Unter Pfarrerstöchtern – Der Tod des Mose und sein Erbe
#044

Der Tod des Mose und sein Erbe

Unter Pfarrerstöchtern / 02. Juli 2021 / 18 Medien

Sabine Rückert & Johanna Haberer

Am Ende des Deuteronomiums entspinnt sich ein Gespräch über Moses' Schicksal: Er darf das gelobte Land sehen, aber nicht betreten — Strafe dafür, dass er Gottes Macht als seine eigene ausgab. Daraus entstand die Redewendung über den Jordan gehen. Besonders kontrovers wird es bei der Frage, ob die Israeliten das verheißene Land geschenkt bekamen oder es sich gewaltsam nahmen — die eine Schwester spricht von Landgabe ohne Verdienst, die andere besteht auf dem kriegerischen Charakter der Landnahme.

„Und so ging Mose über den Jordan, ohne über den Jordan zu gehen.“
🗣 Johanna Haberer

Erwähnte Medien (18)

Gott. Eine Biografie
Buch

Gott. Eine Biografie

Jack Miles

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:04:38 „Und meinem Autor hier, Jack Miles, fällt auf, dass der Abschnitt in den Flüchen in Kapitel 28 Deuteronomium viermal so lang ist wie der Abschnitt mit den Segnungen.“

Johanna Haberer zitiert den Autor Jack Miles, dessen Bibelanalyse sie als Referenzwerk für die Besprechung des Deuteronomiums heranzieht. Miles' Beobachtung über das Ungleichgewicht zwischen Flüchen und Segnungen dient als Ausgangspunkt für eine Diskussion über die Gewalt und Wortgewalt des alttestamentlichen Gottes. Das Buch wird mehrfach im Gespräch als Quelle herangezogen, u.a. mit dem Zitat über die Wortgewalt, die 'bis zu Dante nicht wieder erreicht worden' sei.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Die göttliche Komödie
Buch

Die göttliche Komödie

Dante Alighieri

🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:04:50 „Und erhebt mit seiner Schilderung den Schrecken zu einer Wortgewalt, schreibt er, die bis zu Dante nicht wieder erreicht worden ist.“

Im Kontext der Fluchpassagen aus Deuteronomium 28 zitiert Sabine Rückert Jack Miles, der die literarische Gewalt dieser biblischen Flüche mit Dantes Werk vergleicht. Die Erwähnung dient als literarischer Maßstab für die Intensität der alttestamentlichen Schreckensvision.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
📖
Buch

Gedicht/Essay über die Juden als geologisches Volk

Jehuda Amichai

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:11:15 „Die Juden sind kein historisches Volk, nicht einmal ein archäologisches Volk. Die Juden sind ein geologisches Volk mit Scherben und Einbrüchen und Schichten und glühendem Magma. Ihre Geschichte muss mit einem anderen Maßstab gemessen werden.“

Johanna Haberer zitiert den 2000 verstorbenen israelischen Dichter Jehuda Amichai, um die besondere Geschichtserfahrung des jüdischen Volkes zu beschreiben. Das Zitat dient als Erklärung für das Gottesbild im Deuteronomium und die Ohnmachtserfahrungen Israels.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
NS-Journalisten bei der ZEIT (Dossier/Artikel)
Artikel

NS-Journalisten bei der ZEIT (Dossier/Artikel)

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:19:29 „Und was ich auch interessant fand, war, dass wir kürzlich in der Zeit einen Text hatten über die NS-Journalisten, die sich über nach dem Krieg in der Zeit eingeschlichen haben.“

Sabine Rückert erwähnt einen kürzlich in der ZEIT erschienenen Text über NS-belastete Journalisten, die nach dem Krieg bei der ZEIT arbeiteten. Der Text wird als Ausgangspunkt genommen, um über den Fall Hans Georg von Stutnitz zu sprechen und dessen antisemitische Propaganda-Artikel mit der biblischen Erzählung zu verknüpfen.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Berliner Lokalanzeiger (Artikel vom 14. November 1941)
Artikel

