Sind wir im Fitnesstudio alle gleich
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
In dieser Folge geht es um Fitnessstudios, Körperarbeit und alles, was man dort an Erlebnissen und Seelenlagen durchmacht. Zum Aufwärmen berichtet Ijoma Mangold aus Mailand von einer subtilen italienischen Widerstandsgeste gegen die fest angebrachten Plastikflaschendeckel: Statt sie wie die Deutschen brachial abzureißen, verwandeln die Italiener das Trinken mit gespreiztem Zeigefinger in eine elegante Demonstration gegen die Deckeldiktatur.
„Wir dürfen doch nicht mal mehr Herren unserer eigenen Deckel sein – in dieser Geste drückt sich ein Widerstand gegen ein bürokratisches Gesetz aus in Form einer schönen ästhetischen Handbewegung.“
Erwähnte Medien (12)
Dokumentarfilm über Fitness/Gym-Boys
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:01:44 „wir haben uns einen Dokumentarfilm geguckt“
Ein Dokumentarfilm über Fitness, in dem u.a. ein Jonas über den Proof-of-Work-Gedanken im Kraftraum spricht – der genaue Titel wird nicht genannt
All die unbewohnten Zimmer (Perimenopause-Roman)
Miranda July
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:09:36 „Er hat auch noch mal darauf verwiesen, dass es ja Miranda July ein Buch jetzt geschrieben hat, was so angeteasert wird, auch als das erste große Perimenopause Buch, der Perimenopausen Roman.“
Wird im Kontext der Diskussion über die gesellschaftliche Konjunktur des Themas Menopause erwähnt
All Fours
Miranda July
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:11:03 „Lars hat auch noch mal darauf verwiesen, dass es ja Miranda July ein Buch jetzt geschrieben hat, was so angeteasert wird, auch als das erste große Perimenopause-Buch, der Perimenopausen-Roman.“
Im Gegenwartscheck diskutieren Nina Pauer und Ijoma Mangold die Konjunktur des Themas Menopause. Nina erwähnt Miranda Julys neuen Roman als prominentes Beispiel dafür, dass die Perimenopause nun auch in der Literatur angekommen ist und eine ganze Generation von Millennials anspricht.
Boss Transformation
Kollegah
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:15:02 „natürlich auch nochmal die Boss-Transformation von Kollegah uns angeguckt“
Kommerzielles Fitnessprogramm des Rappers Kollegah, das als Beispiel für die Idee der körperlichen Verwandlung und Transformation besprochen wird
Podcast bei Micky Beisenherz
Micky Beisenherz
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:15:02 „Ich bin auf das Thema gekommen, als ich dich in einem Fremd-Podcast sprechen gehört habe bei Micky Beisenherz. Und du hast so entflammt über dein Fitnessstudio gesprochen.“
Nina Pauer erwähnt, dass Ijoma Mangold in einem Podcast von Micky Beisenherz über Fitness gesprochen hat, was sie zum heutigen Thema inspirierte
12 Rules for Life
Jordan Peterson
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:19:45 „Ich musste jetzt auch viel daran denken, vor drei, vier Jahren, als Jordan Petersons Buch, ich glaube zehn Lektionen oder so hieß es, rauskam, da war ja eine dieser Aufforderungen, Kreuz durchdrücken und Schulter zurück, also eine aufrechte Haltung einzunehmen.“
Ijoma Mangold spricht über seine Erfahrung im Fitnessstudio und die Bedeutung von Kraft für eine aufrechte Haltung. Er erinnert sich an Jordan Petersons Buch und dessen Rat zur aufrechten Körperhaltung, den er trotz der damaligen Kontroversen als simple, skandalfreie Einsicht verteidigt: Die äußere Haltung richtet einen auch innerlich auf.
