Die sogenannte Gegenwart – Was tun, wenn uns die Nachrichten überfordern
#076

Was tun, wenn uns die Nachrichten überfordern

Die sogenannte Gegenwart / 06. November 2023 / 17 Medien

Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod

Die Folge kreist um das Phänomen der News Avoidance: Immer mehr Menschen schotten sich bewusst von Nachrichten ab oder limitieren ihren Konsum drastisch — ausgelöst durch die Dauerkonfrontation mit Krisenbildern aus dem Nahen Osten und anderswo. Doch auch wer weiter scrollt, tut es zunehmend mit schlechtem Gewissen: Ist Echtzeit-Informiertheit ethische Pflicht, oder setzt man sich nur einem Chaos aus Infosplittern aus, das Verstehen eher verhindert als fördert?

„Ist es sozusagen einfach schlicht meine ethische Verantwortung, dass ich möglichst schnell in Echtzeit erfahre, was auf der Welt gerade los ist? Oder müsste ich mir mehr Gedanken darüber machen, dass ich auch verstehe, was da passiert?“
🗣 Lars Weisbrod

Erwähnte Medien (17)

Kompass für die Seele
Buch

Kompass für die Seele

Bas Kast

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:09:15 „die ich und die Juma mit diesem Bas Kast Buch über den Kompass der Seele“

Nina verweist auf eine frühere Podcast-Folge, in der das Buch besprochen wurde, im Zusammenhang mit Koffeinentzug und der Wissenschaft dahinter

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Der Ernährungskompass
Buch

Der Ernährungskompass

Bas Kast

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:10:30 „Auch in der Folge, die ich und die Juma mit diesem Bas Kast Buch über den Kompass der Seele, da stand auch nochmal, also es gibt immer eine akribischere Wissenschaft des Koffeinentzugs, habe ich das Gefühl.“

Nina Pauer verweist auf ein Buch von Bas Kast im Zusammenhang mit dem Thema Koffeinkonsum und dem Produkt 'No Coffee'. Sie erinnert an die These, dass man in den ersten 60 Minuten nach dem Aufstehen keinen Kaffee trinken solle, weil das körpereigene Cortisol sich von selbst hochfährt. Der genaue Titel wird etwas unklar wiedergegeben ('Kompass der Seele'), gemeint ist vermutlich 'Der Ernährungskompass'.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Werke über die koffeinfreie Gesellschaft
Buch

Werke über die koffeinfreie Gesellschaft

Slavoj Žižek / Robert Pfaller

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:12:22 „die Geschichte ist ja von Zizek und Robert Faller ja wirklich seit 20 Jahren auserzählt, wo immer gesagt wird, ja, wir leben in einer Gesellschaft, da gibt es nur noch koffeinfreie Cola Light“

Lars verweist auf die philosophische These von Žižek und Pfaller, dass die moderne Gesellschaft alles Toxische zu verbannen versucht, als Gegenargument zum entkoffeinierten Kaffee-Trend

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Mad Men
Serie

Mad Men

Matthew Weiner

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:16:27 „Ich musste auch sofort an was denken, was der geniale Matthew Weiner mal gesagt hat, der Erfinder von Mad Men und Chefautor. Als er mal gefragt wurde, wie man denn so ein genaues Period-Piece hinkriegt, dass das so aussieht, wie es damals aussah, hat er gesagt, naja, ein Problem ist, man darf sich nicht so sehr auf so Fotografien und Kataloge verlassen.“

Ijoma Mangold zieht eine Parallele zwischen der authentischen Vielmann-Werbekampagne und Matthew Weiners Arbeitsweise bei Mad Men. Weiner habe erklärt, dass man bei Period-Pieces nicht nur Katalogfotos vertrauen dürfe, weil Fotografen zu viel wegretuschieren – etwa den Kabelsalat der 90er. Mangold sieht in der Vielmann-Kampagne genau diese ungeschönte Authentizität verwirklicht.

