Ist Homeoffice nur eine Phase
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Nach vier Jahren Podcast treffen sich erstmals alle drei Hosts im selben Studio — eine Rückanalogisierung, die gleich zum Thema wird: Wie halten wir es mit der Arbeit? Statt wie zuletzt zu fragen, ob Vollzeit das Leben kaputt macht, drehen sie den Spieß um und wollen wissen, ob die grassierende Sehnsucht nach weniger Arbeit, Viertagewoche und Homeoffice uns am Ende nicht eher unglücklich macht.
„Heute könnte man eigentlich fragen, macht Teilzeit unser Leben kaputt?“
Erwähnte Medien (16)
Alle Zeit
Teresa Bücker
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:02:04 „Wir hatten ja einmal eine Folge, Lars, du und ich, über Theresa Bückers Buch Alle Zeit. Die Folge hieß Macht Vollzeit unser Leben kaputt. Jetzt heute könnte man eigentlich fragen, macht Teilzeit unser Leben kaputt?“
Nina Pauer verweist auf eine frühere Podcast-Folge, in der sie Teresa Bückers Buch 'Alle Zeit' besprochen haben. Das Buch dient als Ausgangspunkt für die heutige Diskussion über Arbeit, wobei sich die Fragestellung von damals ('Macht Vollzeit unser Leben kaputt?') ins Gegenteil verkehrt hat.
Gefährdet die Revolution in der Arbeitswelt unseren Wohlstand?
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:16:37 „Die Kollegen vom Politikteil haben eine Folge gerade, die heißt Gefährdet die Revolution in der Arbeitswelt unseren Wohlstand? Unsere Kollegen vom Podcast ist das eine Blase, fragen lohnt sich Arbeit etwa doch?“
Nina Pauer verweist auf eine aktuelle Folge des ZEIT-Politikpodcasts, um zu zeigen, dass das Thema Arbeit gerade in vielen Redaktionen gleichzeitig verhandelt wird. Die Erwähnung unterstreicht die Breite der gesellschaftlichen Debatte.
ZEIT-Interview mit Olaf Scholz (Bürgergeld / sittliche Pflicht)
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:20:53 „Olaf Scholz, der bei uns in der Zeit im Interview nochmal gesagt hat, auf die Diskussion um das Bürgergeld angesprochen. Ja, Arbeit sei für ihn, wie hat er gesagt, mit Luther gesprochen, schon eine sittliche Pflicht.“
Ein ZEIT-Interview mit Bundeskanzler Scholz wird als Beispiel für die politische Dimension der Arbeitsdebatte angeführt
The Bear
Christopher Storer
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:23:57 „Ijeoma, du und ich hatten ja eine Folge über The Bear, wie das Zusammenarbeiten in einer hitzigen Küche funktioniert“
Die Serie wird als Beispiel für die Darstellung von Zusammenarbeit und Arbeitskultur in einer Küche herangezogen
Die Bibel (Genesis / 1. Buch Mose)
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:35:46 „Und dann wurden Adam und Eva, das ist ja bekannt, aus dem Paradies vertrieben. Und zwar mit einem sehr wichtigen Satz. Sie sollen nämlich seither im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot verdienen.“
Ijoma Mangold zitiert die Vertreibung aus dem Paradies als anthropologisches Grundargument für die Arbeit. Er nutzt die Genesis-Erzählung, um zu begründen, dass Arbeit seit jeher dem Überleben dient und nicht primär der Selbstverwirklichung – als Gegenposition zur Millennial-Forderung nach Work-Life-Balance.
Die deutsche Ideologie
Karl Marx
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:38:05 „Marxe Utopie, dass man morgens Schriftstelle ist, mittags fischen geht, abends jagen und... Ja, aber das reicht ja auch, Ulrike Herrmann oder so. Und das umzusetzen führte, wir wissen es, zum Gulag und zu völlig zerfallenden Städten.“
Ijoma Mangold verweist auf Marx' berühmte Vision aus der 'Deutschen Ideologie', wonach der Mensch in einer kommunistischen Gesellschaft morgens jagen, mittags fischen und abends Kritik üben könne. Er nutzt das Zitat, um die Utopie einer nicht-entfremdeten Arbeit als gescheitert zu diskreditieren und die Diskussion über die Vier-Tage-Woche historisch einzuordnen.
Das Ende des Kapitalismus
Ulrike Herrmann
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:38:05 „Marxe Utopie, dass man morgens Schriftstelle ist, mittags fischen geht, abends jagen und... Ja, aber das reicht ja auch, Ulrike Herrmann oder so.“
Ijoma Mangold erwähnt Ulrike Herrmann beiläufig im Zusammenhang mit Marx' Arbeitsutopie und systemkritischen Gegenentwürfen zum Kapitalismus. Der konkrete Werktitel wird nicht genannt, aber die Referenz deutet auf Herrmanns bekanntes Buch über das Ende des kapitalistischen Wachstumsmodells hin.
Regula Benedicti
Benedikt von Nursia
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:49:36 „Am Beginn des christlichen Abendlandes steht ja der Klostergründer Benedikt und der hat diese berühmte Regel entworfen, auf Lateinisch ora et lavora, beten und arbeiten. Und dieser Kern, den hat auch der Bundeskanzler angesprochen, als er auf Luther verwies, ist eben doch das Sinnstiftung.“
Ijoma Mangold zitiert die Benediktsregel als Ursprung der abendländischen Arbeitsethik. Er argumentiert damit, dass Arbeit nicht nur ökonomische Notwendigkeit sei, sondern auch Struktur und Sinn stifte – und dass in der Work-Life-Balance-Debatte die sinnstiftende Funktion der Arbeit zu sehr unterschätzt werde.
