Die sogenannte Gegenwart – Endlich machen alle dasselbe
#079

Endlich machen alle dasselbe

Die sogenannte Gegenwart / 18. Dezember 2023 / 18 Medien

Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod

Kurz vor Weihnachten 2023 nehmen sich Nina Pauer und Ijoma Mangold das Fest soziologisch vor: von der Wichtel-Invasion in deutschen Kinderzimmern über Weihnachtskritik und Gender-Aspekte bis zu Markus Söder und Martin Luther. Den Einstieg macht das Phänomen »Ein Wichtel zieht ein« — eine aus Skandinavien importierte Tradition, bei der Eltern nachts kleine Streiche inszenieren und Kinder morgens eine mythische Figur in der Wohnung suchen.

„Ohne Umgangsform geht es ja bekanntlich nicht.“
🗣 Ijoma Mangold

Erwähnte Medien (18)

Ein Wichtel zieht ein
Buch

Ein Wichtel zieht ein

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:02:56 „Sie zitiert einen Spiegel-Bestseller, der heißt Ein Wichtel zieht ein, ein Wichtelbuch. Heute zieht ein Wichtel bei uns ein. Also es geht um die Figur des Wichtels, der so eine Mischung, in Amerika kennt man das Phänomen, glaube ich, unter The Elf on the Shelf.“

Nina Pauer bringt im Gegenwartscheck das Phänomen des Wichtelns in der Adventszeit als Beobachtung mit. Sie verweist auf einen Spiegel-Bestseller, der das Phänomen aufgreift, und ordnet es als Teil der zunehmenden Überfrachtung der Adventszeit ein.

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The Elf on the Shelf
Buch

The Elf on the Shelf

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:02:56 „In Amerika kennt man das Phänomen, glaube ich, unter The Elf on the Shelf, also eine kleine Wichtelfigur, die nun auch noch im Advent in die Wohnung einzieht.“

Nina Pauer vergleicht das deutsche Wichtel-Phänomen mit dem amerikanischen Pendant 'The Elf on the Shelf', um die kulturelle Parallele zu verdeutlichen. Es dient als Referenzpunkt für die Erklärung des Trends.

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Anna Indiana (KI-generierter Song)
Musik

Anna Indiana (KI-generierter Song)

Anna Indiana

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:10:16 „eine Singer-Songwriterin, sagt man glaube ich, die ihren ersten Song kürzlich auf X, hier steht bei der Mail auf X, querstrich Twitter, veröffentlicht hat“

Ein von einer KI-generierten Sängerin veröffentlichter Song, der als Beispiel für doppelte bzw. dreifache Künstlichkeit diskutiert wird

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Anna Indiana (Erster Song)
Musik

Anna Indiana (Erster Song)

Anna Indiana (KI-generiert)

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:12:30 „Und zwar um ein Video einer KI-generierten Sängerin, die heißt Anna Indiana, eine Singer-Songwriterin, die ihren ersten Song kürzlich auf X, querstrich Twitter, veröffentlicht hat.“

Ijoma Mangold bespricht einen Publikumsvorschlag der Hörerin Noemi über eine vollständig KI-generierte Sängerin namens Anna Indiana, die ihren ersten Song veröffentlicht hat. Besonders bemerkenswert ist die dreifache Künstlichkeit: Die KI-generierte Person kündigt KI-generierte Musik an, während gleichzeitig der zugrundeliegende Code und Prompt eingeblendet werden.

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Emergency Room
Serie

Emergency Room

Michael Crichton

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:16:26 „Ich habe früher in den 90ern mit Freundinnen zusammen immer sehr gerne Emergency Room geguckt, diese Arztserie oder auch bei Akte X. Es gab immer so die Weihnachtsfolge und die Weihnachtsfolge hat häufig Überlänge und man weiß, was kommt, nämlich eine Verdichtung von einer Handlung.“

Nina Pauer nennt Emergency Room als Beispiel für Serien, die das Genre der Weihnachtsfolge besonders geprägt haben. Sie beschreibt die typische Dramaturgie solcher Folgen – Verdichtung, Exzess, Katastrophe und Versöhnung.

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Akte X
Serie

Akte X

Chris Carter

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:16:26 „Ich habe früher in den 90ern mit Freundinnen zusammen immer sehr gerne Emergency Room geguckt, diese Arztserie oder auch bei Akte X. Es gab immer so die Weihnachtsfolge und die Weihnachtsfolge hat häufig Überlänge.“

Nina Pauer erwähnt Akte X neben Emergency Room als weitere Serie aus den 90ern, die durch besondere Weihnachtsfolgen in Erinnerung geblieben ist. Beide Serien dienen als Beispiele für das Genre-Phänomen der verdichteten Weihnachtsepisode.

