Unter Pfarrerstöchtern – Das Baby auf dem Nil
#026

Das Baby auf dem Nil

Unter Pfarrerstöchtern / 20. November 2020 / 11 Medien

Sabine Rückert & Johanna Haberer

Nach dem Abschluss der Josef-Geschichte wenden sich die Schwestern nun der monumentalsten Figur der Bibel zu: Mose. Bevor sie in den Text selbst eintauchen, ordnen sie das zweite Buch Mose — den Exodus — als das identitätsstiftende Grundbuch Israels ein, das kein einzelner Autor verfasste, sondern das Priester und Schriftgelehrte aus Volkssagen, Legenden und unterschiedlichsten Gattungen zusammentrugen. Besonders bemerkenswert: Anders als die Schöpfungsgeschichte hat die Exodus-Erzählung keine Parallelen in den umliegenden Kulturen — sie ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.

„Dieses Wir sind ausgezogen aus Ägypten, wir wurden von Gott befreit. Das ist das Grundbekenntnis, auf dem das gesammelte Israel bis heute beruht.“
🗣 Johanna Haberer

Erwähnte Medien (11)

Exodus (2. Buch Mose)
Buch

Exodus (2. Buch Mose)

🗣 Johanna Haberer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:02:10 „Im zweiten Buch Mose, das heißt Exodus bei uns, das heißt Auszug in der lateinischen Bibel und in der hebräischen Bibel heißt es Semot, das heißt Namen und schließt jetzt nochmal mit einer Genealogie, also mit der Aufzählung der verschiedenen Verwandtschaftsverhältnisse an.“

Johanna Haberer führt das Buch Exodus als das zentrale Buch der Episode ein. Es ist das Grundlagenbuch der israelischen Identität, in dem die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei erzählt wird. Sie erklärt die verschiedenen Bezeichnungen in den Überlieferungstraditionen und ordnet es als das wichtigste Buch für das Selbstverständnis des Volkes Israel ein.

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Ilias
Buch

Ilias

Homer

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:07:34 „Aber das ist sozusagen trotzdem die Schnittstelle, ein bisschen auch so wie bei der Ilias, verstehst du? Troja, das auch lange für einen Mythos gehalten wurde und dann hat man es auf einmal ausgegraben und hat gesagt, ja stimmt, da liegt es und es ist Troja.“

Sabine Rückert zieht einen Vergleich zwischen der Moses-Geschichte und Homers Ilias, um die Schnittstelle zwischen Mythos und Historie zu verdeutlichen. So wie Troja lange für reine Legende gehalten wurde, bis Archäologen es tatsächlich fanden, enthält auch die Exodus-Erzählung einen historischen Kern, der durch Ausgrabungen (z.B. der Stadt Piramesse) bestätigt wurde.

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Buch Leviticus (3. Buch Mose)
Buch

Buch Leviticus (3. Buch Mose)

🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:25:00 „Wir haben ein eigenes Buch auch in der Bibel, das Buch Leviticus. Und dieser Vater wird aber mit Namen nicht benannt, die Mutter auch nicht.“

Johanna Haberer erwähnt das Buch Leviticus im Zusammenhang mit dem Stamm Levi, aus dem Moses stammt. Der Stamm Levi ist in der biblischen Tradition der Priesterstamm, und das nach ihm benannte Buch wird als eigenständiger Teil der Bibel kurz referenziert.

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Sargon-Legende
Buch

Sargon-Legende

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:28:02 „Ich habe mich mal auf die Suche begeben, dieses Motiv des Kindes im Binsenkörbchen. In vielen Büchern steht das jedenfalls drin, dass das übernommen worden sei von der Sargonsage in Babylon, wo es auch einen König gibt, der in einem Binsenkörbchen gerettet worden ist.“

Sabine Rückert vergleicht die biblische Aussetzungsgeschichte Moses mit der babylonischen Sargon-Legende, einem altorientalischen Text über König Sargon von Akkad, der ebenfalls als Kind in einem Binsenkörbchen auf dem Wasser ausgesetzt und gerettet wurde. Sie nutzt dies als Ausgangspunkt für einen umfassenden kulturvergleichenden Exkurs über das Motiv des ausgesetzten Heldenkindes.

