Die Opferung des Isaak
Sabine Rückert & Johanna Haberer
In dieser Folge geht es um die Geburt Isaaks und den sich zuspitzenden Konflikt zwischen Sara und Hagar — ein Machtkampf zweier Frauen auf Leben und Tod. Die Schwestern staunen über die theologische Pointe der späten Mutterschaft: Erst wo alles Menschenmögliche erschöpft ist, beginnt Gottes Schöpfungswerk. Nebenbei wird Ephraim Kishon bemüht, um die Absurdität biblischer Wunder mit jüdischem Humor zu spiegeln.
„Das Menschenmögliche ist erschöpft. Jetzt ist Gott an der Reihe.“
Erwähnte Medien (7)
Decamerone (Ringparabel)
Giovanni Boccaccio
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:15:01 „Die Ringparabel ist ja eine Geschichte von Pocaccio und Lessing, aus seinem Theaterstück Nathan der Weise.“
Sabine Rückert erwähnt Boccaccio als einen der Urheber der Ringparabel, die Lessing später in Nathan der Weise verarbeitete. Die ursprüngliche Fassung der Geschichte über die drei Ringe findet sich in Boccaccios Decamerone.
Furcht und Zittern
Søren Kierkegaard
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:28:22 „Und schreibt in seinem Buch, das heißt Furcht und Zittern, Passagen, wo er Meditationen über Abraham schreibt. Da kann er gar nicht sich anders ausdrücken. Da hört er auf zu philosophieren und sagt, ich muss mir jetzt die Szene von den verschiedensten Seiten her vorstellen.“
Johanna Haberer zieht Kierkegaards Werk heran, um die psychologische Tiefe der Opferungsszene zu beleuchten. Kierkegaard meditiert darin über das Ungesagte: Was denkt Abraham während der drei Tage? Was denkt Sarah? Was der kleine Isaac? Die brutale Knappheit der biblischen Erzählung habe gerade durch ihr Schweigen unzählige Denker zur Vertiefung angeregt.
Die Opferung Isaaks
Rembrandt
🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:30:44 „Wie gesagt, ich weiß nicht, ob du schon mal dieses Rembrandt-Bild gesehen hast, es gibt unendliche künstlerische Darstellungen dieses Bildes, vor allem dieses Moments, wo im Hintergrund dann so ein Böcklein steht und die Szene erlöst.“
Im Kontext der Beinahe-Opferung Isaaks erwähnt Johanna Haberer Rembrandts Gemälde, das den Moment zeigt, in dem der Engel Abraham aufhält und im Hintergrund der Widder als Ersatzopfer erscheint. Sie verweist damit auf die enorme kunstgeschichtliche Wirkung dieser biblischen Szene.
Mimesis. Dargestellte Wirklichkeit in der abendländischen Literatur
Erich Auerbach
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:32:42 „Und trotzdem ist zum Beispiel diese Geschichte das Muster geworden, wo ein Literaturwissenschaftler, der heißt Erich Auerbach, versucht hat, die Kultur, in der wir leben, an zwei Geschichten deutlich zu machen. Er stellt diese Geschichte gegenüber der Geschichte, wo Odysseus von seiner langen Reise nach Hause kommt.“
Johanna Haberer verweist auf Erich Auerbachs berühmten Vergleich zweier Erzählweisen: die dunkle, karge biblische Opferungsszene Abrahams und die ausgeleuchtete, detailreiche Odysseus-Szene bei Homer. Auerbach nutzt diese Gegenüberstellung, um zwei Grundtypen abendländischer Erzählkultur herauszuarbeiten — das im Dunkeln Gelassene versus das vollständig Ausgeleuchtete.
Odyssee
Homer
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:32:45 „Er stellt diese Geschichte gegenüber der Geschichte, wo Odysseus von seiner langen Reise nach Hause kommt und die Magd erkennt ihn, seine Frau erkennt ihn nicht, die Freier seiner Frau erkennen ihn nicht, aber die Magd erkennt Odysseus. Die alte Amme, die erkennt ihn an einer Narbe, die er sich als Kind zugezogen hat.“
Die Odyssee wird als Gegenbeispiel zur biblischen Erzählweise herangezogen, im Rahmen von Auerbachs Vergleich. Während die Bibel vieles im Dunkeln lässt, wird bei Homer alles im Detail ausgeleuchtet — wie Odysseus sich die Narbe bei einer Wildschweinjagd zuzog, wird minutiös erzählt. Die beiden Werke stehen für zwei fundamental verschiedene Erzähltraditionen.
Spieltrieb
Juli Zeh
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:35:34 „Juli C. hat einen Roman geschrieben, der heißt Spieltrieb und der handelt von einer Gesellschaft, von einer Jugend ohne Gott, möchte man sagen. So habe ich es jedenfalls aufgefasst. Es handelt sich um Gymnasiasten, sehr intelligente Gymnasiasten, die sich in Spaß erlauben, also böse, verbrecherische Späße erlauben.“
Sabine Rückert zitiert ausführlich eine Passage aus Juli Zehs Roman 'Spieltrieb', in der das Verhältnis von Mensch und Gott mit dem von Hund und Herrchen verglichen wird. Sie sieht eine direkte Verbindung zur Opferung Isaaks – die bedingungslose Unterwerfung Abrahams unter Gottes Befehl.
Jugend ohne Gott
Ödön von Horváth
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:35:44 „Es handelt sich um Gymnasiasten, sehr intelligente Gymnasiasten, die sich in Spaß erlauben, also böse, verbrecherische Späße erlauben. Und in dieser Geschichte, in diesem Roman-Spieltrieb kommt eine Passage vor, die wollte ich dir jetzt mal vorlesen.“
Sabine Rückert beschreibt Juli Zehs Roman 'Spieltrieb' als Geschichte einer 'Jugend ohne Gott' – eine deutliche Anspielung auf Ödön von Horváths gleichnamigen Roman über eine verrohte, gottlose Jugend. Die Formulierung dient als literarischer Vergleich, um die amoralischen Figuren in Zehs Roman einzuordnen.