Text übers Nichtstun
Nina Pauer
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:54:10 „Ich habe mal einen Text für Zeit Online übers Nichtstun und wie schwierig das ist geschrieben und da ist mir das so aufgefallen, dass das, was wir unter Arbeit, unter Arbeitsstress, also Arbeit, die stresst, dass das gar nicht mehr für viele nicht mehr in der Arbeit stattfindet, sondern in allem anderen außer Arbeit.“
Nina Pauer verweist auf einen eigenen Artikel für Zeit Online, in dem sie über die Schwierigkeit des Nichtstuns geschrieben hat. Dabei fiel ihr auf, dass Stress heute weniger aus der Arbeit selbst kommt, sondern aus allen anderen Lebensbereichen – Kindererziehung, Sozialleben, Ernährung, Kommunikation –, die sich zunehmend wie Arbeit anfühlen.
Star Trek: Voyager
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:55:14 „Nee, nee, es war leider genau wie in dem Star Trek Voyager Meme, wo zwei Crewmitglieder das gefragt werden, you're friends? Und ich sag nämlich ja und die sagt nee, eigentlich nicht.“
Lars Weisbrod greift ein bekanntes Meme aus Star Trek: Voyager auf, um die Dynamik zwischen ihm und Nina Pauer zu illustrieren. Jemand hatte die beiden gefragt, ob sie Freunde seien – und wie in der Serienszene antworten beide gegensätzlich, was die spezifische Nähe-Distanz-Beziehung unter Kollegen humorvoll auf den Punkt bringt.
On Love
Harry Frankfurt
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:56:40 „es gibt von dem Philosophen Harry Frankfurt, ein recht berühmtes Buch, wo er über Liebe schreibt und er sagt, was das Tolle an Liebe ist, sie schafft Gründe“
Das Buch wird als philosophische Grundlage herangezogen, um den Wert von Arbeit als sinnstiftendes Element zu erklären
Arbeit verteidigt (Buch über Arbeit)
Thomas Vazek
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:56:40 „Und dann hat Thomas Vazek, ein deutscher Publizist, mal ein Buch über Arbeit geschrieben, wo er Arbeit verteidigt hat, analog mit diesem Frankfurt-Algorithmus. Was an Arbeit toll ist, ist, sie schafft Gründe.“
Das Buch wird als Verteidigung der Arbeit angeführt, die analog zu Harry Frankfurts Liebesbegriff argumentiert, dass Arbeit Gründe und Sinn schafft
The Reasons of Love
Harry Frankfurt
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:57:17 „Es gibt von dem Philosophen Harry Frankfurt ein recht berühmtes Buch, wo er über Liebe schreibt und er sagt, was das Tolle an Liebe ist, sie schafft Gründe. Das ist seine Formulierung.“
Lars Weisbrod zitiert Harry Frankfurts zentrale These, dass Liebe Gründe schafft – also dem Leben Richtung und Motivation gibt. Er nutzt dieses philosophische Argument als Brücke, um eine analoge Verteidigung der Arbeit einzuführen: Auch Arbeit schaffe Gründe, morgens aufzustehen und sich Kollegen verpflichtet zu fühlen.
Arbeit verteidigt (Arbeitsbuch analog zu Frankfurt)
Thomas Vašek
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:57:25 „Und dann hat Thomas Warczek, ein deutscher Publizist, mal ein Buch über Arbeit geschrieben, wo er Arbeit verteidigt hat, analog mit diesem Frankfurt-Algorithmus. Was an Arbeit toll ist, ist, sie schafft Gründe.“
Lars Weisbrod erwähnt ein Buch des deutschen Publizisten Thomas Vašek (im Transkript als 'Warczek' wiedergegeben), der Harry Frankfurts These auf Arbeit überträgt: Arbeit schaffe Gründe – sie gibt dem Tag Struktur und schafft Verbindlichkeit gegenüber Kollegen. Der genaue Titel ist aus dem Gespräch nicht eindeutig zu ermitteln.
Wir nennen es Arbeit: Die digitale Bohème
Sascha Lobo, Holm Friebe
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:01:23 „Es gab diese Phase mit dem berühmten Buch von etwas Besseres als die Festanstellung, finden wir überall, von Holm Friebe und Sascha Lobo, glaube ich. Wir nennen es Arbeit. Wir nennen es Arbeit, genau, so war der Titel.“
Das Buch wird als historische Referenz für die Phase der Selbstständigkeits-Euphorie Anfang der Nullerjahre in Deutschland erwähnt
Interview mit Lea Rhein (Letzte Generation)
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 01:06:41 „Ich habe mir so ein Interview durchgelesen mit der Sprecherin Lea Rhein und die redet ganz viel darüber, warum sie das nun machen und sowas. Und ich habe die ganze Zeit versucht zu gucken, was machen sie denn jetzt stattdessen.“
Nina Pauer leitet die Prognosefrage der Folge ein, indem sie auf ein Interview mit Lea Rhein, Sprecherin der Letzten Generation, verweist. Darin erklärt Rhein, warum die Bewegung sich nicht mehr auf die Straße kleben will – doch die alternativen Protestformen bleiben laut Pauer nebulös: mehr Menschen auf der Straße, Aktionen an Orten fossiler Zerstörung.