🛒 Amazon * 📺 JustWatch ▶️ YouTube
Die Kunst des digitalen Lebens
Buch

Die Kunst des digitalen Lebens

Rolf Dobelli

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:21:31 „da gab es einen Text und später dann auch ein Buch“

Lars erwähnt, dass aus Dobellis Guardian-Artikel später ein Buch wurde, in dem er seine Argumente gegen Nachrichtenkonsum ausführt

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
TV total
Serie

TV total

Stefan Raab

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:21:32 „Erinnerst du dich, Stefan Raab auf seinem Höhepunkt Straßenumfragen mit irgendwelchen armen 17-jährigen Jugendlichen, die man vorgeführt hat, weil sie irgendwie nicht wussten, wer Bundeskanzler ist oder so.“

Lars Weisbrod beschreibt die frühere gesellschaftliche Haltung gegenüber Nachrichtenverweigerern. Als Beispiel für die Gleichsetzung von Uninformiertheit mit Dummheit nennt er Stefan Raabs berühmte Straßenumfragen, in denen Jugendliche mit fehlendem Allgemeinwissen vorgeführt wurden.

🛒 Amazon * 📺 JustWatch ▶️ YouTube
logo!
Serie

logo!

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:22:28 „Genau, dann hat man so verdonnert bekommen, deswegen auch diese, wie hieß denn das noch, diese Kindernachrichten, weißt du noch? Logo. Logo, genau. Das war dann so, da hat man dann vielleicht dann so verschämt mal hingeguckt.“

Im Rückblick auf die eigene Jugend und den pädagogischen Anspruch, Nachrichten zu konsumieren, erinnert Nina Pauer an die ZDF-Kindernachrichtensendung 'Logo'. Sie beschreibt, wie man als Kind eher widerwillig dorthin geschaltet hat, um der Pflicht zum Nachrichtenkonsum nachzukommen.

🛒 Amazon * 📺 JustWatch ▶️ YouTube
📖
Buch

Die Kunst des klaren Denkens / Stop Reading the News (Buch)

Rolf Dobelli

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:24:21 „Da gab es einen Text und später dann auch ein Buch, der Anlass für viele von diesen Debatten war. Es gibt diesen populären Schweizer Sachbuchautor Rolf Dobelli.“

Mangold erwähnt, dass aus dem Guardian-Artikel von 2013 später auch ein Buch wurde. Dobelli argumentiere in seinen Sachbüchern stets 'vulgär kognitionspsychologisch' – Nachrichten seien toxisch wie Zucker. Mangold sieht darin eine pseudowissenschaftliche Variante der esoterischen Nachrichtenverweigerung.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Stop reading the news
Artikel

Stop reading the news

Rolf Dobelli

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:24:34 „Es gibt diesen populären Schweizer Sachbuchautor Rolf Dobelli. Und der hat damals im Guardian so ein Manifest gegen Nachrichten geschrieben. Stop reading the news. Und da hat er gesagt, ich mach das sowieso schon nicht mehr. Alle Leute sollen den Nachrichtenkonsum einschränken.“

Ijoma Mangold ordnet den Diskurs um News Avoidance historisch ein und nennt Rolf Dobellis Guardian-Text von 2013 als zentralen Auslöser der Debatte. Dobelli habe darin gefordert, den Nachrichtenkonsum einzustellen, und dies 'vulgär kognitionspsychologisch' begründet – Nachrichten seien giftig fürs Gehirn. Mangold kritisiert diese Argumentation als inhaltsleer.

Zum Artikel bei The Guardian
Avoid News – Towards a Healthy News Diet
Essay

Avoid News – Towards a Healthy News Diet

Rolf Dobelli

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:25:56 „Also, damals schon, eigentlich sehr gegenwärtig, 2013, der Text ist auf Englisch, obwohl der Schweizer ist, sagt er, News is toxic to your body. Es ist wie Zucker, sagt er.“

Ijoma Mangold beschreibt Dobellis einflussreichen Essay von 2013 über News-Vermeidung, der mit pseudowissenschaftlicher Sprache über Cortisol und das limbische System argumentiert, dass Nachrichtenkonsum gesundheitsschädlich sei. Der Text bildet den Ausgangspunkt der gesamten Diskussion über News Avoidance.

Zum Artikel bei Amazon.de
Artikel über das Hamas-Screening
Artikel

Artikel über das Hamas-Screening

🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:33:33 „Es gibt einen Artikel im Atlantic zum Beispiel von einem Journalisten, der beschreibt, was dort passiert, was dort zu sehen ist in den Videos. Den Artikel können wir unten verlinken, aber da wirklich, ich bin ja der Letzte für Triggerwarnungen, aber da muss man wirklich eine Warnung davor setzen, ob man das wirklich durchlesen will.“

Ijoma Mangold verweist auf einen Artikel im Atlantic, in dem ein Journalist beschreibt, was auf den von der israelischen Armee gezeigten GoPro-Videos der Hamas-Terroristen zu sehen ist. Der Artikel wird als extremes Beispiel dafür diskutiert, wo die Grenze der Informationspflicht liegt – ob man sich solchen Detailbeschreibungen aussetzen muss.

