Wie heißt die Lebensphase vor dem Rollator
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Was bedeutet es, alt zu werden – als Einzelner und als Gesellschaft? Was als pflichtbewusste Hausaufgabe begann, entpuppt sich als überraschend reichhaltiges Thema: von Aging-Anzügen über die Unsexyness des demografischen Wandels bis zur kühnen These, dass unsere alternde Gesellschaft dringend eine völlig neue, noch namenlose Lebensphase braucht – irgendwo zwischen Berufsleben und Rollator.
„Eigentlich brauchen wir eine ganz neue Lebensphase, die erfunden werden muss für die alternde Gesellschaft.“
Erwähnte Medien (7)
Altern
Elke Heidenreich
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:17:06 „Dich hat es aber angezogen und zwar heißt das Buch einfach Altern und stammt von Elke Heidenreich. Erschienen in der gleichen Reihe wie das Buch Streiten, über das wir hier schon mal gesprochen haben, von Svenja Flasspöhler, wo immer diese Grundbegriffe einmal beleuchtet werden.“
Das Buch ist eines der beiden Hauptwerke dieser Episode. Elke Heidenreich, 81 Jahre alt, schreibt darin autobiografisch über ihr eigenes Altsein. Nina Pauer beschreibt, dass sie das Buch als Hörbuch gehört hat und von der Intimität und den Gedanken überrascht war – obwohl sie selbst erst Anfang 40 ist, hat es sie stark angesprochen und Reflexionen über intergenerationellen Neid ausgelöst.
Streiten
Svenja Flasspöhler
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:17:06 „Erschienen in der gleichen Reihe wie das Buch Streiten, über das wir hier schon mal gesprochen haben, von Svenja Flasspöhler, wo immer diese Grundbegriffe einmal beleuchtet werden.“
Lars Weisbrod erwähnt das Buch als Referenz, um die Buchreihe einzuordnen, in der auch Heidenreichs 'Altern' erschienen ist. Über 'Streiten' hatten die Hosts offenbar in einer früheren Episode bereits gesprochen.
Das Methusalem-Komplott
Frank Schirrmacher
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:19:23 „Und da lag dann das Buch Der Methusalem-Komplex von natürlich Frank Schirrmacher, das ich dann gekauft habe. Ich sage natürlich, weil für eine bestimmte Generation von Fötonisten ist Frank Schirrmacher und dieses Buch... Das kann man sich gar nicht wegdenken.“
Das zweite Hauptbuch der Episode. Lars Weisbrod hat es in einem Antiquariat entdeckt und erstmals gelesen. Frank Schirrmacher hat damit 2004 eine breite öffentliche Debatte über die alternde Gesellschaft und den demografischen Wandel angestoßen. Weisbrod bezeichnet es als Prototyp des Debattenbuchs und liest es rückblickend, um die Frage zu stellen, wie sich die Diskussion seither entwickelt hat.
Die Glücksformel / Jeder Tag zählt
Eckart von Hirschhausen / Tobias Esch
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:53:40 „Da habe ich doch so ein Buch gelesen von Hirschhausen und diesem Glücksforscher Esch, ich habe gerade den Vornamen leider vergessen. Und die haben ja geschrieben über diese Standardisierung von Lebensphasen und Glücksvorstellungen in diesen Phasen.“
Nina Pauer verweist auf ein Buch, das sie in einer früheren Folge zur Midlife-Crisis besprochen hatte. Das Buch von Hirschhausen und dem Glücksforscher Esch beschreibt, wie Glück in verschiedenen Lebensphasen biochemisch unterschiedlich funktioniert – als Jugendlicher strebt man nach Zielen, in der Mitte ist Glück die Abwesenheit von Stress, im Alter geht es darum, Wissen weiterzugeben. Sie nutzt diese Theorie, um Elke Heidenreichs Verhalten einzuordnen.
Kinder, Minderheit ohne Schutz
Aladin El-Mafaalani
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:59:18 „Und da wollte ich nur ein Buch, ich habe es nicht gelesen, aber ein Essay von dem Autor Aladin El Mafalani, Soziologe aus Dortmund, der auch in der Bestenliste ist. Wahrscheinlich wird man jetzt in Zukunft auch ständig nicht nur Bücher über Altern, sondern auch solche Bestenlisten, Bücher finden, Kinder, Minderheit ohne Schutz.“
Nina Pauer erwähnt dieses Buch des Soziologen Aladin El-Mafaalani, das vor Adultismus warnt – der strukturellen Bevorteilung von Erwachsenen gegenüber Kindern. Sie gibt zu, es nicht gelesen zu haben, referiert aber seinen Forderungskatalog: Familien entlasten, fitte Ältere strukturell in Kitas und Schulen einbinden, Kinderrechte in die Verfassung aufnehmen. Das Buch dient als Brücke zum Thema, wie die alternde Gesellschaft die junge Generation unterstützen könnte.
Die Simpsons
Matt Groening
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:02:07 „Ich glaube, die Lehrer streiken und dann müssen die Alten von Grandpa aus dem Altersheim die Kinder beaufsichtigen. Und klappt es? Nee, natürlich gar nicht.“
Nina Pauer fragt Lars nach einer Simpsons-Folge, in der genau das passiert, was der Soziologe El-Mafaalani fordert – dass Alte sich um Kinder kümmern. Lars erzählt die Episode nach, in der nach einem Lehrerstreik die Alten aus dem Altersheim die Kinder beaufsichtigen müssen, was komisch scheitert. Er nutzt die Folge als humorvolle Illustration dafür, dass die Idee in der Praxis schwierig sein könnte.
Die Möglichkeit einer Insel
Michel Houellebecq
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:06:39 „Ich glaube, bei die Möglichkeit einer Insel von Ulbeck, ich hoffe, ich sage jetzt nichts Falsches, gibt es so diese für meine katholische Schule, Dystopie, ja für Ulbeck wahrscheinlich auch, dass irgendwann man sagt, das klappt alles nicht mit der Fortpflanzung und dem Alter, wir machen das jetzt anders. Es gibt keine Kinder mehr und wenn einer stirbt, wenn Nina mal stirbt, dann gibt es so einen Klon, dann gibt es sozusagen Nina 2 und die setzen wir dann ein.“
Lars erinnert sich an einen Gottesdienst auf seinem katholischen Gymnasium, bei dem aus diesem Houellebecq-Roman vorgelesen wurde. Die Dystopie einer Gesellschaft ohne Kinder, in der Verstorbene durch Klone ersetzt werden, dient ihm als Schreckensvorstellung einer statischen Gesellschaft ohne Erneuerung – und als Argument dafür, warum eine kinderlose Gesellschaft beunruhigend ist.