Die sogenannte Gegenwart – Das Ende der Faulheit
#089

Das Ende der Faulheit

Die sogenannte Gegenwart / 20. Mai 2024 / 13 Medien

Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod

Die Folge widmet sich der Frage, was Faulheit eigentlich ist – angestoßen durch die Bürgergeld-Debatte und den Generationenkonflikt zwischen Boomern und Gen Z um Homeoffice, Work-Life-Balance und den Stellenwert von Lohnarbeit. Zum Auftakt experimentieren die Hosts mit einem KI-generierten Jingle als Siri-Vertretung und sezieren dabei gleich die kreative Leere maschinell erzeugter Musik.

„Sie kann natürlich nicht in dem Sinne kreativ sein, sondern muss immer absolute gegenwärtige Durchschnittlichkeit bilden.“
🗣 Lars Weisbrod

Erwähnte Medien (13)

Steinmeier-Buch
Buch

Steinmeier-Buch

Frank-Walter Steinmeier

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:01:33 „Im letzten Podcast haben wir ja über den Nullpunkt des Diskurses gesprochen, den das Steinmeier-Buch verkörpert.“

Lars Weisbrod verweist beiläufig auf eine vorherige Folge, in der das Buch von Frank-Walter Steinmeier besprochen wurde. Es dient hier als Referenzpunkt für den Begriff 'Nullpunkt des Diskurses', der nun auf die KI-generierten Songs übertragen wird. Der genaue Titel des Buchs wird nicht genannt.

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Low Performer im Homeoffice
Artikel

Low Performer im Homeoffice

🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:24:17 „bei Zeit Online eine sehr schöne Zusammenstellung von Testimonials von Leuten, die im Homeoffice, ja man kann schon sagen, fast alles andere tun als arbeiten“

Eine Sammlung von anonymen Erfahrungsberichten über Nicht-Arbeiten im Homeoffice, die als Beleg für die veränderte Haltung zu Faulheit und Arbeit dient

Zum Artikel bei ZEIT Online
Beschleunigung
Buch

Beschleunigung

Hartmut Rosa

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:25:39 „Also es kommt so ein Bündel an Begriffen und Bildern auf. Vielleicht können wir auch gleich die nochmal abschreiten, also Müsiggang, ne? Das sind auch so ein bisschen die Modebegriffe der... Ja, weiß ich nicht, wann hat das angefangen? Also diese ganzen, klar, Hartmut Rosa, Entschleunigungsbegriff.“

Nina Pauer ordnet den Faulheitsdiskurs historisch ein und nennt Hartmut Rosa namentlich als Urheber des Entschleunigungsbegriffs, der die Debatte um Muße, Regeneration und Selfcare seit etwa zehn Jahren prägt.

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Low Performer – Testimonials
Artikel

Low Performer – Testimonials

🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:26:05 „Was ich noch ganz, also einfach toll fand, wer es nicht gelesen hat, bitte unbedingt nachholen, diese Sammlung von Low Performer, Zitaten, Testimonials bei Zeit Online und über das, was Leute während ihrer eigentlichen Arbeitszeit im Homeoffice tun. Ja, ist einfach toll, sich das durchzulesen.“

Nina Pauer empfiehlt begeistert eine Sammlung von Leserbekenntnissen auf Zeit Online, in denen Menschen ehrlich beschreiben, was sie während der Arbeitszeit im Homeoffice wirklich tun – etwa nur den Laptop laufen lassen, Sport machen oder sogar ein ganzes Studium abschließen. Sie nutzt die Beispiele, um die Frage aufzuwerfen, ob Faulheit bedeutet, nichts zu tun, oder etwas anderes zu tun als das, was von einem erwartet wird.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Lost in Translation
Film

Lost in Translation

Sofia Coppola

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:28:25 „Nur ist das Problem nicht schon vor vielen, vielen Jahren in unserem Lieblingsfilm gelöst worden, in Lost in Translation. Da gibt es diese wunderbare Szene, wo die junge Scarlett Johansson zu Bill Murray sagt, sie würde gerne Schriftstellerin werden, aber sie glaubt, sie ist nur so mittelmäßig begabt. Und Bill Murray sagt dann eben nicht, was man erwarten würde, nein, du bist ganz bestimmt ganz toll oder so, sondern Bill Murray sagt, ja, ist egal, es merkt gar keiner.“

Lars Weisbrod nennt Lost in Translation seinen 'Lieblingsfilm' und zitiert eine konkrete Szene zwischen Scarlett Johansson und Bill Murray, um das Imposter-Syndrom zu kommentieren. Seine These: Das Problem sei längst gelöst – nicht durch Selbstbestätigung, sondern durch die ernüchternde Einsicht, dass Mittelmäßigkeit ohnehin niemandem auffällt.

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Laziness Does Not Exist
Buch

Laziness Does Not Exist

Devon Price

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:02 „Man kann ja alles, was wir gerade gesprochen haben, auch zusammennehmen und zu dieser Großthese verbinden. Da gibt es auch ein erfolgreiches Buch, was so heißt, Laziness does not exist. Also dass man gleich sagt, der ganze Begriff muss weg.“

Lars Weisbrod führt das Buch als Beispiel für die radikalste Position in der Faulheitsdebatte ein: eine sogenannte 'Error-Theory', die behauptet, dass der Begriff 'faul' auf gar nichts Reales verweist und komplett abgeschafft werden sollte. Er ordnet es philosophisch als Gegenposition zu den zuvor besprochenen Strategien ein – weder Attest noch Umdeutung, sondern vollständige Abschaffung des Konzepts.

