Was ist ein heiliger Ort
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Anlass der Folge ist Johanna Haberers halbjähriger Aufenthalt in Jerusalem, wo sie auf dem Ölberg eine Pfarrstelle vertritt. Von dort aus entspinnt sich ein Gespräch über heilige Orte und warum bestimmte Plätze einen besonderen Zauber haben. Mit einem originellen Bild aus der Kreditwirtschaft erklärt Haberer das Konzept des Heiligen: Gott habe einen "Eigentumsvorbehalt" auf bestimmte Orte und auf jeden Menschen — die Seele als Gottesteilchen, das uns immer wieder selbst überraschen kann.
„Das anthropologisch Interessante ist, dass darin die Erkenntnis steckt, dass wir uns nicht selbst gehören.“
Erwähnte Medien (13)
Exodus (2. Buch Mose)
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:04:39 „Hallo, wo ist sie denn? Es ist Exodus 3. Sei mal leise. Es geht um Genesis, in der Genesis.“
Sabine Rückert liest die Geschichte vom brennenden Dornbusch vor (Exodus 3), in der Mose auf heiligem Boden Gottes Stimme hört. Die Stelle wird als zweites zentrales Beispiel für heilige Orte in der Bibel ausführlich besprochen.
Genesis (1. Buch Mose)
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:05:16 „Da hatte er einen Traum. Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder und siehe, der Herr stand oben und sprach, ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks.“
Sabine Rückert liest die Jakobsleiter-Geschichte aus Genesis 28 vor, um die biblische Vorstellung eines heiligen Ortes zu illustrieren. Jakob schläft an einem Ort, hat eine Gottesvision, und erkennt erschrocken: Dieser Ort ist das Haus Gottes und das Tor des Himmels — ein Urbeispiel für die Entstehung heiliger Orte.
Confessiones (Bekenntnisse)
Augustinus von Hippo
🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:16:56 „Augustinus, Kirchenvater im 5. Jahrhundert, ein Muttersöhnchen, dessen Mutter Monika ist gestorben, noch auf italienischem Boden, auf dem Rückweg nach Afrika. Und dort hat sie dann den Satz niederlegen lassen, begrabt meinem Leib, wo ich will, ich werde euch wiedersehen und euch wieder begegnen, irgendwo ich werde euch finden.“
Johanna Haberer erzählt die Geschichte von Augustinus' Mutter Monika, die aus den Bekenntnissen stammt, um zu zeigen, dass schon in der christlichen Tradition die Fixierung auf ein bestimmtes Grab relativiert wurde. Persönliche Verbindung: Ihre eigene Mutter habe genau diesen Satz auf ihre Todesanzeige schreiben lassen.
Das Vermächtnis der Aborigines
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:20:18 „Zum Beispiel habe ich hier gefunden ein Text aus dem Tagesspiegel, das Vermächtnis der Aborigines. Australien aus der Sicht der Ureinwohner. Benedict Stevens ist einer von ihnen zu Besuch bei mystischen Höhlen und heiligen Bergen.“
Sabine Rückert hat im Archiv nach heiligen Orten recherchiert und stellt mehrere Artikel vor. Dieser Tagesspiegel-Beitrag beschreibt, wie Aborigines Touristen durch ihre heilige Landschaft führen und welche Regeln dort gelten — etwa dass Frauen bestimmte Schluchten nicht passieren dürfen.
Der Stein und das Nichts
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:22:09 „Dann habe ich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gefunden, der Stein und das Nichts, wie weit dürfen Touristen gehen. Der Uluru, das Heiligtum der Aborigines, darf nicht mehr bestiegen werden.“
Im Rahmen ihrer Archivrecherche zu heiligen Orten erwähnt Sabine Rückert diesen FAZ-Artikel über den Uluru (Ayers Rock) und die Sperrung für Touristen. Der Artikel thematisiert den Ansturm von Touristen auf das Heiligtum der Aborigines, bevor es endgültig für Besteigungen gesperrt wurde.
Ein Mysterium von Thule
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:22:45 „Dann gab es in Grönland kämpften, ein Artikel aus der Zeit, ein Mysterium von Thule. Amerikas Pläne für Ölbohrungen und einen Raketenschutzschild treffen vor allem die Inuit. Längst hat das Militär den heiligen Ort vereinnahmt.“
Sabine Rückert führt diesen ZEIT-Artikel als weiteres Beispiel für den weltweiten Konflikt zwischen heiligen Orten indigener Völker und wirtschaftlich-militärischen Interessen an. Der Artikel beschreibt, wie die USA den heiligen Ort der Inuit in Thule für militärische Zwecke vereinnahmt haben.
