Mose teilt das Meer
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Die Schwestern verfolgen den Auszug der Israeliten aus Ägypten und decken dabei die Widersprüche der biblischen Quellen auf: In einer Textschicht fliehen die Israeliten, in der anderen wirft der Pharao sie hinaus. Statt historischer Chronik sei der Exodus eine erfahrungsgetränkte Erinnerungsgeschichte, so ausgeschmückt und mythisch aufgeladen, dass aus ein paar Familien 600.000 Mann wurden. Über Peter Sloterdijk schlägt Sabine Rückert den Bogen zur Gegenwart — Sklavenbefreiung als latentes Hauptthema der modernen Welt.
„Wir dürfen die nicht historisch lesen als eine Art Chronik eines Auszugs, sondern wir sollten sie lesen als eine Art erfahrungsgetränkte Erinnerungsgeschichte.“
Erwähnte Medien (7)
Bild-Zeitung Interview-Serie mit Peter Sloterdijk
Peter Sloterdijk
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:03:06 „Ganz zu meiner großen Überraschung hat nämlich der Philosoph Peter Sloterdijk vor kurzem im Oktober 2020 der Bild-Zeitung in einer Serie ein Interview gegeben, das sich über mehrere Ausgaben der Bild-Zeitung erstreckt hat. Bitte erklären Sie uns die irre Zeit, in der wir leben. Das war die Aufforderung der Bild-Zeitung an den Philosophen.“
Sabine Rückert zitiert ausführlich aus einer mehrteiligen Interview-Serie, die Peter Sloterdijk der Bild-Zeitung im Oktober 2020 gegeben hat. Darin erklärt Sloterdijk Trumps Anziehungskraft mit dem Bild des befreiten Sklaven — eine These, die Rückert als Tangente zur biblischen Exodus-Geschichte einbringt. Johanna Haberer widerspricht der Analogie, weil sie die tatsächliche Sklaverei-Erfahrung der schwarzen Bevölkerung in den USA relativiere.
Gott. Eine Biografie
Jack Miles
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:18:52 „Da schreibt Jack Miles eine wunderbare Beobachtung drüber. Er sagt, es gibt so viele Sätze in der Bibel, die klingen, als seien sie auf dem Mond geschrieben worden und hätten mit der Erde gar nichts zu tun. Aber dieser Satz, den hätte gestern jemand gesagt haben können. Gab es denn in Ägypten keine Gräber, sodass du uns zum Sterben in die Wüste holst?“
Sabine Rückert zitiert den Autor Jack Miles, der über die erstaunliche Modernität bestimmter Bibelsätze schreibt. Der konkrete Satz — die Klage der Israeliten, warum Mose sie zum Sterben in die Wüste geführt habe — klingt laut Miles so zeitlos, als hätte ihn gestern jemand sagen können. Miles ist bekannt für sein Buch 'Gott. Eine Biographie', in dem er die Bibel als literarisches Werk analysiert.
NTV-Bericht zur Meerteilungs-Studie
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:34:55 „Unsere Simulation passt ziemlich genau auf die Beschreibung der Bibel, sagt Herr Drews in NTV.“
Rückert zitiert Karl Drews aus einem NTV-Beitrag, in dem er die Ergebnisse seiner Computersimulation zur biblischen Meerteilung zusammenfasst. Der genaue Artikel wird nicht näher spezifiziert.
Einigkeit und Recht und Freiheit (Deutschlandlied)
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:38:36 „Das ist große Poesie im Hebräischen und es ist so wie eine Nationalhymne, können wir sagen, wie Einigkeit und Recht und Freiheit oder wie die Studenten 1848, die Gedanken sind frei und sperrt man mich ein in den finstersten Kerker und so.“
Johanna Haberer zieht einen Vergleich zwischen dem Siegeslied des Mose – dem ersten Psalm der Bibel – und identitätsstiftenden Liedern anderer Völker. Sie nennt die deutsche Nationalhymne als Beispiel für ein Lied, das eine kollektive Identität formt, so wie das Mose-Lied für das Volk Israel.
Die Gedanken sind frei
🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:38:36 „Das ist große Poesie im Hebräischen und es ist so wie eine Nationalhymne, können wir sagen, wie Einigkeit und Recht und Freiheit oder wie die Studenten 1848, die Gedanken sind frei und sperrt man mich ein in den finstersten Kerker und so.“
Als zweites Beispiel für ein identitätsstiftendes Lied nennt Haberer das Freiheitslied der Studenten von 1848. Der Vergleich unterstreicht ihre These, dass das Mose-Lied für Israel die gleiche Funktion hatte wie revolutionäre Freiheitslieder für die europäischen Nationen.
Interview mit Arthur Herzberg
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:43:38 „Ich habe mich mal ein bisschen umgetan, was es zum Volk Israel und zum Gottesvolk, zum besonderen auserwählten Volk so gibt und habe ihn auf einige sehr interessante Beiträge von Juden gestoßen, auch auf ein Interview im Fokus aus dem Jahr 2000. Da wurde Arthur Herzberg interviewt, einer der großen religiösen Stimmen des Judentums in den USA.“
Sabine Rückert zitiert ausführlich aus einem Focus-Interview von 2000 mit dem jüdisch-amerikanischen Rabbiner und Intellektuellen Arthur Herzberg. Das Interview dreht sich um die Frage der jüdischen Erwählung, Andersartigkeit und Zerstrittigkeit. Rückert liest mehrere Frage-Antwort-Passagen vor, in denen Herzberg erklärt, dass Auserwähltsein nicht Überlegenheit, sondern Verantwortung und Leiden bedeute.
Buch über jüdische Identität
Arthur Herzberg
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:44:18 „Der Fokus fragt Herrn Herzberg, in Ihrem Buch geht es vor allem darum, was die Juden von anderen Völkern unterscheidet. Sie nennen drei Merkmale. Sie sind auserwählt, zerstritten und anders als alle anderen.“
Im Rahmen des Focus-Interviews wird auf ein Buch von Arthur Herzberg verwiesen, in dem er die drei Merkmale des jüdischen Volkes beschreibt: auserwählt, zerstritten und anders. Der genaue Titel wird im Transkript nicht genannt, aber es handelt sich offenbar um eines seiner Hauptwerke zur jüdischen Identität.