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Oblomow
Buch

Oblomow

Iwan Gontscharow

🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:44:18 „Ich habe eine mitgebracht, an die ich gedacht habe, und zwar der Oblomov aus dem 19. Jahrhundert, aus einem Roman von Ivan Goncharov, der sozusagen zur Chiffre wurde, der Apathie und der Antriebslosigkeit. Also von jemandem, der nie über die Hubbel herauskam, der letztlich auch, glaube ich, daran gestorben ist in diesem Buch.“

Nina Pauer bringt Gontscharows Roman als literarische Ur-Figur der Faulheit in die Diskussion ein und liest eine längere Passage vor, in der Oblomow ein Buch bestellt, kurz Interesse zeigt und dann doch wieder apathisch an die Decke starrt. Sie nutzt die Figur, um das Konzept 'Oblomowerei' – das Scheitern am eigenen inneren Hubbel – als historisches Gegenstück zur heutigen Antriebslosigkeitsdebatte zu illustrieren.

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📖
Buch

Donald Duck

Carl Barks

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:46:10 „ist der natürlich der Prototyp des Faulen. Das ist ja auch der Kern immer der Geschichten und vor allem seines Zwists mit seinem Onkel Dagobert, der wiederum gerade diese Faulheit ja nicht schätzt. Und Donald Duck liegt halt immer in der Hängematte.“

Im Hauptthema über Faulheit werden literarische und popkulturelle Figuren als Archetypen des Faulseins besprochen. Lars Weisbrod bringt Donald Duck als klassisches Beispiel für eine alte, nicht mehr zeitgemäße Vorstellung von Faulheit – das absolute Nichtstun in der Hängematte.

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In Praise of Idleness
Essay

In Praise of Idleness

Bertrand Russell

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:48:05 „Berühmter Text von dem großen Philosophen Bertrand Russell in Praise of Idleness und Idleness kann man etwas frei auch mit Faulheit übersetzen, ist 1932, glaube ich, geschrieben. Zwei Sachen fand ich interessant, als ich das jetzt nochmal gelesen habe.“

Lars Weisbrod hält das Buch in die Kamera und beginnt daraus zu zitieren. Er nutzt Russells Essay von 1932 als philosophischen Referenzpunkt für die Faulheitsdebatte und hebt hervor, dass Russell seinen Text mit einer Anekdote über Bettler in Italien beginnt, die man heute wegen Klassismus-Vorwürfen nicht mehr so schreiben dürfte.

Zum Artikel bei Harper's Magazine
In Praise of Idleness
Essay

In Praise of Idleness

Bertrand Russell

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:48:55 „aus diesem Bertrand Russell Essay, also es ist kein Buch, sondern nur ein kurzer Text, in Praise of Idleness“

Russell's Essay wird ausführlich besprochen und zitiert als historischer Schlüsseltext zur Verteidigung von Faulheit und Arbeitszeitverkürzung

Zum Artikel bei Harper's Magazine
Alle_Zeit
Buch

Alle_Zeit

Teresa Bücker

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:50:54 „ich denke an unsere Folge zu Theresa Büker, wo er auch gesagt hat, wenn wir weniger arbeiten, dann hätten wir die Kraft, uns politisch zu engagieren und das und das zu machen.“

Im Kontext der Debatte um Arbeitszeitverkürzung und Faulheit verweist Lars Weisbrod auf Theresa Bückers These, dass weniger Arbeit mehr politisches Engagement ermögliche – eine zentrale These aus ihrem Buch über Zeitgerechtigkeit.

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Die Simpsons
Serie

Die Simpsons

Matt Groening

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:53:07 „Und Homer Simpson steht hier. Stimmt, Homer Simpson ist sozusagen der Nachfolger von Donald Duck, der hängt auch noch in der Hängematte. Er säuft allerdings schon dabei, also er konsumiert dann wieder mehr als Donald.“

Im Kontext der popkulturellen Faulheitsfiguren wird Homer Simpson als Nachfolger von Donald Duck genannt – beide verkörpern das Hängemattenbild, wobei Homer bereits den modernen passiven Konsum repräsentiert.

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A Theory of Justice (Eine Theorie der Gerechtigkeit)
Buch

A Theory of Justice (Eine Theorie der Gerechtigkeit)

John Rawls

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:53:26 „Und dann ist mir jetzt in der Recherche für die Folge aufgefallen, dass wirklich in der großen analytischen, politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts, ja in den ganzen Debatten, ich habe in der letzten Folge zufälligerweise schon mal erwähnt, um John Rawls große Theory of Justice, große Gerechtigkeitstheorie, immer der Surfer als so ein Problemfall auftaucht.“

Lars Weisbrod verweist auf Rawls' Gerechtigkeitstheorie im Zusammenhang mit der Figur des faulen Surfers in Malibu. Rawls habe den Surfer als Problemfall seiner Theorie benannt – jemand, der nur surfen und nicht arbeiten will, stellt die Frage, wie eine gerechte Gesellschaft mit Menschen umgeht, die keinen Beitrag leisten wollen.

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