Die sogenannte Gegenwart – Der Untergang des kulturellen Establishments
#102

Der Untergang des kulturellen Establishments

Die sogenannte Gegenwart / 02. Dezember 2024 / 17 Medien

Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod

Was passiert, wenn die geballte Macht der Pop- und Hochkultur an einem Wahlergebnis nichts ändern kann? Nach Trumps erneutem Sieg nehmen sich Mangold und Weisbrod den kulturellen Paradigmenwechsel vor: Die Demokraten hatten jeden erdenklichen Popstar auf ihrer Seite — und es hat nichts genutzt. Mit Adorno im Gepäck sezieren sie den Untergang des kulturellen Establishments.

„Die Kulturindustrie hat auf ganzer Linie versagt. Sie hat sich wie ein Mann und eine Frau hinter Kamala Harris gestellt und nichts ausgerichtet.“
🗣 Ijoma Mangold

Erwähnte Medien (17)

Dialektik der Aufklärung
Buch

Dialektik der Aufklärung

Max Horkheimer / Theodor W. Adorno

🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:03:21 „Man könnte sagen, mit dem adornischen Vokabular, die Kulturindustrie hat auf ganzer Linie versagt. Sie hat sich wie ein Mann und eine Frau hinter Kamala Harris gestellt und nichts ausgerichtet.“

Ijoma Mangold greift Adornos Begriff der 'Kulturindustrie' auf, um die Niederlage der Demokraten bei der Trump-Wahl zu beschreiben. Die gesamte Pop- und Hochkultur habe sich hinter Kamala Harris gestellt, aber nichts bewirkt – eine ironische Wendung von Adornos These, dass die Kulturindustrie als 'Aufklärung als Massenbetrug' funktioniere.

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The Left Hand of Darkness
Buch

The Left Hand of Darkness

Ursula K. Le Guin

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:15:57 „Kam auf den Punkt, als ich gestern einfach in der S-Bahn saß und gegenüber las ein junger Mann The Left Hand of Darkness, eines ihrer wahrscheinlich bekanntesten Bücher.“

Lars Weisbrod schlägt Ursula K. Le Guin als Gegenwartsphänomen vor und nennt 'The Left Hand of Darkness' als eines ihrer bekanntesten Werke. Er hat es selbst noch nicht gelesen, beobachtet aber, dass Le Guin gerade eine Renaissance erlebt – in der S-Bahn, in akademischen Kreisen und in der Meme-Kultur.

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The Ones Who Walk Away from Omelas
Buch

The Ones Who Walk Away from Omelas

Ursula K. Le Guin

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:17:29 „Dann gibt es eine berühmte Kurzgeschichte von ihr, es hat alles auch so Meme-Potenzial, The Ones Who Walk Away From Omelas, die taucht ganz oft in so Twitter-Memen auf, da geht es um eine moralische Frage angesichts von einer Utopie, die aber auf einer Gewalttat fußt.“

Lars Weisbrod nennt diese Kurzgeschichte als weiteren Beleg für Le Guins aktuelle Relevanz. Die Geschichte über eine Utopie, die auf dem Leid eines Einzelnen basiert, werde in sozialen Medien ständig als Meme-Referenz verwendet, wenn es um moralische Dilemmata und Utopien geht.

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The Dispossessed
Buch

The Dispossessed

Ursula K. Le Guin

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:18:06 „Mich müssten sie auch sehr interessieren, weil es eben anarchistische Gesellschaftsentwürfe sind, vor allem dieses The Left Hand of Darkness und The Dispossessed, die habe nichts da auf Deutsch, liegen leider immer noch hier.“

Lars Weisbrod erwähnt den Roman als eines der Hauptwerke Le Guins mit anarchistischen Gesellschaftsentwürfen. Er gibt zu, das Buch trotz Interesse noch nicht gelesen zu haben, obwohl es bei ihm zu Hause liegt.

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Text über Patrick Deneen und Rechtskommunitarismus
Artikel

Text über Patrick Deneen und Rechtskommunitarismus

🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:33:49 „Nämlich diese Fraktion, ich nenne es mal so um J.D. Vance und in Deutschland hatten wir einen schönen Text zu, auch bekannt, ein Philosoph, Patrick Deneen von der University of Notre Dame, die sich so da herum entwickelt hat.“

Weisbrod erwähnt einen in der ZEIT erschienenen Text über den Philosophen Patrick Deneen von der University of Notre Dame, der die kommunitaristische Fraktion innerhalb der Trump-Bewegung um J.D. Vance intellektuell unterfüttert. Der Text wird als Hintergrundlektüre für diese neue politische Strömung herangezogen.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Text von Vivek Ramaswamy vor der Wahl
Artikel

Text von Vivek Ramaswamy vor der Wahl

Vivek Ramaswamy

🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:35:49 „Hat der auch nochmal, können wir unten verlinken, in einem Text vor der Wahl schon so aufgeschrieben, dass er diese Tendenzen bitte nicht im Trumpismus so gerne sieht.“

Weisbrod verweist auf einen Text von Vivek Ramaswamy, der vor der Wahl erschien und in dem Ramaswamy sich gegen kommunitaristische und markteingreifende Tendenzen innerhalb der Trump-Bewegung positioniert. Der Text soll die Spannungen zwischen dem libertären und dem kommunitaristischen Flügel dokumentieren.