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The Bear
Serie

The Bear

Christopher Storer

🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:17:10 „wir haben ja letzte Folge oder vorletzten Folge die... über The Bear gesprochen und haben, glaube ich, auch einmal gesagt, ja, wir sprechen bestimmt noch über die Weihnachtsfolge“

Die Weihnachtsfolge von The Bear wird als Kunstwerk hervorgehoben und als Empfehlung ausgesprochen

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The Bear
Serie

The Bear

Christopher Storer

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:17:40 „Wir haben The Bear jetzt oft schon empfohlen. Und ich würde aber sagen, wenn ihr eins nur von dieser Serie seht, guckt euch die Weihnachtsfolge an, weil es wirklich ein Kunstwerk ist.“

Nina Pauer kommt auf die Weihnachtsfolge von The Bear zu sprechen, die sie in einer früheren Folge des Podcasts bereits besprochen hatten. Sie empfiehlt die Weihnachtsepisode als eigenständiges Kunstwerk und als Einstieg in die Serie.

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Wetten, dass..?
Serie

Wetten, dass..?

Frank Elstner

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:21:31 „Wir hatten jetzt gerade das ultimative Finale von Wetten, dass? Die Fragen, wo ist das berühmte Lagerfeuer? Wann machen die Menschen eigentlich noch gleichzeitig...“

Nina Pauer erwähnt das Finale von Wetten, dass..? im Kontext der Diskussion über gesellschaftliche Synchronisierung. Die Sendung dient als Beispiel für die schwindenden gemeinsamen Medienerlebnisse und die Frage nach dem gesellschaftlichen Lagerfeuer.

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Eine kurze Geschichte der Menschheit
Buch

Eine kurze Geschichte der Menschheit

Yuval Noah Harari

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:26:07 „Von Yuval Harari, ne? Ja, genau. Und den habe ich auch gerade gedacht, der dann das als Evolution oder als Gewinn beschreibt, dass irgendwann die Gruppe so groß wurde“

Hararis These über die Entstehung großer Gemeinschaften durch gemeinsame Ideen wird im Kontext gesellschaftlicher Synchronisierung diskutiert

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Artikel über den Herrnhuter Stern
Artikel

Artikel über den Herrnhuter Stern

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:31:25 „in der aktuellen Ausgabe der Zeit gibt es einen Text, wo sich eine Kollegin im Entdecken-Ressort sehr tief in die Hernhuter-Stern-Geschichte“

Ein Artikel in der aktuellen ZEIT-Ausgabe über die Geschichte und den Hype um den Herrnhuter Stern, inklusive Ebay-Bietereien

Zum Artikel bei ZEIT Online
Herrnhuter-Stern-Reportage
Artikel

Herrnhuter-Stern-Reportage

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:32:11 „Aber auch, ich glaube, in der aktuellen Ausgabe der Zeit gibt es einen Text, wo sich eine Kollegin im Entdecken-Ressort sehr tief in die Hernhuter-Stern-Geschichte, den hatten wir ja hier auch nicht umsonst mal als Gegenwartscheck, als es so explodiert ist.“

Nina Pauer verweist auf einen aktuellen ZEIT-Artikel einer Kollegin aus dem Entdecken-Ressort, die sich tief in die Geschichte und den Hype um den Herrnhuter Stern eingearbeitet hat. Der Text beschreibt die Bieterei auf Ebay, wo Sterne für 1.000 Euro gehandelt werden, und dass die Umsätze der Firma in den letzten drei Jahren um die Hälfte gestiegen sind.

Zum Artikel bei Stern
Das Paket des lieben Gottes
Buch

Das Paket des lieben Gottes

Bertolt Brecht

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:35:08 „Da schleppte sie ein anderes Buch, ich glaube es war bei Insel erschienen und ich erinnere noch, Eine Erzählung von Bert Brecht. Die reagiert genau auf dieses Süßlichkeitsproblem. Die heißt Das Paket des lieben Gottes und sie spielt in Chicago im Jahre 1908 und versucht gewissermaßen alles, was mit Sentimentalität zu tun hat, auszuschalten.“

Ijoma Mangold erzählt von einer prägenden Kindheitserinnerung: Als er elf oder zwölf war, fand seine Mutter, es müsse an Weihnachten etwas erwachsener zugehen, und brachte diese Brecht-Erzählung mit. Er schildert die Handlung ausführlich – arme Arbeiter in einer Chicagoer Kaschemme an Heiligabend 1908, die sich gegenseitig originelle Geschenke machen – und zeigt daran, wie Brecht versucht, Weihnachten zu entromantisieren, ohne ganz auf die frohe Botschaft zu verzichten.

