Ein Verführungsversuch
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Die Geschichte Josefs in Ägypten nimmt Fahrt auf: Als Sklave an den Hofbeamten Potiphar verkauft, steigt der junge Hebräer vom Tellerwäscher zum Hausverwalter auf — alles, was er anfasst, wird zu Gold. Doch sein Glück und sein gutes Aussehen ziehen nicht nur Segen an, sondern auch die gefährliche Aufmerksamkeit von Potiphars Frau, deren Verführungsversuch Josef in eine ausweglose Lage bringt.
„Josef hat ein Händchen für alles und wie Jakob gelingt auch ihm alles. Was er anfasst, wird zu Gold und wächst und gedeiht.“
Erwähnte Medien (8)
Die Faszination des Bösen
Sabine Rückert
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:22:53 „Ich habe im letzten Jahr eine Titelgeschichte geschrieben in der Zeit über die Faszination des Bösen. Und bei dieser Gelegenheit habe ich einen Theologen besucht, der in Wien ansässig ist, der heißt Ulrich Körtner und der hat ein Buch über die Apokalypse geschrieben.“
Sabine Rückert erwähnt ihre eigene Titelgeschichte in der ZEIT über die Faszination des Bösen als Ausgangspunkt, um den Theologen Ulrich Körtner und dessen Aussage über die zentrale Idee der Religion einzuführen: dass Gott die Welt erhält und zuletzt auch alles Böse gut ausgeht.
Buch über die Apokalypse
Ulrich Körtner
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:22:53 „Und bei dieser Gelegenheit habe ich einen Theologen besucht, der in Wien ansässig ist, der heißt Ulrich Körtner und der hat ein Buch über die Apokalypse geschrieben. Und mit ihm habe ich über die Faszination der Apokalypse und über die Faszination des Bösen gesprochen.“
Sabine Rückert erwähnt ein Buch des Wiener Theologen Ulrich Körtner über die Apokalypse, das sie im Rahmen ihrer Recherche zur Titelgeschichte über die Faszination des Bösen gelesen hat. Körtners zentrale These — dass die Religion davon ausgeht, selbst das Böse werde von einer höheren Macht in den Dienst des Guten gestellt — verbindet Rückert direkt mit der Josefs-Geschichte und der Rolle von Frau Potiphar.
Ich glaube, dass Gott auch aus dem Bösesten Gutes machen kann und will
Dietrich Bonhoeffer
🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:24:17 „Es gibt dieses berühmte Bonhoeffer-Wort, das beschreibt genau diese Einstellung, die der Herr Körtner auch beschreibt. Ich glaube, dass Gott auch aus dem Bösesten Gutes machen kann und will.“
Johanna Haberer zitiert das berühmte Bonhoeffer-Wort, um die theologische Grundhaltung der Josefs-Geschichte zusammenzufassen: dass Gott selbst aus dem Bösen Gutes entstehen lassen kann. Sie stellt es in eine Reihe mit Körtners Aussage über die zentrale Idee der Religion.
Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte
Georg Wilhelm Friedrich Hegel
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:26:09 „Einer der größten Verfechter dieser Theorie war ja Hegel, der die Idee vom Weltgeist hatte, der sich wie ein Gletscher durch die menschliche Geschichte schiebt und alles einem Ziel entgegenschiebt. Und auch mit vielen Irrungen und Wirrungen, Kriegen, Blutvergießen, das wird alles so mit in Kauf genommen.“
Im Gespräch über die Frage, ob es einen göttlichen Plan gibt und wie frei der Mensch ist, verweist Sabine Rückert auf Hegels Geschichtsphilosophie und seine Idee vom Weltgeist als Beispiel für die Vorstellung, dass die Geschichte einem Ziel entgegenstrebt. Johanna Haberer ergänzt, dass dieses Geschichtsbild nach der Shoah theologisch nicht mehr haltbar sei.
Gibt es einen Zufall?
Malte Henk
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:29:28 „Und für das Jahr 2016 habe ich für die Silvesternummer einen Titel in Auftrag gegeben bei einem wunderbaren Kollegen von mir, der heißt Malte Henk, und habe ihn gebeten, geh doch mal der Frage nach, gibt es einen Zufall? Er hat auch erst mal ein langes Gesicht gemacht und dann hat er einen super Text geschrieben.“
Sabine Rückert erzählt ausführlich von einer ZEIT-Titelgeschichte ihres Kollegen Malte Henk aus der Silvesternummer 2016, die der Frage nachgeht, ob es Zufall gibt. Die Geschichte wird zum Anlass, über das Glioblastom als reinen Zufall zu sprechen und über die menschliche Kränkung, wenn Ereignisse keinen erkennbaren Sinn haben — im Kontrast zur biblischen Josefs-Geschichte, in der alles einem göttlichen Plan folgt.
Spiegel-Artikel über Gott und Physik
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:37:48 „Ich habe in dem Artikel eines anderen Physikers, den hat er selbst geschrieben im Spiegel, hat ein anderer Physiker Folgendes geschrieben. Könnte Gott zum Beispiel nach einer Milliarde Jahre eines 15 Milliarden Jahre alten Universums vorhergesehen haben, dass menschliches Leben irgendwann entstehen würde?“
Sabine Rückert zitiert neben dem ZEIT-Artikel von Malte Henk auch einen Spiegel-Artikel eines namentlich nicht genannten Physikers, der sich mit der Frage beschäftigt, ob selbst Gott bei Kenntnis aller physikalischen Gesetze das Entstehen menschlichen Lebens hätte vorhersagen können. Der Physiker argumentiert, dass Zufallsprozesse dies unmöglich machen.
Dialog zwischen Satan und Jesus über die Waren
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:43:29 „Der Satan sagt, das sind Waren, für die ich Käufer suche. Was sind das für Waren, antwortet Jesus. Die erste ist die Tyrannei. Wer soll sie kaufen? Die Sultane. Die zweite ist Hochmut. Wer soll ihn kaufen? Die Adeligen. Die dritte ist Neid. Wer soll ihn kaufen? Die Gelehrten.“
Johanna Haberer liest eine Passage aus der arabisch-islamischen Literatur vor, in der Satan Jesus seine 'Waren' anbietet – Tyrannei, Hochmut, Neid, Betrug und List – und jeweils die passenden Käufer benennt. Sie nutzt den Text, um das Motiv der weiblichen List im Kontext der Potiphar-Geschichte zu illustrieren.
Psalm 139
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:44:15 „Wir wollen ja unseren Psalm 139 zu Ende bringen. Zwei Teile haben wir schon daraus gehört. Dieses Mal mit dem Satz 17 und wir hören mal hinein.“
Am Ende der Episode wird ein weiterer Abschnitt aus Psalm 139 vorgelesen, offenbar ein wiederkehrendes Ritual der Sendung. Der Vers über die Unzählbarkeit der Gedanken Gottes passt zur Diskussion über die Unbegreiflichkeit von Zufall und göttlichem Plan.