Zum Artikel bei Spiegel
Anschwellender Bocksgesang
Essay

Anschwellender Bocksgesang

Botho Strauß

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:38:02 „Auch Boto Strauß hat schon in den 90er Jahren in seinem Essay »Anschwellender Boxgesang« René Girard rezipiert.“

Mangold zeichnet die geistesgeschichtlichen Verbindungslinien von René Girards mimetischer Theorie nach und nennt Botho Strauß' berühmten Essay von 1993 als frühes Beispiel für die Rezeption Girards im deutschsprachigen Raum — neben dem linken Intellektuellen Thomas Assheuer und dem Tech-Milliardär Peter Thiel.

Zum Artikel bei Spiegel
Die Simpsons
Serie

Die Simpsons

Matt Groening

🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:42:21 „Wie ist der alte Simpsons Witz? Jemand, der Deutsch spricht, kann eigentlich nicht böse sein. Mehr was für die Simpsons-Fans jetzt.“

Weisbrod zitiert beiläufig einen bekannten Simpsons-Witz, als Mangold erwähnt, dass Peter Thiel gebürtiger Deutscher ist. Mangold gesteht daraufhin, dass er selbst vergeblich versucht hat, Simpsons-Fan zu werden, aber vom riesigen Erzählkosmos der Serie überwältigt aufgegeben hat.

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Zero to One
Buch

Zero to One

Peter Thiel · 2014

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:45:43 „Es gibt ein Buch von ihm, das heißt, übersetzt sowas wie von 0 zu 1 oder so, also dieses binäre Moment, dass Innovation dort entsteht, wo du tatsächlich mit einem neuen Produkt so reingehst, dass du die gesamte Marktstruktur verwandelst.“

Mangold erläutert Peter Thiels zentrale These zur Innovation und Monopolbildung. Das Buch wird als Kernwerk herangezogen, um Thiels Argument zu verdeutlichen: Echte Innovation entsteht nicht im Wettbewerb, sondern dort, wo jemand etwas völlig Neues schafft und damit eine Monopolstellung erlangt.

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Debatte zwischen David Graeber und Peter Thiel
Artikel

Debatte zwischen David Graeber und Peter Thiel

🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:48:43 „Es gibt, die verlinken wir unten auch nochmal und ich habe sie glaube ich schon fünfmal in diesem Podcast erwähnt, eine ganz spannende Debatte zwischen Graeber und Thiel über alle Fragen, die interessant sind, vor zehn Jahren oder so vom amerikanischen Magazin Bethlehem.“

Weisbrod verweist auf eine publizierte Debatte zwischen dem Anarchisten David Graeber und dem Tech-Milliardär Peter Thiel, die vor etwa zehn Jahren in einem amerikanischen Magazin erschien. Er beschreibt sie als Gegenüberstellung von links- und rechtslibertären Positionen und kündigt an, sie in den Shownotes zu verlinken.

Zum Artikel bei Davidgraeber.org
Essay über Demokratie und freien Markt
Essay

Essay über Demokratie und freien Markt

Peter Thiel

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:49:03 „Aber mir geht es jetzt um was anderes, nämlich um einen anderen Essay von ihm, aus dem immer die Botschaft herausgezogen wird. Thiel hat gesagt, der freie Markt und die Demokratie sind eigentlich nicht mehr miteinander vereinbar.“

Weisbrod referenziert einen bekannten Essay von Peter Thiel, in dem dieser die Vereinbarkeit von freiem Markt und Demokratie in Frage stellt. Der Essay dient als Beleg für die linke Befürchtung eines 'Tech-Neo-Feudalismus', in dem Tech-Milliardäre wie Feudalherren agieren.