Zum Artikel bei Theatlantic.com
Artikel über Hamas-Videos
Artikel

Artikel über Hamas-Videos

🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:34:08 „Es gibt einen Artikel im Atlantic zum Beispiel von einem Journalisten, der beschreibt, was dort passiert, was dort zu sehen ist in den Videos. Den Artikel können wir unten verlinken“

Lars beschreibt einen Atlantic-Artikel, in dem ein Journalist die Inhalte der GoPro-Videos von Hamas-Terroristen schildert, als Beispiel für die Grenzen dessen, was man sich als Nachrichtenkonsument zumuten kann

Zum Artikel bei Theatlantic.com
The Blair Witch Project
Film

The Blair Witch Project

Daniel Myrick, Eduardo Sánchez

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:36:06 „Aber es ist nicht immer der größte Schocker, wenn irgendwie, also beim Blair Witch Project, dem ersten Teil, habe ich mich weitaus mehr gefürchtet, weil man nur Dunkelheit und ganz am Ende was Kleines, Schemenhaftes gesehen hat. Als im zweiten Teil, wo es so Halloween-artig überall gespritzt hat.“

Nina Pauer nutzt den Vergleich zwischen dem ersten und zweiten Blair Witch Project, um zu illustrieren, dass das Angedeutete und Unsichtbare oft verstörender wirkt als explizite Darstellungen – eine Parallele zur Diskussion darüber, ob die textliche Beschreibung von Gräueltaten schlimmer sein kann als das Video selbst.

🛒 Amazon * 📺 JustWatch ▶️ YouTube
Book of Shadows: Blair Witch 2
Film

Book of Shadows: Blair Witch 2

Joe Berlinger

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:36:06 „Beim Blair Witch Project, dem ersten Teil, habe ich mich weitaus mehr gefürchtet, weil man nur Dunkelheit und ganz am Ende was Kleines, Schemenhaftes gesehen hat. Als im zweiten Teil, wo es so Halloween-artig überall gespritzt hat.“

Der zweite Teil des Blair Witch Project dient Nina Pauer als Negativbeispiel: Explizite Gewaltdarstellung erzeugt weniger echtes Grauen als das Angedeutete. Sie überträgt diese Beobachtung auf die Frage, wie detailliert man sich Nachrichtenbildern aussetzen muss.

🛒 Amazon * 📺 JustWatch ▶️ YouTube
Die Kunst des digitalen Lebens
Buch

Die Kunst des digitalen Lebens

Rolf Dobelli

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:43:38 „Was Dobelli 2013 angreift oder in seinem Buch, was dann später erschienen ist, ist noch gar nicht so sehr diese komplett crazy Social-Media-Welt, die du gerade beschreibst, sondern die News, die er so toxisch findet, sind die Tagesschau und die kühlen News-Nachrichten-Seiten.“

Lars Weisbrod verweist auf Dobellis späteres Buch zum Thema News-Vermeidung und merkt an, dass Dobelli darin noch die klassischen Nachrichtenformate wie die Tagesschau angreift – nicht die Social-Media-Welt, die inzwischen das eigentliche Problem darstellt. Das Buch wird mehrfach in der Diskussion als Referenzpunkt herangezogen.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Science
Artikel

Science

🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:44:10 „Er, also Dobelli, er konsumiert mit Ausnahme der Zeitschriften The New Yorker, Science und Nature, keine News, dafür umso mehr Bücher.“

Science wird als eine der drei Ausnahme-Publikationen genannt, die Dobelli laut eigener Aussage noch liest. Ijoma Mangold kommentiert, dass es sich dabei um wissenschaftliche Publikationen handelt, die eigentlich gar keine News im klassischen Sinne seien.

Zum Artikel bei The New Yorker
Nature
Artikel

Nature

🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:44:10 „Er, also Dobelli, er konsumiert mit Ausnahme der Zeitschriften The New Yorker, Science und Nature, keine News, dafür umso mehr Bücher.“

Nature wird zusammen mit Science und The New Yorker als eine der wenigen Publikationen genannt, die Dobelli sich noch erlaubt. Die Nennung unterstreicht Dobellis Position, dass tiefgehende Fachlektüre den täglichen Nachrichtenkonsum ersetzen solle.

Zum Artikel bei The New Yorker