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Exodus: Gods and Kings
Film

Exodus: Gods and Kings

Ridley Scott

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:33:52 „Da gibt es ja dann auch jetzt die aktuelle, aktuell ist sie nun gar nicht mehr, aber relativ neu, man kann sie auf Netflix abrufen, die Exodus, das heißt auch Exodus-Geschichte von Ridley Scott verfilmt mit Christian Bale als Mose. Bisschen komisch, weil so ein Amerikaner spielt da den Mose, das ist auch ein bisschen schräg.“

Sabine Rückert erwähnt den Film im Zusammenhang mit der Frage, wie die Lücke in der biblischen Erzählung über Moses' Jugend am ägyptischen Hof gefüllt wird. Der Film zeigt laut Rückert Details, die im Bibeltext nicht erzählt werden – etwa ob Mose wusste, dass er ein Hebräer ist.

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Der Prinz von Ägypten
Film

Der Prinz von Ägypten

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:34:26 „Hat er Kontakt zum Sohn des Pharao, wie das ja in vielen Filmen unterstellt wird, auch in dem wunderbaren Animationsmusical »Der Prinz von Ägypten«? Ein großartiger Film.“

Rückert nennt den Animationsfilm als Beispiel für Filme, die Moses' Beziehung zum Pharaonensohn ausgestalten – eine Geschichte, die im Bibeltext selbst nicht erzählt wird. Sie bezeichnet ihn ausdrücklich als großartigen Film.

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Blade Runner
Film

Blade Runner

Ridley Scott

🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:35:03 „Blade Runner, ein Klingenläufer.“

Rückert wirft den Begriff als spontane Assoziation ein, als Johanna Haberer Moses' Existenz als 'liminal' – auf der Grenze zwischen zwei Welten lebend – beschreibt. Die Parallele zu Blade Runner bleibt kurz angedeutet, wird aber nicht weiter ausgeführt.

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Das Gewand
Film

Das Gewand

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:37:37 „Das gibt es ja auch in den großen Gewandfilmen, also in den großen Sandalenfilmen, das Gewand und Quo Vadis, wo sich also Leute auf einmal zum Beispiel für die Juden einsetzen oder für die Christen einsetzen.“

Rückert nennt den Sandalenfilm als Beispiel für das Motiv des Seitenwechsels – Menschen aus der Herrscherschicht, die sich plötzlich für die Unterdrückten einsetzen. Sie zieht eine Parallele zu Moses' Loyalitätswechsel.

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Quo Vadis
Film

Quo Vadis

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:37:37 „Das gibt es ja auch in den großen Gewandfilmen, also in den großen Sandalenfilmen, das Gewand und Quo Vadis, wo sich also Leute auf einmal zum Beispiel für die Juden einsetzen oder für die Christen einsetzen.“

Zusammen mit 'Das Gewand' nennt Rückert 'Quo Vadis' als klassischen Sandalenfilm, in dem das Moses-Motiv des Seitenwechsels – von der Macht zu den Unterdrückten – variiert wird.

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Do Androids Dream of Electric Sheep?
Buch

Do Androids Dream of Electric Sheep?

Philip K. Dick

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:37:53 „Und es gibt es dann auch später bei Philip K. Dick, also dass sich dann Roboter selbstständig machen. Und nicht mehr wissen, ob sie wirklich Menschen sind oder ob sie Maschinen sind und die sich dann in Aufstand machen.“

Sabine Rückert diskutiert das Motiv des Identitäts- und Loyalitätswechsels bei Mose und zieht Parallelen zu Philip K. Dicks Werk, in dem Androiden ihre eigene Identität hinterfragen und sich gegen ihre Schöpfer auflehnen. Blade Runner (die Verfilmung) ist bereits erfasst, aber die literarische Vorlage von Dick wird hier separat referenziert.

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Homo Deus
Buch

Homo Deus

Yuval Noah Harari

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:43:52 „Und ich habe, da wollte ich dir jetzt mal vorlesen, ein Stück aus dem Buch »Homo Deus« von Yuval Noah Harari, einem jüdischen Historiker, der ja sehr bekannt ist und der mehrere Bücher geschrieben hat, die ich alle gelesen habe.“

Rückert liest eine längere Passage aus Hararis 'Homo Deus' vor, in der das ägyptische Beamtensystem beschrieben wird. Sie nutzt das Zitat, um zu erklären, wie der Pharao als imaginäre Institution funktionierte und warum der Pharao in der Bibel nicht namentlich genannt wird – weil der biologische Körper irrelevant war.

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