Dune und die Macht der Science-Fiction
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Ein Science-Fiction-Skeptiker trifft auf einen Dune-Enthusiasten: Anlässlich der Villeneuve-Verfilmung wagt sich Ijoma Mangold erstmals an den Wüstenplaneten heran, während Lars Weisbrod erklären muss, was ihn an Frank Herberts Klassiker so fasziniert. Nebenbei entlarven sie im Gegenwartscheck einen perfiden Social-Media-Trick: absichtliche Fehler als Engagement-Motor.
„Mein persönlicher Anlass für diese Folge ist, ich möchte verstehen, wie so ein interessanter, in vielen Farben schillernder Zeitgenosse wie Lars sich für das Genre Science Fiction in dieser Weise begeistern kann.“
Erwähnte Medien (33)
Oasis Reunion Tour
Oasis
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:00:58 „Ich habe gerade als KI-Song etwas eingespielt, was inspiriert wurde durch die Reunion von Oasis, die jetzt wieder auf Tour gehen. Ich habe einfach mal Britpop eingegeben.“
Lars Weisbrod erwähnt die Oasis-Reunion als Anlass für den KI-generierten Britpop-Jingle zu Beginn der Folge.
2001: A Space Odyssey
Stanley Kubrick
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:01:35 „Ich einfach so gar keinen Draht zu Science Fiction habe und mehr oder weniger vielleicht von der Ausnahme von Stanley Kubricks Odyssey 2001 abgesehen zum ersten Mal zwei super lange Science Fiction Filme Dune 1 und 2 angeschaut habe.“
Mangold nennt Kubricks 2001 als die einzige Ausnahme seiner generellen Distanz zum Science-Fiction-Genre. Der Film dient als Kontrastfolie, um zu verdeutlichen, wie ungewöhnlich es für ihn ist, sich auf die Dune-Filme einzulassen.
Dune
Frank Herbert
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:53 „Es gibt einen Science-Fiction-Klassiker, einen Roman, der heißt Dune von Frank Herbert aus den 60ern.“
Hauptthema der Episode – der Roman wird als Grundlage der Filmverfilmungen besprochen
Dune (Film 1)
Denis Villeneuve
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:53 „dieses Jahr der zweite abschließende Teil einer Neuverfilmung ins Kino kam von dem vielgerühmten Regisseur Danny Villeneuve“
Die zweiteilige Neuverfilmung von Dune ist das Hauptthema der Episode
Dune: Part Two
Denis Villeneuve
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:02:19 „Der Anlass ist, dass dieses Jahr der zweite abschließende Teil einer Neuverfilmung ins Kino kam, von dem viel gerühmten Regisseur Danny Villeneuve. Damit beschließt er sozusagen die ersten beiden Teile, hat das erste Buch verfilmt, seiner Dune-Verfilmung.“
Dune: Part Two von Denis Villeneuve ist der konkrete Anlass für das Hauptthema der Episode. Ijoma Mangold hat sich beide Filme angeschaut, obwohl er sonst keinen Zugang zu Science Fiction hat, und möchte verstehen, warum Lars so begeistert davon ist.
Dune (TV-Serie)
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:02:58 „es kommt noch eine Dune-Serie jetzt Ende des Jahres“
Weisbrod erwähnt eine kommende Dune-Serie als weiteren Content
Die Vorleser
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:05:35 „Im Jahr 2009 und 2010 gab es eine dann zu Recht sehr schnell in Vergessenheit geratene Literatursendung auf dem ZDF, die hieß Die Vorleser und ich hatte die Ehre, die zusammen mit Amelie Fried zu machen.“
Mangold erinnert sich an seine eigene TV-Sendung als Anekdote zum Thema Fehler als Aufmerksamkeitsstrategie
Du musst dein Leben ändern
Peter Sloterdijk · 2009
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:17:50 „es gibt ja von Peter Sloterdijk dieses tolle, schöne Buch, du musst dein Leben ändern, das im Grunde von einem großen Versprechen handelt“
Mangold zitiert Sloterdijks Buch im Zusammenhang mit der Muskel-Metapher und dem Prinzip des Übens
Dune (1984)
David Lynch
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:20:26 „Es gibt, den kenne ich nicht, aber du hast mich auch darauf hingewiesen, eine Verfilmung aus den 80er Jahren von David Lynch. Wir beziehen uns jetzt ausschließlich, nicht ausschließlich, aber das ist jedenfalls mein Lektürestand, bezieht sich auf diese zwei sehr langen Filme.“
Mangold erwähnt die ältere Dune-Verfilmung von David Lynch aus den 1980er Jahren, die er selbst nicht gesehen hat. Er grenzt sie vom Gesprächsgegenstand ab, da sich die Episode auf die Villeneuve-Verfilmungen konzentriert.
