Unter Pfarrerstöchtern – Protest gegen den Tod
#037

Protest gegen den Tod

Unter Pfarrerstöchtern / 02. April 2021 / 13 Medien

Sabine Rückert & Johanna Haberer

In dieser Ostersondersendung dreht sich alles um den Protest gegen den Tod — von der schlichten menschlichen Auflehnung gegen die Sterblichkeit bis zu transhumanistischen Visionen, den Geist ins Digitale zu überführen und durch Algorithmen Verstorbene als Hologramme weiterleben zu lassen. Dabei kommen auch die bizarren Versuche zur Sprache, aus Facebook-Einträgen gefallener Soldaten digitale Abbilder für deren Eltern zu erschaffen, und die Frage, ob eine Ansammlung von Datenblitzen noch ein Mensch ist.

„Gegen den Tod zu protestieren, das kann ich gerne laut und lang tun, er wird mich trotzdem holen.“
🗣 Sabine Rückert

Erwähnte Medien (13)

Hologrammatica
Buch

Hologrammatica

Tom Hillenbrand

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:04:26 „Jetzt wollte ich dir erzählen von einem Buch, das ich mit Freuden gelesen habe. Es ist von Tom Hillenbrand, einem Schriftsteller, der früher mal Journalist war und jetzt unglaublich spannende Krimis schreibt, die in der Zukunft spielen. Und der hat ein Buch geschrieben, das auch ein Krimi ist, das heißt Hologrammatica.“

Sabine Rückert empfiehlt den Science-Fiction-Krimi begeistert im Zusammenhang mit der Diskussion über Transhumanismus und die Möglichkeit, den Tod zu überwinden. Das Buch spielt in einer Zukunft, in der Menschen ihr Gehirn auf einen Chip hochladen können und so den biologischen Körper hinter sich lassen. Rückert nutzt es als konkretes Beispiel für die transhumanistischen Visionen, die im Gespräch diskutiert werden.

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Cube
Buch

Cube

Tom Hillenbrand

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:05:45 „Und dann gibt es eine Fortsetzung dieses Hologrammatika, das heißt Cube. Und da geht es darum, dass man sich auch von der Erde verabschiedet. Das ist ja auch die Idee, dass man die Erde in aller Ruhe vernichten kann, wenn man nicht mehr an diesen Körper gebunden ist.“

Als Fortsetzung von Hologrammatica wird Cube erwähnt, in dem die Idee des körperlosen Lebens noch weitergetrieben wird: Die Menschen können als Chip ins All fliegen und sich auf anderen Planeten neue Körper anziehen. Rückert beschreibt damit die radikale Vision einer Menschheit, die weder an Raum, Zeit noch Erde gebunden ist.

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Homo Deus
Buch

Homo Deus

Yuval Noah Harari

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:06:29 „Und Yuval Harari sagt ja, es wird demnächst den Dataismus als Religion geben, wo man sich als Menschheit zusammentut und die gemeinsamen Daten als eine Art religiösen Wert ansieht.“

Johanna Haberer zitiert Hararis These vom Dataismus als neue Religion im Kontext der Diskussion über transhumanistische Bewegungen und die Abwertung des Körpers. Sie nutzt Hararis Gedanken, um zu argumentieren, dass diese Vorstellungen den Körper für irrelevant erklären, obwohl gerade der Körper die Grundlage menschlichen Denkens und Erfahrens ist.

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Für immer jung
Artikel

Für immer jung

Ulrich Bahnsen

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:13:13 „Ich habe hier einen Text mitgebracht für unsere heutige Sendung. Der ist aus der Wissenschaft und ist geschrieben von einem Redakteur aus dem Ressort Wissen, Ulrich Bahnsen, der sich mit Genetik beschäftigt. Und er hat, das war sogar eine Titelgeschichte, die habe ich betreut, deswegen kenne ich sie besonders gut, der hat den Titel betreut für immer jung.“

Sabine Rückert bringt eine ZEIT-Titelgeschichte von Ulrich Bahnsen mit, die sie selbst redaktionell betreut hat. Der Artikel beschreibt, wie Genetiker versuchen, den Alterungsprozess aufzuhalten – insbesondere durch die Experimente von Tony Wyss-Coray an der Stanford University mit Blutplasma-Transfusionen zwischen jungen und alten Mäusen. Rückert liest ausführlich daraus vor.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Faust
Buch

Faust

Johann Wolfgang von Goethe

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:17:33 „Das haben wir in unseren Opferrieten in der letzten Sendung auch schon gehabt, dass Blut ein ganz besonderer Saft ist. Und das haben die Alten eigentlich immer gedacht, dass Blut ein ganz besonderer Saft ist.“

Johanna Haberer greift die bekannte Formulierung aus Goethes Faust auf ('Blut ist ein ganz besonderer Saft' – Mephistopheles), als sie über die Experimente mit Blutplasma-Transfusionen zwischen jungen und alten Mäusen spricht. Die Formulierung wird als allgemeines altes Wissen präsentiert, ist aber ein erkennbares Faust-Zitat.

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Das Evangelium der Bauern von Solentiname
Buch

Das Evangelium der Bauern von Solentiname

Ernesto Cardenal

🗣 Johanna Haberer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:22:20 „Ernesto Kardinal war ein Priester, der in Südamerika, vor allem in Nicaragua, angefangen hat, mit den Bauern über den Grund zu reden und über die biblischen Texte zu reden. Und da entstand das Evangelium der Bauern von Solentiname, die das Evangelium als einen politischen Protest verstanden haben.“

Haberer stellt Ernesto Cardenals Werk vor, in dem nicaraguanische Bauern die biblischen Texte als politischen Protest gegen Unterdrückung und todbringende Strukturen lesen. Sie liest anschließend seinen Karfreitagspsalm von 1967 vor, der den biblischen Psalm 22 in die Sprache von Konzentrationslagern, Folterkammern und Irrenanstalten überträgt.