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Buddenbrooks
Buch

Buddenbrooks

Thomas Mann

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:41:32 „Also wenn ich an Weihnachten denke und an diese heile, heilige Familie, muss ich immer an die Buddenbrooks denken. Innerlich öffnet sich die Flügeltür bei mir. Ich habe es vor Ewigkeiten gelesen, aber es öffnet sich eine großbürgerliche Flügeltür und man läuft hinein in das Licht, die große Flügeltür.“

Nina Pauer beschreibt die enorme kulturelle Kraft der Buddenbrooks-Weihnachtsszene: Obwohl sie selbst nicht aus einer Großfamilie stammt und keine Flügeltüren hatte, fühlt sich Thomas Manns Beschreibung fast wie eine eigene Kindheitserinnerung an. Allein das Triggerwort 'Lübeck' löse bei ihr diesen inneren Film aus. Das Gespräch kreist um die Macht von Kulturprodukten, Erinnerung und Weihnachten zu prägen.

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Kalte Feier. Wie Weihnachten in den Norden umzog
Artikel

Kalte Feier. Wie Weihnachten in den Norden umzog

Jens Jessen

🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:47:07 „Ich würde vielleicht nochmal eine andere, keine Stelle, aber etwas zitieren und zwar von unserem Kollegen Jens Jessen von, ich glaube, Schon nach einigen Jahren hat er im Feldhorn zu Weihnachten geschrieben. Da schließt sich der Kreis zu der Wichtelei und so. Der Titel war schon so schön, kalte Feier, wie Weihnachten in den Norden umzog.“

Nina Pauer zitiert ausführlich aus einem Text ihres ZEIT-Kollegen Jens Jessen, der sarkastisch über die Skandinavisierung eines ursprünglich mediterranen Heilsgeschehens schreibt. Sie liest mehrere Passagen vor, in denen Jessen die absurde Vermischung von biblischer Erzählung mit nordischem Brauchtum, Rentieren und Coca-Cola-Weihnachtsmann anprangert. Der Text wird zum Ausgangspunkt einer Diskussion über kulturelle Aneignung und die Entstehung von Weihnachtstraditionen.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Buddenbrooks
Buch

Buddenbrooks

Thomas Mann

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:49:27 „die Buddenbrooks Weihnachten von Thomas Mann sind quasi die Auserzählung dieser ikonografischen Darstellung, wie die Luthers Weihnachten feiern“

Die Weihnachtsszene der Buddenbrooks wird als literarische Fortführung des lutherischen Familien-Weihnachtsbildes beschrieben

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📰
Artikel

Jens Jessens Text über Weihnachts-Folklore

Jens Jessen

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:49:27 „wie man an Jens Jessens Text sieht, ist es eigentlich, sagt der Rudolf, der seither durch Comics, Lieder und Filme tobt“

Ein Text von Jens Jessen, in dem er die Übernahme amerikanischer Weihnachts-Folklore wie das Rentier kritisch betrachtet

Zum Artikel bei Fj-witsch-rothmund.de
Verschwunden
Buch

Verschwunden

Silvia Bovenscheck

🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:54:24 „Es erinnert mich an einen tollen Absatz in einem Buch von der glänzenden Literaturwissenschaftlerin und Gegenwartsbeobachterin Silvia Boven, leider schon tot. Das Buch heißt, glaube ich, Verschwunden. Und da beschreibt sie so quasi als Ethnologin einen Moment produktiven kulturellen Missverständnisses.“

Ijoma Mangold empfiehlt eine Passage aus dem Buch der Literaturwissenschaftlerin Silvia Bovenscheck, in der sie ein japanisches Kaufhaus beschreibt, das zu Weihnachten einen Weihnachtsmann ans Kreuz genagelt hat – ein produktives kulturelles Missverständnis. Er nutzt diese Anekdote, um seine These zu illustrieren, dass Weihnachten ein Produkt von Cultural Appropriation auf jeder Ebene ist.

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