Die drei Sonnen (Three-Body Problem)
Liu Cixin
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:21:26 „Außer übrigens diese Romantrilogie, über die wir hier zusammen schon mal einen Podcast gemacht hatten, wo es um das Drei-Körper-Problem ging und die mich total begeistert hatte. Also da war mir auch klar, dass du das toll findest, weil das ist sowas, das raucht einem dann der Kopf.“
Mangold vergleicht Dune mit dem Drei-Körper-Problem von Liu Cixin, das ihn als Hard Science Fiction begeistert hatte. Lars ergänzt, dass genau dieser Unterschied wichtig ist: Das Drei-Körper-Problem ist Hard Science Fiction mit wissenschaftlicher Spekulation, während Dune das gerade nicht ist.
Das Drei-Körper-Problem
Liu Cixin
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:22:48 „diese Romantrilogie, über die wir hier zusammen schon mal einen Podcast gemacht hatten, wo es um das Drei-Körper-Problem ging und die mich total begeistert hatte“
Mangold vergleicht seine Begeisterung für das Drei-Körper-Problem mit seiner Reaktion auf Dune
Dune (Film 1984)
David Lynch
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:22:48 „es gibt, den kenne ich nicht, aber du hast mich auch darauf hingewiesen, eine Verfilmung aus den 80er Jahren von David Lynch“
Die Lynch-Verfilmung wird als Vorgänger der Villeneuve-Filme erwähnt
Ilias
Homer
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:25:44 „die Atreiden, du hast das mal in einer anderen Folge schon mal gesagt, ist natürlich geklaut aus der griechischen, aus der omerischen Geschichte.“
Lars Weisbrod erklärt die Namensgebung des Hauses Atreides in Dune und verweist auf die homerische Vorlage aus der griechischen Antike, in der Agamemnon der letzte aus dem Familienstamm der Atreiden war.
Star Wars
George Lucas
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:27:56 „Völlig korrekter Eindruck und das Problem kennen wir ja auch von Star Wars oder so. Was ist denn das jetzt? Hat das überhaupt was mit Science-Fiction zu tun?“
Lars Weisbrod zieht Star Wars als Vergleich heran, um die Genre-Frage zu diskutieren. Wie bei Dune stelle sich auch bei Star Wars die Frage, ob es wirklich Science-Fiction sei, nur weil es in der Zukunft spiele und manchmal eine Laserpistole auftauche.
Butler's Jihad (Legends of Dune)
Frank Herbert
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:16 „In dieser Welt ist zum Beispiel künstliche Intelligenz verboten worden. Die hatten mal künstliche Intelligenz, haben sie dann in einem Krieg, der heißt im Original so schön, das ist Butler's Jihad, das haben sie dann bei der Villeneuve-Filmung weggelassen, weil das Wort Jihad heute nicht mehr so locker zu benutzen ist.“
Lars Weisbrod erklärt ein zentrales Worldbuilding-Element von Dune: den Butlerianischen Dschihad, in dem die Menschheit die künstliche Intelligenz besiegt und verboten hat. Er merkt an, dass Villeneuve den Begriff in seiner Verfilmung vermied, weil das Wort 'Jihad' heute politisch aufgeladen ist.
