Unter Pfarrerstöchtern – Von der Macht der Geschichten
#047

Von der Macht der Geschichten

Unter Pfarrerstöchtern / 13. August 2021 / 8 Medien

Sabine Rückert & Johanna Haberer

Die Episode taucht ein in das Buch Joshua und erzählt, wie die Gibeoniter mit einer raffinierten List ihr Überleben sichern: Sie verkleiden sich mit zerfetzten Schuhen, löchrigen Mänteln und trockenem Brot als Reisende aus einem fernen Land, um Joshua einen Friedensvertrag abzuringen. Nebenbei wird eine brisante historische Pointe deutlich — Jerusalem existierte längst vor den Israeliten als Stadt der Jebusiter, denen der Glaube an Yahweh erst übergestülpt wurde.

„Sie versahen sich mit Verpflegung, haben alte Säcke zusammengepackt, alte brüchige, gepflegte Weinschläuche auf ihre Esel gepackt und zogen damit den Israeliten entgegen. Nicht mit Waffen, sondern mit alten Eseln und alten Säcken.“
🗣 Sabine Rückert

Erwähnte Medien (8)

Buch Joshua
Buch

Buch Joshua

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:00:40 „Es geht weiter mit dem Buch Joshua. Und wir kommen jetzt zu einer Situation, da alle Könige in Kanaan sich zusammentun, um gegen die einfallenden Israeliten vorzugehen.“

Das Buch Joshua ist der zentrale Gegenstand dieser Podcast-Episode. Die Schwestern besprechen die Kapitel über die Gibeoniter-List, die Schlacht gegen die fünf Amoriterkönige und die berühmte Szene, in der Sonne und Mond stillstehen. Johanna Haberer ordnet die Texte historisch-kritisch ein.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Buch der Richter
Buch

Buch der Richter

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:08:26 „Ja, wir werden ja später, wenn wir dann zum Buch der Richter kommen, erfahren, dass das alles hier stark übertrieben ist und dann wird das alles wieder zurückgenommen, die großen Siegesgeschichten, aber da kommen wir dann dazu.“

Sabine Rückert kündigt an, dass im Buch der Richter die großen Eroberungsgeschichten des Joshua-Buchs relativiert werden – dort zeigt sich, dass viele Gebiete gar nicht eingenommen wurden. Auch Jack Miles' Zitat verweist darauf, dass die Brutalisierung am Ende des Richterbuches sogar auf die Beziehungen zwischen den zwölf Stämmen übergreift.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Gott. Eine Biografie
Buch

Gott. Eine Biografie

Jack Miles

🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:11:10 „Ja, ich wollte bei der Gelegenheit eine kleine Anmerkung dazu vorlesen, was unser Freund Jack Miles, der die Gottesbiografie geschrieben hat, was der zu dieser ganzen Landnahme schreibt.“

Sabine Rückert liest aus Jack Miles' Gottesbiografie vor, in der Miles argumentiert, dass Gott durch sein Fruchtbarkeitsversprechen an Abraham unbeabsichtigt zum Kriegsgott werden musste. Miles These ist, dass die Brutalisierung während der Landnahme unter Joshua später das Volk Israel selbst zerstören wird – eine Dynamik, die sich bis ins Buch der Richter fortsetzt.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Buch des Aufrechten
Buch

Buch des Aufrechten

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:21:01 „Was hat es denn mit dem Buch des Aufrechten auf sich? Das ist ein alter Bogengesang. Wir haben in diesem Buch Joshua und später dann im Richterbuch auch ganz alte Texte, die sicherlich aus dem, was weiß ich, 1200 Jahre alt sind und der kommt noch einmal.“

Im Bibeltext wird das 'Buch des Aufrechten' als Quelle für die Szene zitiert, in der Sonne und Mond stillstehen. Johanna Haberer erklärt, dass es sich um uralte Heldengesänge handelt, die in den Dörfern gesungen wurden und etwa 500 Jahre älter sind als die Texte, in die sie eingebettet wurden. Das Buch wird auch im zweiten Samuelbuch ausführlicher zitiert.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Homo Deus
Buch

Homo Deus

Yuval Noah Harari

🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:22:19 „Dazu gibt es eine wunderbare kleine Nebenbemerkung von Yuval Noah Harari in seinem Buch Homo Deus. Du weißt ja, dass Yuval Harari ein Professor ist an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Der lehrt dort, glaube ich, Geschichte.“

Sabine Rückert liest eine längere Passage aus Hararis 'Homo Deus' vor, in der er argumentiert, dass Gott, Geld und Nationen intersubjektive Realitäten sind – sie existieren nur, weil Menschen an sie glauben. Die Stelle wird im Kontext der biblischen Szene zitiert, in der Gott Sonne und Mond stillstehen lässt, um zu zeigen, wie Menschen jahrtausendelang Naturphänomene mit Gottes Wirken erklärten. Johanna Haberer widerspricht Hararis Haltung und wirft ihm vor, nur Dekonstruktion zu liefern, ohne eine eigene sinnstiftende Gegenerzählung anzubieten.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Einen Gott, den es gibt, den gibt es nicht
Buch

Einen Gott, den es gibt, den gibt es nicht

Dietrich Bonhoeffer

🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:29:21 „Oder, wie ich häufiger schon zitiert habe, den Bonhoeffer, einen Gott, den es gibt, den gibt es nicht. Also mit dieser Dimension setzt sich der Harari gar nicht auseinander.“

Johanna Haberer zitiert Bonhoeffers berühmten Satz als Gegenargument zu Hararis empirischem Gottesbegriff. Sie argumentiert, dass die jüdisch-christliche Theologie Gott bewusst der empirischen Fassbarkeit entzieht und Harari sich mit dieser Dimension nicht auseinandersetzt. Das Zitat stammt sinngemäß aus Bonhoeffers theologischen Schriften.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Barbarossa
Buch

Barbarossa

Friedrich Rückert

🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:34:22 „Ja, schreibt jedenfalls Friedrich Rückert. Das ist ja ein Gedicht von unserem alten Vorfahren.“

Im Zusammenhang mit dem Motiv der Höhle und des eingemauerten Königs kommt das Gespräch auf die Barbarossa-Sage — der Kaiser, der in einem Berg sitzt, dessen Bart durch einen Tisch wächst und der von Raben umkreist wird. Die Sprecherin identifiziert Friedrich Rückert als Verfasser des Gedichts und behauptet scherzhaft, er sei ein Vorfahre der Familie.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Markusevangelium, Kapitel 16
Buch

Markusevangelium, Kapitel 16

🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:43:48 „Und zwar aus dem Markus-Evangelium, hätte ich aus dem 16. Kapitel gehört. Als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus und Salome, wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie sprachen untereinander, wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“

Als 'gutes Wort zum Schluss' wählt Johanna Haberer eine Passage aus dem Markusevangelium, die das Motiv des weggewälzten Steins aufgreift. Sie schlägt damit einen Bogen von der Höhle der fünf eingemauerten Könige im Buch Joshua zum Ostergrab Jesu — beide Male wird ein großer Stein vor eine Höhle gewälzt, doch im Neuen Testament wird er entfernt.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books