Die sogenannte Gegenwart – Sind Romane besser als Klimakleber
#073

Sind Romane besser als Klimakleber

Die sogenannte Gegenwart / 25. September 2023 / 18 Medien

Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod

Warum behaupten so viele, es gebe keine gute Literatur zum Klimawandel — und warum stimmt das nicht? Anhand von T.C. Boyles Roman "Blue Skies" wird diskutiert, wie Kunst das Klimathema verhandeln kann, ohne in Betroffenheitsprosa abzugleiten. Der Bogen spannt sich von der Frage, warum der Klimaroman so schwer zu schreiben ist, bis zu den Aktionen der Letzten Generation und der grundsätzlichen Frage: Was ist eigentlich die richtige Kommunikation fürs Klima?

„Wir wollen darüber sprechen, wie schwer es ist, über den Klimawandel zu sprechen, ihn zu thematisieren, beziehungsweise noch spezifischer aufs Feuilleton gemünzt, warum so oft gesagt wird, es gäbe keine gute Kunst und Literatur zum Klimawandel.“
🗣 Nina Pauer

Erwähnte Medien (18)

Blue Skies
Buch

Blue Skies

T. C. Boyle · 2023

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:01:09 „Wir haben unter anderem ein wunderbares Buch gelesen, Blue Skies von T.C. Boyle, und fragen uns, warum das ein Beispiel ist oder wie das da gemacht wird.“

Nina Pauer stellt das Hauptthema der Folge vor: Warum gibt es angeblich keine gute Kunst und Literatur zum Klimawandel? Blue Skies wird als Gegenbeispiel angekündigt, an dem die beiden zeigen wollen, wie Klimawandel literarisch funktionieren kann. Der Roman soll im weiteren Verlauf der Folge ausführlich besprochen werden.

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Oh, wie schön ist Panama
Buch

Oh, wie schön ist Panama

Janosch

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:15:23 „Und so ein bisschen was hat das auch davon? Denn es hat ja diesen, oh, wie schön ist Panama-Effekt. Man zieht los in die Welt.“

Nina Pauer nutzt das Kinderbuch als Metapher für die Entwicklung der Unisex-Urinale: Man macht einen langen Umweg über Gender-Debatten, Urinellas und Flinter-Bereiche, nur um am Ende wieder bei der simplen Rinne zu landen, die es in Frankreich schon immer gab – genau wie in Janoschs Geschichte, wo Tiger und Bär losziehen und am Ende wieder zu Hause ankommen.

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Digital News Report 2023
Studie

Digital News Report 2023

Reuters Institute

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:21:28 „Also es gibt den aktuellen World Press Report von Reuters, da gibt es ja auch einen Teil über News Avoidance“

Studie über Nachrichtenvermeidung (News Avoidance) – als Beleg dafür, dass Menschen Klimaberichterstattung aktiv meiden

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Studie

Digital News Report

Reuters Institute

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:23:55 „Also es gibt den aktuellen World Press Report von Reuters, da gibt es ja auch einen Teil über News Avoidance. Und das sind Leute, die explizit sagen, also nicht nur ich limitiere meinen Nachrichtenkonsum, sondern ich will überhaupt nicht mehr, ich erweide das so aktiv, versuche ich nichts mitzukriegen.“

Nina Pauer zitiert den Reuters-Bericht als Beleg dafür, dass Klimathemen aktiv gemieden werden. Der Report dokumentiert das Phänomen der News Avoidance – Menschen, die bewusst keine Nachrichten mehr konsumieren wollen, besonders bei Themen wie Krieg und Klima. Das untermauert ihre These, dass es strukturell schwierig ist, Klimainhalte medial zu setzen.

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🎤
Rede

Interview/Live-Lesung mit Volker Weidermann

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:30:34 „Und er sagt in einem sehr schönen Live-Lesungsinterview, was wir auch unten verlinken mit dem Feuilleton-Chef Volker Weidermann, da ist er zu Gast, da sagt er auch, when I'm alarmed, I need to write a book to try to figure out how I think about it.“

Nina Pauer verweist auf ein Live-Lesungsinterview, bei dem T.C. Boyle zu Gast bei Volker Weidermann war und über seine Motivation sprach, aus persönlicher Betroffenheit in Kalifornien heraus Blue Skies geschrieben zu haben.