Der Zauberberg
Thomas Mann
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:36:33 „Ich kann sie eigentlich nur mit einer anderen Leseerinnerung vergleichen, nämlich dem Zauberberg, für den ich länger gebraucht habe als Dune, aber trotzdem, beides sind so Leseerfahrungen, an die ich gern zurückdenke.“
Lars Weisbrod vergleicht sein Dune-Leseerlebnis mit dem Zauberberg von Thomas Mann – beide seien intensive, zeitaufwändige Lektüren, an die er nostalgisch zurückdenke. Der Vergleich dient ihm dazu, Dune als literarisch anspruchsvoll zu legitimieren.
Dune (TV-Miniserie)
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:37:19 „Ich weiß nur, dass ich als Kind mal eine nicht besonders gute Fernsehadaption gesehen habe, oder als Jugendlicher, die aus vielen Gründen den Geist nicht besonders toll transportiert, unter anderem, weil Uwe Ochsenknecht, das war eine amerikanische Produktion, aber trotzdem Uwe Ochsenknecht aus irgendeinem Grund damals den Anführer dieser Wüstenindigenen Stillgar gespielt hat.“
Lars Weisbrod erinnert sich an eine TV-Adaption von Dune, die er als Kind oder Jugendlicher sah. Er bewertet sie als nicht besonders gelungen, merkt aber an, dass sie trotzdem etwas von der faszinierenden Seltsamkeit der Dune-Welt transportiert habe. Die Besetzung von Uwe Ochsenknecht als Fremen-Anführer Stilgar findet er im Nachhinein seltsam.
Dune (Villeneuve-Verfilmung)
Denis Villeneuve
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:39:59 „Ich gebe aber auch zu, dass ich nach einer Dreiviertelstunde die mit erkennbar protzigerweise mit viel Geld hergestellten Bilder dann doch so toll fand, dass ich dann auch in den Flow kam. Das kann ich gar nicht verleugnen. Es bleibt gleichwohl dieses Unbehagen.“
Ijoma Mangold schildert seine ambivalente Erfahrung mit den Villeneuve-Filmen. Er kritisiert zunächst die sichtbar teure Produktion als protzig, gibt aber zu, dass ihn die Bilder nach einer Weile mitgerissen haben. Er beschreibt den Film als überraschend langsam für einen Actionfilm und vergleicht das Tempo mit langsamen Sätzen von Bruckner-Sinfonien.
House of the Dragon
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:42:24 „Ihr hattet kürzlich so eine schöne Seite bei uns im Föhrturm gemacht, einen Vergleich zwischen, wie heißen die zwei Fantasy-Serien? House of the Dragon und Rings of Power.“
Ijoma Mangold verweist auf einen Vergleichsartikel im ZEIT-Feuilleton zwischen den beiden Fantasy-Serien House of the Dragon und Rings of Power. Er nutzt die Referenz, um die Frage nach der 'typischen Szene' in Dune zu stellen.
The Rings of Power
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:42:24 „Ihr hattet kürzlich so eine schöne Seite bei uns im Föhrturm gemacht, einen Vergleich zwischen, wie heißen die zwei Fantasy-Serien? House of the Dragon und Rings of Power.“
Ijoma Mangold erwähnt Rings of Power zusammen mit House of the Dragon als Gegenstand eines Feuilleton-Vergleichs. Beide Serien dienen als Referenzpunkt, um die visuelle Ästhetik und typische Szenen von Dune einzuordnen.
Spiel mir das Lied vom Tod
Sergio Leone
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:43:30 „Die laufen meistens eher langsam auf diesen Dünen entlang zu einer interessanten Musik, deren Herkunft ich nicht genau bestimmen kann. Manchmal erinnerte sie mich so an Italo-Western, spielen wir das Lied vom Tod, aber dann ganz verzerrt in was Orientalisches hinein verzerrt.“
Ijoma Mangold beschreibt die Filmmusik von Dune und assoziiert sie mit dem Italo-Western-Klassiker 'Spiel mir das Lied vom Tod'. Die Musik erinnere ihn an diesen Stil, sei aber ins Orientalische verzerrt – passend zu den langsamen Wüstenszenen des Films.