Heilung
Timon Karl Kaleyta
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:23:05 „Was hat das gerade der Roman, über den wir sprechen wollen, können wir ja vielleicht eher gern Ende hin machen. Von Timon Karl-Kaleiter spricht man ihn, glaube ich, aus Heilung.“
Roman, der als zentrales Kulturprodukt der Episode besprochen wird – eine Zauberberg-artige Erzählung über Selbstoptimierung, Schlafstörungen und die Sehnsucht nach körperlicher Arbeit
Erfahrungsbericht über den Weg ins Fitnessstudio
Charlotte Parnack
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:24:37 „Unsere Kollegin Charlotte Parnack hatte vor einem Jahr einen interessanten Erfahrungsbericht geschrieben über ihren eigenen Weg ins Fitnessstudio. Ihren Versuch, einen Klimmzug zu schaffen, oder? Konkret.“
Ijoma Mangold verweist auf einen ZEIT-Artikel von Charlotte Parnack, in dem sie ihren persönlichen Versuch beschreibt, einen Klimmzug zu schaffen. Der Text wird als Gegenstimme zur Dämonisierung von Fitness zitiert – Parnack argumentiert, dass der Vorwurf der Körpermanipulation blind sei, weil alles, was wir tun, eine Form von Manipulation darstelle.
Text über Fitness und den Klimmzug
Charlotte Panak
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:25:33 „Nach der Lektüre von Charlottes Text ging ich auch eher davon aus, dass ich höchstwahrscheinlich, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit, das nicht schaffe. Sie sagt aber darin auch den interessanten Satz, dass der Vorwurf, den man ans Fitness adressiert, es sei eine Form der Körpermanipulation, natürlich irgendwie nur ein bisschen blind auf einem Auge ist, weil es außer Acht lässt, dass eigentlich alles, was wir tun, Manipulation ist.“
Charlotte Panaks Text über Fitness und das Ziel, einen Klimmzug zu schaffen, bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt des Gesprächs. Mangold und Pauer diskutieren ausführlich ihre zentrale These, dass es gar nicht möglich sei, seinen Körper nicht zu manipulieren — jede Entscheidung, auch Nichtstun, sei eine Form der Körpergestaltung. Der Text wird im weiteren Verlauf immer wieder aufgegriffen, etwa zu Frauen im Fitnessstudio und dem Satz der Kindergartenfreundin, eine Frau müsse sich selbst tragen können.
Dokumentarfilm über junge Bodybuilder
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:44:36 „Vielleicht können wir ja gleich nochmal über den Dokumentarfilm reden, den wir geschaut haben und die Motivationen der jungen Leute, die dort in diesen Zirkel hineingehen, ja. In rührender Ehrlichkeit sagen, weshalb sie das tun.“
Nina Pauer und Ijoma Mangold besprechen einen Dokumentarfilm über junge Männer, die Bodybuilding betreiben. Die Protagonisten — Moritz, Max, Jonas und der 17-jährige Josias — erzählen unverblümt von ihren Motiven: Mobbing, Selbstvertrauen, bei Mädchen ankommen, die beste Version seiner selbst werden. Mangold greift den Satz von Jonas auf, man könne sich einen gut aussehenden Körper nicht erkaufen, und deutet das als meritokratisches Prinzip. Der Titel des Films wird nicht genannt.
Der Zauberberg
Thomas Mann
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:57:59 „Genau, es ist so eine Art Zauberbergerzählung in Gegenwart. Also er wird da hingeschickt und er wehrt sich die ganze Zeit und sagt, wie doof das eigentlich alles ist.“
Nina Pauer zieht den Vergleich zwischen dem Roman 'Heilung' und Thomas Manns 'Zauberberg', weil beide von einem Protagonisten handeln, der in eine abgeschiedene Heilanstalt geschickt wird. Die Parallele liegt in der Kur- und Sanatoriumssituation – bei Kaleyta ein luxuriöses Spa-Resort in den Alpen, bei Mann das Sanatorium in Davos.
Hitzlsperger-Interview
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:07:02 „Ich weiß halt nur, es gab mal dieses große Hitzlsperger-Interview bei uns vor mittlerweile 15 Jahren. Das wurde sehr gefeiert, weil da ein Tabu angesprochen oder aufgebrochen worden sei.“
Im Kontext von Nina Pauers Frage, wann Homosexualität im Profifußball endlich normal werde, verweist Ijoma Mangold auf das Coming-out-Interview von Thomas Hitzlsperger, das in der ZEIT erschien. Er nutzt es als Referenzpunkt dafür, dass trotz dieses damals gefeierten Tabubruchs und des gesellschaftlichen Wandels seither der Profifußball offenbar das 'archaischste' gesellschaftliche Teilsystem geblieben sei.