Berliner Lokalanzeiger (Artikel vom 14. November 1941)

Hans Georg von Stutnitz

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:20:56 „Wer den US-Präsidenten verstehen wolle, erklärte er am 14. November 1941 im Berliner Lokalanzeiger, müsse sich, Zitat, bloß seinen nächsten Ratgeber anschauen. Kein berühmter Flieger, kein erfolgreicher Feldherr, kein großer Admiral ist darunter und auch kein Christ.“

Sabine Rückert zitiert einen antisemitischen Hetzartikel von Hans Georg von Stutnitz aus dem Berliner Lokalanzeiger von 1941, in dem Roosevelt als von Juden gesteuert dargestellt wird. Der Artikel wird im Kontext einer Diskussion über NS-belastete Journalisten bei der ZEIT erwähnt und enthält die zynische Formulierung über Roosevelts Berater, 'deren Vorfahren einst trockenen Fußes das Rote Meer zu kreuzen wussten'.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Wie Rupin ein Land erbaute
Artikel

Wie Rupin ein Land erbaute

Bastian Berbner

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:23:17 „Es ist ein Dossier aus der Zeit, der vor drei Jahren erschienen ist, anlässlich des 70. Geburtstags der Gründung des Staates Israel. Es ist eine Geschichte der ersten Anfänge des Staates Israel und wie es dazu gekommen ist.“

Sabine Rückert liest ein langes ZEIT-Dossier von Bastian Berbner vor, das anlässlich des 70. Jahrestags der israelischen Staatsgründung erschienen ist. Der Text erzählt die Geschichte Arthur Rupins, eines deutschen Juden aus Magdeburg, der als praktischer Aufbauer des Staates Israel gilt. Rückert zieht eine Parallele zwischen Rupin und der biblischen Figur Mose – beide getrieben von einer Vision, beide hartnäckig gegen Widerstände.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Der Judenstaat
Buch

Der Judenstaat

Theodor Herzl

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:29:57 „Das war Theodor Herzls Traum, niedergeschrieben in seinem Buch »Der Judenstaat«. Aber von einem Staat zu träumen ist das eine, das andere ist, tatsächlich einen zu erschaffen.“

Im Rahmen eines langen Dossier-Textes über die Gründung Israels, den Sabine Rückert vorliest, wird Herzls Buch 'Der Judenstaat' als Gründungsdokument der zionistischen Bewegung erwähnt. Es wird kontrastiert mit der praktischen Aufbauarbeit Arthur Rupins – Herzl hatte den Traum, Rupin setzte ihn um.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Ruppins Tagebuch
Buch

Ruppins Tagebuch

Arthur Ruppin

🗣 Erzähler referenziert bei ⏱ 00:33:24 „Dort gebe es nicht mal Türen, notiert er in seinem Tagebuch. Einmal wacht er nachts auf und auf seiner Bettdecke sitzt eine streunende Katze.“

Ruppins Tagebuch wird mehrfach als Quelle herangezogen, um die erbärmlichen Zustände im damaligen Palästina zu schildern – vom Krankenhaus ohne Türen bis zu streunenden Katzen auf dem Bett. Später werden auch seine Beobachtungen über arabische Nachbarn und den Alltag daraus zitiert.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Memoiren (Arthur Ruppins Schriften)
Buch

Memoiren (Arthur Ruppins Schriften)

Arthur Ruppin

🗣 Erzähler referenziert bei ⏱ 00:33:58 „In Deutschland hatte ich zwar große Aussichten, schreibt Ruppin später in seinen Memoaren, aber es schien mir, dass ich bei noch so großen Leistungen immer als ein Außenstehender betrachtet und gehasst werden würde.“