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Technofeudalism: What Killed Capitalism
Buch

Technofeudalism: What Killed Capitalism

Yanis Varoufakis

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:52:56 „Also, ich glaube, Yannis Varoufakis, der bei mir auf der Blacklist steht, sagt ja wirklich irrsinnigen Quatsch über den 7. Oktober in Israel gesagt hat, aber wurscht. Der war so einer der Ersten, der das als Buchtitel benutzt hat.“

Im Gespräch über die Frage, ob Tech-Neo-Feudalismus die richtige Beschreibung für Trumps Machtzirkel ist, verweist Weisbrod auf Varoufakis als einen der Ersten, die den Begriff als Buchtitel nutzten. Er betont, dass die Urheber dieses Begriffs echte Linke seien, die keineswegs die Demokraten als die Guten betrachten – im Gegenteil hätte Varoufakis womöglich sogar Trump gewählt.

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The Education of a Libertarian
Essay

The Education of a Libertarian

Peter Thiel

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:54:28 „Nun ist es so, insofern bin ich hier blank, den Aufsatz, von dem du sprichst, wo Peter Thiel sich gegen die Demokratie ausspricht, den kenne ich schlichtweg nicht. Das ist ein großes Defizit und wenn ich den nachlese und dann feststelle, ja krass, dann verfehle ich mein Argument.“

Weisbrod verweist auf einen bekannten Aufsatz von Peter Thiel, in dem dieser sich kritisch über die Demokratie äußert. Mangold gibt überrascht zu, diesen Text nicht zu kennen – ein Eingeständnis, das die Diskussion darüber prägt, ob man Thiel primär über seine Selbstbeschreibung oder die Fremdzuschreibungen beurteilen sollte.

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Honestly
Podcast

Honestly

Bari Weiss

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:55:26 „Die hat einen Podcast, Honestly, da hat sie nach der Wahl Peter Thiel zweieinhalb Stunden lang interviewt. Also da kommt eigentlich alles zur Sprache und natürlich kann man ja sagen, du darfst dem nicht alles glauben, was er sagt. Das stimmt schon, natürlich, aber erst mal, um mich über ihn und seine Gedanken zu informieren, finde ich ein zweieinhalbstündiges, hochinteressantes Gespräch doch eine interessante Auskunft.“

Mangold empfiehlt das lange Interview von Bari Weiss mit Peter Thiel im Podcast 'Honestly' als zentrale Quelle, um Thiels Positionen aus erster Hand zu verstehen. Er argumentiert, dass man Menschen zunächst bei dem nehmen sollte, was sie selbst sagen, statt ihnen finsterere Absichten zu unterstellen – und in diesem Gespräch sei von Demokratieverachtung keine Rede gewesen.

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The Federalist Papers
Buch

The Federalist Papers

Alexander Hamilton / James Madison / John Jay

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:58:56 „Check and Balance ist für mich auch ein heiliges Wort und so aus diesem Konstitutionalismus sind die Demokratien oder namentlich die amerikanische Verfassung ja auch entstanden und wenn man The Federalist Papers nachliest, das sind alles große, tolle Texte.“

Mangold bekennt sich zum Prinzip der Checks and Balances und verweist auf die Federalist Papers als grundlegende Texte des amerikanischen Konstitutionalismus. Er nutzt die Referenz, um zu zeigen, dass er die demokratischen Sicherungsmechanismen schätzt, bevor er gleichzeitig argumentiert, dass auch der Volkswille nicht in der Bürokratie ersticken dürfe.

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Bowling for Columbine
Doku

Bowling for Columbine

Michael Moore

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:05:58 „Und wo wir immer im Sinne von, wie hieß der Bowling in Columbine, der Filmemacher, der Dokumentarfilmemacher Moore, wie hieß denn der Moore mit Vornamen? Michael Moore. Der hatte doch immer dieses Bild, ja, die fetten, waffentragenden, republikanischen Rednecks stopften sich mit Fast Food voll.“

Mangold erinnert an Michael Moores Dokumentarfilm als Inbegriff eines bestimmten Amerika-Bildes: waffentragende, Fast-Food-essende Republikaner. Er kontrastiert dieses Klischee mit Robert Kennedy Jr.s Gesundheitsagenda, um zu zeigen, dass sich im Trumpismus überraschend auch Anliegen finden, die eigentlich links-grüne Herzensthemen sind.

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Buch

Hyperpolitics: New Normal Post-Politics and its Discontents

Anton Jäger

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:06:45 „Ich habe jetzt die ganz, ganz blöde drübersteher Position, wie so ein Anton Jäger, der immer ruft, ist alles nur Hyperpolitik, ist gar keine echte Politik.“

Weisbrod ordnet seine eigene Skepsis gegenüber Trumps angeblicher Disruption ein, indem er sich mit Anton Jägers Konzept der Hyperpolitik vergleicht: viel politisches Theater, aber wenig echte Veränderung. Er nutzt Jägers Denkfigur, um Mangolds These zu kontern, dass Trump wirklich disruptive Politik betreibe.

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