Die Täuschung des sterbenden David
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Warum steht Davids Tod nicht im Buch Samuel, sondern im Buch der Könige? Johanna Haberer erklärt die überraschend verworrene Entstehungsgeschichte der biblischen Bücher: In der hebräischen Tradition wurden sie den Propheten Samuel und Nathan zugeordnet, die griechische Übersetzung machte vier Königsbücher daraus, und erst im 13. Jahrhundert entstand die heutige Aufteilung — ein Remix beider Traditionen. Dabei wird deutlich, wie sich die Bibel von Geschichten einfacher Menschen, die Gottes Stimme hören, zu Palastintrigen und Machtpolitik wandelt.
„Wir dürfen uns diese Vorstellung, wie diese Bücher hintereinander geordnet sind und wie sie entstanden sind, nicht so fest vorstellen. Es ist sehr viel volatiler, als wir uns das vorstellen.“
Erwähnte Medien (9)
Bücher Samuel (1. und 2. Samuel)
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:00:08 „Der Saul und der David in Büchern Samuel 1 und 2 stehen.“
Die biblischen Bücher Samuel werden als bisheriger Erzählrahmen der David-Geschichte eingeordnet, bevor die Handlung ins Buch der Könige wechselt.
Erstes Buch der Könige
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:00:08 „Wir betreten also in dieser Sendung ein neues biblisches Buch, das erste Buch Könige.“
Das erste Buch der Könige ist der neue biblische Text, der in dieser Folge besprochen wird – insbesondere das Ende der David-Geschichte und die Thronfolge Salomos.
Abishag
Rainer Maria Rilke
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:06:28 „Und es gibt dazu ein Gedicht von Rainer Maria Rilke, wusstest du das? Dass Rainer Maria Rilke der armen Abishak ein Gedicht gewidmet hat.“
Im Gespräch über die biblische Figur Abishag, die dem alten König David als Pflegerin und Bettwärmerin zugeführt wird, trägt Sabine Rückert das zweiteilige Rilke-Gedicht vollständig vor. Es stammt aus dem Jahr 1905 und schildert einfühlsam die Perspektive der jungen Frau, die neben dem erkaltenden König liegt. Rilke wird als literarischer Zeuge herangezogen, der die menschliche Tragik dieser biblischen Szene verdichtet.
Abisag (Gedichtzyklus: Abisag I und II)
Rainer Maria Rilke
🗣 Johanna Haberer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:06:54 „Und es gibt dazu ein Gedicht von Rainer Maria Rilke, wusstest du das? Dass Rainer Maria Rilke der armen Abischak ein Gedicht gewidmet hat.“
Johanna erwähnt Rilkes Gedicht über die biblische Abischag, das die Szene der jungen Frau beim alternden König David literarisch verarbeitet. Sabine trägt es anschließend vollständig vor.
Die Wahrheit über Eva – Die Erfindung der Ungleichheit von Frauen und Männern
Carel van Schaik, Kai Michel
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:10:04 „und natürlich auch die Wahrheit über Eva. Unsere Freunde, die Autoren sind ja dieselben“
Sabine zitiert aus dem Buch eine Passage über die patriarchale Rollenverteilung von Frauen in der Bibel – Tochter, Mutter, Ehefrau, Jungfrau – am Beispiel der Abischag.
Das Tagebuch der Menschheit – Was die Bibel über unsere Evolution verrät
Kai Michel, Carel van Schaik
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:10:15 „Natürlich hat sich auch das Tagebuch der Menschheit mit der Abishak und diesem letzten Kapitel befasst. Und natürlich auch die Wahrheit über Eva. Unsere Freunde, die Autoren sind ja dieselben, haben sich hier über David gebeugt und Folgendes geschrieben.“
Sabine Rückert zitiert aus dem Buch, um die biblische Praxis des sogenannten Sunamitismus zu erklären: Man legte altersschwachen Männern junge Mädchen ins Bett als eine Art Testosteron-Therapie. Die Autoren ordnen die Abishag-Episode kulturhistorisch ein und zeigen, dass diese Praxis bis in die Renaissance fortgeführt wurde.
Die Wahrheit über Eva – Die Erfindung der Ungleichheit von Frauen und Männern
Carel van Schaik, Kai Michel
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:11:10 „Und sie schreiben dann in Die Wahrheit über Eva, Jungfrauen sind die Traumfrauen des Patriarchats. Die patriarchale Matrix ist für uns jene verkehrte Welt, in der von Männern geschaffene Regeln herrschen und Frauen nur ein bestimmtes Set an Rollen zur Verfügung steht.“
Aus dem zweiten Buch derselben Autoren wird eine Passage über die patriarchale Matrix zitiert, die Frauenrollen auf wenige Archetypen reduziert: Tochter, Mutter, Ehefrau, Geliebte, Sklavin, Femme Fatale oder Jungfrau. Die Stelle wird herangezogen, um die Rolle der Abishag als bloßes Objekt männlicher Machtdemonstration zu kontextualisieren.
Über den König David (Artikel, Weihnachten 1993)
Walter Jens
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:42:54 „Ich wollte noch ein letztes kleines Stückchen vorlesen aus dem Artikel, den ich auch schon mal zitiert habe, von Walter Jens aus der Zeit, aus dem Jahr 1993 zu Weihnachten. Über den König David hat er da geschrieben.“
Am Ende der Folge liest Sabine Rückert einen längeren Abschnitt aus einem Weihnachtsartikel von Walter Jens in der ZEIT vor, der Davids Altern und Niedergang poetisch beschreibt. Der Artikel dient als literarischer Schlussakkord zur besprochenen Bibelpassage über Davids Tod — Jens zeichnet das Bild eines Mannes, dessen Lebenskraft mit der Jugend erlosch und der am Ende einsam und verloren war.
Bücher über David
Stefan Ark Nitsche
🗣 Johanna Haberer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:44:14 „Als gutes Wort zum Schluss möchte ich gerne David selbst sozusagen zu Wort kommen lassen in der Übersetzung von Arknitsche, der wunderbare Bücher über David geschrieben hat.“
Johanna Haberer zitiert zum Abschluss eine Passage aus 2. Samuel 23 in der Übersetzung von Stefan Ark Nitsche und lobt dessen Bücher über König David als ‚wunderbar'. Der genaue Buchtitel wird nicht genannt, aber die Übersetzung wird als besonders gelungen hervorgehoben und dient als poetischer Kontrapunkt zu Davids düsterem Rache-Testament.