Ruppins Memoiren werden als Quelle zitiert, um seine Motivation für die Auswanderung nach Palästina zu erklären. Er beschreibt darin seine Entfremdung als Jude in Deutschland trotz guter Karriereaussichten und seine Hoffnung, in Palästina Teil einer Gemeinschaft zu werden.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Eine Geschichte von Ephraim Kishon (über Wunder in Israel)
Buch

Eine Geschichte von Ephraim Kishon (über Wunder in Israel)

Ephraim Kishon

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:46:59 „Es erinnert mich an Ephraim Kishon. Ich habe doch ganz am Anfang unseres Podcasts mal ein Stück von Ephraim Kishon vorgelesen, eine kleine Geschichte, wo er sagt, uns kann nur noch ein Wunder retten. Wenn das in einem anderen Land gesagt wird, dann steht das Land vor dem Zusammenbruch. In Israel wird das jeden Tag gesagt, weil man jeden Tag mit einem Wunder rechnet und es jeden Tag auch eintritt.“

Sabine Rückert erinnert an eine frühere Folge, in der sie eine Kishon-Geschichte vorgelesen hat. Die Pointe – in Israel gehören Wunder zur normalen Staatsplanung – passt perfekt zu Ruppins Strategie des geduldigen Wartens auf den richtigen historischen Moment.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Juden und Worte
Buch

Juden und Worte

Amos Oz

🗣 Johanna Haberer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:48:11 „Auch dieses Buch von Amos Oz und seiner Tochter, diesem großen israelischen Schriftsteller, der sagt, wir sind Juden, wir sind säkular. Ob wir was glauben oder nicht, spielt gar keine Rolle. Aber wir leben in diesen Visionen. Und die sind für uns selbstverständlich, die unsere Texte uns überliefert haben.“

Johanna Haberer zieht das gemeinsam mit Amos Oz' Tochter Fania Oz-Salzberger verfasste Buch heran, um zu erklären, wie säkulare Juden trotz Nicht-Gläubigkeit in biblischen Visionen leben. Dies verbindet sie mit Ruppins pragmatischem Idealismus – er hatte eine Vision vom jüdischen Staat, ohne zwingend religiös motiviert zu sein.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
God Save the King
Musik

God Save the King

🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:51:17 „Gemeinsam singen die Gäste God Save the King und Die Hatikva, die Hymne der Zionisten.“

Bei der Grundsteinlegung der Hebräischen Universität auf dem Skopusberg in Jerusalem 1918 singen britische und zionistische Vertreter gemeinsam die britische Hymne und die zionistische Hymne Hatikva.

🛒 Amazon * 🎧 Spotify ▶️ YouTube
Hatikva
Musik

Hatikva

🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:51:35 „Der Text der Hatikva geht so. Solange noch im Herzen eine jüdische Seele wohnt und nach Osten hin, vorwärts, ein Auge nach Zion blickt, solange ist unsere Hoffnung nicht verloren, die Hoffnung, 2000 Jahre alt, zu sein ein freies Volk in unserem Land, im Lande Zion und in Jerusalem.“

Sabine Rückert zitiert ausführlich den Text der Hatikva, der Hymne der Zionisten und heutigen Nationalhymne Israels, einschließlich einer weniger bekannten Strophe über Tautropfen auf Gräbern und den zürnenden Gott. Johanna Haberer nutzt den Text für eine theologische Einordnung der jüdischen Diaspora-Deutung.