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21 Lektionen für das 21. Jahrhundert
Buch

21 Lektionen für das 21. Jahrhundert

Yuval Noah Harari · 2018

🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:25:42 „Und es schreibt übrigens auch der Yuval Harari am Ende seiner letzten Lektionen, wir haben einen Körper, was macht da den Unterschied? Und dann schreibt er auch noch, könnte es nicht sein, wenn wir die Menschen wie Algorithmen denken, dass wir da einen ganz entscheidenden Fehler machen?“

Haberer bezieht sich auf Hararis Selbstkritik am Ende von '21 Lektionen für das 21. Jahrhundert', wo er einräumt, dass das Denken des Menschen als Algorithmus dessen Innenperspektive und Körperlichkeit unterschlägt. Sie nutzt diese Passage, um die Brücke zum biblischen Seelenbegriff zu schlagen.

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Der Name der Rose
Buch

Der Name der Rose

Umberto Eco

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:26:35 „Und davon handelt ja auch das Buch von Umberto Eco, Der Name der Rose. In diesem Buch geht es um einen alten Mönch, der mit seinem Atlatus in einem Kloster landet. Und in diesem Kloster werden Morde begangen. Und keiner weiß, warum diese Morde begangen werden.“

Sabine Rückert bringt Ecos Roman als Beleg für die These, dass Lachen der größte Protest gegen den Tod sei. Sie erzählt die Handlung nach: Ein blinder Mönch namens Jorge mordet, um Aristoteles' verschollene Abhandlung über die Komödie zu vernichten, weil er fürchtet, das Lachen könne die Menschen von der Angst befreien und damit die kirchliche Herrschaft untergraben. Rückert liest eine zentrale Passage vor.

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Poetik (Abhandlung über die Komödie)
Buch

Poetik (Abhandlung über die Komödie)

Aristoteles

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:27:02 „Alle ermordeten Mönche waren in Besitz gekommen eines Buches, das es vielleicht wirklich gegeben hat, aber vielleicht auch nicht. Es handelt sich um die Abhandlung des Aristoteles über die Komödie.“

Im Kontext der Nacherzählung von 'Der Name der Rose' wird das verschollene zweite Buch der Poetik des Aristoteles erwähnt – die Abhandlung über die Komödie, die möglicherweise nie existiert hat oder verloren ging. Im Roman ist dieses Buch der Auslöser aller Morde, weil es das Lachen als höchste Kunst des Menschen lehren könnte.

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Über das Lachen
Artikel

Über das Lachen

Harald Martenstein

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:31:54 „Harald Martenstein, der ja auch unser Autor ist, im Zeitmagazin und dort eine Kolumne hat, der schrieb für Geowissen im Jahr 2018 ein Stück über das Lachen.“

Am Ende des Transkript-Abschnitts kündigt Sabine Rückert einen Text von Harald Martenstein an, der 2018 für das Magazin GEO Wissen einen Artikel über das Lachen geschrieben hat. Der Artikel wird als nächster Gesprächsgegenstand eingeführt, passend zum Thema Lachen als Protest gegen den Tod.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Text über seinen Schlaganfall
Artikel

Text über seinen Schlaganfall

Hans Zippert

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:33:01 „Ein Meisterstück hat vor einigen Jahren mein Kollege Hans Zippert abgeliefert. Er hat einen witzigen Text über seinen Schlaganfall geschrieben. Zippert war in Berlin mit dem Fahrrad unterwegs, als der Anfall ihn traf.“

Im Kontext von Martensteins Essay über das Lachen wird Zipperts humoristischer Text über seinen eigenen Schlaganfall als Beispiel für Galgenhumor und die Fähigkeit erwähnt, selbst schwere Lebenssituationen mit Humor zu verarbeiten. Der Text wird als 'Meisterstück' gewürdigt.

Zum Artikel bei Welt
📖
Buch

Es hielt uns am Leben

Shaya Ostrova

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:34:08 „Erstaunlicherweise gibt es ein Buch über den Humor im Holocaust. Es hielt uns am Leben, ist der Titel, herausgegeben von der israelischen Psychologin Shaya Ostrova. Die Überlebenden sagen, dass Humor ein Abwehrmechanismus für sie gewesen sei, es wurde gelacht, sogar in der Hölle.“

Im Gespräch über die Kraft des Humors auch in extremsten Situationen wird dieses Buch vorgestellt. Es dokumentiert, wie Holocaust-Überlebende Humor als Abwehrmechanismus nutzten — als 'geistigen Widerstand', der Abstand zum Grauen schuf und das Gefühl der Einsamkeit linderte.

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Tao Te King (Vom Weg)
Buch

Tao Te King (Vom Weg)

Lao Tse

🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:38:06 „Da wollte ich mal vom Lao Tse aus seinem Buch Vom Weg über die Bedeutung des Nichts was schreiben. Lao Tse nennt diese Bedeutung Nutzen. Da beschreibt er, ein Gedicht ist es, 30 Speichen umringen die Narbe, wo nichts ist, liegt der Nutzen des Rats.“

Johanna Haberer zitiert Lao Tses 'Tao Te King' (hier als 'Vom Weg' übersetzt), um die produktive Kraft des Nichts zu illustrieren. Das Gedicht über Rad, Topf und Haus zeigt, dass gerade die Leere den Nutzen stiftet — eine Brücke zur Frage, was nach dem Tod kommt und ob das Nichts selbst schöpferisches Potenzial birgt.

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