Dune (Film, Teil 1 und 2)
Denis Villeneuve
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:44:38 „Und umso überraschter war ich, als ich jetzt Dune schaute und feststellte, dies ist ein Film, der besteht einfach nur aus bürgerlichen Bildungsanspielungen. Also wenn es ein Bildungsgeprotze geben sollte, es wurde nie stärker umgesetzt als in diesem Film.“
Dune ist das zentrale Thema dieses Gesprächsabschnitts. Mangold und Weisbrod diskutieren ausführlich beide Teile des Villeneuve-Films — seine mythologischen und theologischen Bezüge, die faschistische Ästhetik, ökologische Lesarten und die Frage, ob der Film eine linke oder rechte Botschaft transportiert. Die Diskussion umfasst nahezu den gesamten Transkriptabschnitt.
Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter
Ernst Robert Curtius
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:45:14 „Es gibt ein interessantes, wichtiges Buch in der Literaturwissenschaft von Ernst Robert Kurzius, dem großen Romanisten. Das heißt Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter. Und der Clou dieses Buches ist, dass man feststellt, dass eigentlich alles, was in der europäischen Literatur des Mittelalters stattfindet, keine originäre Erfindung ist, sondern auf einen Topos zurückgreift, den es in der lateinischen Antike gab.“
Ijoma Mangold zitiert Curtius' literaturwissenschaftlichen Klassiker, um seine These zu untermauern, dass Dune vollständig aus Bildungsanspielungen besteht. So wie Curtius zeige, dass die mittelalterliche Literatur auf antike Topoi zurückgreife, so greife auch Dune auf mythologische, theologische und literarische Vorbilder zurück – von der griechischen Atreiden-Sage bis zu Wagners Ring.
Der Ring des Nibelungen
Richard Wagner
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:46:47 „Und ich schaute diesen Film an und dachte mir, warum ist Lars dann nicht wenigstens auch Wagnerianer, weil das ist doch komplett Wagners Ring. Der Ring bei Wagner, der aus dem Rheingold geschmiedet wird und Macht über die Welt verleiht und weil alle nach dem Ring dann streben, entfalten sich daraus die Machtauseinandersetzungen. Diese Rolle hat in Dune dieser Rohstoff Spice.“
Ijoma Mangold zieht eine direkte Parallele zwischen Wagners Ring des Nibelungen und Dune: Wie der Ring bei Wagner verleihe der Rohstoff Spice Macht, und wie bei Wagner entfalteten sich daraus die zentralen Konflikte. Er nutzt den Vergleich auch als freundschaftlichen Seitenhieb gegen Lars Weisbrod, der Wagner ablehne, aber Dune feiere.
Über den Begriff der Geschichte
Walter Benjamin
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:48:03 „das ist sozusagen der Haufen der Geschichte oder vielleicht sogar so eine Art Trümmerhaufen im benjaminschen Sinne. Das ist all diese Trümmer und es gibt aber noch, noch viel mehr Trümmer, weil sie sind noch weiter in der Zukunft.“
Lars Weisbrod nutzt Walter Benjamins berühmtes Bild des Trümmerhaufens der Geschichte, um zu erklären, wie Dune europäisches Bildungsgut als Zivilisationsreste in einer fernen Zukunft einarbeitet.
Die Bibel
Martin Luther (Übersetzung)
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:55:48 „Und Jesus ist der als Kreuzgenagelte, also der Ohnmächtige, der dann sagen kann, warum hast du mich verlassen, Vater, am Kreuzgenagelte. Und er wird ja verspottet.“
Ijoma Mangold analysiert ausführlich die paulinische Wende des Christentums als Antimacht-Ideologie und argumentiert, dass Dune genau diese christliche Dimension fehle. Er zitiert dabei biblische Szenen der Kreuzigung und die Paulusbriefe.
Herrschaft: Die Entstehung des Westens (Dominion)
Tom Holland
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:57:14 „Tom Holland hat in Dominium Herrschaft, der englische Historiker Tom Holland, das ganz toll beschriebenes Buch vor zwei, drei Jahren erschienen, kann ich jedem nur ans Herz legen, der sich für diese Fragen interessiert.“
Im Kontext seiner Analyse der Machtphilosophie in Dune empfiehlt Mangold Tom Hollands Buch über die Wirkungsgeschichte des Christentums. Holland beschreibe darin, wie die Kirche zwischen ihrem ursprünglichen Antimachtversprechen und ihrer eigenen Machtposition oszilliert — eine Spannung, die Mangold auch in Dune wiedererkennt.
