Simson und Delila
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Die Episode widmet sich Simson, dem muskelbepackten Antihelden des Richterbuches, dessen Geschichte mit einer göttlichen Geburtsankündigung beginnt: Ein Engel erscheint seiner unfruchtbaren Mutter und kündigt einen Nasiräer an — einen Gottgeweihten, dem niemals ein Schermesser das Haupt berühren soll. Eingebettet in die 40-jährige Unterdrückung durch die Philister, die als brutalste und fremdeste aller bisherigen Feinde Israels auftreten, entfaltet sich die Geschichte eines Helden, der eigentlich nur für sich selbst kämpft.
„Er hat viel, viel Testosteron, ziemlich viele Muskeln. Ab und zu fährt der Geist Gottes in ihm und er schlägt um sich, aber eigentlich nur für sich. Also er ist auf jeden Fall eine drollige Figur. Es ist ein Antiheld.“
Erwähnte Medien (9)
Buch der Richter
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:01:21 „Im Buch der Richter sind die Richter keine Richter, sondern es sind manchmal nur Räuberhauptmänner oder Anführer von Gruppen, auf jeden Fall immer wieder lokale Erscheinungen, Phänomene, die einen gewissen Teil der Israeliten für sich begeistern können, aber niemals das ganze Volk.“
Das Buch der Richter ist der zentrale biblische Text, den Sabine Rückert und Johanna Haberer in dieser Episode besprechen. Sie arbeiten sich durch die Simson-Geschichte und ordnen die Richter-Figuren als lokale Anführer ein, nicht als Richter im juristischen Sinne.
Alttestamentlicher Kommentar zum Richterbuch
Ernst Axel Knauf
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:05:05 „Also mein wunderbarer alttestamentlicher Kommentator, der Herr Knauf, das ist ein Schweizer Alttestamentler, der sich tief in die hebräischen Texte hineinbegeben hat. Der sagt also, der Mann, dem sie das erzählt, ist nicht ganz grundlos beunruhigt, denn in dem, was die Frau erzählt, ist eine gewisse Doppeldeutigkeit.“
Johanna Haberer zitiert den Schweizer Alttestamentler Knauf und seinen Kommentar zur Simson-Geschichte. Knauf hat die hebräischen Texte analysiert und eine sexuelle Doppeldeutigkeit in der Begegnung zwischen dem Engel und Manoachs Frau herausgearbeitet, die in deutschen Übersetzungen verloren geht.
Harry Potter
J.K. Rowling
🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:09:29 „Ja, das ist ein bisschen wie der Flugzauber mit Flohpulver bei Harry Potter.“
Johanna Haberer vergleicht die Szene, in der der Engel des Herrn in der Opferflamme zum Himmel aufsteigt, humorvoll mit dem Flohpulver-Reisezauber aus Harry Potter. Ein beiläufiger Vergleich, der die Szene für heutige Hörer greifbar machen soll.
Gilgamesch-Epos
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:10:16 „Also jetzt haben wir den Simson hier und der gemahnt an eine ganze Menge mesopotamischer, ägyptischer Helden, die alle so von Sonnengöttern kommen. Und Gilgamesch, dieser Held im Ugarit übrigens auch, die haben alle so ein Sonnengesicht und dann sind ihre Haare, stehen dann vom Kopf ab, also die Sonnenstrahlen sind sozusagen Haare.“
Johanna Haberer vergleicht die Simson-Figur mit Gilgamesch und anderen mesopotamischen Helden, die alle mit Sonnengottheiten assoziiert sind. Die Haare, die vom Kopf abstehen, symbolisieren Sonnenstrahlen – eine Verbindung, die auch Simsons Namen ('kleine Sonne') und sein Haargebot erklärt.
Der Struwwelpeter
Heinrich Hoffmann
🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:10:16 „Die haben alle so ein Sonnengesicht und dann sind ihre Haare, stehen dann vom Kopf ab, also die Sonnenstrahlen sind sozusagen Haare. So ein bisschen wie beim Struwwelpeter. So sehen diese Darstellungen aus.“
Johanna Haberer nutzt den Struwwelpeter als visuellen Vergleich, um zu veranschaulichen, wie mesopotamische Sonnenhelden-Darstellungen aussehen: mit wild vom Kopf abstehenden Haaren, die Sonnenstrahlen symbolisieren – genau wie bei der Simson-Figur.
Manhunt: Unabomber
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:26:37 „Dann gibt es eine ganz tolle Serie auf Netflix, da kann man sich das angucken, in einer sensationellen Besetzung. Der konnte sich nicht einordnen. Der Una Bomber hat alleine in einem, den hat man ewig gesucht und die Geschichte in der Netflix-Serie handelt davon, wie man ihn findet.“
Sabine Rückert empfiehlt eine Netflix-Serie über den Unabomber, um die Parallele zwischen Ted Kaczynski und der biblischen Simson-Figur zu verdeutlichen: Beide sind hochintelligent, sozial isoliert und leben als Einsiedler. Die Serie zeigt, wie man Kaczynski nach jahrelanger Suche in einer Waldhütte findet – ähnlich wie Simson in seiner Felsenhöhle.
Art (Zeitschrift)
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:40:28 „Und da schreiben diese Leute von Art, Art heißt die Zeitung, aus der ich das habe, Kunst. Simson passt ins kalvinistische Weltbild. Rembrandt hat ihn gemalt.“
Sabine Rückert zitiert aus einem Artikel der Kunstzeitschrift Art, der erklärt, warum Rembrandt Simson so häufig malte. Der Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen kalvinistischer Frömmigkeit und der Ablehnung heidnisch-antiker Themen in der niederländischen Malerei.
Die Blendung Simsons
Rembrandt van Rijn
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:41:48 „Und jetzt kommen Sie auf das Bild, die Blendung des Simson. Da sieht man auch hinten, wie die Delilah mit den Haaren davonrennt. Die hat sie ihm selbst abgeschnitten. Und im Vordergrund, ganz schrecklich, und deswegen wurde es auch lange versteckt und nicht gezeigt, das Bild, Vordergrund der Kopf des Simson, wo gerade ihm einer mit dem Messer ins Auge reinfährt.“
Sabine Rückert beschreibt ausführlich Rembrandts Gemälde der Blendung Simsons, das im Frankfurter Städel hängt. Sie erklärt, warum Rembrandt biblische Szenen statt antiker Heldensagen malte: Als Kalvinist durfte er keinen Herkules malen, aber Simson passte ins kalvinistische Weltbild. Sie hebt hervor, wie schmerzhaft realistisch Rembrandt die Szene darstellte – bis hin zu den vor Schmerz eingekrümmten Zehen.
Buch Hosea
Hosea
🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:50:46 „Weil nämlich, wenn du dann zum Propheten Hosea, der wie gesagt diese Texte kommentiert, guckst, da trauert der Gott immer über sein Volk. Der trauert drum und da heißt es dann in Hosea 11.“
Johanna Haberer zitiert aus Hosea 11, um einen Kontrapunkt zur Simson-Geschichte zu setzen: Während Simson Gott für seine Rache instrumentalisiert, zeigt Hosea einen trauernden Gott, der über sein abtrünniges Volk klagt. Das Zitat dient als theologischer Kommentar zur Verlogenheit der religiösen Verbrämung von Gewalt.