Die Apachen kämpfen wieder
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:23:02 „Dann gab es einen Beitrag über Nordamerika. Die Apachen kämpfen wieder. In Arizona verteidigen die Indianer ihr heiliges Land gegen zwei Minenkonzerne.“
Als Teil ihrer Archivrecherche erwähnt Sabine Rückert diesen Beitrag über den Kampf der Apachen in Arizona gegen Minenkonzerne, die auf ihrem heiligen Land abbauen wollen — ein weiteres Beispiel für den globalen Konflikt um heilige Stätten indigener Völker.
Die Schamanen schlagen zurück
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:23:12 „Und aus Südamerika, die Schamanen schlagen zurück. Im Amazonasgebiet kämpfen indigene Völker gegen immer brutalere Landnehmer. Geht es auch um die heiligen Heine.“
Im Rahmen ihrer Recherche zu heiligen Orten weltweit erwähnt Sabine Rückert diesen Beitrag über den Kampf indigener Völker im Amazonasgebiet gegen Landnehmer, die ihre heiligen Stätten bedrohen.
Ich bin dann mal weg
Hape Kerkeling
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:28:37 „Der H.P. Kerkeling hat doch ein Buch geschrieben... Und hat darüber das Buch geschrieben, ich bin dann mal weg. Und hat in diesem Buch den Satz geschrieben, jetzt suche ich erst mal nach mir und dann nach Gott.“
Das Buch wird als Beispiel für die Suche nach sich selbst und nach Gott durch eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg angeführt
Ich bin dann mal weg
Hape Kerkeling
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:28:50 „Der H.P. Kerkeling hat doch ein Buch geschrieben, der hatte ja einen schweren Herzanfall und war auch sonst völlig runtergekommen durch seine öffentliche Wirkungskraft. Und hat dann eine Herzattacke bekommen und hat daraufhin eine Wanderung gemacht nach Santiago de Compostela über 700 oder 800 Kilometer. Und hat darüber das Buch geschrieben, ich bin dann mal weg.“
Im Gespräch über heilige Orte als Orte der Selbstfindung bringt Sabine Rückert Kerkelings Jakobsweg-Buch als Beispiel dafür, wie Menschen an heiligen Orten nach sich selbst und nach Gott suchen. Sie zitiert seinen Satz, er suche erst nach sich und dann nach Gott — vielleicht wohne der ja gar nicht so weit weg von ihm.
An welchen Orten finden Sie Kraft?
Matthias Politycki
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:31:00 „Wir haben vor einiger Zeit in der Zeit Leute gefragt, prominente und nicht prominente Autoren gefragt, ob sie uns mal beschreiben wollen, an welchen Orten sie Kraft gewinnen. Und da haben sehr viele Leute mitgemacht, unter anderem ein Schriftsteller mit dem Namen Matthias Politicki, der neuerdings in Wien lebt.“
Sabine Rückert liest ausführlich den Beitrag von Matthias Politycki aus einer ZEIT-Serie vor, in der Autoren ihre persönlichen Kraftorte beschreiben. Politycki schildert das Wiener Café Zartl als Ort zeitloser Ruhe, an dem sich nichts verändert – eine Gegenthese zum ständigen Wandel der modernen Welt.
Nachtzug nach Lissabon
Pascal Mercier
🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:38:03 „Ihr kennt vielleicht, manche von Ihnen kennen vielleicht diesen Nachzug nach Lissabon, dieses Buch von Pierre Mercier, der, ich glaube, Pieri als richtiger Name heißt, das ist ein Literaturprofessor aus der Schweiz. Und der hat diese wunderbare Passage geschrieben, ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben.“
Johanna Haberer zitiert ausführlich aus Pascal Merciers Roman, um ihr Argument zu untermauern, dass Menschen heilige Räume und Zeiten brauchen, in denen sie unverletzlich sind. Die zitierte Passage – 'Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben' – beschreibt das menschliche Bedürfnis nach Erhabenheit und Stille, verbunden mit dem Anspruch auf Freiheit.
Aurora Leigh
Elizabeth Barrett Browning
🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:39:48 „Unsere beiden Positionen deutlich in einem Gedicht geschildert haben, von der Elisabeth Barrett Browning, die Anfang des 20. Jahrhunderts ein Gedicht geschrieben hat. Es hieß, die Erde ist mit Himmel vollgepackt und jeder gewöhnliche Busch brennt mit Gott. Aber nur der, der es sieht, zieht die Schuhe aus. Die anderen sitzen herum und pflücken Brombeeren.“
Zum Abschluss der Folge zitiert Johanna Haberer ein Gedicht von Elizabeth Barrett Browning, um die beiden Perspektiven der Schwestern auf das Thema Heiligkeit zusammenzufassen: Sabines nüchterne und Johannas spirituelle Haltung. Das Zitat über den brennenden Busch und die Brombeerpflücker bringt den Kontrast humorvoll auf den Punkt.