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Ein Freund der Erde
Buch

Ein Freund der Erde

T.C. Boyle

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:30:56 „Also er hat vor 20 Jahren ein Freund der Erde geschrieben, ein Science-Fiction-Roman, in dem er erzählt schon von der Versteppung der Welt und der langsamen Unbewohnbarkeit. Er hat sozusagen viel schon prophetisch an Extremwetter. Er hat, glaube ich, sogar eine Pandemie da drin.“

Nina Pauer erwähnt diesen früheren Roman von T.C. Boyle als prophetisches Werk, das bereits vor 20 Jahren Themen wie Versteppung, Unbewohnbarkeit und sogar Pandemien vorwegnahm. Boyle selbst bezeichne Blue Skies als 'Companion' dieses älteren Buches.

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RCE – Remote Code Execution
Buch

RCE – Remote Code Execution

Sibylle Berg

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:33:25 „Ich erinnere mich sofort an Sibylle Bergs letzten Roman RCE, Remote Code Execution. Wo auch das Essen von Insektenburgern, ja, also wo das Fleisch, Patty, durch Insektenfleisch ersetzt wurde, so eine riesige Rolle spielte.“

Ijoma Mangold zieht eine Parallele zwischen Blue Skies und Sibylle Bergs Roman, in dem Insektenburger ebenfalls eine große Rolle spielen – allerdings negativ konnotiert als Abstiegserscheinung der Gesellschaft. Der Vergleich zeigt, wie das Motiv des Insektenessens zu einem wiederkehrenden Topos in der Klimaliteratur geworden ist.

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Don't Look Up
Film

Don't Look Up

Adam McKay

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:43:24 „Wir haben hier über Don't Look Up mal gesprochen, über den Film, wo Leonardo DiCaprio, der ja ein globaler Erfolg war, dieser Film, wo Leonardo DiCaprio diesen verzweifelten Wissenschaftler spielt, auf den keiner hört.“

Nina Pauer erwähnt Don't Look Up als Beispiel für gelungene Klimakunst jenseits der Literatur. Der Film wird als Beleg angeführt, dass es entgegen der verbreiteten Klage durchaus erfolgreiche kulturelle Auseinandersetzungen mit dem Klimathema gibt. Die Parallele zum Motiv 'keiner hört auf die Wissenschaftler' verbindet den Film auch mit Blue Skies.

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Don't Look Up
Film

Don't Look Up

Adam McKay

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:50:25 „Also wir haben jetzt Don't Look Up genannt, den Film, der super erfolgreich war und an den man sich auf jeden Fall irgendwie für immer erinnern wird“

Als Beispiel für erfolgreiche Klimakunst genannt, die sich mit der fehlenden Reaktion der Gesellschaft auf den Klimawandel beschäftigt

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Antwort auf Bernd Ulrichs Klimaliteratur-Text
Artikel

Antwort auf Bernd Ulrichs Klimaliteratur-Text

Adam Soboczynski

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:50:25 „Das hat Adam Sobocinski, der auf den Text geantwortet hat von Bernd Ulrich auch gesagt. Naja, was will er mit dieser Kunst?“

Gegenartikel zu Bernd Ulrichs Forderung nach Klimaliteratur – hinterfragt, ob Kunst tatsächlich zu Aktivismus aufrütteln soll

Zum Artikel bei ZEIT Online
Artikel über Klimakunst im Feuilleton
Artikel

Artikel über Klimakunst im Feuilleton

Bernd Ulrich

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:52:23 „Und das wurde, hat ja auch Bernd Ulrich in diesem Text im Feuilleton gefordert. Und wenn du fragst, warum ist das so? Oder wenn wir uns fragen, warum wird denn trotzdem gesagt, wir haben einen riesig erfolgreichen Hollywood-Film, wir haben einen Bestseller, warum hält sich denn das so, diese Aussage, wann kommt denn endlich die gute Klimakunst?“

Nina Pauer bezieht sich auf einen Feuilleton-Text von Bernd Ulrich, der bürgerlichen Realismus als Erzählform für Klimaliteratur gefordert hat. Dieser Artikel ist der Ausgangspunkt der Debatte: Warum wird trotz existierender Klimakunst immer wieder gefragt, wo die gute Klimakunst bleibt? Adam Sobocinski hat auf Ulrichs Text geantwortet.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung
Antwort auf Bernd Ulrichs Klimakunst-Text
Artikel

Antwort auf Bernd Ulrichs Klimakunst-Text

Adam Sobocinski

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:53:17 „Das hat Adam Sobocinski, der auf den Text geantwortet hat von Bernd Ulrich, auch gesagt. Naja, was will er mit dieser Kunst? Also sollen wir uns jetzt alle so fühlen wie Bernd Ulrich, nämlich total alarmiert?“