Herrschaft (Dominion)
Tom Holland
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:57:42 „Tom Holland hat in Dominium Herrschaft, der englische Historiker Tom Holland, das ganz toll beschriebenes Buch vor zwei, drei Jahren erschienen, kann ich jedem nur ans Herz legen“
Mangold empfiehlt das Buch im Kontext seiner Analyse der Rolle des Christentums als Antimacht-Instanz
Zur Genealogie der Moral
Friedrich Nietzsche
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:59:52 „was man der Geschichte ja unterstellen kann, ist, dass sie dazu wiederum so eine nidgianische Position bezieht. Das ist sozusagen alles Sklavenmoral und das ist sowieso uninteressant. Worum es uns eigentlich geht, ist so Übermenschen zu schaffen.“
Lars Weisbrod analysiert die ideologischen Grundlagen von Dune und identifiziert eine nietzscheanische Position, die Mitleidsmoral als Sklavenmoral verwirft und stattdessen auf die Schaffung von Übermenschen durch widrige Umstände abzielt.
Triumph des Willens
Leni Riefenstahl
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:01:12 „Ich hätte Dune auch drehen können, dafür müsste ich nur meine geistige Sozialisierung seit meiner Gymnasiumszeit abstreifen, die mir ein für alle Mal verboten hat, je wieder auf die Ästhetik des Faschismus hereinzufallen und nie wieder wie Leni Riefenstahl Filme drehen zu dürfen.“
Mangold vergleicht die visuelle Ästhetik von Dune mit den Propagandafilmen Leni Riefenstahls. Die Massenszenen, die Überwältigungsästhetik und die religiöse Ekstase erinnern ihn an die faschistische Filmsprache, wobei er und Weisbrod diskutieren, ob Villeneuve diese Ästhetik bewusst einsetzt oder ihr erliegt.
Dune (Roman)
Frank Herbert
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:07:24 „Sie wird von den Bösen einfach so in der Wüste ausgesetzt, um zu sterben da. Und man erwartet immer ein bisschen. Und sie versucht es auch irgendwie. Ah, wie kommt sie jetzt an Wasser? Ja, ist das im Buch. Er kennt sie ja so gut aus. Es gelingt ihm aber nicht.“
Weisbrod vergleicht wiederholt Herberts Romanvorlage mit Villeneuves Verfilmung und zeigt auf, wo der Film konservativer ist als das Buch. Besonders am Beispiel der Figur Dr. Keynes macht er deutlich, dass Herberts nihilistischere Vorlage eine radikalere ökologische Botschaft enthält als der Film.
Dune Messiah
Frank Herbert
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:13:25 „Herbert hatte, glaube ich, das Gefühl, dass er es im ersten Teil nicht genug klar gemacht hat. Auch deswegen diesen zweiten Teil, Dune Messiah, geschrieben, in dem das dann noch deutlicher wird, dass der auch Dschihad, dieses Wort liebt er in dem Buch, er meint damit einen sehr intensiven von Fanatismus und Glauben geprägten Kampf.“
Lars Weisbrod erklärt, warum Frank Herbert den Nachfolgeroman zu Dune schrieb: Paul Atreides sollte nicht als strahlender Held missverstanden werden. Herbert wollte im zweiten Band deutlicher machen, dass Pauls Dschihad einen hohen Preis hat und die Figur moralisch ambivalent ist.
Interview mit Wolfgang Streeck
Lars Weisbrod
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:18:10 „Und du hast gerade ein hochinteressantes Interview für unser Mutterblatt geführt mit dem Soziologen Wolfgang Streeck, der ein geistiger Stichwortgeber für Sarah Wagenknecht ist.“
Ijoma Mangold erwähnt ein Interview, das Lars Weisbrod für die ZEIT mit dem Soziologen Wolfgang Streeck geführt hat. Streeck wird als intellektueller Impulsgeber für Sarah Wagenknecht beschrieben. Das Interview dient als Überleitung zur Prognosefrage über die Zukunft des BSW.