Susanna im Bade
Sabine Rückert & Johanna Haberer
In dieser Folge geht es um die berühmte Legende der Susanna im Bade aus dem Buch Daniel — eine Geschichte, die in der katholischen und protestantischen Bibel unterschiedlich überliefert ist. Besonders spannend: Die Erzählung entpuppt sich als antiker Kriminalfall, in dem Daniel als eine Art Ermittler auftritt, der durch kluge Befragung Recht schafft.
„Ich muss mal vorausschicken, dass ich mich sehr freue über diese heutige Folge, denn es handelt sich um eine Folge von kriminalistischer Ermittlung.“
Erwähnte Medien (8)
Einheitsübersetzung
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:01:11 „Du hast die eine Einheitsübersetzung, die auf der griechischen Gesamtübersetzung der Septuaginta beruht, vor dir liegen.“
Johanna beschreibt die unterschiedlichen Bibelausgaben, die sie und Sabine für die Lektüre des Daniel-Buches verwenden
Bibel (Einheitsübersetzung / Septuaginta)
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:01:20 „Du hast die eine Einheitsübersetzung, die auf der griechischen Gesamtübersetzung der Septuaginta beruht, vor dir liegen. Ich habe die protestantische von 2017 vor mir liegen, die Lutherübersetzung, die revidierte. Da steht ein anderes Buch, Daniel, drin, als das, das du vorliegen hast.“
Johanna Haberer erklärt, dass sie und ihre Schwester Sabine zwei verschiedene Bibelausgaben vor sich haben. Die Einheitsübersetzung basiert auf der griechischen Septuaginta und enthält zusätzliche Daniel-Geschichten wie Susanna im Bade, die in der protestantischen Bibel lange fehlten.
Buch Tobit
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:07:23 „Also unter der Assyrischen Verschleppung, da hatten wir die Geschichte von Tobit und Tobias. Da wurden die Juden auf der Straße erschlagen und liegen gelassen.“
Sabine Rückert zieht einen Vergleich zwischen den Lebensbedingungen der Juden in Babylon und der früheren assyrischen Verschleppung. Sie verweist auf das deuterokanonische Buch Tobit als Beispiel für eine andere, brutalere Behandlung der verschleppten Israeliten.
Der zerbrochene Krug
Heinrich von Kleist
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:29:27 „Aber woran auch die Komik mich erinnert, ist natürlich der zerbrochene Krug. Der zerbrochene Krug ist das. Der Richter Adam. Natürlich. Der ist selber, der klagt an. Ist aber selber der Schuldige und fängt dann an rumzulavieren. Ist eine riesige komische Geschichte und dies ist im Grunde genommen das gleiche Motiv.“
Johanna vergleicht das Motiv des Richters, der sich selbst verurteilt, mit Kleists Komödie, in der Richter Adam zugleich der Schuldige ist
Zweites Buch Samuel (Geschichte von David und Batseba)
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:29:32 „Der König David ist auch ein Richter, der sich selbst verurteilt. Die Susanna und die Batzeba, die sind ja eigentlich in dem gleichen Ensemble.“
Johanna Haberer stellt eine motivgeschichtliche Parallele her zwischen der Susanna-Erzählung und der Geschichte von König David und Batseba aus dem Zweiten Buch Samuel. Beide Geschichten handeln von Machtmissbrauch gegenüber Frauen und dem Motiv des Richters, der sich selbst verurteilt.
Der zerbrochne Krug
Heinrich von Kleist
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:29:37 „Aber woran auch die Komik mich erinnert, ist natürlich der zerbrochene Krug. Der zerbrochene Krug ist das. Der Richter Adam. Natürlich. Der ist selber, der klagt an. Ist aber selber der Schuldige und fängt dann an rumzulavieren.“
Johanna Haberer zieht eine literarische Parallele zwischen der Daniel-Susanna-Geschichte und Kleists Komödie 'Der zerbrochne Krug'. Das Motiv des Richters, der sich durch seine eigene Verhandlung selbst entlarvt, verbindet beide Werke. Die Komik der biblischen Szene – zwei Richter, die sich gegenseitig widersprechen – erinnert sie an Richter Adam.
Psycho
Alfred Hitchcock
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:33:11 „In jedem Fall ist dieses Motiv von der Susanna im Bade auch bei Psycho von Hitchcock wichtig. Dieser Norman Bates, der Mörder, der beobachtet. Der die Frau ersticht in der Dusche.“
Johanna Haberer verfolgt die Motivgeschichte der 'Susanna im Bade' bis in die Filmgeschichte. In Hitchcocks Psycho hängt vor dem Guckloch, durch das Norman Bates die Frauen beobachtet, ein Gemälde der Susanna im Bade – eine bewusste Anspielung auf das voyeuristische Motiv der biblischen Erzählung.
Erster Korintherbrief (1. Korinther 13)
Paulus von Tarsus
🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:45:45 „Ich habe jetzt mal geguckt bei Paulus, bei den sogenannten Tugend- und Lasterkatalogen, die wir da haben. Wir haben im Neuen Testament Kataloge, was man tun soll und was man nicht tun soll. Und da kommt dann ein Lasterkatalog. Es steht im ersten Korintherbrief, im sechsten Kapitel.“
Als Schlusswort der Folge wählt Johanna Haberer eine Passage aus dem ersten Korintherbrief (Kapitel 6), in der Paulus einen Lasterkatalog aufzählt. Sie stellt damit einen Bezug zwischen den alttestamentlichen Vergehen der Susanna-Geschichte und den neutestamentlichen Moralvorstellungen her.