Nina Pauer zitiert Adam Sobocinskis Replik auf Bernd Ulrichs Feuilleton-Text. Sobocinski habe die zentrale Gegenfrage gestellt: Was genau soll Klimakunst mechanisch bewirken – sollen alle Leser in Aktivismus übergehen? Diese Frage verdeutlicht für die Runde, warum der Topos 'wo bleibt die Klimakunst' sich hält.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Dune
Buch

Dune

Frank Herbert

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:53:22 „Ich kann nur wieder auf Dune verweisen. Wir hatten uns alle, doch du bestimmt auch, Nina, auf den zweiten Teil gefreut, der jetzt im Herbst ins Kino kommen sollte“

Als Gegenbeispiel für Klimaliteratur im Science-Fiction-Genre – zeigt eine umgekehrte Klimasituation, in der die Bewohner einen Klimawandel zur Abkühlung wollen

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Biedermann und die Brandstifter
Theater

Biedermann und die Brandstifter

Max Frisch

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:54:46 „Daniel Kehlmann hat bei uns in der Zeit für Kunst kurz darüber geschrieben, dass er, es ging, es war Frage an irgendwie Schriftsteller, welches Buch sie jetzt gerade nochmal lesen oder so und hat über Biedermann und die Brandstifter geschrieben und ich werde bis heute nicht vergessen, der allererste Moment, in dem der erste Brandstifter bei Biedermann zu Hause klingelt.“

Ijoma Mangold erinnert an Daniel Kehlmanns Text über Max Frischs Theaterstück, um zu zeigen, wie Literatur psychologische Mechanismen auf den Punkt bringen kann. Die Mischung aus Angst, Höflichkeit und Konfliktscheue, die Biedermann das Unheil in die Tür treten lässt, sei genau das, was auch beim Klimawandel passiert – und was Kunst sichtbar machen könne.

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Dune
Buch

Dune

Frank Herbert

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:56:21 „Ich kann nur wieder auf Dune verweisen. Einerseits könnte das Harry Potter der Klimakids werden, weil es so offensichtlich eine Geschichte darüber ist, wie ökologische Bedingungen und Politik bekämpft werden oder zusammengemixt werden und in einem Emanzipationskampf man die Macht herausfordert vor diesem ökologischen Background auf einem Planeten, der viel zu heiß ist.“

Ijoma Mangold plädiert für Science-Fiction als bessere Form der Klimaliteratur und nennt Dune als Paradebeispiel. Besonders interessant findet er, dass in Dune die Klimasituation auf dem Kopf steht – die Bewohner des Wüstenplaneten wollen einen Klimawandel, damit es kälter und grüner wird. Das vermittle einen komplexeren Begriff von Ökologie als der bürgerliche Realismus.

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Dune: Part Two
Film

Dune: Part Two

Denis Villeneuve

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:56:23 „Wir hatten uns alle, doch du bestimmt auch, Nina, doch auf den zweiten Teil gefreut, der jetzt im Herbst ins Kino kommen sollte, der jetzt verschoben wurde. Schade.“

Im Zusammenhang mit der Dune-Diskussion erwähnt ein Sprecher den zweiten Teil der Verfilmung, auf den sich alle gefreut hätten, der aber verschoben wurde. Der Film wird als Anlass genannt, warum das Buch gerade wieder so viel Aufmerksamkeit bekommt.

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Harry Potter
Buch

Harry Potter

J.K. Rowling

🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:56:35 „Einerseits könnte das Harry Potter der Klimakids werden, weil es so offensichtlich eine Geschichte darüber ist, wie ökologische Bedingungen und Politik bekämpft werden oder zusammengemixt werden.“

Harry Potter wird nur als Vergleichsgröße herangezogen, um das kulturelle Potenzial von Dune zu beschreiben. So wie Harry Potter eine ganze Generation geprägt hat, könnte Dune laut Ijoma Mangold das prägende Buch für klimabewusste junge Leser werden.

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Homo Faber
Buch

Homo Faber

Max Frisch

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:59:30 „Erinnern uns, ich weiß nicht, ob du es auch in der Schule gelesen hast, Homo Faber, der im Dschungel in Mittelamerika steht und als technischer Mensch es nicht aushält, dass diese lebendige Fäulnis, dieses Geborenwerden überall in den Sachen steckt.“

Ijoma Mangold zieht Max Frischs Homo Faber als literarische Parallele heran, um die Frage zu illustrieren, was 'schlechte Natur' eigentlich ist. Walter Fabers Ekel vor der wuchernden Dschungelnatur zeigt, dass die Bewertung von Natur als bedrohlich oder abstoßend immer auch eine Frage der menschlichen Perspektive ist – genau wie bei T.C. Boyles Beschreibung des faulenden Meeres.

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