubiegen. Ja, das steht im Makabea-Buch.“
Johanna Haberer zitiert das Makkabäer-Buch als historische Quelle dafür, dass junge Juden unter dem hellenistischen Einfluss der Seleukiden versuchten, ihre Beschneidung rückgängig zu machen, um in den griechischen Gymnasien nicht aufzufallen. Das illustriert den kulturellen Assimilationsdruck, gegen den das Buch Daniel anschreibt.
Les Prophéties (Prophezeiungen des Nostradamus)
Nostradamus
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:14:36 „Und da gibt es natürlich den Nostradamus, das ist ja ganz berühmter. Der hat im 16. Jahrhundert gelebt, von 1503 bis 1566, war ein Apotheker, der durch folgenden Vers berühmt wurde: der junge Löwe wird den Alten besiegen, auf dem Schlachtfeld in einem einzigen Duell im goldenen Käfig wird er ihm die Augen ausstechen.“
Sabine Rückert zieht eine Parallele zwischen den apokalyptischen Visionen Daniels und den Prophezeiungen des Nostradamus. Beide arbeiten mit vieldeutigen, nebulösen Bildern, die sich im Nachhinein auf reale Ereignisse deuten lassen. Nostradamus sagte das Ende der Welt für 2242 voraus.
Evangelium nach Markus
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:22:55 „Und dann haben wir natürlich den Menschensohn. Der Menschensohn heißt eigentlich Ben Adam. Also eigentlich heißt es der Mensch. Und Jesus bezeichnet sich auch selber als Mensch. Also im Markus-Evangelium heißt er immer der Menschensohn.“
Johanna Haberer verweist auf das Markus-Evangelium, um die enorme Wirkungsgeschichte der Daniels-Vision zu belegen: Der Begriff 'Menschensohn' aus Daniel wird zur zentralen Selbstbezeichnung Jesu im ältesten Evangelium — eine direkte Brücke vom Alten ins Neue Testament.
Buch Tobit
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:26:28 „Wir haben ja auch schon beim Tobit festgestellt, dass wir jetzt in dieser neueren Literatur plötzlich Engelwesen und Dämonen und sowas beginnt sozusagen das Denken zu bevölkern.“
Johanna Haberer verweist auf das in einer früheren Episode besprochene Buch Tobit als Beleg dafür, dass in der späteren biblischen Literatur zunehmend Engel und Dämonen als eigenständige Wesen auftauchen — ein Motiv, das im Buch Daniel mit der Figur des Erzengels Michael seinen Höhepunkt findet.
Buch Jesaja
Jesaja
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:29:07 „Man kann sagen, dass die älteren Propheten, die sogenannten Unheilspropheten, alle ein soziales Anliegen hatten. Also wie gesagt, Amos oder der frühe Jesaja. Aber du hast beim Jesaja auch, wir haben darüber gesprochen, diese Thronvision, wo der Jesajas den großen Thron da von Gott sieht.“
Johanna Haberer ordnet Jesaja in die Typologie der Propheten ein: Einerseits ist er ein sozialer Unheilsprophet mit konkretem Gerechtigkeitsanliegen, andererseits hat auch er eine Thronvision Gottes — ein Motiv, das Daniel dann in seinen apokalyptischen Visionen aufgreift und weiterentwickelt.
Buch Amos
Prophet Amos
🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:29:07 „Man kann sagen, dass die älteren Propheten, die sogenannten Unheilspropheten, alle ein soziales Anliegen hatten. Also wie gesagt, Amos oder der frühe Jesaja.“
Johanna Haberer nennt den Propheten Amos als Beispiel für die älteren Unheilspropheten, die vor allem soziale Missstände anprangerten — im Gegensatz zu den späteren Apokalyptikern wie Daniel, die verschlüsselte Zukunftsvisionen formulierten.
Buch Hosea
Hosea
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:29:49 „Andere setzen einen etwas anderen Schwerpunkt, wie zum Beispiel der Hosea. Die sehen das Unrecht in einer kultischen Verfehlung, dass man zum Beispiel andere Götter anbetet oder dass man nicht den Sabbat richtig heiligt oder solche Dinge.“
Im Gespräch über die verschiedenen Formen alttestamentlicher Prophetie unterscheidet Johanna Haberer zwischen Unheilspropheten mit sozialem Anliegen (wie Amos und Jesaja) und solchen mit kultischem Schwerpunkt wie Hosea. Zuvor wird Hosea auch als Vergleich für die Beschreibung Netanjahus durch Zeruya Shalev herangezogen: 'Wie Gott bei Hosea beschrieben ist, der Eifersügel.'
