David und Jonathan – eine Männerliebe
Sabine Rückert & Johanna Haberer
In dieser Folge der David-Saul-Staffel steht die intensive Zwiesprache zwischen David und seinem Busenfreund Jonathan im Mittelpunkt — fast wie eine Theaterszene. David, auf der Flucht vor dem rasenden Saul, schmiedet mit Jonathan einen Plan: Beim königlichen Neumond-Dinner soll Jonathans Reaktion auf Davids Abwesenheit verraten, ob Saul wirklich Mord im Sinn hat. Dabei wird der rätselhafte Bund zwischen den beiden Männern verhandelt — ein Freundschaftspakt, in dem Jonathan auf die Königswürde verzichtet und David im Gegenzug Jonathans Nachkommen verschonen soll.
„So wahr der Herr lebt, so wahr du selbst lebst — zwischen mir und dem Tod liegt nur ein Schritt.“
Erwähnte Medien (6)
3. Buch Mose (Levitikus)
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:17:49 „Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist und die beiden sollen des Todes sterben. Blutschuld lastet auf ihnen. Auf diesem Satz ruht ja eine Riesensexualmoral, die aber letztlich Schwachsinn ist, weil man sich ja sonst auch nicht an die alten Vorschriften des Leviticus hält.“
Sabine Rückert zitiert das Levitikus-Verbot der Homosexualität im Kontext der Diskussion über das Verhältnis von David und Jonathan. Sie argumentiert, dass die christliche Moraltheologie sich selektiv auf diese Stelle beruft, während andere Vorschriften desselben Buches ignoriert werden.
Artikel über Homosexualität und biblische Normen
Jürgen Ebach
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:18:47 „Und da habe ich einen wunderbaren Artikel von einem Professor gefunden, der heißt Jürgen E. Bach. Der ist Professor gewesen für Altes Testament an der Ruhr-Universität in Bochum.“
Sabine Rückert zitiert ausführlich aus einem Artikel des Alttestamentlers Jürgen Ebach, der die Selektivität der kirchlichen Bibelauslegung bei der Verurteilung von Homosexualität entlarvt. Ebach argumentiert, dass dieselben Reinheitsvorschriften des Leviticus, die Homosexualität verbieten, auch das Bartstutzen, Schweinefleischessen und die Teilnahme an Beerdigungen als Gräuel bezeichnen – Regeln, die heute niemand mehr befolgt. Rückert findet das Argument überzeugend und fasst zusammen: Das ist die Verurteilung der Homosexuellen durch die Christen auf den Punkt gebracht.
Das Buch Ruth
Jürgen Ebach
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:18:59 „Wir hatten den schon mal zitiert. Der hat so ein ganz schönes Buch über das Buch Ruth geschrieben. Da haben wir ihn schon kennengelernt, den Herrn Ebach.“
Als Sabine Rückert den Theologen Jürgen Ebach einführt, erinnert Johanna Haberer daran, dass sie ihn bereits in einer früheren Folge über das Buch Ruth zitiert hatten. Die Erwähnung dient als Wiedererkennung des Autors, bevor Rückert ausführlich aus einem Artikel von Ebach zur Homosexualitätsdebatte zitiert.
2. Buch Mose (Exodus), Kapitel 21, Verse 22-25
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:19:59 „In der Bibel erscheint ungeborenes Leben zum Beispiel nicht als Leben. Man lese dazu 2. Mose 21, 22-25. Niemand in der Kirche wird heute das als zureichende biblische Norm in der Abtreibungsfrage ansehen.“
Sabine Rückert zitiert aus dem Artikel von Jürgen Ebach, der diese Bibelstelle als Beispiel dafür anführt, dass biblische Normen selektiv angewandt werden. Der Abschnitt dient als Argument gegen die selektive Berufung auf biblische Verbote der Homosexualität.
Apostelgeschichte
Lukas
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:20:58 „Und wie steht es mit dem sogenannten Blutgenuss in der Apostelgeschichte? Mit höchster Autorität nämlich von den Repräsentanten der Jerusalemer Gemeinde, unter ihnen Petrus und Jakobus, und von Paulus gemeinsam formuliert, allen untersagt bleibt, die Jesus als den Messias anerkennen.“
Im Rahmen des Ebach-Zitats wird die Apostelgeschichte als weiteres Beispiel für selektive Bibelanwendung herangezogen: Das dort formulierte Verbot des Blutgenusses wird von Christen nicht beachtet, obwohl es mit höchster Autorität ausgesprochen wurde – anders als das Homosexualitätsverbot.
Odyssee
Homer
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:32:38 „Aber wir haben dieses Motiv, ich bin verfolgt oder will mich irgendwie verdrücken, indem ich mich verrückt zeige. Das haben wir ja schon beim Odysseus. Der Odysseus soll ja mit in den Krieg ziehen und dann macht er doch auch verrückt.“
Johanna Haberer zieht eine literarische Parallele zwischen David, der sich bei den Philistern wahnsinnig stellt, und Odysseus, der ebenfalls Wahnsinn vortäuschte, um nicht in den Trojanischen Krieg ziehen zu müssen. Die Parallele dient dazu, das biblische Motiv der vorgetäuschten Verrücktheit als universelles literarisches Muster einzuordnen.