Unter Pfarrerstöchtern – David – genialer Stratege, aalglatter Machtpolitiker
#065

David – genialer Stratege, aalglatter Machtpolitiker

Unter Pfarrerstöchtern / 08. April 2022 / 10 Medien

Sabine Rückert & Johanna Haberer

Die Episode taucht ein in das zweite Buch Samuel und die Frage, warum es eigentlich nicht das Buch David heißt. Johanna Haberer ordnet die komplizierte Stammesstruktur Israels ein — zehn Stämme im Norden, Juda im Süden — und erklärt, wie David als Mann des Übergangs aus losen Nomadenstämmen erstmals ein vereintes Königreich schmiedete, das nur unter ihm und Salomo als eigenständiger Staat existierte.

„Der David ist ja ein Mann auf dem Übergang. Der David wird erst König, der installiert eigentlich oder der baut dieses Königtum erst aus.“
🗣 Johanna Haberer

Erwähnte Medien (10)

Zweites Buch Samuel
Buch

Zweites Buch Samuel

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:00:47 „Und sind jetzt beim zweiten Buch Samuel angekommen, Prophet Samuel. Eigentlich müsste es ja das Buch David heißen. Ich frage mich auch, warum das das Buch Samuel heißt. Ich finde, das ist eine Fehlüberschrift.“

Das zweite Buch Samuel ist der zentrale Gegenstand dieser Podcast-Episode. Die Schwestern lesen und interpretieren den biblischen Text Kapitel für Kapitel, wobei sie die David-Geschichte mit historischen und archäologischen Erkenntnissen kontextualisieren.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Bücher der Könige
Buch

Bücher der Könige

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:04:21 „Dann kommen ja die Bücher der Könige, da heißt es dann extra die Könige. Wir wissen, dass es dann im Buch der Könige eine Reihe von Nordreichkönigen gibt und eine Reihe von Südreichkönigen.“

Johanna Haberer ordnet die Bücher der Könige in die biblische Chronologie ein und erklärt, warum das Samuel-Buch nicht nach David benannt wurde — die Könige bekommen erst in den nachfolgenden Büchern ihre eigene Bezeichnung.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Keine Posaunen vor Jericho (The Bible Unearthed)
Buch

Keine Posaunen vor Jericho (The Bible Unearthed)

Israel Finkelstein und Neil Asher Silberman

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:06:46 „Die frühen Israeliten waren, ein Gipfel der Ironie, selbst ursprünglich Kanaanäher, schreiben Israel Finkelstein und Nile Silbermann.“

Sabine Rückert zitiert Finkelstein und Silberman über van Schaik/Michel, um die These zu stützen, dass eine Landnahme Kanaans nie stattgefunden hat und die vereinte Monarchie ein literarisches Konstrukt ist. Die Autoren werden namentlich als Quelle genannt.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Das Tagebuch der Menschheit – Was die Bibel über unsere Evolution verrät
Buch

Das Tagebuch der Menschheit – Was die Bibel über unsere Evolution verrät

Kai Michel, Carel van Schaik

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:08:30 „damit haben sich auch unsere Begleithistoriker Karel van Schaik und Kai Michel auseinandergesetzt in ihrem Tagebuch der Menschheit, in dem sie die Bibel evolutionär und historisch erklären“

Wird als Referenzwerk herangezogen, um die historische Einordnung des Nordreich-Südreich-Problems zu erläutern

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Erstes Buch Samuel
Buch

Erstes Buch Samuel

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:09:04 „Interessanterweise beginnt das zweite Buch Samuel mit derselben Szene, mit der das erste Buch Samuel aufgehört hat. Und jetzt aber aus einer anderen Perspektive.“

Sabine Rückert verweist auf das Erste Buch Samuel als direkten Vorgängertext, dessen Ende mit dem Beginn des Zweiten Buchs Samuel überlappt — insbesondere die Szene von Sauls Tod gegen die Philister.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Buch der Aufrechten
Buch