Artikel über Netanyahu und Israel
David Grossman
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:30:05 „ich in der Zeit einen Artikel gefunden habe von einer Schriftstellerin, deren Bücher ich kenne, aber ich kann mit ihnen nicht so furchtbar viel anfangen“
Ein Artikel im Feuilleton der ZEIT vom 9. März 2023, in dem eine Schriftstellerin Netanyahu mit alttestamentlichen prophetischen Bildern beschreibt. Sabine nennt die Autorin später als 'Frau Schalef', gemeint ist vermutlich die israelische Autorin
Artikel über Israel und Netanyahu im Feuilleton der ZEIT
Zeruya Shalev
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:31:20 „Ich will mal damit anfangen, dass ich in der Zeit einen Artikel gefunden habe von einer Schriftstellerin, deren Bücher ich kenne, aber ich kann mit ihnen nicht so furchtbar viel anfangen. Aber hier hat sie im Feuilleton der Zeit einen tollen Artikel geschrieben. Am 9. März 2023 auf den Straßen in Israel marschieren Hunderttausende um gegen die neue Gesetzesreform, um die neue Rechtsreform zur Beschneidung der Rechte des obersten Gerichtes entgegenzuwirken.“
Sabine Rückert liest ausführlich aus einem Artikel von Zeruya Shalev (im Transkript als 'Schalef' gesprochen) vor, der im Feuilleton der ZEIT erschienen ist. Der Artikel vergleicht Netanyahus Wandlung vom liebenden Staatsmann zum autoritären Machthaber mit dem biblischen Bild des eifersüchtigen Ehemanns – eine Parallele, die Rückert als prophetisch einordnet. Der Text wird als zentrales Beispiel für moderne Prophetie in der Tradition des Alten Testaments diskutiert.
Eretz Acheret (Ein anderes Land)
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:35:05 „In der TV-Satiresendung Eretz Acheret, ein anderes Land, konnte man sehen, wie sich der iranische Präsident angesichts der Bilder aus Israel vergnügt die Hände reibt und sich wundert, warum er so viel Geld und Ressourcen in sein Atomprogramm investieren soll, wenn Israel sich letztlich doch selbst und ohne Zutun von außen vernichtet.“
Die israelische TV-Satiresendung wird im Rahmen des Shalev-Artikels zitiert, den Sabine Rückert vorliest. Die Sendung wird als Beispiel dafür angeführt, wie Israels innere Spaltung von außen wahrgenommen wird – der iranische Präsident reibt sich angesichts der Selbstzerstörung Israels die Hände.
21 Lessons for the 21st Century
Yuval Noah Harari
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:37:38 „Das sagt ja auch der Juwal Noah Harari, wir lesen zu viel in alten Schriften. Da hat er schon recht. Wir lesen zu viel in alten Schriften.“
Nach der Besprechung des Jesaja-Zitats auf einer israelischen Protestdemonstration und der prophetischen Kraft alter Texte wirft Sabine Rückert ein, dass Yuval Noah Harari vor dem übermäßigen Einfluss alter Schriften auf die moderne Politik warnt. Die These stammt aus Hararis populärwissenschaftlichem Werk über Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.
Rede vor der UN-Klimakonferenz 2019
Greta Thunberg
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:39:26 „Ihr habt meine Träume und meine Kindheit mit euren leeren Worten gestohlen. Und doch bin ich eine Glückliche. Menschen leiden, Menschen sterben, ganze Ökosysteme kollabieren. Wir stehen am Anfang eines Massensterbens und alles, worüber ihr reden könnt, sind Geld und Märchen über ewiges Wirtschaftswachstum. Wie könnt ihr es wagen?“
Sabine Rückert liest Greta Thunbergs berühmte UN-Rede vor, ohne zunächst die Quelle zu verraten, und lässt Johanna Haberer raten. Beide ordnen die Rede als modernen prophetischen Text ein – der 'How dare you'-Sound erinnere stark an den Propheten Amos. Die Rede dient als Beispiel dafür, dass es auch heute noch Prophetie gibt.
Girl with Balloon
Banksy
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:42:24 „Oder ganz berühmt ist auch das Mädchen mit dem Ballon, also ein kleines Kind, dem ein roter Ballon entgleitet. Dieses Bild, Girl with Balloon, hat ja, ich glaube, anderthalb Millionen oder was gebracht. Bei Sotheby's, als es verkauft wurde, hat es erstmal weniger gebracht, aber dann setzte sich ein Mechanismus in Gang und zerstörte das Bild.“
Sabine Rückert beschreibt Banksy als modernen Propheten, der durch Bilder statt Worte spricht. 'Girl with Balloon' wird als sein berühmtestes Werk genannt – besonders die spektakuläre Selbstzerstörung bei Sotheby's und die anschließende Investition des Erlöses in ein Flüchtlingsrettungsschiff werden als prophetische Zeichenhandlung gedeutet.
Flower Thrower (Love is in the Air)
Banksy
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:43:26 „Oder er hat ganz berühmt einen Palästinenser an die Wand gesprüht, der martialisch aussieht und das Gesicht mit einem Tuch verborgen hat. Und er wirft aber keinen Molotow-Cocktail, sondern einen Blumenstrauß.“
Sabine Rückert beschreibt Banksys ikonisches Graffiti eines vermummten Palästinensers, der statt eines Molotowcocktails einen Blumenstrauß wirft. Johanna Haberer bestätigt, dass es auf die israelische Mauer gemalt wurde. Das Werk wird als prophetische Friedensbotschaft eingeordnet.