🛒 Amazon * 🎧 Spotify ▶️ YouTube
Es war einmal ein Palästina (oder vergleichbares Werk von Tom Segev)
Buch

Es war einmal ein Palästina (oder vergleichbares Werk von Tom Segev)

Tom Segev

🗣 Erzähler referenziert bei ⏱ 00:53:28 „Weizmann zufolge sollte sie als eine Art ausländische Botschaft dienen, aber im Grunde entwickelte sie sich schon bald zur ersten zionistischen Regierung, schreibt der israelische Historiker Tom Segev in den 90er Jahren.“

Der israelische Historiker Tom Segev wird als Quelle zitiert, um die Entwicklung der Zionistischen Kommission von einer Quasi-Botschaft zur ersten zionistischen Regierung einzuordnen. Das Werk stammt aus den 90er Jahren und behandelt die britische Mandatszeit in Palästina.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Die Unerwünschten
Film

Die Unerwünschten

🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:01:05 „Es gibt jetzt auch einen neueren Film, der heißt, glaube ich, Die Unerwünschten, wo es auch um ein ganzes Schiff voller jüdischer Flüchtlinge geht, die zunächst nach Kuba sollen und dann von allen Häfen zurückgewiesen werden.“

Johanna Haberer erwähnt den Film im Kontext der jüdischen Flüchtlingskrise und der Parallelen zur heutigen europäischen Flüchtlingssituation. Sie betont, dass auch die Alliierten sich schwertaten, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen – nicht nur in Palästina, sondern auch in Amerika, Kanada und Kuba.

🛒 Amazon * 📺 JustWatch ▶️ YouTube
ZEIT-Artikel von Bastian Berbner (über die Gründung Israels)
Artikel

ZEIT-Artikel von Bastian Berbner (über die Gründung Israels)

Bastian Berbner

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 01:05:47 „Der amerikanische Präsident, fährt der Autor Bastian Berbner, fort. Der amerikanische Präsident Harry Truman erkennt Israel sofort an. Die britische Zeitung The Guardian schreibt vom natürlichen und historischen Recht der Juden auf ein eigenes Land.“

Der gesamte Erzähler-Text dieser Episode basiert offenbar auf einem Artikel oder Text von Bastian Berbner, der hier namentlich als Autor genannt wird. Sabine Rückert zitiert ihn direkt mit der Formulierung 'fährt der Autor Bastian Berbner fort', was darauf hindeutet, dass der vorgelesene Text aus seiner Feder stammt.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Deuteronomium (5. Buch Mose)
Buch

Deuteronomium (5. Buch Mose)

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 01:19:42 „Ja, so wie im Deuteronomium.“

Sabine Rückert zieht die Parallele zwischen den zwei Strömungen – der kooperativen (Ruppin) und der aggressiven (Wallerstein) – und dem Deuteronomium, dem biblischen Text, den die Sprecherinnen in der Folge besprechen. Das Deuteronomium bildet den eigentlichen Ausgangspunkt der Folge, die den Tod des Mose und seine Wirkungsgeschichte behandelt.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Reportage über Arthur Ruppin und Pinchas Wallerstein / Das Ruppin-Prinzip
Artikel

Reportage über Arthur Ruppin und Pinchas Wallerstein / Das Ruppin-Prinzip

Bastian Berbner

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:19:58 „Mir ging es so, dass ich diesen Text gelesen habe damals von Bastian Berbner, der ja auch Geschichte studiert hat. Also der ist ein Historiker. Und der war auch dort und war in Archiven und hat mit Leuten gesprochen. Was mich eben so fasziniert hat an dieser Reportage oder an dieser Dokumentation, die er damals veröffentlicht hat, ist, dass sich da sehr, sehr vieles widerspiegelt, was ich aus der Bibel kannte.“

Sabine Rückert liest in dieser Folge eine lange Reportage von ZEIT-Autor Bastian Berbner vor, die die Geschichte der israelischen Staatsgründung und der Siedlungsbewegung anhand zweier Schlüsselfiguren erzählt: Arthur Ruppin (kooperativer Zionismus) und Pinchas Wallerstein (aggressive Siedlungspolitik). Rückert war fasziniert davon, wie sehr sich die historischen Strukturen in biblischen Texten widerspiegeln, und nutzt die Reportage als moderne Tangente zum Deuteronomium.

Zum Artikel bei ZEIT Online