Buch der Aufrechten

🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:17:06 „Das ist dann das sogenannte Buch der Aufrechter.“

Im Gespräch über Davids berühmte Totenklage auf Saul und Jonathan erwähnt Sabine Rückert das Buch der Aufrechten (Jaschar), eine in der Bibel referenzierte, aber verlorene Sammlung von Liedern und Klageliedern, in die Davids Dichtung aufgenommen worden sein soll.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
🎭
Theater

Antigone

Sophokles

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:23:23 „Wir kennen das ja auch aus der Antigone, wo sich eine ganze Tragödie darum entspinnt, dass der Bruder der Antigone nicht begraben wird, nachdem er getötet wurde. Und das soll also eine nachträgliche postmortale Strafe für ihn sein, die ihn treffen soll, weil er dann nicht in die Unterwelt eingehen kann.“

Sabine Rückert zieht die griechische Tragödie als Parallele zur biblischen Bestattungsthematik heran. Die Antigone dient als Beispiel dafür, dass der Drang, Tote zu begraben, eine kulturübergreifende Konstante ist – wer nicht begraben wird, dessen Seele findet keine Ruhe.

🛒 Amazon * 🔍 Google
Interview mit Thomas W. Laqueur über Bestattungskultur
Artikel

Interview mit Thomas W. Laqueur über Bestattungskultur

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:24:09 „Und da bin ich mal ins Archiv gestiegen und habe dort gefunden ein Interview mit einem Mann, der sich ein amerikanischer Historiker und Kulturwissenschaftler, der heißt Thomas W. Clackeur, und der wurde von der Süddeutschen Zeitung interviewt, was es damit auf sich hat, dass wir Menschen begraben.“

Sabine Rückert hat im Archiv ein Interview der Süddeutschen Zeitung mit dem Kulturwissenschaftler gefunden, das sie ausführlich zitiert. Das Interview behandelt die Frage, warum Menschen ihre Toten begraben, und liefert den kulturhistorischen Rahmen für die biblische Bestattungsszene.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung
The Work of the Dead – A Cultural History of Mortal Remains
Buch

The Work of the Dead – A Cultural History of Mortal Remains

Thomas W. Laqueur

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:24:33 „Er hat ein Buch geschrieben, 700 Seiten dickes Werk, das heißt »The Work of the Dead – A Cultural History of Mortal Remains«, also die Kulturhistorie der Überbleibsel, der sterblichen Überbleibsel, und wird von der Süddeutschen gefragt.“

Im Kontext der biblischen Bestattung Sauls recherchiert Sabine Rückert, warum Menschen überhaupt Tote begraben. Sie zitiert ausführlich ein Interview der Süddeutschen Zeitung mit dem amerikanischen Kulturwissenschaftler Thomas W. Laqueur, der in seinem 700-seitigen Werk die Kulturgeschichte des Umgangs mit sterblichen Überresten aufarbeitet.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Artikel über die Bestattung des Boston-Marathon-Attentäters
Artikel

Artikel über die Bestattung des Boston-Marathon-Attentäters

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:28:48 „Ich habe dann auch noch die Geschichte gefunden, wie der Bürgermeister von Boston verzweifelt versucht, einen Ort zu finden, an dem der sogenannte Marathon-Attentäter von Boston begraben werden sollte. Niemand will die Leiche dieses bei dem Anschlag selbst umgekommenen Terroristen haben. Und darum gibt es einen ganzen Artikel in der Neuen Züricher Zeitung.“

Als modernes Beispiel für die kulturelle Bedeutung von Bestattungen erwähnt Sabine Rückert einen NZZ-Artikel über die verzweifelte Suche nach einem Bestattungsort für den Boston-Marathon-Attentäter. Niemand wollte dem Terroristen Erde auf seinem Friedhof gönnen – ein Beleg dafür, dass Bestattungsverweigerung bis heute als Strafe empfunden wird.

Zum Artikel bei NZZ